Schmiede- und Schweißtemp. bestimmen

kaputtmacher

Mitglied
guten Morgen,

die Suche hat leider nichts präzises ergeben oder ich habs bei den 80 seiten im Schmiedeforum übersehen.

Wie werden die Schmiedetemperaturen, obere und untere Schweißtemperatur von Stahlsorten bestimmt?

Geht das über den Austenitbereich im EKD? (für C-Stähle!)

zb.
obere Schweißhitze= A-E Linie
untere Schweißhitze = Wirkungsbeginn des Flussmittels
Schmiedetemp. übereutektoider Stähle = S-E Linie
Schmiedetemp. untereutektoider Stähle = ?




mfg
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
AW: schmiede- und schweißtemp. bestimmen

Eine präzise Antwort kann man darauf nicht geben, da zu viele Faktoren mitspielen.

Der Rahmen der Schmiedetemperatur ist im Stahlschlüssel aufgeführt. Das ist eine verläßliche Information, die auf vielen Jahren wissenschaftlicher Untersuchungen und praktischer Erfahrungen beruht.
Damit sollte man sich begnügen-es stimmt einfach.

Zu den Schweißtemperaturen gibt es vergleichbar exakte Informationen nicht.
Es kann sie auch nicht wirklich geben, da sehr unterschiedliche Einflüsse mitspielen.

Grundsätzlich kann man sagen:

1. Höherer C-Gehalt bedingt niedrigere Schweißtemperaturen, da mit dem C-Gehalt der Schmelzpunkt sinkt.

2. Höhere Legierungsgehalte-Ausnahme Nickel und Mangan- führen zu erhöhten Schweißtemperaturen, um die Oxide zu lösen und abfließen zu lassen. Speziell wolframhaltige Werkzeugstähle können zudem einerseits besonders warmfest, andererseits aber auch hitzempfindlich sein.

3. Wirksame Flußmittel erlauben Schweißen bei niedrigeren Temperaturen, eben weil sie Oxide verhindern oder lösen.

4. Gut geführte Feuer oder überhaupt geeignete Erwärmungsmöglichkeiten erlauben Schweißen schon bei niedrigeren Temperaturen.

5. Gut schweißende Stähle schweißen schon bei niedrigeren Temperaturen gut und sicher, weil sie -etwa Renneisen oder Puddelstähle- Flußmittel schon beinhalten.

6. Ein entscheidender Faktor ist die Oberflächenbeschaffenheit.
Es gibt dazu eine wissenschaftliche Untersuchung-veröffentlicht in "Stahl und Eisen"- die für eine bestimmte Zusammensetzung der zu verschweißenden Stähle ein Temperaturfenster von 980 Grad-bei poliertem Material- bis 1280 Grad- bei grob verzunderter Oberfläche- ergab.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 

Xerxes

Mitglied
AW: schmiede- und schweißtemp. bestimmen

Dem ist eigentlich nichts hizuzufügen.

Außer vielleicht, dass manche Stähle schon bei deutlich niedrigeren Temperaturen schweißen, wenn die Auflageflächen absolut blank sind und man verhindert, dass Sauerstoff zwischen die Lagen kommt. Bei meinen Versuchen mit V2a etc. hab ich reine C-Stähle schon bei Temperaturen um die 900 Grad verschweißt. Dabei waren die Flanken völlig zugeschweißt und die Auflageflächen blitzeblank...

Gruß Jannis
 

JostS

Mitglied
AW: schmiede- und schweißtemp. bestimmen

... da kann ich Jannis Erfahrungen nur bestätigen. Wenn ich Päckchen (Packpapier VA) zum Ausschmieden im Ofen habe, hat es mir auch schon bei 900° die Hülle mit meinen naturgemäß blanken Barren verschweißt.
Sch... Job das Zeug wieder abzuschleifen :glgl:
Mittlerweile kommen meine Barren vor dem Einpacken kurz in den Ofen zum Verzundern. Der Clou: nach dem Schmieden ist der Barren blitzblank (wenn es kein Loch gegeben hat) und das Blech ist innen oxydiert - d.h. der Barren wurde an der Oberfläche reduziert :steirer:
Herzliche Grüße aus Stuttgart,
Jost
 

kaputtmacher

Mitglied
Nabend,
ich danke euch allen für die ausführlichen Einblick ins Thema Feuerverschweißen, einige Zusamenhänge bzgl. Temp. usw. werden nun klarer.

@ U. Gerfin
den kleinen Stahlschlüssel hab ich am Wochenende schon bestellt, scheint eine gute Investion zu sein, muss nur noch ankommen das Büchlein. Nun weiß ich wo ich die Schmiedetemp. des jeweiligen Stahls finde, vielen dank


mfg