Messer WIP

Cyrus

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Hallo liebe Forumsgemeinde,

ich wollte Euch einmal an dem Entstehungsvorgang eines feststehenden Messers teilhaben lassen. Es soll ein Gebrauchsmesser mit einer Steckerl-Konstruktion werden. Die Zwinge soll aus Puddeleisen und der Griff aus hellem Seekuhknochen sein.

Und los gehts, zuerst einmal eine Zeichnung erstellen, findet der Entwurf Gefallen, kann ich in meiner Schmiede loslegen. Stahl ist der gute 1.3520, oder 100CrMn6. Der Unterschied zum 1.3505 ist ein höherer Anteil von Mn, er wird bei größeren Kugellagern benutzt.
 

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Cyrus

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Die Klinge ist geschmiedet (zumindest in Form), allerdings alles etwas größer damit ich genug Spielraum beim Schleifen habe. Nach mehrmaligem Normalisieren schleife ich den Zunder mit dem Winkelschleifer ab, dann gehe ich kurz an die Planauflage meines Bandschleifers. Dannach schleife ich die gesamte Klinge auf meiner Topfschleifmaschine plan(auf 3,8mm).

Das Ricasso wird feingeschliffen bevor mein Zeichen eingeschlagen wird.
Klingenvorschliff und anschließendes, selektives Härten sind nun auch gemacht.
 

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Cyrus

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Nach dem Härten muß alles versäubert werden wie z.B. die Unterseite des Ricasso (mit kleinen Schleifsteinchen), die Klinge am Bandschleifer oder den Übergang von Ricasso zum Erl.
 

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Cyrus

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Nachdem die Klinge einigermaßen vorbereitet ist, wird es Zeit für die Zwinge. Ich habe ein schönes Stück Puddeleisen, davon habe ich ein Stück abgetrennt, plangeschliffen und überfräst damit ich es gut einspannen kann. Den Bereich welcher ausgearbeitet werden soll habe ich angerissen, dann habe ich 3mm Löcher gebohrt und anschließend diese aufgefräst. Alles weitere geschieht dann mit der Feile.

Achja, wenn ich etwas in die Feilvorrichtung einspanne, gehe ich sicher, dass die gehärteten Auflagen in einer Ebene stehen. Deshalb ist es wichtig, in dem unteren Bereich der Feilhilfe gleich dickes Material einzuspannen. Sonst wird der Schlitz nix!!!!
 

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Orestes

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Ich mag es, den Messermachern anhand solcher Dokus über die Schulter schauen zu dürfen. Freue mich auf die Fortsetzung :)
 

Droppoint

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Ja, das gefällt mir auch gut, da kann man immer mal wieder noch das eine oder andere mitnehmen.

Wird auch ein schönes Messer, wen ich die Zeichnung sehe.

Gruß

Uli
 

binaerstoff

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Ich fühl mich bei solchen Beiträgen immer wie bei ner tollen Serie im Fernsehen. Kaum is eine Folge vorbei könnt man narrisch werden, weil man auf den nächsten Teil warten muss :glgl:

:super:
 

propaghandi

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Moin Cyrus!

Tolle Idee von Dir, uns virtuell über Diene Schulter gucken zu lassen! :super: Den Vorgang wie ein Messer von einer Zeichnung zu einem echten Messer wird finde ich ebenso interessant wie das eigentliche Messer selbst. Von daher bin ich schon sehr gespannt wie es weitergeht und wie das fertige Messer dann aussieht.

Viele Grüße
 

Cyrus

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Guten Morgen meine Lieben,

ich mache einmal ein klein wenig weiter. So, wo nun das Puddeleisen eingespannt ist kann ich mit dem vorsichtigen Auffeilen des Schlitzes beginnen, immer schön kontrollieren damit man nicht zuviel wegnimmt.
Passt das Ganze, fange ich mit der Außenform der Zwinge an.
Zuerst fräse ich mit einem Rundfräser auf beiden Seiten des Schlitzes Material weg, ich finde das macht die Zwinge eleganter.Schwer zu beschreiben, schaut Euch das Ergebnis an.
Dann reiße ich ein Oval an, die längste Seite ergibt sich ja aus der Breite des Ricassos. Die Zwinge steht ein bißchen über, also wird noch etwas dazu gegeben. Das Oval forme ich am Bandschleifer, der Feinschliff erfolgt mit der Schmirgellatte am Goldschmiedetisch.
 

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Cyrus

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Die Zwinge möchte ich noch ein klein wenig schmücken, ich werde eine Nut einfeilen. Wie bekommt man eine vernünftige Nut in die Zwinge? Direkt einfeilen schaffe ich nicht, also reiße ich zuerst die Stelle rundherum an und säge mit meiner Goldschmiedesäge (Blatt 3/0) die Linie ein damit ich zum Feilen eine Führung habe.
Dann feile ich zuerst mit einer Echappement Dreikantfeile die Nut an und benutze dann zum Schluß eine kleine Rundfeile. Dannach schmirgele ich die Nut mit Körnung 600 nach.

Für die Zwinge habe ich einen ganzen Tag gebraucht!!!!
 

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jensh

Mitglied
Hi Cyrus,
die Zeichnung und die Sorgfalt Deiner Arbeit sind schonmal sehr vielversprechend. Ich bin gespannt.
Schöne Grüße, Jens
 

Cyrus

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Jetzt überprüfe ich noch einmal die Passgenauigkeit von der Zwinge am Ricasso, sieht ja schon mal ganz gut aus.

Weiter geht es mit dem Griff. Wie ja bekannt ist kommt der Seekuhknochen an seinen Außenseiten nicht planparalell vor, deshalb überfräse ich die Seiten damit ich den Knochen beim späteren Aufbohren besser im Schraubstock einspannen kann.

Die Position des Erls übertrage ich mit Bleistift auf die Längsseite des Griffs, ebenso auf die Stirnseite. Dann bohre ich mehrere Langlöcher in das Material und erweitere diese zu einem Schitz. Das dauert ebenfalls recht lange weil ich es so genau wie möglich machen möchte(eine blöde Goldschmiede-Angewohnheit).
 

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Cyrus

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So, jetzt muß ich in die Schmiede, die Klinge fertig schleifen und mit einem Feinabzug versehen. Ich werde versuchen, weitere Bilder heute Abend reinzustellen.
 

Cyrus

Mitglied
Zuerst einmal danke für das gezeigte Interesse und Eure Zusprüche.

Ich habe heute nicht mehr viel geschafft, war ca. 2,5 Stunden in der Schmiede und mußte dann wegen extremer Nackenverspannung aufhören. So ein Mist.
Naja, ein paar Bilder habe ich noch:

Die Klinge wurde von mir nocheinmal mit Körnung 150 weiter geschliffen, Augenmerk habe ich dabei auf den Abschnitt an der Klingenspitze gelegt. Dort ist die Schneide immer ein wenig dicker und die gilt es dann zu reduzieren. Ich habe einen KMG Bandschleifer mit Frequenzumrichter, aber was mir wirklich weiterhilft und einen gleichmäßigen Schliff erzeugt ist die Convex-Schleifvorrichtung. Das Schleifband läuft über ein sich mitdrehendes Gummiband dessen Spannung sich einstellen läßt. Außerdem kann man die Vorrichtung verdrehen sodaß man auf einem Abschnitt schleift(weiterer Rollenabstand) welcher einen balligeren Schliff erlaubt(bei breiteren Klingen)

Ich weiß nicht wie es den anderen Messermachern geht, ich habe nichtdestotrotz kleine Unebenheiten in der Klinge wenn ich bei K 150 mit dem Handfinish beginne.

Um diese Unebenheiten wegzuschleifen beginne ich mit einem Schleifstein im 45° Winkel über die Klinge zu schleifen. Wenn man in Längsrichtung schleift läuft man Gefahr, den Rillen zu folgen und dort hinein zu schleifen.
Mit den Steinen schleife ich bis K 400, dannach mit Schmirgelpapier bis K 1200.

Morgen geht es weiter, soweit es meine Muskulatur zuläßt.

Gute Nacht,
 

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