Rennofenreise in Luxemburg

sanjuro

Mitglied
Unsel/Romain hatte im Rahmen des BEALTAINE-Keltenfests in Neuhäusgen zur historischen Eisenverhüttung gerufen, und ich bin gefahren.

Es war außerordentlich interessant. Romain hatte alles ausgezeichnet organisiert und eine Menge Arbeit geleistet, um dieses Event zu ermöglichen. Stromausfälle und ein Platzregen mit Böen konnten gute Ergebnisse nicht verhindern, so dass am Ende fünf Luppen im Gesamtgewicht von ca. 40 kg zu bewundern waren.

Neu, aber mit traditioneller Funktion, war ein Zwillingsofen aus Steinen, der mehrfach verwendet werden kann, sowie ein 'Hobbit'-Ofen, der bei einem Innendurchmesser von etwa 150 mm nur einen Meter hoch war und dennoch einen Wirkungsgrad von ca. 17% Eisenausbeute erbrachte.

Alle Ofenreisen wurden dokumentiert und wissenschaftlich überwacht.

Details bitte bei Romain erfragen.

Gruß

sanjuro
 
G

gast

Gast
Hallo,

Tja die Wetterfee war gegen uns.
Aber wir haben der Dame getrotzt mit Luppen zwischen 10 und 13 Kg pro Ofenreise in diesem Experimental Zwillingsofen, an dessen rechten Seite Messungen vorgenommen wurden.
Dann gabs noch an beiden Tagen jeweils einen kleinen Lehmofen mit jeweils 3,5 Kg Ausbeute
.....

Verhüttet wurde hauptsächlich ein einheimisches Rasenerz welches ich erst kurz vor dem Bealtainefestival entdeckte. Es stammt von einem Platz an dem es schon zur Gallorömischen Zeit gesammelt wurde.

Es war wie bereits erwähnt sehr angenehm mit Gerlianne/mo Chuisle, Christine, Jean/Sanjuro, Oliver/Mythbuster, und Armin/ Azwo zusammen zu Arbeiten.

Gruss Rom.
 

Rafail

Mitglied
Tja, schade dass es diesmal nicht geklappt hat... :(
Einige Bilder sind arg klein geraten und nur im Thumbnailformat..?

Gibt es zu dem Zwillingsofen irgendwelche Literatur oder weitere Berichte?


Grüße,
Rafail
 
G

gast

Gast
Hallo Raphael,

Ich habe irgendwo mal gelesen dass man die Basis eines Zwillingsofens ausgegraben hat, müsste aber arg suchen.
Dieser Zwillingsofen ist auf meinem Mist gewachsen da ich mir dachte dass die Energieausbeute günstiger wäre, und es mir in Zukunft darum geht im Rennofen im Schnitt eine definierte Qualität herzustellen das heisst bei gleichbleibenden Abmessungen durch unterschiedliche Parameter ( Wind, Chargen und Düsenwinkel) jeweils pro Luppe mehr oder weniger Kohlenstoff vorhanden zu haben.

Berichten über diesen Zwillingsofen sollten wir Oliver überlassen, der musste sich schliesslich damit rumplagen.
Ps Die zu kleinen Bilder werde ich , wenn ich sie auf dem Stck habe durch grössere ersetzen. Auf dem letzten Bild verschweisse ich eine Luppe aus einer eher sehr mager ausgefallenen Ofenreise, an welcher ein unbekanntes fremdländisches Erz schuld ist zu einem Minispitzbarren.

Gruss Rom.
 

MythBuster

Mitglied
Hallo,

das war ein sehr anstrengendes aber super erfolgreiches Wochenende. :super:Erfolgreich war die Sache nicht nur auf Grund der hohen Eisenausbeuten von bis zu 25%, sondern vor allem weil die verschiedenen Ofenreisen auch sehr gut zu den theoretischen Vorraussagen passten. Die ein oder andere Unstimmigkeit mit der Wetterfee konnte uns den Spaß auch nicht verderben.
Ich möchte mich hier ganz herzlich bei Romain bedanken, dass ich bei so einem perfekt organisierten Ereignis dabei sein konnte. Aus eigener Erfahrung weiß ich wieviel Arbeit und Nerven eine solche Veranstaltung kostet. Auch mit allen anderen hat die Zusammenarbeit sehr viel Spaß gemacht; nur leider verging die Zeit wieder mal viel zu schnell.
Zur Aufarbeitung lasst mir noch etwas Zeit, ich stecke noch mitten in der Aufbereitung der Analysen und Messergebnisse. Ich werde aber in Kürze einige interessante Ergebnisse zeigen können.

Gruß

MythBuster
 

pit03

Mitglied
Hallo Romain und alle anderen,

schön das Ihr mal wieder was in sachen Rennöfen veranstaltet habt.
Die Ausführungen und Ausbeute sind ja schon sehr gut.
Ich bin mal auf die weiteren Berichte und Analysen gespannt.

Und zur Inlo: Eien weiteres Rheinisches Rennfeuertreffen wird es dieses Jahr nicht geben, da ich Gesundheidlich sehr angeschlagen bin.

Gruß vom pit03 (Peter Broich).
 

Torsten Pohl

Mitglied
Nabend

mich Interessiert vor allem der kleine Lehmofen hast du da mehr Infos bezüglich aufbau Luftzuführung etc: und vor allem Bilder???
Der sieht so aus als würden meine Nachbarn einen solchen überleben:D:D

Tschau Torsten
 

Timm

Mitglied
"Leider ist dieses Video, das Musik von SME beinhaltet, in Deutschland nicht verfügbar, da die GEMA die Verlagsrechte hieran nicht eingeräumt hat. "
Ich dachte, dass es sich inzwischen rumgesprochen hat, dass man Musik nicht so einfach ungefragt irgendwo einmixen kann... :hmpf:

Wäre toll wenn du es nochmal ohne einstellst.

Danke und Gruß,
Timm
 

MythBuster

Mitglied
Hallo,

hier erst mal ein Bericht zu unserem einzigen Misserfolg am letzten Wochenende.
Unter den tausend Erzen die Rom vorbereitet hat haben wir in der Hektik der Vorbereitungsphase zielsicher das schlechteste ausgewählt. Rom bezeichnet es als Bändererz, wir hatten auch eine Analyse davon, aber wir haben es schlichtweg nicht auf die Reihe gebracht diese anzuschauen. Denn ein Blick hätte genügt, um zu sehen, dass es nur 51% FeO hat, also viel zu schlecht für einen Rennofen.
Nach ca. 2h und 9 kg Erzaufgabe kam dann das Unvermeintliche, die Düse setzte aufgrund der super zähen Schlacke zu und wir mussten den Ofen aufbrechen. Wir haben aber sogar noch ein mini Lüppchen von ca 1kg gefunden, das Rom dann zu einem Spitzbarren im Anhängerformat ausschiedete.
Die Schlacke war schon glasig grün, ich hab zwar keine Analyse gemacht, aber ich schätze sie so auf 35% FeO-Gehalt. Ein Vergleich mit einem Schlackemodell von Urbain zeigt, dass sie eine Viskosität von ca. 10000mPas haben müsste, was gut mit der Realität übereinstimmt. Dass bei diesem Run überhaupt was rauskam ist sicher nur Rom´s hoher Ofenkonstruktion (1.7m) zu verdanken.
Gefahren haben wir den Ofen mit einer Luftbelastung von 0,7l/(min cm^2) also mit ca. 360 l/min was einem Kohleverbrauch von 80g/min entspricht. Geblasen wurde mit einem von Rom´s Monstergebläsen das stark eingedrosselt wurde. Der Ofen wurde aus Schamotte Steinen aufgebaut, mit sandigem Lehm verputzt und hatte die Innenmaße von 22x22cm^2.

Weiteres folgt...

MythBuster
 
G

gast

Gast
Hallo allerseits,

Nach einem Kraftakt an erhöhter Esse voller Holzkohle, sowie meinem Trethammer, habe ich nun Mo Chuisle s 3,5 Kg Luppe zu einem kompakten Barren verschweisst.
Das war eine Mordsmurkesrei. Ich werde sie also jetzt unter meinem Federhammer weiter zu Stangen Schmieden können.

Ich möchte euch eigendlich nicht mit leutseligen Geschichten unterhalten, sondern mache mir Gedanken wie ich denn nun die 11Kg Luppe weiterverarbeiten soll.
Ich weiss dass es Leute gibt die Zugang zu einem Manipulator samt Schmiedepresse haben, das habe ich nicht.
Auch habe ich keinen Zugang zu einem grossen Schwanzhammer.
Was machen?
Wer weiss wie die Antiken Vorväter dies Problem gelöst haben?


Mit dem Holzspalter teilen? Flexen geht nicht!

Gruss Rom.
 
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D.Kraft

MF Ehrenmitglied
Wirklich wissen tut das wohl niemand mehr......
Aber erinnere Dich mal an das nette Filmchen über den Tatara-Ofen in Japan , hatte ich Dir ja mal zukommen lassen.......Die Luppen die da gemacht werden können schon mal locker 2 Tonnen wiegen.......und was haben die da gemacht ?

In der Regel sind das dann bis zu Faustgroße Brocken welche man auch verarbeitet bekommt. Unser Altvorderen düften das nicht anders gemacht haben. Bei dem hier erhältlichen Tamahagane sind auch Spuren von Spaltkeilen zu sehen. Vermute aber schon das da eventuell auch ein Presslufthammer zu Einsatz kommt.

Siehe Bild.

Auch dürfte es sinnvoll sein das zerteilen im noch warmen Zustand zu machen.


Aber.....dem entgegen stehen die Spitzbarren welche ja in einigen Gegenden gefunden wurden und auch immer noch werden. Hier sind Gewichte von 5 ~ 7 Kg ohne weiteres möglich.
Einen solchen Barren hatte ich mal zerteilt und angeschliffen / angeätzt.
Dieser Barren zeigt ziemlich deutlich das es sich um eine kompaktierte Luppe handelt. Also nicht vorraffiniert oder sonst was.
 

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MythBuster

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Hallo,

ja, anstatt die Luppe zu kompaktieren, hätten wir versuchen sollen diese in handliche Portionen zu spalten, dann hat man nicht das Problem so große Klumpen wieder auf Temperatur zu bringen. Aber jetzt ist´s eben schon passiert und wir haben ein Problem. Ich werde es mit einer großen Bandsäge mit automatischer Absenkung probieren. Ein großer Winkelschleifer bestückt mit einer Spezialtrennscheibe für Guß wäre auch noch einen Versuch Wert.
So und jetzt noch der Bericht vom Ofen #2 vom Samstag:
Ofendimension innen (wie Ofen 1): 22x22x170 cm^3
Luftfluß: 0,7 l / (min cm^2) entspricht 400g Kohle alle 5min
Dauer Reduktion: 8,5h
Verhältniss Kohle/Erz: 1:1
Temperatur 15cm oberhalb Düse: 1250°C
Düsendurchmesser 20mm
Düsenneigung: ca 35°
Gesamtmenge Erz: 41kg
Luppe: 11kg
Das Erz hat Rom in Luxemburg gesammelt und es ist recht wahrscheilich, dass es schon von den Kelten verhüttet wurde. Hier die Analyse:
SiO2 12,3, P2O5 1,53, CaO 0,215, MgO 0,204, K2O 0,0809,
FeO 78,50, MnO 0,265, TiO2 0,183, ZrO2 0,0144, Al2O3 6,01

Fließschlacke gab es sehr wenig und erst nach 7h ist sie ohne Zutun aus dem Ofen geflossen. Sie war sehr dünn, geschätzt unter 1000mPas und hatte folgende Zusammensetzung:
SiO2 24,60, P2O5 1,48, CaO 1,33, MgO 0,64, K2O 1,10,
FeO 58,40, MnO 0,39, TiO2 0,41, ZrO2 0,04, Al2O3 11,10
Das Schlackemodell von Urbain sagt für diese Zusammensetzung eine Viskosität von 650mPas voraus, also prima Übereinstimmung.
Die im Ofen verbliebene Schlacke hatte sogar nur noch 53% FeO dies entsprich einer theoretischen Eisen-Ausbeute von 20%. Mit unserer 11 kg Luppe liegen wir bei 26% Ausbeute, aber da ist natürlich auch noch ne Menge Schlacke drin. Stimmt also alles mit der Theorie überein :)
Wir haben ganz unsportlich mit einem elektrischen Gebläse ca. 350l/min Luft reingeblasen, das ist vielleicht gerade noch mit einem großen Blasebalg zu schaffen, der wäre aber noch zu bauen...

Gruß

MythBuster
 

Armin II

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Anbei noch ein paar Fotos vom Rennofentreffen 2011.



Ausserdem meinen besten Dank an Romain und Gerliane und alle anderen Mitwirkenden die das Festival und das Rennfeuertreffen ermöglicht haben.
 

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Armin II

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Und die restlichen Bilder....
 

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MythBuster

Mitglied
Hier noch der Bericht zu den Öfen am Sonntag:
Da am Samstag Unkenrufe aufkamen, dass der Ofen viel zu kalt wäre, haben wir am Sonntag beschlossen mal richtig einzuheizen. Wir erhöhten also die Luftmenge auf fast das doppelte, also 1,3 l/(min cm^2). Armin und ich fuhren jeweils eine Hälte des Zwillingsofens genau gleich.
Das waren dann 700g Erz und Kohle alle 5min. Der Ofen lief dann auch nur die Hälfte der Zeit (4,5h), was ein enormer Zeitvorteil ist. Die Temperatur war ca. um 100°C höher (1350°C, 15cm oberhalb der Düse) und die Temperaturzone oberhalb 1000°C hat sich von 50cm auf 60cm erhöht. Der Ofen war derart heiß, dass uns zum Schluß die Lehmeinfassung der Düsen fast komplett bis nach außen durchgeschmolzen ist.
Wir haben wieder 10-11kg Luppe geborgen, also die gleiche Ausbeute wie am Samstag.

Gruß

MythBuster
 
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