Werkzeug-Herstellung - Materialkunde

Tierlieb

Mitglied
Hallo zusammen!
Geht Euch das auch mal so, daß Euch beim Schmieden der Kragen platzt, weil der Hammer nicht so will, wie ihr wollt?

Ich habe leider kaum einen Hammer, der meinen persönlichen Bedürftnissen entspricht, also dachte ich mir, mach doch selbst welche.

Ich bin ein Fruend von sowohl den mittelalterlichen Formen mit langem, dünnen Kopf als auch sehr interessiert an den japanischen Hämmern, deren ganzer Kopf vorne liegt (beschrieben bei Don Fogg http://www.dfoggknives.com/JCC98.htm).

Mr stellt sich natürlich die übliche Frage: Woraus machen? Wie härten? Darf ich mit 1.2379 rumspielen?
Ich ärgere mich jedes mal, daß ich nicht eine Ausbildung zum Werkzeugmacher gemacht habe, denn so muß ich Euch belästigen.

Also, Tipps jeder Art erwünscht, auch Hinweise wie "dann lern das Werkzeugmachen doch, lies einfach diese Bücher".

MfG, Tierlieb
 

zorro_43

Mitglied
Hi Tierlieb!

Ich hab auch gerade meinen ersten Hammer in arbeit.
Ich mache den aus 1.1730 (also C45W).
Ich werde den nur an den Bahnen in Wasser härten und dann bei 180° anlassen.

Generell finde ich, das die Hinweise im kleinen Stahlschlüssel schon einen guten Anhaltspunkt geben.

Bei nem Hammer würde ich die Zähigkeit wichtiger finden als die Härte.
Wenn dann wegen zu wenig Härte ein Bart entsteht ist das immer noch besser, als wenn er wegen zu viel Härte zerspringt.
Bei 1.2379 ist das Problem, das du so einen Lufthärter nicht differentiell härten kannst. Das heisst, das "Haus" wird auch hart und der Schlag nicht so gut gedämpft, nicht so satt.

Zorro
 

Armin II

Mitglied
Anlassen musst du nicht unbedingt wenn du CK45 verwendest und nur an der Bahn härtest. Wenn du nur die Bahn ca 10 mm in Wasser eintauchst, dann hat der Rest vom Hammer noch soviel Wärmeenergie die dann denn gehärteten Teil wieder erwärmt was dem Anlassen gleichkommt.
 

AchimW

Mitglied
Markus' Hämmer

Ich hab beim Treffen bei Markus Balbach mit ihm über dieses Thema gesprochen. Wie er mir sagte, fertigt er die Hämmer aus C45, härtet nur Bahn und Finne und lässt dann bei 260° C an, wenn ich mich recht erinnere.

Achim
 

zorro_43

Mitglied
So,
ich hab meinen Hammer jetzt fertig.
Hat alles gut geklappt. Es ist ein kleiner Mechaniker-Hammer ohne Finne, 20x20x80, 1.1730.
Um beim härten der 2. Bahn die erste nicht zu sehr zu Erwärmen habe ich den Hammer in eine Blechschale mit Wasser gestellt, so das nur 20mm herausschauten. Dann hab ich von oben den Schweissbrenner draufgehalten bis so circa 4-5mm orange-rot glühten.
Zum Abschrecken hab ich den Hammer dann einfach umgeschmissen.
Dann die andere Seite genauso.
Angelassen hab ich den Hammer bei 200° im Ofen.

Man kann sogar die Härtelinien deutlich sehen.
Ein Hammer mit Hamon - goil!

Das ganze war natürlich nicht sooo Ernst gemeint. Es sollte ein Übungsstück zum Härten sein. Ich arbeite nicht gerne für die "Tonne" und deshalb suche ich mir auch zum Ausprobieren gerne konkrete Projekte. Und wenns klappt - um so besser!
Mal sehen wie der Hammer sich so bewährt.

Zorro