Was tun bei unbelehrbaren Kunden/Auftraggebern ?

luftauge

Mitglied
Mal ne Frage an Die, die schon Auftragsmesser gefertigt haben:

Was macht Ihr, wenn Ihr einem Auftraggeber partout nicht rüberbringen könnt, bzw. wenn er partout nicht begreifen will, dass seine Stahlwahl (sein Stahlwunsch) für seinen gedachten Verwendungszweck nach allgemeiner Ansicht nicht die beste Wahl ist ?

Grund für diese Frage ist freagles thread zum ausgescharteten Jagdmesser aus CPM - ich denke dass der Jäger vorher nicht überlegt hat, zu welchen speziellen Schneidarbeiten er das Messer brauchen wird - obwohl er andererseits auch nicht unbedingt vorher wissen kann, was ihm vor die Flinte kommt.

Grund für diese Frage:
Vor einiger Zeit bin ich auch von zwei Jägern auf je ein Jagdmesser angesprochen worden, ein Nicker (mag ich persönlich nicht) und ein "Universalmesser".

Das Problem an der Sache:
Auf die Frage nach den gedachten Arbeiten mit diesen Messern (beim Nicker eigentlich klar, auch wenn schlecht nachvollziehbar)
kam nur die IMO blöde Antwort, och das ist eigentlich egal, Hauptsache der Stahl ist rostfrei...

Nun kenne ich die Beiden schon etwas länger, und weis, wie sie mit ihren sonstigen Arbeitsgeräten umgehen (zwei Tischler: Meister und Geselle).
Da kann ich mir (hoffentlich zu Unrecht) lebhaft vorstellen, wie sie mit ihren Jagdmessern umgehen werden...

Wenn man so einen Auftrag bekommt, versucht man normalerweise bestmögliche Arbeit abzuliefern, aber wie sorgt Ihr dafür, dass diese Kunden später nicht ständig auf der Matte stehen und an den "nichts taugenden Messern" rumnörgeln, obwohl Ihr wisst, dass ihr gute Arbeit abgeliefert habt ?

Gruß Andreas
 
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Kevin Wilkins

Moderator Forum Kevin Wilkins
Ich verstehe nicht ganz dein Problem... du hast CPM420V und die Kunden wollen was Rostfreies... klingt als ob das Problem gelöst ist. Man muß die Kunden nur sagen, CPM kann leicht rosten wenn man nicht daruf achtet, sonst ist es einer der besten Stählen überhaupt für Sport- oder Jagdmesser. Schneidegeometrie, Klingenform und angemessene Wärmebehandlung sind genau so wichtig wie Stahl sorte... mag sein die sind sogar wichtiger. CPM420V ist ein Superwahl.

Ein Problem grundsätzlich ist folgendes: sämtliche Messer die gebraucht werden, werden stumpf!!!!!! Ende. und sehr viel Quatsch wird geredet über Messer die "nie stumpf werden" obwohl man damit durch Stahlplatten gehauen hat usw usw. Glaube ich nicht. Wenn es solche Messerr gäbe, wären die sofort in Schlachthöfe usw eingesetzt. Gibts aber nicht. Jede Kunde muß wissen, wie man ein Messer schärft, oder es zum schärfen bringen. Erwartungen die von Anfang an nicht zu realisieren sind, gehen nicht in Erfüllung.
 

HankEr

Super Moderator
Äh, ich verstehe das Problem jetzt auch nicht so ganz. Wenn jemand rostfrei will, dann würde ich davon ausgehen, daß er das auch will. Da kann man schlecht auf 52100 setzten und hoffen das der Abnehmer die Hinweise bzgl. Pflege auch beherzigt. Gerade bei der Jagd ist das mit der Pflege nicht immer so einfach. Da wird ein Stück Wild aufgebrochen, dann kommt das Messer irgendwohin (kaum in die Scheide bei der Siffe, sondern irgendwohin in einen Baum, in den Schnee, in den Boden, ...) dann wärmt man sich erst mal die Hände in der Leibeshöhle des Opfers und dann geht es weiter. Sowas kann einem Messer schon zusetzen und die die hauptsächlich "Rostfrei" wollen, das sind auch die denen man i.d.R. nicht allzufeine Geometrien zaubert und auch den Stahl nicht direkt im oberen Härtebereich härtet, denn eine verbogene Schneide ist schneller notdürftig repariert als eine ausgebrochene. Viele wollen nicht das Optimum, weil dieses auch mehr eigenes Wissen vonnöten machen würde.

Prinzipiell ist der Kunde natürlich König, aber im Hobbybereich muß man doch nicht jeden Auftrag annehmen. Wenn man sich mit den Anforderungen nicht identifizieren kann, dann läßt man es doch lieber bleiben, oder?

Mich fragen auch oft Leute, wenn sie einen Rechner brauchen und sagen dies und sagen das. Dann frage ich was wollen sie denn damit machen. Wenn dann nur kommt "naja ich denke sowas braucht man heute" oder die Anforderungen schon fix auf einen Windows PC ausgreichtet sind, dann schicke ich sie weiter. Sowas tue ich mir nicht an.
 
Hi zusammen,

die Frage war doch wie gehe ich mit Auftragebern um, die keine bzw. sehr wenig Ahnung haben. Ich hab da eine ganz einfache Lösung gefunden - zugegebenermaßen auch erst nach einigen bösen Überraschungen-

Wer von mir ein Messer will - nimmt das was ich für richtig halte, zahlt den ensprechenden Preis, wartet solange es dauert - oder - schaut ganz,ganz,ganz tief in die Röhre:haemisch: - ich bin Künstler :steirer: und keine Dame des käuflichen Gewerbes.

Ich weiß das hört sich arrogant an, ist aber eine Einstellung die ich jedem der seine leidenschaft nebenberuflich ausübt nur wärmstens empfehlen kann.:super:

Gruß

Markus Antonius

nomen est omen
 

roman

MF Ehrenmitglied
@Luftauge jetzt hast das Buch gelesen und gleich ein praxisbeispiel für die 70% und das man noch so gute absichten haben kann.
Im Endeffekt zählt entweder der Kunde oder ich

Persönlich steh ich auf dem Standpunkt von Markus Antonius zu 100%, sonst könnt ich kein Messer mehr machen.

Also: Position beziehen aber flexibel bleiben
 

luftauge

Mitglied
@ Roman & Marcus Antonius:

Das war es eigentlich, was ich hören wollte ;)
edit:
Ein bisschen stolz ist man ja nun doch auf sein Hobby, weil es nicht jeder macht, das sehe ich genauso - aber auch, dass das spezielle Wissen um die "Messertechnologie" auch Ernst genommen wird.

@ Kevin, HankEr:

Es geht mir um die Beratung vorher, damit der Besitzer des bestellten Messers nicht ständig Nachbesserungen verlangt, und auf die Idee kommt, einem (mir) später evtl. Unfähigkeit unterstellt.
Dass das Messer irgendwann abnutzt, wird er wohl schon wissen.

Ich hätte natürlich mehrere Möglichkeiten:
- sich entweder vom Betreffenden zeigen lassen, wie er am Objekt mit dem Messer arbeitet, und dann eine Empfehlung geben
- einfach sagen "egal, er wollte es ja nicht anders" und dann Beschwerden riskieren, und danach fragt niemand mehr
- ihn zu jemanden schicken, der mehr Erfahrung hat und sich dann Lustlosigkeit oder Launigkeit nachsagen lassen
- oder nett und höflich ablehnen mit der Begründung, dass man seine "Qualitätsansprüche" noch nicht erfüllen kann.

Diese Gedanken hatte ich schon, seit ich gefragt wurde, nur haben mich das Buch und einige Diskussionen hier in meinem Zaudern bestätigt

@ Ray:
Den Irrtum hatte ich schon bemerkt, der S30V stand noch nicht in der Stahltabelle ;)

Gruß Andreas
 
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Kevin Wilkins

Moderator Forum Kevin Wilkins
Es gibt Leute die wenig wissen und möchten was lernen. Ich lerne immer weiter mit jedem Messer den ich mache. Solche Leute sind ideale Kunden, genau so wie Leute die vieles wissen. Davon kann man lernen. Es gibt auch andere - in meiner Erfahrung mit Messern eher seltener - Leute die wenig wissen, glauben aber alles zu wissen. Von solche Kunden soll man Abstand nehmen, weil du nur Ärger damit hast.

Ich habe öfters Leute die ein Messer entworfen haben und wollten das ich es mache. Ab und zu, sind die Entwürfe gut und machbar, meistens die Messer sínd nur mit einem Ansicht gezeichnet und werden in 3D niemals funktionieren. Oder die sind 1:1 kopiert von jemand anders. Ich rate die Leute ein Model zu bauen. Manchmal versuche ich zu erklären warum sowas nicht machbar ist. Meisten wollen die das nicht hören und wollen auch nicht die Zeit nehmen ein Model zu bauen. Wenn ich ein Modell baue, kostet es fast soviel we das Messer und keine will für Research and Developement bezahlen... ;-) So ich lasse es einfach.

Ich geniese es, wenn jemand will das ich ein Messer baue und wir fangen ein Dialog an. Die erzählen warum sie das Messer haben wollen und wofür und ich arbeite an Zeichnungen bis wir eine Lösung haben (so habe ich das halb durchsichtige Klappmesserr für Ray gemacht. Er hat viele interesante Erwartungen und Ideen und das Messer ist wirklich toll geworden. Ich baue ein ganz ander Folder derzeit für Pickup unter ähnliche Arbeitsmethoden und ich denke das wird auch was tolles!)

Ich lehne sämtliche Aufträge ab, wo ich kein Bock habe oder wo ich denke daraus wird Nichts. Natürlich als ein gute, alte Ami hat alles sein Preis... zB für EURO 10,000 baue jede scheiß Messer was irgendein Idiot haben will ;-) Aber es wird mir kein Spaß machen. Dann wäre es nur ein scheß Job. Bis jetzt ist es zur sowas nicht gekommen.