Wie giftig ist Buchsbaum

herbert

MF Ehrenmitglied
Also, ich bin etwas verunsichert. Hab mal die Suchfunktion angeschmissen, und da wird einem ja schlecht. Ich habe einige schöne Brettchen aus Buchsbaum (Danke rkapeller!), und die sollen als Messergriff enden, an einer Klinge aus Carbon V (also etwa 1.3501). Wie giftig ist das denn wirklich? Im Verhältnis zu anderen Hölzern, meine ich. Irgendwer hat gesagt, Buchsbaum sei besonders giftig. Stimmt das denn?
Ein verunsicherter Herbert wartet auf Antworten.
 

DeadlyEdge

Mitglied
Hallo, Herbert,

ist nicht so wild. Hier die Beschreibung von einer kompetent wirkenden Seite. Da steht, daß vor allem die Blätter das scharfe Zeug enthalten. Und Vergleiche mit anderen Hölzern kannst Du dort auch entnehmen - z.b. ist die Eibe als giftig-sehr giftig eingestuft, der Buchs - als gering giftig bis giftig.

Grüsse,

Martin
 
Zuletzt bearbeitet:

xtorsten

Mitglied
Ergänzung:
das Hauptproblem bei Buchsbaum für uns ist die Wirkung auf die Schleimhaut / Haut.
aus Kornmann,Daunderer, Roth: Giftpflanzen / Pflanzengifte:
"Mehrere Fälle von irritativen Kontaktdermatitiden sind beschrieben worden; möglicherweise fungieren die Alkaloide dabei als Histaminliberatoren. Asthma wurde mehrfach beobachtet, wenn man den Holzstaub zum Putzen und Polieren von Edelmetallen ( Gold-, Silberwerkstätten) einsetzte."
Also das geht, ist aber weniger angenehm wie z.B. Kirsche.
Ich hatte solche Hautirritationen mal von Cocobolo, das war nicht schön (juckte, wurde rot - ähnlich wie zuviel putzen mit heftigem Reinigungsmittel) hat mich aber auch nicht wirklich umgebracht und war auch nach ein paar Tagen wieder weg.
Und diese athmatischen Reizungen der Atemwege kenn ich von Robinie, da kommt das auch vor. Atemschutz! Und dann einfach auf o.g. achten, Du weißt ja dann, was für eine Reaktion sich zeigt. Es gibt Leute, die reagieren sensibel und zeigen schnell diese Kontaktdermatitis und die Atemwegsreizung, andere haben da gar keine Probleme. Das mußt Du wohl für Dich ausloten. Aber keine Panik, falls sich da überhaupt eine Reaktion zeigt, kriegst Du das rechtzeitig mit. Und bei einem Messergriff ist das nicht so wild.
Viele Grüße,
torsten
 

Camig

Mitglied
Hi Herbert,

befürchtest Du die Probleme eher bei der Herstellung des Griffs oder später bei der Benutzung des Messers?
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Bei der Griffherstellung, ich denke, dass Stäube und Öle usw. eine Rolle spielen. Bei der festen Oberfläche der Griffe dürfte das wohl ohne große Belange sein. Hoffentlich.

Danke jedenfalls für die Informationen, ohne Euch ginge halt nicht viel ab in der Messerwelt....
 

Aleena

Mitglied
Original geschrieben von herbert
Bei der Griffherstellung, ich denke, dass Stäube und Öle usw. eine Rolle spielen. Bei der festen Oberfläche der Griffe dürfte das wohl ohne große Belange sein. Hoffentlich.


Hi herbert,

wenn du auf den Kontakt mit Buchsbaum reagierst, dann hast du auch beim fertigen Griff Probleme. Es sei denn, du lackierst ihn.
Buchsbaumholz ist nicht wirklich giftig, aber viele (ca. 10%) reagieren mit heftigen Allergien darauf.
 

Andreas

Mitglied
@Herbert: Ich habe hier 3 Messer liegen, die einen Griff aus Buchsbaum haben. Wenn du herausbekommen möchtest, ob du gegen Buchsbaum (gegen den fertigen Griff) allergisch bist, kann ich dir gerne ein Messer schicken.
Ich bin es jedenfalls nicht :)
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Soweit alles klar, ich habe mit den Brettchen eine Weile herumgespielt, ohne Befund. Ich denke mal, das Messer kriegt seinen Buchsbaumgriff. ist nämlich sehr schön.
Ich glaubte nur, irgendwo gelesen zu haben, dass Buchsbaum besonders giftig sei. Das ist wohl nicht der Fall. Gott sei Dank.

Vielen Dank für Eure Mühen mit einem in der Vergangenheit völlig verunsicherten Herbert. Im Moment ist die Wiese ja wieder grün.
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo Herbert,

bin neulich auch auf Buchsbaum gestoßen. In der Unterkunft von einem Firmenseminar wurde ein alter teilweise gefällt, da habe ich mitgenommen was ich tragen konnte. Das Zeug ist ganz schön schwer sage ich Euch.

Hoffentlich trocknet es ohne reissen. Bisher macht mir die Feuchtigkeit ein wenig Sorgen, da sich schon leicht Schimmel unter der Versiegelung der Hirnholzfläche bildet.

Abwarten und Tee trinken,

viele Grüße nach Kreuzau sendet Dir der Leo.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Ja, ist ein tolles Holz, mit warmem glatten Gefühl. Nochmals Danke an RKapeller für das schöne Holz. Ich hab ein Red River Messer damit "begrifft". Carbon V, nicht schlecht. Ist noch nicht ganz fertig, aber einen Eindruck von dem Holz wollte ich Euch schon geben.
Ich habe die relativ lieblos gefertigte Rohklinge geschliffen, jetzt kommen schon bevor es fertig ist die Marken vom Richten nach dem HÄrten raus..., egal. Der Griff ist bislang nur mit Schleifpapier behandelt und danach mit Stahlwolle abgerieben. Politur ist eigentlich gar nicht mehr nötig, wird eh hart rangenommen werden, ist ein Küchenfighter, oder VaterundSohnZeltenüberlebensmesser.
 

Anhänge

  • red river kleinjpg.jpg
    red river kleinjpg.jpg
    32,4 KB · Aufrufe: 535
Zuletzt bearbeitet:

herbert

MF Ehrenmitglied
Ach so, ja, Härte des Stahls : 58 HRC (das ist für so ein Messer ok), Gesamtlänge 270 mm, Klinge 150 mm lang, 2 mm dick. Gewicht ca. 195 g.
Zwischen Griffholz und Erl rote Vulkanfiberliner. Messingnieten 4 mm, Fangriemenöse aus Messingrohr Durchmesser 6 mm. Griff Buchsbaum,
und beim Bearbeiten des Holzes hab ich (obwohl Allergiker) nichts aussergewöhnliches gemerkt. Obwohl es gestaubt hat wie nur etwas, sehr feiner Staub war das, Werkstatt sah ja vielleicht aus....
Klingenfinish bislang 1000er, aber das wird noch. Die Klingenform ist ungewöhnlich, aber für Küchenanwendung nicht schlecht. Angenehmer Winkel bei Nutzung der Vorderpartie der Schneide. Weiß jemand, ob es diese Klingen noch gibt (hat Horst Heinle in Lindenstruth verkauft).
Die Kerbe am Klingenende, vor dem Ricasso, also der Auslauf sozusagen, der war werksmäßig drin. Der rohling (gehärtet und geschliffen war er schon) war ja schon recht lieblos, fast schlampig gemacht, aber wenn man was dran tut,kriegt man ein schönes Messer aus einem Kugellagerstahl, 1.3501 sozusagen plus eine Prise Vanadium. Carbon V halt.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Das hört sich gut an, Camig. Zwei Arbeitskollegen von mir haben sich für diese Klingenform interessiert. Der eine wollte damit Brot schneiden, der andere mehr Salami. Geht aber beides, kriegt man auch schön scharf.
Ich werde in Lindenstruth ein paar Klingen kaufen, dann aber weichglühen, abschleifen, neu wärmebehandeln.
Ich muß sagen, das Messer hat schon was, obwohl nicht ganz fertig (ich weiß, Camig, meine Messer sehen ohnehin nie ganz fertig aus...), und wird jetzt schon in der Küche heftig verwendet. Und ich kann nur sagen, Leute, wenn Ihr an Buchsbaum rankommt, dann los. Sehr schönes Feeling.
 

Haudegen

Mitglied
servus herbert,

schön, dass dich der buchs nicht niedergestreckt hat. :hmpf:

klingenform find ich klasse, ist denk ich ein matrosenmesser ??

zum buchs, du schreibst sehr feiner staub.

buchs ist denk ich sehr feinfasrig. norbert aus dem forum hat mit dem material tolle "gravuren" erstellt. und als ich das dem roman auf nem treffen erzählt habe, hat sich ein zuhörer grüsse,..eingeschaltet mit der information, dass buchs früher zur buchdruckschnitzere verwendet wurde.

grüsse,..
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Hi, Haudegen,
ja, das kommt dem Matrosenmesser vom Stil her nahe. Ist aber größer, und die Krümmung der Klinge ist recht ausgeprägt. Ich benutze das Messer inzwischen sehr gern. Hätte ich mir auch nicht so vorgestellt.
Deine Infos über den buchs sind sehr interessant.
 

Andreas D

Mitglied
Hallo,

im Messer Magazin 5/2002 ist ein Bericht über den Messermacher Jean-José Tritz.
Er schreibt dort dass er viel mit Buchsbaum arbeitet und ihn sogar selbst in Südfrankreich schlägt. ( Sogar der Mond muss richtig stehen)

Also so giftig kann dann Buchsbaum bei der Arbeit nicht sein.

mfg
Andreas
 

Camig

Mitglied
@ herbert,

wenn ich Hrn.Heinle schon in Rüsselsheim treffe nehme ich ihm einige Klingen für Dich ab.

Was versprichst Du Dir von der neuen Wärmebehandlung?
Ist es so wie es ist nicht gut (genug)?
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Hi, Camig, danke, dass ist nett. Kann sein, dass ich auch nach Rüsselsheim komme, dann wirds noch einfacher.
Die Sache mit der neuen WB möchte ich machen, um nach dem Weichglühen noch die Schmiedemarken zu entfernen. Dann eben neu. Kann aber sein, dass dann wieder Verzug kommt. Die Wärmebehandlung der Klingen im Kaufzustand finde ich für diese Messergröße und Form eigentlich richtig, so 58 HRC. Mich reizt auch, im Nachgang zu meinem Artikel im MM, eine Klinge komplett neu zu behandeln und danach zerstörend zu prüfen. Mal sehen.

Und sollte ich es nicht nach rüsselsheim schaffen, ruf ich Dich an, oder maile, ein paar von den oben gezeigten Klingen hätt ich schon noch gern.
 
Zuletzt bearbeitet:

xtorsten

Mitglied
@herbert: sieht gut aus mit dem Buchs am Griff (nur die Klinge ist von der Form her nicht so mein Ding. hatte mich auch schon für die CS-Klingen intertessiert, nur leider für die bereits vergriffene gerade Klingenform).
läßt du uns dann an den Ergebnissen teilhaben, wenn du zerstört hast? Wäre sehr interessant.
Vielleicht sollte ich es auch so machen: Klinge besorgen, weichglühen, umarbeiten und wieder härten. Meinst Du, der Aufwand lohnt?

viele Grüße,
torsten

ach ja: schön, daß Du nach dem Lauri-Unfall nicht die Lust verloren hast, zu werkeln !
 

herbert

MF Ehrenmitglied
xtorsten: klar, es wird mir eine Freude sein, über die Ergebnisse zu berichten. Und was die Klingenform angeht, so war ich anfangs sehr skeptisch, aber jetzt, wo ein Griff dran ist, muß ich sagen, dass es ein ungeheuer führiges Messer ist für Schneidarbeiten in der Küche.
Der Aufwand mit dem Wärmebehandeln lohnt sich, wenn man die Klinge etwas verändern möchte, und wenn man das Optimum herausholen will. Differentiell härten kann man den Stahl ja auch noch. Aber im Ausgangszustand ist das schon ok.
Tja, Lauri ist jetzt mein nächstes Projekt, meine Hand zuckt nicht mehr zurück, wenn ich die Klinge in die Hand nehme.

Ach so: wenn man Kugellagerstähle liebt, ist das, wenn man nicht selbst schmiedet, der gute Weg: solche Klingen kaufen, weich glühen, umarbeiten und neu Härten. Kugellagerstähle gibt es nämlich sonst kaum als Flachmaterial.