Was ist Liquidmetal

spyderbug

Mitglied
Hallo Pitter!

Dazu hatten wir hier schon mal was. Zwar auch nicht sehr aufschlussreich, aber immerhin :D

Was es dazu neues gibt würde mich allerdings auch interessieren.

Grüße, Robert
 

moonsoo

Mitglied
Wenn ich es richtig verstanden habe ist dieser "liquid metal" rostfrei und etwa so schnitthaltig wie 440 c.
Keine echte Revolution, außer für Tauchermesser.
Aber LM2 und das wohl noch nicht verfügbare LM3 sind wohl entscheidend besser.
Ich würde da gerne ein paar unabhängige Testberichte sehen wollen.
;)
 

kababear

Mitglied
so wie ich das verstanden habe ist das ein kristallfreier stahl (oder was auch immer). sprich, er hat kein gefüge, da ihm duch das rasche abkühlen während des herstellungsprozesses die kristalle fehlen die normalerweise entstehen. daraus folgt, dass er amorph ist (im grunde wie glas).
der einzige vorteil den ich in LM sehe liegt darin, dass man -den aussagen der macher nach- klingen nichtmehr schleifen muss, sondern sie fertig gefinisht aus ihren gussformen entnehmen kann.. (da stand mal was von bis auf nen micrometer genauer fertigung => die können scharf aus der form rauskommen)
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
Es wird sicher in der Serienfertigung möglich sein, fertige Formen herzustellen, ich habe jedenfalls von dem Zeug 2 Stücke als Flachmaterial da, die ich bei Gelegenheit mal verarbeiten werde. Der Vorteil könnte sein, daß man eine superfeine Schneide erzeugen kann. Und angeblich soll die Elastizität sehr gut sein.
 

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
Ja, das mit der Elastizitaet schreiben die US Jungs auch. Allerdings ist Gummi auch sehr elastisch ;) Ok, fuer die doofen Nicht-Chemiker wie mich. Amorph, was meint das?
Janu der Pitter ist ja nicht faul, ne Definition steht ja z.B. hier

http://www.thch.uni-bonn.de/tc/people/gastreich.marcus/ghost/Diplom/node3.html

Zitat:"Amorph zu definieren ist nur im Zusammenhang mit Festkörpern sinnvoll. Es wird negativ definiert, d.h. man definiert es durch Abgrenzung zu allen Phänomena, die es nicht charakterisieren. In diesem Falle als Antagonisten zum Kristall, denn Kristalle ihrerseits werden durch das Vorhandensein von Elementarzellen (,,Parallelepipeden'') und ihre translatorische Periodizität bestimmt. Diese beiden Elemente (Gittervektoren und Periodizität) stellen für den gesamten Kristall die ,,Bauvorschrift'' dar. Gase und Flüssigkeiten sind per definitionem aperiodisch. Es gilt hier, Augenmerk darauf zu legen, daß amorph und nicht-kristallin keine Synonyme sind! So sind beispielsweise Gele zwar nicht-kristallin, jedoch nicht amorph. "

Aha, so ist das :irre:

Etz frag ich mal ganz dumm :). Irgendwie müssen die Moleküle ja geordnet sein. Das Gittermuster bei Stahl kenne ich, da erkenne ich auch eine gewisse Symmetrie. Heisst dann "amorph", dass die Moleküle unsymetrisch angeordnet sind? Dann entstehen doch auch unterschiedlich starke molekulare Verbindungen im Material.
Wenn das so ist, dann sollten doch auch die mechanischen Eigenschaften komplett unterschiedlich zu denen von Stahl sein. Sprich, der Bereich der elastischen Verforung ist quasi Null. Entweder das Zeug hält oder bricht aber biegen oder reversibel Verformen geht nicht.

Güüüünter, Roooman, Herbeert ;)

Gruesse
Pitter
 
Hallo Piter,

ich höre jetzt das erste mal von liquit Metal, aber nach dem was da so geschrieben wird find ich das ganze sehr sehr interessant. Sollte das Zeug wirklich amorph sein haben wir es im eigendlichen sinne nicht mehr mit Stahl zu tun sondern mit einer Flüssigkeit. Genau wie Glas. Somit sollten auch die physikalischen Eigenschaften ähnlich sein. Kann mir jemand sagen wo ich so etwas herbekommen kann ? Denn als ehemaliger Feinoptiker wäre es mir ein echtes Vergnügen daraus eine Klinge zu fertigen.Wenn ich nicht vollkommen falsch liege müßten die Schneideigenschaften und Bearbeitungsfähigkeit nahe am Glas /ev. Schneidkeramik liegen.


Gruß
Markus Antonius
 

Andreas

Mitglied
in der Blade May 2003 stand ein bericht über Liquid Metal. hier mal ein kurze zusammenfassung von mir:
- dieses metalll wird flüssig in formen gegossen, die eine nachfolgende bearbeitung überflüssig macht (kein finish oder schärfen nötig).
- es ist doppelt so stark/fest wie titan
- es ist nicht magnetisch, nicht eisenhaltig und rost-resistent.
- 1992 entwickelt vom California Institute of Technology
- Liquidmetal ist eine zusammensetzung von Titan, Kupfer, Nickel, Zirconium und Beryllium. diese elemente gehen keine kristalline verbindung miteinander ein.
- R. W. Clark und Trace Rinaldi haben bereits aus Liquidmetall 1 (LM1) messer gebaut (fertig gegossene klingen standen noch nicht zur verfügung).
- härte bei 50 HRC
- schnittleistung: 500 feet kartons geschnitten, 100 druckschnitte durch 1" manila hanf, 4x 2"x4"-holz gehackt, durch die stahl-seitenwand eines goodyear-lkw-reifens geschnitte. anschliessend war die schneide zwar stumpf, schnitt aber immer noch papier
- zur zeit ist Liquidmetall nur in form von "blechen/platten" verfügbar, die anschließend traditionel bearbeitet werden müssen. bisher hat Liquidmetal Technologies noch keine formen für klingen hergestellt.
- Croopnick von Liquidmetall Technologies gibt an, dass LM1 etwas schwerer ist wie Titan, aber undgefähr 2,5mal so stark/fest.
- LM schrumpft weniger als 1/1000 inch und kann in entsprechenden formen auf ein 1 micron oder 1/25000 inch genau gegossen werden.
- amorphe struktur, kein gefüge, keine kristalle und keine verbindung zwischen den atomen -> metallisches glas
- R. W. Clark behauptet, das LM alle anderen nicht-magnetischen metalle übertrifft.
- eine wärmebehandlung bei LM ist wie bei Talonite nicht erforderlich.
- temperaturen über 350-375°C "zerstören" LM. es kristallisiert und es kommt zu kornwachstum.
- beim fräsen, schleifen und bohren ist vorsicht geboten: selbe bandgeschwindigkeit aber weniger druck, längere abkühlzeit zwischen den bearbeitungsschritten.
- preislich rangiert LM im bereich von talonite/stellite mit ca. 100US$/pound (ATS-34 ~11US$/pound, CPM S90V ~40US$/pound).
- das schärfen von LM-klingen ist sehr ähnlich wie bei anderen kobald-legierten stählen.
- Clark benutzt keramik-stäbe (spyderco sharpmaker) oder andere Lansky diamand/keramik-systeme.
- LM1 unterliegt in einem vergleich mit S90V oder S30V. es übertrifft in vielen bereichen jedoch ATS-34 oder 154CM
 

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
@Andreas Danke erstmal fuer die Zusammenfassung.

Original geschrieben von Andreas
LM1 unterliegt in einem vergleich mit S90V oder S30V.

Weisst Du noch in welcher Hinsicht? Schnitthaltigkeit, Schärfe?.

Ich bin da selber im Moment etwas gespalten. Auf der einen Seite bin ich immer neugiereig auf neue Materialien. Auf der anderen Seite, wenn ich mir ueberlege welches Geschiss immer gemacht wird, und wenn dann letztlich ein "normaler, billiger" Kohlenstoffstahl als Messerklinge allem anderen in den Bereichen Schnitthaltigkeit, Schärfe, Stabilität ueberlegen oder zumindest gleichwertig ist - die Rostbeständigkeit aussen vor, dann weiss ich selber nicht mehr, was ich will ;).

Das ist jetzt nicht als Kritik gedacht, sondern als Frage: Wo will man mit den neuen Materialien eigentlich hin? Spezielle Anwendungen als Tauchermesser etc. mal ausser acht gelassen, ich konnte bisher nicht herauslesen, was genau man sich von dem LM verspricht?

Gruesse
Pitter
 

Andreas

Mitglied
wo genau die vollständigen nachteile vom LM im gegensatz zu s90V und S30V liegen bleibt in dem artikel leider genau so verborgen, wie die genauen vorteile vom LM1 gegenüber ATS-34 und 154CM :( lediglich die geringere zähigkeit vom LM1 gegenüber den CPM-Stählen wird erwähnt.

diese zwiespältigkeit "neue materialien" <-> "oller carbon-stahl" kenne ich nur zur gut ;). bei mir geht die tendenz aber eindeutig zu "rostenden", "ollen" stählen (die lassen sich wenigestens mit einfachen mitteln scharf halten und haben einfach stil.
 

mactheknife

Mitglied
Beim Querlesen der entsprechenden threads über LM erinnere ich mich an einen Beitrag, der darauf hinwies, dass beim Bearbeiten von LM aufgrund des Berylliumanteils Radioaktivität freiwerden kann.
Klang jedenfalls nicht so sympathisch.
 

Moppekopp

Mitglied
Zum Thema amorph: Amorph bedeutet eigendlich, dass das Material keinen genau zu definierenden Schmelzpunkt hat, das Material wird über einen mehr oder weniger großen Temperaturbereich immer flüssiger.

Am Beispiel Glas ist das leicht zu erkennen, hätte Glas einen klar definierten Schmelzpunkt, so könnte keine Glasbläser es bearbeiten. Es würde bei einer bestimmten Temperatur plötzlich zerfließen.

Dieser Schmelztemperaturbereich lässt sich dadurch erklären, das im MAterial kleine Breiche in kristlliner Ordnung vorliegen, und andere Bereiche nicht. Das Verhältnis der nicht kristallinen und kristallinen Bereiche bestimmt die Spanne des Schmelztemperaturbereichs.
Erreicht wird dieses Amorphe Gefüge durch Fremdatome, die Das Kristallgitter stören und es in sich verschieben. So wird die Makroordnung aufgehoben, und nur eine Mikroordnung bleibt bestehen.

Als BEispiel ist hier Boranglas zu nennen. Die Fremdatome sind heir hauptsächlich Bor, was dazu führt, dass das Glas ohne weiters auf Rotglut erhitzt und in Wasser abgeschreckt werden kann, ohne das es zerplatzt.

Gruß Tobi
 

moonsoo

Mitglied
Heißt das jetzt, dass diese Klingen aus LM in hundert Jahren aussehen , wie olle Kirchenfensterscheiben aus dem Mittelalter?
Sehr interessant!
 

Moppekopp

Mitglied
@mactheknife: Beryllium ist eigendlich nicht radioaktiv, es müsste sich dann um ein radioaktives Isotop des Berylliums handeln. Da radioaktive Isotope der leichteren Elemente aber nur in sehr geringen Konzentrationen vorkommen, glaube ich nicht, dass das so gefährlich ist.
Das wichtigste radioaktive Be Isotop das Be 7. Es zerfällt hauptsächlich über Gammazerfall, was bei sehr niedrigen Konzentrationen weitaus weniger gefährlich ist als zB ein Alphazerfall. Werden Alphastrahler als Staub zB eingeatmet, so verlieren die Alphateilchen ihre gesmate Energie beim Zusammentreffen mit dem Lungengewebe und schädigen es dadurch. Gammastrahlen sind dagegen so hochenergetisch, das sie durch das Körpergewebe "durchfliegen" ohne größeren Schaden anzurichten.
Es kommt natürlich alles auf die Konzentrationen an.

Allerdings sind Berylliumverbindungen sehr gifftig. In wie weit das auch das Berylliumoxid betrifft weiß ich nicht. Denn das könnte beim Bearbeiten mit dem Bandschleifer bei zu hohen Temperaturen entstehen.

@moonsoo: Wenn du die Klinge in ein und der selben Poyition für hundert Jahre liegen lässt, könnte das passieren. Aber der Fall tritt doch nur mit größter Unwahrscheinlichkeit ein - oder?

Gruß Tobi
 

luftauge

Mitglied
Original geschrieben von pitter

...
Das ist jetzt nicht als Kritik gedacht, sondern als Frage: Wo will man mit den neuen Materialien eigentlich hin?
Ist doch klar:
Die erste Generation der "richtigen" Cyborgs, T800/T1000 :D
- momentan haben sie Hitzeprobleme, siehe Terminator 1, oder war es schon in T2 ?

Nee, im Ernst, ich vermute irgendwelche neue Verfahren/Legierungen im Luft-/Raumfahrtsektor, speziell Triebwerkstechnik oder Hydraulik.
Reine Titanwerkstoffe werden wegen der Sprödigkeit eigentlich nur recht selten bis überhaupt nicht benutzt, zumindest nicht für grössere oder speziell belastete Bauteile.
Diese Sache mit dem genauen Giessen und auch die Legierungsangaben erinnern mich an die Herstellung von Turbinenschaufeln ("monokline Bauteile")

Gruß Andreas
 

freagle

Mitglied
Hab in letzter Zeit auch oft über dieses LM gelesesen. Für mich ist das Zeug schon deshalb gestorben, weilch ich mehrfach gelesen hab dass z.B. die Schleifstäube sehr gefährlich sein sollen.

Also Günter pass vorsichtshalber bitte auf wenn du das Zeug schleifst.

freagle
 

DeadlyEdge

Mitglied
Hi!
Das Problem ist nicht Radioaktivität, Beryllium ist halt giftig. Es gibt sogar den Begriff Berylliose - das Krankenbild beim Einatmen von Berylliumstaub.

Martin
 

dcjs

Mitglied
hiho,
unser chemie-prof und ein bekannter von mir haben übereinstimment gesagt, dass das einatmen von beryllium-staub die sicherste art sei, krebs zu kriegen.
günther, bitte lass die dinger besser liegen, bis das geklärt ist, wir brauchen dich noch!

:argw: :(