Welche Art Messer ?

vector0168

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Hallo,
ein Kollege hat dieses Messer aus einem Nachlaß erhalten, kann jemand etwas zu diesem Messer sagen ?
Der Besitzer muß im Kalibergbau tätig gewesen sein, auf der einen Klingenseite befindet sich die Aufschrift „Ein Jahrhundert Kalibergbau an Werra und Ulster“, auf der anderen Klingenseite steht „1900 K+S 2000“.
Das Messer ist 17,5 cm lang, Klingenlänge beträgt 7,7 cm, auf dem Griffende befindet sich eine Messingplatte mit der Darstellung eines gekreuztem Hammers und Fäustels.
Die Gesamtverarbeitung ist recht grob.
 

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Leonardo75

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Hallo vector0168!

Ich fühle mich an Don Carlos Messer erinnert. Aber die haben inzwischen mehr Verzierungen. Schick denen doch mal das Bild, vielleicht wissen die ja was darüber.

Gruß Leo.
 

Schütze BUM

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Ganz genau, das ist ein Tzscherper.

Der Tzscherper ist das traditionelle Messer des Erzbergmanns.
Er war vom 16. bis Anfang des 20. Jahrh. als feststehendes Messer mit gerader Schneide unentbehrliches Werkzeug.
In der Zeit, als dem Bergmann für die Gewinnung der Erze sowie für den Vortrieb von Stollen und Strecken nur "Schlägel und Eisen" (Hammer und Meissel) zur Verfügung standen, diente er vorallen dazu, "das Helm" (den Stiel), an welchem das Bergeisen befestigt war, zurechtzuschneiden, daß es passte.
Ein Bergmann verschlug in einer Schicht 10 bis 12 Bergeisen.

Außerdem prüfte der Bergmann mit diesem Messer das Holz des Grubenausbaus auf Fäulnis. Das sogenannte Bestechen des Holzes.

In den frühen Zeiten des Bergbaus gelangten die Bergleute über sog. Fahrten (Leitern) in den Schächten in die Bergwerke und wieder hinaus.
Diese Fahrten waren auch aus Holz und wenn eine Sprosse angebrochen war, so hatte jeder Bergmann die Pflicht, diese sofort zu reparieren, um zu verhindern, daß ein nachfolgender Bergmann keinen Ha<lt fand und abstürzte.
In den Schächten waren alle 7 bis 8 m Ruhebühnen eingebaut, auf denen immer ein Vorrat an Sprossen bereit lag.
Um die Sprosse einzupassen benutzte der Bergmann den Tzscherper.

In der Verordnung des Bergamtes zu Clausthal vom Jahre 1850 heißt es ausdrücklich:
".... Da aber nicht jeder Bergmann eine Axt oder Barte führt, so hat sich jedoch ohne Ausnahme jeder einfahrende Bergmann mit seinem Tzscherper in guter Scheide zu versehen, um bei augenblicklicher Entbehrung einer Axt oder einer Barte mit Hülfe dieses Messers die Einziehung einer Sprosse doch wohl bewerkstelligen zu können."

Natürlich benutzten die Bergleute den Tzscherper nicht nur bei der Arbeit, sondern auch um damit "über den Daumen" ihr Brot zu essen, woraus die Tradition des "Tzscherper-Frühstücks" entstand, das bei, noch heute begangen Festen, wie dem Bergdankfest gepflegt wird.

Der Ursprung des Tzscherpers ist vermutlich im sächsisch-böhmischen Bergbau zu suchen, von wo er durch die Wanderungen sächsischer Bergleute in den Harz kam.