Was ist HSS Stahl ?

HankEr

Super Moderator
<BLOCKQUOTE><font size="1" face="Verdana, Arial">Zitat:</font><HR>arbeitet man mit einem Messer aus diesem Stahl schneller als mit einem Messer aus anderem Stahl , oder was ;-) ?
[/quote]
Theoretisch kann man mit HSS Stahl schneller Schneiden, aber mit reiner Handarbeit wird man die speziellen HighSpeed Eigenschaften wohl kaum nutzen. Bei Bohrern, Fräsköpfen, Sägen usw. kann das schon eher sein.

HSS-Stahl zeichnet sich ja insbesondere dadurch aus, daß er auch bei hohen Temperaturen seinen Eigenschaften weitestgehend beibehält und nicht einfach nachhärtet oder weichglüht. Für normale Messer ist diese Eigenschaft uninteressant, andere Vorzüge die HSS Stähle z.T. haben mitunter aber schon. Festigkeit, Abriebresistenz, etc.
 

T-man

Mitglied
hmmm, gute Frage!
Mach doch den Test.
Du brauchst eine Uhr, Dein Microtech und ein Stück St37-Flachstahl (1m Länge).
So, setze die Klinge an die Stirnseite und schneide so fest und so schnell Du kannst bis zum anderen Ende!!!
Hast Du auch die Zeit genommen?
Nein? Nochmal!
Du hast die Zeit? Gut!

Laut Packungsbeilage kann man mit einem Bohrer/Formstahl aus HochleistungsSchnittStahl locker 90m/min schaffen.

Wie hast Du abgeschnitten?
Bitte mach den Bericht.

Ähm, für den Clip hätte ich noch Verwendung.

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ciao
T-man
 

judge

Mitglied
Die meisten Stähle, die für Messer (die, die man in der Hand hält) verwendet werden, sind eigentlich für andere Verwendungszwecke konzipiert worden (ATS-34 z.B. war ursprünglich ein Kugellagerstahl, soweit ich weiß). Daher gibt es oft Bezeichnungen/Eigenschaften, die auf den ersten Blick für einen Messerstahl merkwürdig erscheinen, z.B. HSS für high speed steel. Macht aber für diverse Industrieapplikationen durchaus Sinn, einen Stahl zu fertigen, der optimierte Eigenschaften auch bei höheren "Geschwindigkeiten" des Schneidens und damit höheren Temperaturen hat.

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judge
"Every tool is a weapon if you hold it right" - Ani Difranco
 

Rolf

Mitglied
Original erstellt von T-man:
hmmm, gute Frage!
Mach doch den Test.
Du brauchst eine Uhr, Dein Microtech und ein Stück St37-Flachstahl (1m Länge).

Hi T-Man
Ich bin kein Microtech Fan, aber soll das heißen das diese Firma ihre Klingen aus HSS herstellt?
Das kann doch wohl nicht angehen .

Rolf
 

judge

Mitglied
Microtech fertigt die meisten Klingen aus 154-CM, das entspricht etwa ATS-34. Für neuere Varianten des LCC ist S90V
biggrin.gif
im Gespräch.

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judge
"Every tool is a weapon if you hold it right" - Ani Difranco
 

Claymore

Mitglied
Hss Stähle, damit sind wohl Schnellarbeitsstähle oder auch Warmarbeitstähle gemeint, mit denen man höhere Arbeitsgeschwindigkeiten fahren kann und dehen die dabei errreichten höheren Arbeitstemperaturen an den Werkzeugschneiden weniger oder nichts ausmachen.
So kann mann bei Temperaturen von 400-500 °C und mehr noch arbeiten ohne das Werkzeug auszuglühen.
Das funktioniert mit einem niedrieglegierten Werkzeugstahl nicht, der verliert seine Härte bei diesen Temperaturen, da sich der Martensitanteil wieder umwandelt.
Diese Stähle sind in der Regel hochlegierte Stähle, die aufgrund der legierungsbestandteile auch schwere zuverarbeiten sind (vor allem für die Messermacher unter uns )
Der Vorteil dieser Stähle für ein Messer ist me.e. wenn man nihct grade bei 500°C sein Brötchen schmiert
smile.gif
rein akademischer Natur.
Evtl. höhere Standzeiten bis zum nächsten Nachschärfen erkauft man sich dann u.umständen mit einem wesentlich schwere zu schärfenden Messer.
schneller schneiden kann man mir solch einem Messer nicht.
Und besser auch nicht unbedingt
Manchmal ist weniger mehr (mit einem niedrig legierten Werkzeugstahl (z.b O -1 ) erreicht man wenn nicht unbedingten Wert auf 'rostfreie' Messer legt genausoviel.
(meine Meinung )


Peter
 

Armin II

Mitglied
Um die Frage "Was ist HSS Stahl?" nun einmal kurz zu beantworten: Schnellarbeitsstähle halten ihre Härte auch noch bei höheren Temperaturen (~500°C, Dunkelrotglut). Dies ist nötig bei Werkzeugen zur Metallbearbeitung, (Fräser, Bohrer, Stanzstempel u.Ä.)

Im Gegensatz zu vielen anderen Stählen hängt die Härte bei HSS Stählen in erster Linie von der Härtetemperatur und nicht von der Anlasstemperatur ab. Durch das Anlassen ( bis 550°C) kann bei den HSS Stählen die Härte sogar noch gesteigert werden. Typische Härtewerte liegen in etwa bei 62..66 HRC.

Zu den Legierungsbestandteilen (ca.-Angaben):
C: 0,7-1,3 %
Cr: 3-5%
Mo: 0,7-10,0%
V: 1,0..4,0%
W: 1,0-18,0%
Co: 0-10,0%
je nach Stahlsorte unterschiedlich.

Das ganze nur mal so als kürzeste Abhandlung, das Thema wäre natürlich unerschöpflich....
 

Claymore

Mitglied
kommt selten genug vor azwo,

aber in einem geb ich dir recht, wenn man das thema ausführlich behandeln will ist man morgen um die gleiche zeit noch am Tippen....


peter
 

DeadlyEdge

Mitglied
Schon wieder was gelernt ...
cwm16.gif
..!
Danke für die Info . HSStähle sind also Bohrerstähle , die vollgestopft mit Wolfram und Cobalt sind .
Martin
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Noch ne Anmerkung zu den HSS-Stählen, so als Ergänzung.
Der Witz ist tatsächlich, daß diese Werkstoffe bei hohen Temperaturen und hohen Schnittgeschwindigkeiten stabil sind. Das setzt voraus, daß sie bis zu hohen Temperaturen Anlaßbeständig sind. Meist bis ca. 600 °C. Die Eigenschaften werden durch feinverteilte sehr harte Karbide der Legierungsbestandteile W, Mo, V, Cr gewährleistet. Diese Sonderkarbide scheiden sich bei den HSS-Stählen als Sekundäre Karbide bei ca. 600 °C aus (Sekundärhärtemaximum, ähnlich wie die rostfreien Güten 440 C usw), nur ist dieses Maximum extrem stark ausgeprägt.
Neben C zwischen 0,7 und 1,1 enthalten sie W, Mo, V, Co, wobei es zwei Gruppen gibt: die Mo-legierten und die Co-legierten (DIN 17350 und SEL (StahlEisenLeistungsblätter) geben Auskunft.
Meist tragen diese Stähle Bezeichnungne wie

S 6-5-2 (X 80 W Mo 6 5), aus der Mo-Gruppe, wobei die Zahlen die mittleren Gehalte von W, Mo, V angeben (ohne Co), und beim Stahl

S 2-10-2-8 (X 110 MoCo 9 8) eben W, Mo, V, Co in %.
Die Zahlenfolge ist immer der Gehalt in der Reihenfolge W,Mo,V, Co.
Die Wärmebehandlung ist nicht einfach, es gilt unter anderem, die Karbide feindispers und ohne Zeiligkeit auszuscheiden, und auch Seigerungen zu vermeiden, Das klappt aber selbt bei Profis nicht immer.

Gruß
Herbert

[Dieser Beitrag wurde von herbert am 21.12.2000 editiert.]
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Ach ja, ich vergaß: die Werkstoffnummern fangen alle mit "1.3...." an, für diejenigen, die sich im Stahlschlüssel oder in den einschlägigen Tabellen tummeln wollen.

Und was das Nachschleifen anbetrifft: Viel Spaß, und der Spaß dauert lange, lange, lange.

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herbert

Tough and Hard = Steel
 

Andreas

Mitglied
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Andreas