Auch ich! Mein Nicker!

freagle

Mitglied
Hallo Herbert,

ich schließ mich den anderen an, wirklich gute Arbeit, da hast du dich wirklich ins Zeug gelegt mit dem Feilen und dann geleich ein IntegralMesser, alle Achtung.

Grüße freagle
 

AchimW

Mitglied
Nicker

Mann, Herbert, ich habe gerade erst dieses Thema gefunden (Compi-Problems). Jungejunge, da haste dir aber was angetan! Das Ergebnis finde ich allerdings sehr gelungen und ich bin mal gespannt, wie der Nicker aussieht, wenn er fertig ist. Olivenholz als Griffmaterial? Sehr elegante Wahl. Vor allem ist das für den Küchen- und Hausgebrauch ein prima Holz, da es der Feuchtigkeit bestens wiedersteht und mit Olivenöl gepflegt werden kann.
Was wird denn jetzt mit Härten? Da Du das Ding schon sehr fein geschliffen hast, mußt Du wohl jemanden finden, der Salzbad oder Schutzgasofen benutzt. Nicht einfach. Folie geht nicht, wegen der kurzen Zeit, die zum Abschrecken zur Verfügung steht. Ich persönlich würde ein Messer aus einem niedriglegierten Stahl allerdings immer selektiv härten. Dabei würde es wohl wieder eine dünne Zunderschicht bekommen, aber die mechanischen Qualitäten sind einfach besser.
Zu 100Cr6 (1.3505) hättest Du mich mal fragen können. Aber nur bei genügend Geduld beim Feilen. Ich hab das als 30er Rundmaterial! :D Wird aber demnächst 'runtergewalzt.

@Leonardo: Ich bin in Würselen, wo in Aachen bist denn Du??

Gruß,

Achim
 

Leonardo75

Mitglied
Wohnort

Hallo Achim!

Ich wohne in meiner kleinen Studentenbude (leider viel zu klein für eine richtige Werkstatt) in Aachen Zentrum, nähe dem Ponttor. Ein alter Vermieter von mir, Herr Prasse, kam auch aus Würselen.

Die Welt ist doch erstaunlich klein.

Viele Grüße sendet Dir der Leo.
 
Zuletzt bearbeitet:

herbert

MF Ehrenmitglied
Hallo, AchimW! Danke für die Blumen.
Ich habe was das Härten angeht in der Tat an Salzbad gedacht, habe auch vier Härtereien angemailt, zwei haben mir bestätigt, dass sie das machen und können auch selektiv. Und claymore hat mir ein paar Vorschläge gemacht. Werde das ganze mal in Ruhe überdenken.
Was 100 Cr 6 angeht, und zwar als 3505, da bin ich schon ganz wild drauf. Vielleicht wenn das heruntergewalzt ist? zur Not würde ich aber auch Rund nehmen. Ich kann Dir auch gerne was von dem 2842 abgeben, Stücke sind 1000 x 40 x6.

Und wir sind schon gespannt auf Bilder von Gembloux. Für mich ist November immer schwierig, viele Familienfeiern, Geburtstage und so.
Aber demnächst. Und ich denke, im Frühjahr wurde ich gern mal bei Dir vorbeisehen, vielleicht mit Leonardo? Rufen vorher an. Vielleicht gibts ja auch ein Hammer in in AC?
Bis dahin erst mal ein schönes Wochenende!
 

AchimW

Mitglied
Stahl

Danke für das Angebot, aber ich hab noch so etwa 75 Kilo 1.2842, den ich als Monostahl überhaupt nicht mag, der aber prima zum Schweißdamast herstellen taugt. Im Frühjahr werden wir in einer konzertierten Aktion wohl den gesamten Bestand zu Damast verarbeiten. Wir haben dann Zugang zu einer 160 t Presse und einem Walzwerk. Hähä.

Ich sag Bescheid, wenn die Walzaktion gelaufen ist. Kein Problem, davon ein Stück zu bekommen. Was zum Tauschen findet sich immer.

Treffen können wir uns gerne mal. Ab Januar habe ich auch wieder reichlich Zeit. Über ein zweites Hammer-In in Aachen denken wir schon nach. Das Erste war im Oktober 2000. Mal sehen.

Gruß,

Achim
 

herbert

MF Ehrenmitglied
mein Nicker - es geht weiter

So, nach einer kleinen Zwangspause gehts weiter. Heute habe ich den Nicker bei der Härterei meines Vertrauens abgeholt. Anwärmen, Austenitisieren, Salzbadhärten, Warmbad, Anlassen, alles mit dem Härter durchdiskutiert. Zielvorgabe: 59 Hrc bis 60 HRC im Mittel.

Also: Messungen auf dem Messererl ergaben 60 61 61 61 61 HRC, und in meinem Beisein auf dem Zeugenstück nochmals 61.
Jetzt muß ich das Teil noch schleifen. Einzelheiten zu allem teile ich noch mit, ich wollte auch noch mal ein Gefügebild im gehärteten und angelassenen Zustand machen lassen.

Ich denke mal, dass die Härte für so ein kleines Nickerchen voll in Ordnung ist.

soll ein richtig scharfes Teufelchen werden.....
 

luftauge

Mitglied
... Härterei des Vertrauens...

Moin Herbert !

Kann es evtl. sein, dass es die Härterei des eigenen Vertrauens soo gar nicht gibt, bzw. dass es sich nur um ein "geflügeltes Wort" handelt?
Wenn Du Deine Wunschhärte nicht bekommen hast, vermute ich, dass das Messer als eins von vielen Härtestücken in der Charge gelegen hat, und alle Teile auf diese Härte gebracht wurden ... :rolleyes:
Vor Kurzem hatte ein Forumianer etwas änhliches von seinem D2-Messer berichtet: 61 statt 59 HRC wie geordert (Floppi, Tobse oder FlamingMoe {ich weiß gerade nicht, wer es war}).

Da Du vorher alles ziemlich weit durchdacht hattest, bist Du nach der Härteprüfung jetzt hoffentlich nicht zu sehr geknickt.

Gruß Andreas/Luftauge
 

Leonardo75

Mitglied
Härte behalten oder erneut anlassen

Hallo Herbert!

Es freut mich, dass Deine Klinge das härten so gut überstanden hat (nicht nur für Dich :D). Läßt Du sie denn auch nochmal zu Hause im Backofen an, um auf Deine Wunschhärte zu kommen, oder bleibt es bei 61 HRc?
Also dann mal bis zum Schmiedetreffen bei Markus, vielleicht sehe ich dann ja Deinen Nicker schon in natura mit der Olivenholzbeschalung.

Viele Grüße sendet Dir der Leo.
 

freagle

Mitglied
Hallo ,

ich weis manchmal garnicht was ihr wollt, ist doch eigentlich völlig schnuppe, ob die Klinge z.B. eines D2 Messers nun 59-60 oder 61 HRC hat, ich denke das es da nur unmerkliche Unterschiede gibt, davon merkt man nichts. Wichtiger sind doch vielmehr die Legierung, die das und das leisten kann wenn sie korrekt wärmebehandelt wurde, die Härte ob nun 1 Grad mehr oder weniger spielt doch eher eine untergeordnete Rolle oder?

Grüße freagle
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Exakt, floppi. Ich bin nämlich gar nicht so unglücklich über die 61 HRC. Ich hatte vor Weihnachten noch mit "Der Härterei meines Vertrauens" gesprochen, und der Meister sagte mir, er würde an meiner Stelle mal abwarten, wie hoch die Ansprunghärte ist, und mit einer Anlaßbehandlung von 220° 2 Stunden fortfahren. Dann hat man ein ordentlich angelassenes Gefüge, und die Härte könne dann bei 59 liegen oder auch darüber, und die Hauptsache sei nun mal, dass alles sorgfältig durchgeführt werde. Natürlich würden die mit anderen Teilen aus dem gleichen Stahl gehärtet, aber die Anlaßbehandlung richte sich nach der Ansprunghärte. Auf jeden Fall nicht zu niedrig anlassen, das führe zu einem schlechten Gefüge. Und wenn der Stahl gut anspringe, dann könne man ja 60 anpeilen, das müßte super für ein so kleines Messer sein, auch wenn man dann ein bisschen herumschleifen muss. Ich habe ihm das ok gegeben, und alles sieht sehr ordentlich aus. Läßt sich übrigens jetzt hervorragend polieren, auch von Hand mit Schleifpapier.
Also, insofern denke ich mal, das hat hingehauen. Ich lass demnächst mal das Zeugenstück auf Gefüge untersuchen, dann sehen wir ja, was es damit auf sich hat.
Jedenfalls liegt die Härte auf der Kurve für die Richtanalyse, und das beruhigt mich ja auch ungemein.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Härterei des vertrauens

Ach ja, aufgrund der Diskussion, die ich eben geschildert habe, aber noch nicht gepostet hatte, bleibt die Härterei in der Tat die "Härterei meines Vertrauens". Die machen nix einfach so, sondern reden drüber, vorher natürlich. Und das ist gut.
Ich habe also meine Zielvorgaben angepaßt, und ich denke, es hat sich gelohnt.

Was die Härteschwankungen überhaupt angeht, so muß man schon mit einer Spannbreite leben, die

a) aufgrund der Meßstreuungen sich ergibt (so um die plus minus 1,5 HRC)

b) aufgrund der erlaubten Schwankungen der Werkstoffzusammensetzung

c) der Prozeßführung.


Alles in allem bin ich zufrieden.
 

luftauge

Mitglied
@ Herbert :

Um ehrlich zu sein, hatte ich erwartet, dass Du das Messer als "Einzelstück" einer Sonderbehandlung unterziehen lassen wolltest, darauf hatte ich den Begriff "Härterei des Vertrauens" bezogen.
Is natürlich nicht machbar, in einem gewerblichen Betrieb, weil auch andere, grössere Kunden bearbeitet werden.
Ein Hobbymessermacher ist wohl eher für die Portokasse, und man muss wohl zufrieden sein, wenn der Rohling mitbearbeitet wird.

@ freagle :

Mir persönlich käme es auf 1-2 Grade wohl auch nicht soo genau an, nur wenn ich alles genau plane, und dafür bezahle, wäre ich wohl etwas enttäuscht, wenn die Wunschwerte nicht erreicht werden.
Aber da hilft nur eins : selber machen, und da fangen die Probleme wieder an, somit ist wohl der sichere Weg über die Härterei mit + 1-2 HRC der bessere Kompromiss.
Und auch die Profis stecken nun mal nicht drin.

Gruß Andreas/Luftauge
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
Und in Herbert's Fall kommt hinzu, daß diese dünnen Querschnitte im Allgemeinen bei den Standard-Austenitisierungstemperaturen (was für ein Wort) eine höhere Ansprungshärte haben als die dickeren Standardteile. Das würde eine höhere Anlaßtemperatur bedeuten, um tiefer zu kommen. Da schon mit 220°C angelassen wurde, würde man mit einer höheren Temperatur in den Bereich der Blausprödigkeit kommen, was sicher nicht wünschenswert ist. Also niedriger austenitisieren? Und damit nicht vollständig umwandeln? Dann doch wohl lieber eine etwas höhere Härte.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Günter hat es genau auf den Punkt gebracht.
Luftauge, das ist nämlich das Problem.
Am liebsten würde ich das an einer Hochschule gehärtet haben, nämlich erst an Proben das Optimum bestimmen, dann los. Aber da hat sich leider kein kompetenter und williger finden lassen. Selber Härten geht bei mir nicht, die Sache in der Flamme ist mir persönlich zu undefiniert, drum hab ich mir jemand gesucht, den ich persönlich aufsuchen kann. Ich weiß, dass Leute wie roman oder auch andere das im Griff haben, das Problem bei mir ist aber, dass ich da zu wenig praktische Erfahrung habe. Ich weiß wies geht, aber nicht, was man machen muss, sozusagen.
Und das was Günter sagt, ist das, was der Härter auch meinte. Ich hatte ja offen gesagt dem 2842 beim Salzbadhärten diese Härte nicht zugetraut, aber der Härter sagte mir, dass er oft für Firmen kleine Abmessungen härtet in diesem Stahl, und dass man auf prima Werte kommt.
Und die Gefahr, die Günter erwähnt hat, dass man mit geringerer Austenitisierungstemperatur nicht richtig umwandelt, habe ich aus den ZTA-Schaubildern auch ersehen, und davon Abstand genommen. Und beim Anlassen mich auf die Kompetenz des Härters abgestützt und meinen eigenen Unwillen, bei Temperaturen im Bereich der Versprödung ein Risiko einzugehen. Aus der Ansprungshärte war ja zu ersehen, dass man auf keinen Fall zu weich werden würde. 60 HRC hatte mir der Härter vorhergesagt. Insofern: nicht schlecht. Spricht für die Erfahrung dieses Mannes, denk ich mal. Ich werd da häufiger hingehen, demnächst. Und der ist sehr wißbegierig. Hab mich 2 Stunden über Stahl und so unterhalten, bis weit in den Abend hinein. Und der ruft auch zuverlässig zurück, wenn man ihn nicht selbst erwischt.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
@luftauge: ach so, ja, bei einer Zielvorgabe 59 bis 60 im Mittel ist 61 eigentlich voll in Ordnung, nicht dass wir uns da missverstehen. Ich hätte das ja wie gesagt dem Stahl im Salzbad nicht unbedingt zugetraut, und wollte da lieber nicht an die Grenze gehen. Andererseits eben wegen der hohen Anlasstemperatur auch nicht tiefer. Dass es so herauskam, halte ich für einen Erfolg, nicht für einen Misserfolg. Ich glaube, ich hatte Dich da falsch verstanden.
Roman brummt dem Stahl auch ca. 61 HRC auf, das macht für kleine Messer, die man nicht schlagend benutzt, durchaus Sinn. Ich werde mal berichten, wie sich das Schleifen anlässt.....
Schaun wir mal.
Und Du hast Recht, man muß Glück haben mit der Härterei. Wenn man die Klingen einfach hinschickt, muß man echt froh sein, das sie mit durchlaufen. Dann würde ich sie lieber jemand anvertrauen, der gute Kontakte hat, Günter, oder Wolf Borger, oder die Härterei Wallner in München, die bereits gute Punkte hier gemacht hat. Aber die großen, die ich angeschrieben habe, wollten das nullachtfuffzehn Programm abspulen und sich gar nicht mit mir unterhalten. Wenn Du in Deiner Nähe einen kleinen Lohnhärter finden kannst, und ihn mal besuchen kannst, dann hast Du echt mehr davon. Laß ihn ein paar Probestücke machen, und dann siehst Du was er kann und wie er die Sache angeht. Wenn Du Zweifel hast, maile mich an, oder stelle die Frage im Forum, wir alle finden da schon einen Weg.
 

luftauge

Mitglied
Mahlzeit !

@ Guenter und Herbert :

Kein Thema !

So weit ist alles klar, und die Problematik ist bekannt. Das war u.A. der Grund für meine "Härtefragen", die Ihr ausführlich beantwortet hattet.
Ich würde meine Rohlinge auch nicht an meine ex-Kollegen aushändigen, obwohl es 1a Werkzeugmacher der alten Schule sind, auch wenn der neue Härteofen "idiotensicher", shatter+waterproofed sein sollte, denn ich weiß, wie die Kollegen härten - sie sind eben keine Härter sondern können auch härten.

Das fing schon bei der Härtetemperatur von 2842 an, das Spektrum reichte von 750 - 850°C, und der Stahl wurde vom Einschalten bis zum Abschrecken erwärmt, und Haltetemperatur bei grösseren Querschnitten musste man gar nicht erst hinterfragen, obwohl es im Tab.-Buch Metall eindeutig geschrieben steht, jeder Geselle hatte da seine eigene Methode, und Hinweise auf das TBM wurden mit Abzügen in der Haltungsnote "bestraft" :rolleyes:

Und als Misserfolg hätte ich Dein Ergebnis auch nicht angesehen, das wäre wenn die Klinge gerissen wäre, o.ä.
Wichtiger ist, dass die Wärmebehandlung korrekt durchgeführt wird, und da gibt es wohl keinen Besseren, als einen Härter in einer Härterei.

Aber wenn Du die Möglichkeit am Arbeitsplatz hast, dann würde ich an Deiner Stelle nicht lange fackeln, und dort Härteversuche machen, lohnt sich bestimmt !

Gruß Andreas/Luftauge
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Hallo, Luftauge, das sind ja wirklich traurige Erfahrungen, die Du da gemacht hast. Du hast Recht, bloß nicht abheben auf Leute, die AUCH Härten, sondern wirklich auf Profis, für die es ins Geld geht, wenn die Sache schiefläuft. Leider arbeite ich nicht an der Hochschule, sondern habe nur noch Kontakte dorthin. Und richtig Härten kann dort eigentlich auch keiner mehr, traurig traurig.

Ich hab deshalb in der Tat die Suche nach einem "HÄrter meines Vertrauens" betrieben, der gewissermaßen als "Überzeugungstäter" den Wert der Arbeit in einem selbstgefeilten Messer versteht und das ganze als Herausforderung sieht, es in seinen normalen Prozeß einzubetten und trotzdem etwas Gutes dabei herauszuholen. Ich hatte früher in meinen früheren Berufstätigkeiten viel mit Härtereien zu tun, und dabei herausgefunden, dass es da die "Alten" mit den kleinen Notizbüchern in der Kitteltasche gibt. Hier habe ich einen "einigermaßen Alten", dem der Betrieb selbst gehört und der von Nischenprodukten lebt. Und die Sache mit dem Messer hat ihm imponiert. Meine Klinge und eine für Leonardo75 (die handwerklich übrigens exzellent ist) sowie das Weichglühen eines Damastnickerrohlings von Markus Balbach (ich will nämlich auch so ein feines Teil haben wie Günter es neulich hier gezeigt hat).

Insofern lohnt es sich, die Mühe aufzuwenden, sich jemand zu suchen, der interessiert ist. Klar, die großen im Bergischen und in der Gegend hier um Köln hätten mir das auch gemacht, für viereckiges Geld mit Rechnung und anonym als Massenteil, ohne Gewähr und so weiter.

Wichtig ist auch, dass der Härter seine Grenzen kennt und nicht meint "das kriegen wir alles hin, wir haben schon ganz andere Sachen hart gekriegt". Klar, alles kriegt man hart, aber wie sagt roman immer so schön: es kommt drauf an, mit welchem Gefüge man die Härte bereitstellt.
Ich bin von Beruf Werkstoffkundler, aber beim Härten laß ich mich gerne von Praktikern beraten, da ich, wie schon gesagt, weiß was man tun muß, aber nicht wie.

Und im Laufe der Jahre hab ich herausgefunden, welche Betriebe einen gut beraten und bedienen. Die haben manchmal an sowas auch Spaß, wenn die ihren Senf dazutun können statt immer nur kg-weise Standardsachen zu fahren.

Der persönliche Kontakt ist da wichtig.

Und was die Sonderwärmebehandlung angeht, so habe ich mir alle möglichen Sachen zu 2842 besorgt, unter anderem auch die Zeit-Temperatur-Austenitisierungs-Schaubilder besorgt und weitere Daten, aus denen man Aufheizgeschwindigkeit, Haltedauer, Austenitisierungstemperatur, Abkühlparameter, resultierende Karbidgehalt und resultierende Korngrößen ermitteln kann. Und da sah man, daß in der Tat die sogenannten Standardwerte sehr gut liegen. Allerdings sind die Empfehlungen auch viel enger als die große Spannbreite, die Du genannt hast. Es wird hier von 820 bis 840 Grad gesprochen, also 830 im Mittel.

Ach so, und was die Messungen der HRC angeht, so entspricht 1 Punkt in diesem Niveau etwa einer Eindringtiefendifferenz des Eindringkörpers von 0,02 mm.

Die Standardwärmebehandlung hat in der Tat eine korrekte Umwandlung und ein niedriges Karbidniveau bei kleinem Korn zur Folge. Na, werden wir auch sehen, hoffe ich, wenn ich die Gefügebilder habe. Mal sehen, wann mir jemand die mal preiswert macht.

Demnächst kommt der Griff dran, dann sehen wir weiter, und dann muß ich das Teil noch schaft bekommen. Da brauche ich sowieso Eure Hilfe, Leute.
 

luftauge

Mitglied
Mahlzeit !

Soo traurig fand ich das gar nicht :

Wenn man seinen Altgesellen lang genug Löcher in den Bauch fragt, zeigen sie einem irgendwann, was man wissen will. Es ist nur etwas ernüchternd, wenn man zum Facharbeiter ausgebildet wird, mit dem Wissen, dass im TBM eigentlich alles drinsteht, aber die alten Hasen frei nach Schnauze härten.

Denn :
Nach einiger Zeit gaben sie mir teilweise ihre Härteteile, nachdem sie bemerkten, dass mich das Härten interessiert, meine eigenen Teile (auch meine Klingen) habe ich grundsätzlich selbst gehärtet, und zwar nach TBM.
Dabei habe ich auch versucht, die Haltezeiten entsprechend der Werkstückdicken (Zugaben pro mm in min) genau einzuhalten.
Allerdings hatten sie auch keine Lust, sich am Härteofen die Beine in den Bauch zu stehen, weil es eben eine verantwortungsvolle Tätigkeit ist, die auch zeitintensiv sein kann.
Wobei man berücksichtigen muss, das wir nur einen alten Härteofen hatten, und ein 200l Ölfass mit Härteöl auf Raumtemperatur zum Abschrecken, das reichte nur zum Ällernötigsten.

Leider habe ich nur Erfahrungen mit Ölhärtungen sammeln können (meistens 2842), und bin durch falsch informierte Kollegen unwissentlich mit "guten Ratschlägen geholfen" worden, und habe verzogene Klingen erhalten.

Und was Guenter zum Thema Werkstückdicke sagte, hatte ich gar nicht mehr bedacht, denn nicht nur der Zweck sondern, auch die Werkstücke selbst geben die Fertigungsgrenzen vor.

Gruß Andreas/Luftauge
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Endlich fertig, das Ding

So, Leute, mein Nicker ist am Wochenende fertig geworden. Endlich. Hat ja lange genug gedauert. Leider habe ich die Olivenholzgriffschalen vergeigt, da bin ich spontan umgestiegen auf Pink Ebony. Ist ja auch nicht schlecht, nicht ganz so charaktervoll wie Olivenholz, aber na ja. Und da die Maserung sehr dezent ist, wollte ich das Gesamtbild nicht stören und habe nur ein Nietloch benutzt. Das in der Mitte. Dezent und so.
Der STeckbrief:

Länge über alles 195 mm
Klinge 92 mm
Gewicht 100g (genau, ich bin baff)
Stahl: 1.2842 = 90 Mn Cr V 8 (O2)
Härte: 61 HRC (Wow!)
Maschinen: keine außer Bohrmaschine für 4 Löcher

Aus dem Stahl 6 mm dick 40 mm breit gefeilt. Finish mit 1000er Papier, in der Endphase mit WD 40. Sonst nix.
Ist ein Gebrauchsmesser, daher nur Längsfinish mit Papier, keine Politur. Niet und Fangriemenrohr aus messing. Zwischen Griffschalen und Erl 0,5 mm schwarze Vulkanfiber, und die Verklebung zwischen der Vulkanfiber und dem Erl selbst mit JB Weld (Danke, AchimW). Sieht super vornehm grau aus, erst das blanke Metall, dann vornehm grau, dann schwarze Vulkanfiber, dann das pink Holz, viel pinker als auf dem Bild unten, echt schön. Ich bin begeistert. Dann mit Lansky den Schliff angebracht (2 Stunden! Tja, 61 HRC eben). Und die Fase ist sehr gleichmäßig, hab also ganz schön eben gefeilt (Danke, Günter, der Tipp mit dem draw filing ist Klasse).
Das Teil schneidet wie Seuche. Schneidenwinkel? na, so 24°. Hab mich nicht auf Lansky verlassen, sondern auf meine Schieblehre und den Taschenrechner. Tangens und so. Und da es ein Gebrauchsmesser ist, kriegt das keine Spiegelpolitur, bleibt so.
Erste Tests:
Unterarmhaare: kein Problem
Papier: siehe oben
Knoblauch: sauber
Finger: Klasse (autsch)
Luftgetrocknete Salami und Ardenner Schinken: geil
Ihr merkt, ich bin hin und weg, mein erstes selbstgebautes Messer. Ein Mann muß kein Haus bauen und Baum pflanzen und so, neee, ein Messer muß er machen!!!!!!!!!!!!!

So, jetzt aber ein Bild, und leider kommt die herrliche Farbe nicht so raus wie in Natur.
Und noch was: Ohne Eure Anregungen und ohne Euren Zuspruch und vor allen Dingen ohne HankErs Tutorials hätte ich mich nie rangewagt, und ohne AchimW und Günters Tipps hätte ichs nie beendet, und Leonardo75 hat mir einiges übers Schärfen geflüstert. Ihr seid alle mein Untergang!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Aber ich habe jede Sekunde genossen, Leute!!!!!!!!!!!!!!!!!!
 

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