Materialographie: Projekt Rennofen

LeSchub

Mitglied
Hallo liebe Messerfreunde, Schmiedebegeisterte, Rennofenbauer und anderweitig Stahl-Verrückte


Seit knapp einem Monat lese ich nun schon still und heimlich als Nicht-Angemeldeter hier im Forum sämtliche Beiträge zu Rennöfen und traditioneller Stahlherstellung.
Nun habe ich mich aber doch entschlossen mich anzumelden und mein Vorhaben bzw. dass was mir im Kopf rumgeistert zu teilen.

Ersteinmal möchte ich mich als Neuling hier aber kurz vorstellen.
Mein Name ist Tim und ich komme vom schönen Niederrhein. Im Gegensatz zu vielen Anderen hier (zumindest habe ich den Eindruck) habe ich mich noch nicht näher mit dem Schmieden an sich oder mit Messern beschäftigt, mein Interesse an der Stahlherstellung und am Stahl allgemein rührt von einer anderen Seite her.

Als gelernter Werkstoffprüfer und mittlerweile Student der Materialographie an der Hochschule Aalen bleibt da wohl nichts anderes übrig. ;)

Nun aber zum Kern meines Beitrages:

Im kommenden Semester steht bei mir ein Projekt im Fach Materialographische Präparation an. Vornehmlich sollen hier verschiedene Werkstoffe bzw. Werkstoffe in verschiedenen Zuständen präpariert und dokumentiert werden. Das ganze soll aber schon in einer Art großem Zusammenhang stehen (heißt: nicht einfach 1 x C45, 1x C60, 1x 100Cr6 usw.).

Da ich schon lange Interesse an der traditionellen Eisenverhüttung habe kam mir die Idee die verschiedenen Stufen eines Rennofenprozesses darzustellen.
Nachdem ich nun eure gesammelten Erfahrungen studieren konnte hat sich diese Idee in meinem Kopf festgesetzt und ich fühle mich eigentlich ganz gut vorbereitet (Hier gibt es ja wirklich zu jedem Problem einen passenden Beitrag).

Einzig die Beschaffung eines passenden Erzes macht mir Sorgen. Ich möchte aus dem gewonnenen Stahl keine Klinge herstellen, also würde mir ein insgesamt kleiner Maßsstab vollkommen ausreichen.

Hat vielleicht jemand eine Idee wo man entweder auf der schwäbischen Ostalb oder am Niederrhein noch Erz finden kann das sich mit einem Rennofen verhütten lässt?

Falls mein Projekt funktioniert würde ich die Ergebnisse natürlich gerne mit Allen hier teilen.

Freundliche Grüße

Tim
 

aeglos

Mitglied
hey tim,

frag doch einmal achim w. Der hat erfahrung auf dem Gebiet, betriebt einen eigenen Stahlhandel und arbeitet soweit ich das am rande mitbekommen habe, unter anderm mit der Firma Lohmannstahl zusammen. Vielleicht kann er dir etwas erz schicken oder du wendest dich direkt and Lohmannstahl.

Vielleicht hat deine Hochschule auch eine Hüttenkunde oder Gießereitechnik. Möglich wäre es doch, dass die dir eine bezugsquelle oder sogar reste o.ä. in die Hand drücken können. Die werden sicherlich auch Forschung betreiben wofür die erze brauchen.

Viel Erfolg
 

LeSchub

Mitglied
ich werde mal bei der Hochschule nachhaken, obwohl die Gießerei nur Al- un Mg-Guß macht. Mal sehen ob die was haben oder zumindest Tips geben können.

Aber es müsste ja schon ein hoch Fe-haltiges Erz sein wenn ich das hier richtig verstanden habe?


Grüße von der Ostalb
 

AchimW

Mitglied
Lohmann betreibt keine eigene Verhüttung. Dazu müsste man sich schon an einen der ganz großen Stahlherstellet wie z.B. an HKM Mannesmann oder Thyssen wenden.
 

geol

Mitglied
Hallo Tim,
vielleicht hilft Dir der nachfolgende link weiter (wenn auch Vorkommen, die nicht in Deutschland liegen in Frage kommen):
www.vaerzberg.at/
ein heißer tip ist auch die Montanuniversität in Leoben
www.unileoben.ac.at/
da gibts vielleicht auch Unterstützung bei Deinem Projekt (beide Orte liegen in der Steiermark)
Beste Grüße aus Wien
Werner
 

Hephaestos

Mitglied
Da du ja ein sicheres Ergebnis brauchst, und die Herkunft des Erzes für dich keine Rolle zu spielen scheint, würde ich an deiner Stelle bei "Kremer-Pigmente" reines Eisenoxidpulver bestellen. Damit sollte es auf jeden Fall klappen, was das kostet kann ich dir aber nicht sagen... (du bräuchtest ja schon mindestens 10kg um wirklich ein Ergebnis produzieren zu können).
Grüße und viel Erfolg!

Gruß
Hannes


P.S. Ich warte auch schon auf die ersten warmen Tage, dann werden die Feuer wieder lodern... es gilt, die Fehlschläge von letztem Jahr wettzumachen!
 

LeSchub

Mitglied
Hallo zusammen und vielen Dank schonmal für die Antworten.

Die Idee mit dem Eisenoxidpulver ist an sich nicht verkehrt, zumindest würde ich dann von einem Ergebnis ausgehen können. Allerdings kostet 1 kg ca. 8,00 € was doch sehr hohe Investitionskosten bedeuten würde;)

Da Aalen bzw. Wasseralfingen ja ein Abbaugebiet für Erz war werde ich mich bei Zeiten mal im Geologie- und Urzeitmuseum umschauen und mit ggf. selbst auf die Suche begeben. Ein bisschen was müsste sich doch noch finden lassen!

Stahlstandort Duisburg ist nun auch nicht weit von meinem Heimatort entfernt, hier könnte ich also auch noch nachfragen.

Sobald mein Projekt dann Gestalt annimmt werde ich euch teilhaben lassen.

Beste Grüße

Tim
 

pit03

Mitglied
Hallo LeSchub.

Ich könnt Dir noch Zunder bzw. (Hammerschlag) von Dirostahl anbieten.
Davon habe ich noch gut 200Kg. Das haben wir auch mal im Rennofen Reduziert und eine gruße Luppe gewonnen. Das Zeug ist jedoch sehr hart und die zusammensetzung des Zunders kenne ich auch nicht.
Hier mal der Link zur Firma:
http://www.dirostahl.com/dirostahl/index.php?treeid=354&sprache=
Einfach Mail an mich wenn Intresse besteht.
Gruß Peter Broich.
 

AchimW

Mitglied
Wenn die Herkunft keine Rolle spielt, kannst Du auch Hammerzunder aus der Schmiede nehmen. Da hilft Dir jeder Schmied sicher gerne gratis mit aus.
 

Hephaestos

Mitglied
... das Zeug aus Wasseralfingen eignet sich NICHT für die Verhüttung im Rennfeuer, der Eisengehalt ist zu niedrig. Auch von den ganzen anderen Erzvorkommen hier auf der Alb würde ich die Finger lassen, das ist keine einfache Sache. Ich hab mich dazu schon ausgiebig informiert und einige Rennöfen gefahren - bislang nur Fehlschläge!
Nimm den Zunder von Pit, das ist ne saubere Sache und du kriegst bestimmt ein ordentliches Ergebnis. Du könntest auch bei Armin Drumm wegen Hammerschlag nachfragen, der ist in Ulm und damit nicht weit weg von dir...
Grüße
Hannes
 

LeSchub

Mitglied
Hallo dann nochmal zusammen,

Das Erz von der Alb scheidet also schonmal aus, schade aber gut zu wissen.

Die Idee mit dem Zunder klingt echt gut, da müsste ich mir für mein Materialographieprojekt nur noch etwas überlegen.

Ziel ist es ja verschiedene Materialien/Werkstoffe zu präparieren und ich hatte mir gedacht aus jedem Stadium des Rennofenprozesses einen Schliff zu erstellen (Die ganze Präparationsgeschichte soll im Projekt im Vordergrund stehen, aber ich dachte mir das ganze in einen Zusammenhang zu stecken macht erstens mehr Spass beim Erstellen und zweitens auch beim Lesen)

Wenn ich Zunder benutze dann fällt ja auf jeden Fall ein Schliff des Ausgangsmaterials weg (Zunder habe ich schonmal präpariert, das ist so langweilig wie das Einbettmittel selbst ;) )

Ich könnte natürlich ein einzelnes Erzstück suchen und präparieren aber dann hätte ich Probleme zu erklären wie die unterschiedlichen chemischen Zusammensetzungen zustande kommen:p

Im Prinzip sollte das aber doch gehen!

Ich werde mich dann mal mit pit03 in Verbindung setzen, Dirostahl ist mir aus meiner Ausbildung noch ein Begriff.

Vielen Dank soweit schonmal!

Gruß

Tim
 
Hi, einen Hinweis hätte ich noch. Geh doch mal zum Mineralienatlas

http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php?PHPSESSID=hj846reng47hdgqns2u0m2qu05ppg056&

in den Foren suchst du dir das passende aus (unter Mineralien entweder "Fundortbestimmung" oder "allgemeine Diskussionen") und fragst dort mal die Sammler nach entsprechenden Erzvorkommen. Ich könnte mir vorstellen dass du dort Hinweise kriegst wo es was passendes für dich gibt.

Vor ein paar Jahren war ich am Rande des Odenwaldes mal auf einer Rennofen-Veranstaltung, die hatten Hämatit-Erz aus dem Odenwald verwendet, das es dort wohl reichlich gibt, aber das liegt halt nun leider nicht in der Nähe der Schwäbischen Alb.

Gruß Burkhard
 

LeSchub

Mitglied
Hallo zusammen,

ich habe mich jetzt mal auf die Suche nach allen Materialien gemacht die ich so brauche um einen anständigen Ofen zu bauen.

Ich habe überall günstige Sachen gefunden, lediglich die Holzkohle macht mir jetzt zu schaffen.

Ich habe in verschiedenen Beiträgen gelesen das manche 10 kg Billigholzkohle für 6€/Sack gefunden haben. Ich finde aber nur 10 kg Gebinde für 14 €.

Habt ihr einen Tip ob und in welchem Baumarkt man günstig an Kohle kommt?

Gruß

Tim
 
G

gast

Gast
Guten Morgen,

Nachdem wir das Thema Erz, ja jetzt geklärt haben wirst du feststellen dass das Kostspieligste am Verhütten von Erz die Holzkohlen sind.

Es wird nicht sehr viele Alternativen geben, ausser Baumarkt, oder wie wirs tun, selbst Köhlern.

Was den Lehm betrifft, solltest du welchen finden der Kalkfrei ist.
Dies findest du leicht heraus, indem du einige Tropfen Salzsäure draufgibst, sprudels....ist Kalk drinn. Der Kalkgehalt sorgt für ein heruntersabber der Ofeninnenwand, was ein verstopfen der Düse mit sich bringt.
Die Düse sollte in deinem Falle aus Feuerbeton sein, da deine Mittel begrenzt sind, und dein Projekt nicht an einer abtropfenden Düse scheitern sollte, ich leg eine bei.
Ebenso, versuche einen Faulenzerofen aus Backsteinen (rote gebrannte Lehmziegel?) zu bauen, falls du Probleme hast genügend guten Lehm zu finden.
Mach ihn innen nicht weiter als 20mal20cm, 1-1,2m hoch das reicht für 10 Kg Erz. Lies dir gut die Bemerkungen über die Gebläse durch, dies ist nicht unwichtig!
Den Rest hast du in unseren Berichten gelesen , bei Fragen wird dir an dieser Stelle hier, bestimmt Irgendeiner von uns gerne weiterhelfen.

Gruss Rom.
 

LeSchub

Mitglied
Das mit dem Faulenzerofen hatte ich mir auch so gedacht.
Ich habe hier noch 2 Schamottröhren mit einem Durchmesser von ca. 25 cm rumliegen, könnte ich diese nicht auf einen Ziegelsockel setzen? Dann bräuchte ich den Ofen doch innen nur im unteren Bereich mit Lehm auskleiden oder hat der Lehm neben der Isolierung noch eine andere Wirkung im Prozess?

Ich werde dann wohl in den sauren Apfel beißen und teure Holzkohle kaufen.
Andererseits werde ich einfach mal im Baumarkt unserer Stadt nachfragen. Ich habe nämlich vor den Rennofen auf unserem Pfadfindergrundstück zu errichten, da könnte der Baumarkt gut mal etwas für die Jugendarbeit in der Stadt sponsorn.
Immerhin lässt sich so eine Frühzeitliche Eisengewinnung ja auch prima als Pfadfinderprojekt verwirklichen!

Gruß von Niederrhein

Tim
 
G

gast

Gast
Das mit den Schamottröhren auf den Ziegeln sollte klappen, du brauchst überhaupt nichts innen draufzuschmieren bei der kurzen Ofenreise.

Pass nur auf dass von aussen alles dicht ist.

Gruss Rom.
 

LeSchub

Mitglied
Okay dann werde ich da nachfragen, und wenn ich das Projekt als Pfadfinderprojekt laufen lasse habe ich für die Wölflinge auch schon eine Beschäftigung: Kohle klopfen:hehe:

An Rom.: Das ist klasse wenn das so geht. Abdichten sollte klappen und nach aussen Isolieren geht ja auch mit "minderwertigem" Lehme oder?
 
G

gast

Gast
Es geht auch mit minderwertigem Lehm, mach ihn soweit nass dass du Heu daruntergemischt bekommst, sonst blättert dir der Lehm ab, wenn er warm wird.
Bau den Ofen ruhig eine Woche vorher auf, und leg was darüber , dass kein Regen dran kommt,aber die Luft daran vorbeiwehen kann.
Je langsamer er trocknet umso weniger Risse.
Bereite dir auch einen Eimer von pastösen Lehm vor um während der Ofenreise immer wieder mal hier und da grosse Risse zuzuwerfen.

Gruss Rom.