Welches Pfadfindermesser ist "original" ?

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volga

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Hallo liebe Messerleut` ,

ich würde mich echt freuen, wenn Ihr mir bei folgendem Sachverhalt helfen könntet :

Seit einigen Wochen suche ich - zur Vervollständigung meiner kleinen Sammlung - ein möglichst originalgetreues und schönes, aber auch alltagstaugliches Pfadfinder - Fahrtenmesser. Ich möchte ein neues Messer kaufen und bin deshalb schon seit geraumer Zeit im www unterwegs. (Irgendwelche dolchartigen Teile aus finsterer Vergangenheit interessieren mich garnicht !!)
In diversen onlineshops fand ich genanntes Messer in einer Preisspanne von 15 bis 100 Euro (!?!?)
Da Fotos und Artikelbeschreibungen oft mit Vorsicht zu genießen sind, wende ich mich also an Euch :

Wo kann ich ein "echtes" Pfadfindermesser erstehen ?
Gibt es eigentlich DAS Pfadfindermesser ?
Welcher Messertyp (... von welchem Hersteller ... ) ist heute bei den Pfadfindern gebräuchlich?
Was sagt eigentlich die Farbe der Lilie im Griff aus?

Vorab Danke für eventuelle Antworten !!!
Grüße ... volga
 

nymikel64

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Die angesprochenen Messer sind von der Form mehr oder weniger nachgemachte HJ Messer.

Für den normalen Gebrauch funktionieren die OK.
Die Klingenform ist vielseitig und flachgeschliffen.

Meistens ist die Handlage nicht so toll, das Parierelement zu stark nach hinten gebogen und drückt auf den Zeigefinger.

Die Klinge ist nicht durchgehend,sondern steckt knapp 4 cm im Griff aus Druckgussmaterial und ist da mit 2 Nieten verankert.
Besonders stabil ist das nicht,- durch rauhem Gerauch fängt die Klinge an sich zu lockern- sprich sie wackelt.

Als Gebrauchsmesser m.E. nur eingeschränkt brauchbar, es gibt besseres.

Die Pfadfinder haben kein spezielles Messer, meines Wissens nach werden sehr häufig Finnenmesser/Puuko und das Taklermesser/Bootsmesser von verschied. Herstellen wie Linder, Löwe usw benutzt.

Natürlich auch Schweizer Messer und diverse andere aller Art.
Meines Wissens nach werden militärisch anmutende Messer bei den Pfadfindern nicht gern gesehen genausowenig wie grosse Haumesser.
 
Ich weiss gar nicht ob es DAS original Pfadfindermesser gibt, diesen Messertyp gab es ja angeblich bereits vor der Verschandelung á la HJ-Messer, das es ja auch von so ziemlich allen namenhaften Solinger Herstellern gab.
Das Venatus ist zwar teuer, aber dafür immerhin aus Kohlenstoffstahl, und falls es bereits vor dem 2.Weltkrieg diesen Messertyp gab, dann war dieses ebenfalls aus Kohlenstoffstahl.

Ich habe aus meiner Jugend das Pfadfindermesser eigendlich nur mit abgebrochenem Griff in Erinnerung, da dieses Messer jugendliche Wurfversuche nicht verzieh. ;)

Dieses Messer nennt sich zwar Pfadfindermesser, aber ich denke dass das allbekannte Matrosenmesser als Pfadfindermesser weiter verbreitet ist als sein militärisch angehauchter Kumpane.

Seit wann es dieses Modell gibt, da kann vielleicht Cut helfen.

Grüsse
surfer
 

matthiasgde

Mitglied
Morgen,
ich bin selber Pfadfinder im DPB - Deutschen Pfadfinderbund und auch noch recht aktiv.
Deine Frage ist dennoch schwierig. Bei uns im Bund ist es mit den Messern nicht sehr einheitlich, obwohl wir was äußeres Auftreten (Kluft) angeht, schon recht traditionell und einheitlich aufgestellt sind.
Das Messer, das am weitesten verbreitet ist, ist wohl das sogenannte "Takelmesser". Fast jeder, den ich bei uns kenne, hatte so ein Messer als erstes Messer. Meist dieses.
Mit zunehmendem Alter wird das Spektrum breiter, beliebt sind Finnenmesser von Martinii und Hunter (dieses), immer aber fixed und in Lederscheide.

Das "Pfadfindermesser", von dem du sprichst, mit der Lilie, kenne ich, ist aber nicht so richtig verbreitet - zumindest nicht in unserem Bund. Das aus dem vorletzten Link habe ich so allerdings noch nicht gesehen, die rote Lilie ist irgendwie irritierend. Das Linder findet man im Web am häufigsten, aber das sieht irgendwie hochwertiger aus, als die verbreitetere Version. Die finde ich allerdings leider nicht. Vielleicht vertue ich mich auch, und ich habe bislang nur "abgenutzte" Linder gesehen. Kommt dem auf jeden Fall wesentlich näher, als die Version mit der roten Lilie!

Hoffe, ich konnte ein bisschen helfen!

Edit: Beim Verfassen kam der letzte Beitrag, der auch aufs Matrosen, bzw. Takelmesser hinweist!

Solltest du noch weiter suchen wollen, frag doch vielleicht mal beim Pfadfindertreffpunkt nach! Da hilft man sicherlich gerne und hat ausnahmsweise mal mehr Ahnung von der Materie als hier ;)
 

chamenos

Super Moderator
Solltest du noch weiter suchen wollen, frag doch vielleicht mal beim Pfadfindertreffpunkt nach! Da hilft man sicherlich gerne und hat ausnahmsweise mal mehr Ahnung von der Materie als hier

Noch viele lernen du musst über das Messerforum, junger Padawan;)

Also:

Es kann DAS Pfadfindermesser gar nicht geben, - einfach aus dem Grund, dass es DIE Pfadfinder nicht gibt.

Weder weltweit und schon gar nicht in Deutschland.

Was die Pfadfinderei angeht ist kein Land so vielschichtig und uneinig wie Deutschland.

Die Boyscouts wurden 1907 durch den britischen General Baden-Powell "erfunden" und hatten ihr erstes experimentelles Lager.

Das war die Geburtsstunde dessen, was man sich normalerweise so als "Pfadfinder" vorstellt.
Jungs mit hochgekrempelten Hemden und Halstüchern.
Grundlage sind das Pfadfindergesetz, die Uniform und die Trennung der Jungs nach Alter (später kamen dann auch die Mädchen dazu, deren Zeichen allerdings nicht die Lilie sonder ein Kleeblatt ist).

Die "Bibel" ist das 1908 veröffentlichte Buch "Scouting for Boys"

In Deutschland gab es aber schon seit 1896 den in Berlin-Steglitz gegründeten Wandervogel.

Ausnahmsweise sind die betreffenden Wikipedia-Artikel mal gar nicht so schlecht:D daher spare ich mir hier einen Einführung zum Wandervogel
http://de.wikipedia.org/wiki/Wandervogel
http://de.wikipedia.org/wiki/Pfadfinder

Scouting for Boys wurde 1909 von den Herren Lion und Bayer ins Deutsche übersetzt. Von diesen beiden Herren stammt auch die geniale Wortschöpfung "Pfadfinder".

Es entstanden also nun parallel zu den Wandervogelgruppen erste, stark von den britschen Boyscouts geprägte Gruppen.

Nach dem ersten Weltkrieg kam es nun zu einer weltweit einzigartigen Entwicklung. Nämlich der "Verschmelzung" von Elementen des Wandervogels mit denen der Boyscouts zur "Bündischen Jugend"......

Sorry Leute, - aber normalerweise hatte ich für eine Einführung in die Pfadfindergeschichte ein ganzes Wochenende:D

1926 wurde die Hitlerjugend gegründet. Sie war die Jugendorganisation der NSDAP und bediente sich zumindestens formal an dem Vorbild der Boyscouts (Hemd, Halstuch usw.).
Ab 1933 gehörte auch das HJ-Fahrtenmesser offiziell zur Uniform eines HJ-Pimpfen
http://de.wikipedia.org/wiki/HJ-Fahrtenmesser

Das ist übrigens auch das Jahr in dem sämtliche anderen bündischen Gruppen in Deutschland verboten wurden....

Dieses HJ-Fahrtenmesser ist nun das erste Offizielle Messer einer Jugendgruppe in Deutschland... und auch das einzige.

Nach dem zweiten Weltkrieg bildeten sich in Deutschland wieder Pfadfindergruppen. Manche stark am alten scoutistischen Vorbild orientiert, die meisten allerdings in der Tradition der Bündischen Jugend, - so auch der DPB;)

Aber kein einziger Pfadfinderbund, -Verband oder was auch immer hatte ein "offizielles" Messer.
Es gibt derzeit etwa 250.000 Pfadfinder in Deutschland die sich auf mehrere Hundert Bünde und Verbände aufteilen.
Der Größte ist die DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg) mit über 90.000 Mitglieder. Die kleinsten sind Grüppchen von Hardcore-Individualisten mit 4 bis 8 Mitgliedern:D

Fazit: Es gibt DIE deutschen Pfadfinder nicht.
Aber es gibt ziemlich viele deutsche Padfinder, die sich allerdings sowohl im äußeren Erscheinungsbild als auch in den Grundlagen ihrer Arbeit teilweise sehr deutlich unterscheiden.

Bei uns in der Jungschaft war dieser ehemalige HJ-Pikser übrigens nicht gestattet. Zum einen wegen der Historie, - zum anderen weil es einfach ein mieses Messer ist.

Gruß bzw. azb
chamenos
 

OutSider

Mitglied
Pfadfindermesser?

Hallo,
eigentlich muß man chamenos Ausführung nicht mehr viel hinzufügen.
Aber zum besseren Verständnis möchte ich noch erwähnen, daß auch die Pfadfinder ihre Messer nach Bedarf und Interesse kaufen. Wer also nur einmal im Jahr auf ein gut organisiertes Zeltlager fährt, ist mit dem BW-Besteck gut bedient. Dazu evtl. noch ein Schweizer Taschenmesser, damit es wenigstens ein bischen nach Abenteuer aussieht. Wer drei Wochen nach Schweden in die "Wildnis" fährt wird sich schon eher ein Fixed einpacken, vielleicht sogar ein kleines Beil.

Neben den Takelmessern sind Opinel und SAK die beliebtesten Messer, die ich so zu Gesicht bekomme, als Fixed sonst auch noch diverse Skandinavische Hersteller.

Wenn ich die Geschichten aus England richtig im Kopf habe, waren die Scouts da hauptsächlich mit Taschenmesser ausgestattet. Im Camp gab es für grobe Arbeiten Sägen und Beile.

Wie verbreitet das "Pfadfindermesser" mit der Lilie früher war weiß ich leider auch nicht, aber wenn die Qualität damals so schlecht war wie heute bei vielen Herstellern, war es wohl mehr zum Anschauen als zum Benutzen gedacht....
 

volga

Mitglied
Hallo nochmal ...

Erstmal vielen Dank für die interessanten Hinweise und Antworten !!

Leider muß ich zugeben, daß sich meine Begeisterung für das Messer grad`etwas gelegt hat - wobei das von venatus schon schön ist. Ich bin auch davon ausgegangen, daß das Ding ein Integralmesser ist ...
Ich werde mal sehen, daß ich ein solches Teil mal persönlich treffen und in die Hand nehmen kann - dann weiß man meißt mehr ...

So`n Matrosenmesser hab`ich wohl auch bald eins ... ... suche noch das " Original " ... wusste nicht, daß es in Pfadfinderkreisen benutzt wird ... danke für diesen Tip !!

Also nochmal Danke in die Runde - extra Grüße nach BERLIN !!!

Volga
 
Das "original" Matrosenmesser gibt's auch nicht.
Das ist ein Modell wie es von vielen Solinger Herstellern angeboten wird.
Ich habe zwei von Lütters & Cie (Loewenmesser) die sehr gut sind aus Kohlenstoffstahl
http://www.toplicht.de/shop/werkzeu...i/seglermesser-und-takelmesser/matrosenmesser
Zur Zeit wird dieses Messer an die Marine von dem Lieferanten Dönges geliefert
http://www.asmc.de/de/Messer-Werkzeuge/Feststehende-Messer/Matrosenmesser-p.html
das könnte man als "Original" betrachten, wenn es Dir um die Verwendung bei der Marine geht, das heisst aber nicht, das es das beste ist, lediglich, das Dönges der billigste Lieferant ist ;)

Von Puma gabs dieses Messer sogar einmal als Edelversion mit Hirschhorngriff!

Ich würde mir eins (je nach Pflegemöglichkeit) in Kohlenstoffstahl oder Inox von Lütters besorgen.

Gruss
surfer
 

Faltradl

Mitglied
AW: Pfadfindermesser?

aber wenn die Qualität damals so schlecht war wie heute bei vielen Herstellern, war es wohl mehr zum Anschauen als zum Benutzen gedacht....
Nun ja, du musst bedenken das die Leute damals nicht so wohlhabend waren. Schon die einheitliche Kleidung war ein großer Brocken. Da musste das Fahrtenmesser einfach zum kleinen Preis zu haben sein. Zumal man ja weiß das die Bengels nicht gerade pfleglich damit umgehen werden.

Die Hersteller haben natürlich gerne den Markt bedient und billige Massenwaren produziert, die trotzdem optisch etwas hermacht. Schließlich war es ja durchaus ein Statussymbol eines zu haben.

Wer reich genug war konnte sich ja bessere Teile aus dem Jagdbedarf besorgen.

Gruß, Bernhard
 

Bulli

Mitglied
Ich würde wegen der Metallscheide die Finger davon lasen.
Aber Tradition ist Tradition.
Zum schneiden kann man dann ja das Vic nehmen :)
 

Goldfinger

Mitglied


Als Kind habe ich von solchen Messern mehrere um die Ecke gebracht. Damals war der Griff als Rahmen ausgeführt und unter der (damals grünen) Raute war ein Quersteg im Rahmen, auf den der etwa 4cm lange Erl aufgenietet war. Das hielt natürlich nicht lange.

Werden diese Messer heute noch so gebaut?


Andreas
 

pho3n1x

Mitglied
Noch viele lernen du musst über das Messerforum, junger Padawan;)
.....

wow, endlich mal jemand der sich mit der Materie auskennt:super:

wollte eigtl auch schon zu nem längeren Beitrag ausholen als ich die ersten HJ-Hinweise gelesen hab, brauch ich jetzt nicht mehr. Ich wurde schon mehrmals von alten Herren mit nem Hitlergruß begrüßt.

Will nur auch nochn bissl von meinem Senf loswerden: Das "Pfadfindermesser" wie es betitelt wird habe ich bis jetzt noch in keiner guten ausführung gesehen (ich bin Gruppenleiter und habe daher schon einiges von meiner Meute in der Hand gehabt). Wegen der von chamenos beschriebenen Zweifelhaften Historie sehe ich das Teil auch nicht so gerne. Es ist einfach Schrott mit ner Lilie drauf.

Bei uns im Bund haben sich diverse nordische Hersteller durchgesetzt (auch weil wir die letzten Jahre mehrmals auf nem Jamboree in Finnland waren und man die Teile dort zu nem unglaublich günstigen Kurs bekommt). An erster Stelle währen dabei Martinis, die zu dem Preis echt gute Qualtiät abliefern. Brüche oÄ sind mir trotz teilweise Materialverachtender Benutzung nicht bekannt.

So, genug Senf :D
 

nymikel64

Mitglied
Zu : Otter Messer fühlt sich wertig an--

Was fühlt sich da denn wertig an??

Gewicht ist da und das ist auch schon alles-

Das kommt von dem fetten Druckgussgriffstück mit dem massiven Ende/Knauf.

Bis heute werden die Dinger so gebaut wie beschrieben-
Dazu Griffschalen aus echt billigstem Plastik.

Hallo!- dieses Messer ist und bleibt

SCHROTT!

ob von Venatus,Otter oder sonstwem, -wahrscheinlich ist es eh der selbe Hersteller...
Egal ob es von Venatus/Carsten Bothe, der sonst auch sehr viele gute Nischenprodukte vermarktet angepriesen wird
Ob es von unseren Grossvätern benutzt wurde oder sonstwie kopiert wurde-

-Das Teil ist nix...

Alle aufgeführten Taklermesser übertreffen dieses Messer im Gebrauchswert und Stabilität um Klassen.


Punkt.
 

Phux

Mitglied
Hallo!- dieses Messer ist und bleibt

SCHROTT!

Nachdem das Messer sogar von Victorinox erhältlich ist (sie kaufen es nach eigener Aussage bei einem deutschen Hersteller ein), würde es mich doch nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Victorinix erstaunen, wenn das einfach nur Schrott wäre.
 

PhilHeath

Mitglied
Also wie schon gesagt, mein Vater hat die Version von Lindner!
Der Stahl ist aus 440A, aber kam "out of the box" sehr scharf! Hat sogar ein bissl die unterarm-haare rasiert...
Der Erl ist natürlich nicht durchgehend (ca. 2/3 in den Griff rein) was dieses Messer nicht zum stabilsten macht!
Also die beste Qualität ist es nicht, aber als Schrott würde ich es nun wirklich nicht bezeichnen!!
Die Victorinox-Version habe ich noch nicht gesehen, will ich mal suchen;-)!
Cheers,
Phil!
 
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