Wiederbelebtes Küchenmesser...

luftauge

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Mein Nachbar kam gestern kurz vor Mittag und gab mir mit sichtbar schlechtem Gewissen ein ansich brauchbar wirkendes, sehr dünn ausgeschliffenes Küchenmesser mit Bitte um Wiederbelebung in die Hand. "German chef knife 10" ist darauf eingeätzt.
Bruchbild des Ausbruchs. ca. 5mm tief und etwa 15mm breit, daneben noch ein Rissansatz von etwa 3mm Tiefe.

Es stammt aus dem Sortiment von "Emsa", einer eher für Haushalts- und Gartenprodukte aus Kunststoff bekannten Firma aus Emsdetten/Münsterland, also vermutlich ein Auftragsprodukt in Fremdfertigung, der eigentliche Hersteller ist daher unbekannt, wegen der Stahlangabe 1.4028 und dem dünnen Ausschliff tippe ich aber auf einheimische Auftragsfertigung...

Ich habe die Klinge entlang der Schneide um etwa 5mm verschmälert und eine neue Schneide angearbeitet. Die Dicke über Schneide hat sich dabei von original ca. 0,3mm auf nur ca. 0,5mm erhöht, also eine sehr flache Klinge insgesamt. Wegen des grobkörnig aussehenden Bruchs gehe ich aber davon aus, dass die Klinge auch in weiteren Bereichen ein derartiges Gefüge aufweist, somit ist ein späterer, weiterer Bruch wohl nicht ganz ausszuschließen.

Dieser Stahl scheint zwar für dünne, feine Schneiden durchaus tauglich zu sein, aber wegen des geringen C-Gehalts dennoch eine noch sorgsamere WB zu benötigen, als andere Stähle dieser Klasse.
0,3% C ist ja schon an der untersten Grenze der härtbaren Stähle und benötigt ggf. eine Sonderbehandlung beim Härten, die über spätere TK hinausgeht.
edit:
Das einzig brauchbare Datenblatt ohne Diagramm, was ich gefunden habe, nennt keine Besonderheiten, das nur am Rande. Nichtmal TK wird genannt. Irgendwas an diesem Messer scheint jedenfalls ziemlich schief gegangen zu sein.

Aber das Messer ansich ist wieder brauchbar, den Schneidenwinkel habe ich dabei auf ca. 40° gesamt erhöht, mal sehen, wie lang das hält... - heute mittag war es jedenfalls wieder rasierscharf einsatzbereit :cool:

Gruß Andreas
 
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luftauge

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Mal ehrlich:
Wenn ein Forumit so ein Messer gehabt oder hier nachgefragt hätte "was nun ?", dann wäre die Antwort zu Recht gewesen: "einschicken, auf Kulanz (Ersatz) oder Reparatur pokern, egal, wann die Garantie/Gewährleistung abgelaufen ist !"

Sowas darf eigentlich nicht passieren. Aber nicht jeder ist so weitgehend informiert, um so einen Schaden halbwegs richtig einzuschätzen und konsequent zu reklamieren. Seis drum, am Gartenzaun diskutiert man nicht über solche Feinheiten.

Er hat sich gefreut, das Teil am nächsten Tag wieder in Empfang nehmen zu können. Dass seine Frau ihm bei Übergabe und Empfang "im Nacken saß", sei hier nur am Rande erwähnt... :argw:

Gruß Andreas