Neue Messerverbotinitiative

Abu

Premium Mitglied
@Nidan
Nein, der Bundesrat beschließt keine Gesetze, und am Freitag ist damit auch so etwas nicht zu erwarten. Niedersachsen und Bremen bringen eine verschärfende GesetzesINITIATIVE ein und hoffen bzw. erwarten, dass die anderen Bundesländer alle bzw. mehrheitlich zustimmen. Dann tritt man damit beim Bund an und versucht das in ein bindendes Bundesgesetz zu bringen. Federführend Bundesinnenminister und die Gremien des Innenausschusses. Nach der Vorlage würden die Länder zudem jeweils weitgehende Rechte individueller Verbote zB bei Verbotszonen bekommen.

@dake bzw. alle Interessierten
Nun sind die Bundesländer auch konkurrierend und sich durchaus nicht immer einig. Deshalb würde ich auch die dortigen Innenministerien und Parteispitzen aller Parteien per Mail anschreiben - müsste aber schnell gehen. Ich hoffe da mal auf einige Länder aus dem „Osten“, von denen sich in einem anderen Fall versuchter Verschärfung bei Schusswaffen (?) einige auch dem Ansinnen auch entzogen haben. Der Bund ist noch nicht am Zug, daher kann man sich die Schreiben an die Ausschussmitglieder des Innenausschusses im Moment sparen - an die Abgeordneten sowieso! Für den IA gibt es gar keine neue Lage, da man im Juni 2018 ja erst Beschlüsse zu Waffen und Messer gefasst hat. A) Statistische Erhebung, B) Arbeitsgruppe die dann Vorschläge erarbeiten soll.

Aktuell geht es also um einen neuen Versuch der Initiatoren zur Beschleunigung und letztlich auch die Beschlüsse des letzten Jahres auszuhebeln.

Lobby bzw. BÖKER: Beagleboy hat ja auch auf die Initiative verwiesen, auf meine Frage, was Böker unternommen hat, gab‘s noch keine Antwort.
Ich nehme dennoch an, dass die verbliebenen Solinger aktiv geworden sind. Was wäre Hubertus ohne Springer? Ich bin gespannt, wie sich NRW bei der Vorlage verhalten wird.

Aus dem Innenministerium habe ich als Antwort erhalten, dass man erst die Ergebnisse der letztjährigen Beschlüsse abwarten will, die mitregierende FDP sieht keinen Handlungsbedarf an Placebo-Gesetzen. Immerhin, die nehmen die Schreiben wahr und antworten individuell.

Ob sich Politiker allerdings morgen noch an das Heute erinnern....? Egal: Tut was!

Gruß
Abu
 

Nidan

Mitglied
Danke Abu, dann bin ich wieder ein klein wenig beruhigt ;)

Dass da was im Busch ist wusste ich natürlich u.a. aus dem Messermagazin, aber bei n-tv kam das gestern echt so rüber, als ob am kommenden Freitag der Bundesrat über die Verschärfung des Waffengesetzes beschliessen würde und da hab ich dann echt nicht mehr durchgeblickt. N-tv selber wohl auch nicht :D

Wenn das alles dann erst mal durch den Bundestag muss, siehts etwas besser aus.

Was Böker angeht bin ich auch immer noch auf eine Antwort gespannt. Ich will hier ja kein Böker-Bashing machen, aber irgendwie hab ich gewisse Vorbehalte gegenüber dieser Firma. Verkaufen tun sie einem gerne alles mögliche, ob man als Kunde damit dann echte Probleme bekommen kann, interessiert sie aber anscheind überhaupt nicht. Schaut mal was dabei rauskommt wenn man auf der Bökerseite nach EDC sucht

https://www.boker.de/taschenmesser/edc-messer?p=1

Ich schätze mal ganz grob 80 % der dort gezeigten Messer können einen heute schon in echte Schwierigkeiten bringen. Aber egal, Hauptsache der Umsatz stimmt...
 

Dimm

Mitglied
Schalömchen,

Besonders perfide ist der "Einsatz" der Messer- es wird mittlerweile in die Beine gestochen. An der Innenseite der Beine liegen die großen Blutgefäße, deren Verletzung großmöglichsten Schaden anrichten - juristisch aber, im Falle eines Ermittlungserfolges der Polizei, wird ein Stich in die Beine milder betrachtet, als ein Stich in den Oberkörper.

Gruß
Excalibur

Hi,
ich weiß nicht, wie das juristisch geschätzt wird, das ist aber ganz klar ein Mord.
 

blackfox

Premium Mitglied
Hi,
ich weiß nicht, wie das juristisch geschätzt wird, das ist aber ganz klar ein Mord.

Ob es ein Mord ist, ist allerdings eine Frage der juristischen Einschätzung ...

Hintergrund des von Ex geschilderten Vorgehens ist eine BGH-Entscheidung, nach der beim Einsatz eines Messer gegen den Oberkörper grundsätzlich von einem Tötungsvorsatz auszugehen ist.
Wenn dann so jemand vor Gericht steht, ist es schon ein Unterschied, ob da über Körperverletzung oder versuchten Totschlag bzw. Mord verhandelt wird.

Diese geänderte Sichtweise ist übrigens mittlerweile auch in die Kriminalstatistik eingegangen. Ein Anstieg der versuchten Tötungsdelikte mit Messern, sofern er denn überhaupt aus den dortigen Zahlen ersichtlich ist, ist also eher auf die neue "Zählweise" zurückzuführen, als auf eine real veränderte Anzahl der Delikte. Eine Vergleichbarkeit der Zahlen mit den alten Werten ist nicht gegeben.
 

Dimm

Mitglied
Soweit ich mich erinnere die große Hüftarterie nennt man A. femoralis. Sollte die vollständig oder auch unfollständig durchgetrennt werden, verblutet man binnen 3-5 min.
Was will denn jemand machen, der in die Hüfte (Innenseite) sticht oder schneidet? Außer Mord kommt mir keine andere Idee.
Wie das jemand anschätzt ist aber eine andere Frage.
 

excalibur

Super Moderator
Hi,
ich weiß nicht, wie das juristisch geschätzt wird, das ist aber ganz klar ein Mord.

Guten Morgen,
ich wollte hier keine Diskussion über Gewalttaten und deren juristischen Auswirkungen initiieren.
Ich wollte lediglich die "Denke von der Straße"wiedergeben, um den Widersinn weiterer Tragebeschränkungen zu zeigen.
Bitte lassen wir es damit bewenden;)

Gruß
Excalibur
 

Abu

Premium Mitglied
@Nidan
BÖKER.... verhält sich doch völlig legal ;-) Für mich sieht die letzte Verschärfung aus heutiger Sicht (ich war damals noch nicht in der Szene) bereits nach viel Lobbyarbeit mit typisch deutschem Kompromiss aus: schützt Wirtschaft - trifft Verbraucher.

Der neue Antritt änderte ja für Böker wieder nichts, man dürfte ja auch Fixed weiterhin verkaufen/kaufen. Vllt. kapiert aber auch Böker, dass das auf Dauer eine ungesunde Perspektive für das nächste Jubiläum werden könnte.

Mach ich mal ein bisschen Medien-Bashing:
Über die Aufmacher einiger Medien kommt einem das Grausen. Reißerische Bilder und „der Bundesrat will..“ etc. pp, als wäre das alles schon einheitlich beschlossen. Damit wird dann schon mal öffentlicher Erwartungsdruck aufgebaut. Die HAZ und WAZ haben sich ja schon vorher zum Sprachrohr ihrer Innenminister gemacht, keine Recherche, keine Fakten hinterfragt - journalistisch mangelhaft. Ebenso ist mir ein denkwürdiger Beitrag der WELT (Herr Huth?) in Erinnerung.

Gerade die FREIE Presse beklagt ein zunehmendes Klima der Repression, ist aber gern bereit, an der Beschränkung von Freiheiten Dritter mitzuwirken!

So, und nun ab nach draußen, die Sonne lacht....

Abu
 

keyplus88

Mitglied
[...]
Bleibt nicht mehr als hoffen, dass die Messerindustrie auch noch ein bissel was bewegt, die Jagd- & Anglerlobby, wobei ich vermute dass während der Ausübung Sonderreglungen gelten.
Trotzdem mehr als traurig und fast schon beängstigend, in was für ne Richtung sich manche Dinge heutzutage so entwickeln....

Die haben vor dem 1.April 2008 (§42a) nix bewerkstelligt und das werden sie auch diesmal nicht.

Die Petition kann man unterstützen und auch persönliche Protestbriefe an die MdB sind hilfreich.

(Funfact: Hab beim Aufräumen neulich das Antwortschreiben auf meinen Brief an "Copy/Paste"-Guttenberg gefunden. Ist der heute eigentlich was wert?)

Im übrigen bleibts bei der Semsrott-Prämisse:
"Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt."
 

Nidan

Mitglied
@Nidan
BÖKER.... verhält sich doch völlig legal ;-) Für mich sieht die letzte Verschärfung aus heutiger Sicht (ich war damals noch nicht in der Szene) bereits nach viel Lobbyarbeit mit typisch deutschem Kompromiss aus: schützt Wirtschaft - trifft Verbraucher.

Der neue Antritt änderte ja für Böker wieder nichts, man dürfte ja auch Fixed weiterhin verkaufen/kaufen. Vllt. kapiert aber auch Böker, dass das auf Dauer eine ungesunde Perspektive für das nächste Jubiläum werden könnte.

Mach ich mal ein bisschen Medien-Bashing:
Über die Aufmacher einiger Medien kommt einem das Grausen. Reißerische Bilder und „der Bundesrat will..“ etc. pp, als wäre das alles schon einheitlich beschlossen. Damit wird dann schon mal öffentlicher Erwartungsdruck aufgebaut. Die HAZ und WAZ haben sich ja schon vorher zum Sprachrohr ihrer Innenminister gemacht, keine Recherche, keine Fakten hinterfragt - journalistisch mangelhaft. Ebenso ist mir ein denkwürdiger Beitrag der WELT (Herr Huth?) in Erinnerung.

Gerade die FREIE Presse beklagt ein zunehmendes Klima der Repression, ist aber gern bereit, an der Beschränkung von Freiheiten Dritter mitzuwirken!

So, und nun ab nach draußen, die Sonne lacht....

Abu

Will auch beim Medien-Bashing mitmachen ! :D

Ich hatte mich schon gewundert warum sich die Pressetexte die man online zu unserem Thema lesen kann so unheimlich gleichen und warum überall der gleiche Blödsinn drin steht und ich habe es jetzt herausgefunden, die haben einfach alle eine dpa-Meldung (zum Teil etwas gekürzt) abgeschrieben. So viel zum Thema eigene Rechereche. Echt ich hab das Wort "Lügenpresse" noch nie in den Mund genommen oder wo geschrieben, aber wenn man sich das so ansieht fragt man sich schon, ob das bei anderen Themen nicht sehr ähnlich läuft.

Das tollste war übrigens ein Aufmacherbild bei uns in der Lokalpresse. 5 "schrecklich gefährliche" Messer, die aber alle bereits jetzt nicht mehr geführt werden dürfen und das als Beispiel für Messer die man zukünftig nicht mehr führen dürfen soll. Echt, gehts noch... ?

Zum Thema Lobbyarbeit der Messerindustrie erinnere ich mich noch mit großem Grausen an das was da 2008 gelaufen ist. Nämlich gar nichts, ausser dass Böker alles schön geredet hat und sein Zeug auch heute noch so verkauft als ob es die Verschärfung 2008 nie gegeben hätte. Klar, legal ist das schon (noch)...

Ich sags ganz ehrlich, wenn die Springer jetzt komplett verboten werden, weine ich meinem Speedlock keine Träne nach. Das taugt eh nicht viel, aber um meine Microtechs täte es mir verdammt leid :(

In dem Zusammenhanfg noch zwei Fragen :

Kann man aus Microtechspringern einfach die Federn ausbauen lassen ? Ist das technisch möglich ?

Werden Assisted Opener auch als Springmesser eingestuft ? Das wäre echt bitter für mich :(
 

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
Kann man aus Microtechspringern einfach die Federn ausbauen lassen ? Ist das technisch möglich ?

Ja, kann man. Wenns ein Button Lock ist, haste aus dem heute legalen Springer ein schon heute illegales Fallmesser gemacht.
Das ist gaga, ja, aber bitte nicht zum x-ten mal durchdeklinieren. Das Thema ist uralt.

Werden Assisted Opener auch als Springmesser eingestuft ? Das wäre echt bitter für mich :(

Ob das in Zukunft so ist, weiß ich nicht. Aktuell sind Asssisted Opener keine Springer sondern ganz normale Einhandmesser.
Quelle: BKA Feststellungsbescheid 2004, AZ: KT 21/ZV 25 - 5164.01-Z-17

Pitter
 

bigbore

Mitglied
Was mir bei der Diskussion zu kurz kommt:
Da springen sehr viele auf die Strasse und demonstrieren gegen Polizeiaufgabengesetze aber dass die Verbotszonen verdachtsunabhängige
Personen-&Taschenkontrollen bis zur körperlichen Durchsuchung legitimieren scheint niemand zu stören.
Beim Semmel kaufen Sonntag am Bahnhof, beim Kinder abholen vor der Schule ... die Polizei darf dir in die Tasche schauen.
Mit welchem Zweck? Ein paar Ordnungswidrigkeiten ahnden.
Echt verwunderlich wie schnell die Menschen ihre Rechte herschenken wenn man ihnen ein bisschen Angst macht.
 

HankEr

Super Moderator
Tja, da kann man nur noch verzweifeln! :disillusionment:

Anrufen, schreiben, mailen, ......., auswandern!

Bei einigen Politikern ist es tatsächlich noch nicht durchgedrungen, daß sie x Millionen ihrer eigenen Wähler damit einschränken. Da braucht's tatsächlich etwas Bodenhaftung und die erreicht man am besten mit persönlichem Kontakt (wenn man schon keine LOBBY hat). Klar man kann man jetzt über mm diskutieren, die den Unterschied zwischen akzeptable und völliger Schweinerei ausmachen.

Ein klassischen Plastik-Schweizer hat eine Klingenlänge (nicht feststellbar, nicht einhändig öffenbar) von 6,7cm, das GB-Gnadenmesser Spyderco UK PenKnife (nicht feststellbar, einhändig öffenbar) eine solche von 75mm, ein Alox Schweizer eine solche von 7cm, das Kaisermesser Mercator schlägt mit 8,8cm zu Buche und ein großes Schweizer mit 8,6cm, von den (neu-)Victorinox Rangern ganz zu schweigen, die bringen dann gleich mal 9,5cm auf die Waage (ein Messer das mit mir auf dem Fahrrad nahezu täglich (April-Oktober) zwischen Haus- und Schrebergarten pendelt und dabei tatsächlich nur Erde und Pflanzen im Visier hat). Selbst ein Winzlings-Fixed wie das Fällkniven WM1 schlägt schon mit 7,1cm zu Buche. Das ist alles einfach nur noch lächerlich. Jeder amtliche Schraubendreher (jedes Auto, jeder LKW) ist eine weit gefährlichere Waffe als so was. Als alten Öko, wie mir, der noch nie in seinem Leben ein Auto besessen (oder als privat nutzbares Firmenfahrzeug zur Verfügung) hatte und das auch nicht vorhat, ist es mir völligst unverständlich wie man sich über ein paar cm Stahl dermaßen aufgackeln kann, parallel dazu aber 2,5t PKWs als normal angesehen werden (potentielle Waffe, dauerhafte Umweltvergiftung).

Aus meiner Erfahrung aus vergangenen Schlachten, kann man SPD, CDU und Grüne (hier) komplett vergessen, CSU und Linke sind (eingeschränkt) kommunikationsbereit, drehen ihr Fähnchen aber auch schnell. AfD gab's damals noch nicht, auf die würde ich aber auf keine Fall setzen wollen! Die einzige andere im Bundestag und Bundesrat vertretene andere Partei iist die einzige die neben ihrem (Frei-)wirtschaftlichem Fokus auch die Bürgerrechte im Fokus hat und kommt seit dem jährlich in meiner Steuererklärung vor.

Der jetzige 42a war schon schwer zu schlucken, die Ausführung hatte leider garnichts mit dem "Gedanken" hinter dem Gesetz (Schäuble) zu tun, aber alles(!) darüber hinaus sprengt dann doch den Glauben an den Rechtsstaat!

Aus meinen Beobachtungen aus meinem beruflichen Umfeld könnte man mit der generellen Beschränkung auf 6cm Klinge ca. 45% der männlichen und 15% der weiblichen Kollegen von einem Tag auf den anderen belangen (fränkische Provinz).
 

Abu

Premium Mitglied
Was mir bei der Diskussion zu kurz kommt:
Da springen sehr viele auf die Strasse und demonstrieren gegen Polizeiaufgabengesetze aber dass die Verbotszonen verdachtsunabhängige
Personen-&Taschenkontrollen bis zur körperlichen Durchsuchung legitimieren scheint niemand zu stören.
Beim Semmel kaufen Sonntag am Bahnhof, beim Kinder abholen vor der Schule ... die Polizei darf dir in die Tasche schauen.
Mit welchem Zweck? Ein paar Ordnungswidrigkeiten ahnden.
Echt verwunderlich wie schnell die Menschen ihre Rechte herschenken wenn man ihnen ein bisschen Angst macht.


Du hast die Vordergründigkeit politischen Handels richtig erfasst, in diesem Fall z.B. der Opposition Niedersachsens. Dort wird heute über ein neues Polizeigesetz abgestimmt, vorgeblich Terrorabwehr, die Opposition ist dagegen wegen der Bürgerrechte. Dass per Waffengesetz eine viel schärfere und im Zweifel gegen alle gerichtete Maßnahme durch denselben Innenminister auf den Weg gebracht werden soll, ist denen noch nicht aufgegangen, egal oder wird begrüßt, denn die Überschrift heißt ja „Waffen“ und deren Beschränkung.

Abu
 

luftauge

Mitglied
Was mir bei der Diskussion zu kurz kommt:
Da springen sehr viele auf die Strasse und demonstrieren gegen Polizeiaufgabengesetze aber dass die Verbotszonen verdachtsunabhängige
Personen-&Taschenkontrollen bis zur körperlichen Durchsuchung legitimieren scheint niemand zu stören.
...
Echt verwunderlich wie schnell die Menschen ihre Rechte herschenken wenn man ihnen ein bisschen Angst macht.
Was willst du denn da mit wem diskutieren?
Die Leute würden sich sicher schon dafür interessieren, aber erfahren hintergründig doch gar nichts davon, so geht es an ihnen vorbei. In den Nachrichten wird vordergründig nur einseitig berichtet. Nichts neues. Hinterher machen sie lange Gesichter, wenn sie selbst dort stehen und ihr Ticket in Empfang nehmen dürfen.

Hauptsache, dass die Kinder nicht erfahren, dass ihre Freitagsaktionen sinnfrei bis albern sind, solang gewisse Vorraussetzungen nicht geschaffen sind...
 

Atlantik

Mitglied
Dass per Waffengesetz eine viel schärfere und im Zweifel gegen alle gerichtete Maßnahme durch denselben Innenminister auf den Weg gebracht werden soll, ist denen noch nicht aufgegangen, egal oder wird begrüßt, denn die Überschrift heißt ja „Waffen“ und deren Beschränkung.

Abu

Die Erweiterung der Kontrollmöglichkeiten ist ja gerade die Stoßrichtung der Bundesratsinitiative und wird deshalb auch von der Polizei unterstützt. Auf Welt.de findet sich dazu heute ein aufschlussreiches Interview mit dem GdP-Chef Oliver Malchow:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article193485315/Gewalt-mit-Messern-Es-geht-auch-um-Machtdemonstrationen.html

Den Einwand, dass potentielle Straftäter sich kaum durch ein Messerverbot abschrecken lassen werden, nimmt Malchow achselzuckend zur Kenntnis:

Es gibt ja viele Verbote und genauso viele Verstöße dagegen. Das ist also kein Argument.

Im Prinzip gesteht er damit zu, dass viele Verbote wirkungslos sind, wenn an sie der Maßstab der Kriminalitätsreduktion angelegt wird. Dass mit einem ausgeweiteten Messerverbot ein weiteres Gesetz hinzukommen wird, das seinen eigentlichen Zweck nicht erfüllt, soll man hinnehmen, weil andere Verbote genauso wirkungslos sind und trotzdem bestehen - eine bemerkenswerte Argumentation.

Tatsächlich ist dies aber nur ein Nebenschauplatz. Offen gesteht Malchow, dass der eigentliche Zweck eines Messerverbots in der Ausweitung anlassloser Kontrollen besteht:

Für uns Polizisten ist ein Verbot auch deshalb sinnvoll, weil wir dann Kontrollen durchführen könnten. Das ist jetzt sehr schwierig. Wir können zwar schon jetzt Waffenverbotszonen einrichten. Aber das gilt immer nur im Zusammenhang mit Kriminalitätsschwerpunkten. Da arbeiten wir mit Prognosen, dass es dort zu einem vermehrten Messereinsatz kommen kann. Wir möchten die Zonen generell auf Plätze ausweiten, an denen sich viele Menschen aufhalten.

Generelle Ausweitung von Kontrollen durch die Polizei auf belebte Plätze - ich kann mich an Zeiten erinnern, da eine solche Forderung einen Aufschrei gerade der linken Szene nach sich gezogen hätte. Das politische Klima aber hat sich gewandelt und gerade die Kräfte, die sich als gesellschaftlich progressiv verstehen, setzen vermehrt auf staatliche Kontrolle, Verbote, Zensur, Nudging, Enteignung etc. Kommt das Gespräch darauf, erlebe ich, dass viele staatlicher Überwachung im Prinzip positiv gegenüberstehen, da sie die damit verfolgten Ziele teilen, sich selber oft auch für nicht betroffen halten oder meinen, nichts zu verbergen zu haben. Dass sich hier strukturell ein Überwachungstsunami auftürmt, der über ihnen zusammenschlagen wird, sehen oder kümmert viele nicht.

An den gesellschaftlichen Trend zur Intensivierung staatlicher Lenkung und Überwachung kann sich die Polizei mit der Forderung nach der Ausweitung anlassloser Kontrollen gefahrlos anhängen, ohne mit medialer Kritik oder Widerspruch rechnen zu müssen. Im Gegenteil, medial wird dieser Trend schon länger verstärkt und auch im Welt-Interview muss sich der GdP-Chef keinen kritischen Rückfragen stellen. Sogar die Pauschalaussage, dass jeder, der ein Messer bei sich führt, "bewaffnet durch die Gegend läuft", wird kommentarlos akzeptiert.

Aber die eigentliche Frage ist, warum man überhaupt mit einem Messer bewaffnet durch die Gegend läuft.

Seit wann bsp. ein Schweizer Taschenmesser eine "Waffe" ist, wäre interessant zu erfahren gewesen.

Mein Fazit: Bei der Ausweitung von Messerverboten geht nicht primär um eine effektive Senkung von Messerangriffen, sondern um eine medial unterstützte Ausweitung von Kontrollmöglichkeiten.

Der eigentliche Widerstand bestünde darin, Regierungen, auch Landesregierungen abzuwählen, die in den Bürgern entweder Fürsorge- oder Kontrollobjekte sehen statt mündiger Subjekte. Das werde ich in Deutschland nicht erleben, denn im Prinzip finden die meisten ja möglichst viel Kontrolle gut, es sein denn, ihr spezielles Hobby ist betroffen. Jetzt ist eben wieder mal unser Hobby dran.
 
Zuletzt bearbeitet:

HankEr

Super Moderator
"Niemand braucht ein Messer in Schulen, im Kindergarten, im Bus oder in der Fußgängerzone."

Oh, Herr im Himmel, von Krabbelnest über Kindergarten und Schule (meiner Kinder), noch nie hat sich irgendjemand beschwert, wenn ich zugegen und "Not am Mann" war, und da brauche ich noch nicht einmal "Sondereinsätze" wie Gartenpflege, Bauaktionen, o.Ä. mit in Betracht ziehen. Vielleicht lebe ich in der falschen Region, aber in über 36 Jahren hat sich noch nie jemand durch ein Messer von mir bedroht gefühlt oder auch nur geblinzelt. In jedem Fall waren alle froh, daß ein geeignetes Werkzeug verfügbar war!

Ob wir jetzt von Spreisel in der Haut, von Äpfeln die geteilt werden wollen, oder von Schnüren die zu lang oder Kanten die zu scharf sind sprechen, völlig egal, in jedem Fall waren alle froh, daß jemand etwas einstecken hatte, mit dem man die Herausforderung meistern konnte.