Was ist dran an der Bos Härtung???

tolegen

Mitglied
Ich besitze selber ein Strider EB S und bin, was die Schnitthltigkeit angeht, sehr zufrieden.

Ich benutze es als EDC, also eher häufig.
Es ist übrigens ein tolles Hartkäsemesser!

Ich habe "natürlich" auch noch andere Messer aus ATS 34 und die schneiden auch alle gut.

Die Bos Härtung ist ja gerade bei den Striders ein besonderes Qulitätsmerkmal/Preisrechtfertigung.Auch Simmonich und andere SemiCustomer verweisen gerne auf die exklusive Bos Härtung.

Bei den Striders aus ATS 34 wird die Härte mit relativ hohen 59-60 Hrc. angegeben, bei gleichzeitig höster Zähigkeit.

Ist das eher ...

1) Ein PR Gag! Bos härtet gut aber nicht besser als andere, aber mit seinem Zeichen lassen sich die Sachen teurer verscheuern.

2)Vermutlich eine selektive Härtung, was andere zumindest auch könnten, und daher kommt die Zähigkeit bei gleichzeitig hoher Schnitthalltigkeit.Immerhin sind die Leistungen der Busse/Swamprats und maddogs auch Ergebnisse einer Selektivhärtung.

3) Ein besonderer Trick von Meister Paul Bos himself bzw seines Supermegageilen Härteofens, den Niemand außer ihm kann ?

Freue mich schon auf eure Antworten


Gruß
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
Ich war zwar noch nie bei Paul Bos, aber nach dem, was man in den verschiedenen Foren lesen konnte:
Mit ziemlicher Sicherheit keine Selektivhärtung, die ist bei solchen Stählen praktisch nicht durchzuführen.
Auch kein besonderer Trick.
Er hat sich auf das Härten von Messerklingen spezialisiert, die Klingen werden nicht als Beipack zu anderen, großen Werkstücken mit gehärtet, sondern nach seiner Erfahrung mit den einzelnen Stählen gesondert und gezielt behandelt, incl. Tiefkühlen. Wie man lesen konnte, scheint er auch die Klingen bei Verzug direkt zu richten.
Das heißt alles in allem, jeder andere Härter könnte es auch, wenn er sich Mühe geben würde. Aber daran scheitert es meistens.
 

HankEr

Super Moderator
  • auf 1080°C erhitzen
  • in Luft abkühlen lassen
  • ggf. Richten bevor es unter 120°C fällt
  • 6--8h bei -140°C kühlen
  • 2x für 2h bei 510°C anlassen
das ist angeblich die Paul Bos Härtung bei ATS-34/154-CM. Und soll 59--60HRc bei sehr guter Zähigkeit bringen.
 

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
Original geschrieben von tolegen

Die Bos Härtung ist ja gerade bei den Striders ein besonderes Qulitätsmerkmal/Preisrechtfertigung.Auch Simmonich und andere SemiCustomer verweisen gerne auf die exklusive Bos Härtung.

??? Exclusiv?? Benchmade z.B. schickt seine Messer alle zu Paul Bos, zig andere Messermacher aus. Der macht halt industrielle, auf Messer spezialisierte Härtung im grossen Stil, mit bekannten und stabilen Parametern. IIRC härtet der im Vakuumofen, bei der Menge ist das sicher nix billiges, was da rumsteht. Deswegen macht das auch nicht jeder Messermacher/Hersteller selber. Und Vakuum hat den Vorteil, dass die Weitererarbeitung schneller = billiger geht, weil man weniger Dreck von der Klinge abtragen muss.

Ist also professionell, industriell aber nix exclusiv und nix besonderes, aber sicher auch nichts schlechtes und sicher nix besonders teures, bei der Menge, die beim Bos durch die Öfen geht.

Gruesse
Pitter
 

coolcat

Mitglied
Selbst BUCK lässt bei BOS härten.

Hier ein Ausschnitt von meinem Alpha-Hunter:

buck_bos.jpg


Sooo exklusiv kanns dann wohl nicht sein. :cool:
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
@ Hanker: Daß er mit 510°C anläßt wußte ich z.B. nicht. Das erklärt dann ja auch, weshalb die ATS - Klingen immer als relativ leicht rostend beschrieben werden. Bei Anlaßtemperaturen um die 200°C habe ich das nämlich noch nicht erlebt.
 

Kevin Wilkins

Moderator Forum Kevin Wilkins
Der Unterschied ist Erfahrung!!! Paul Bos hat Jahrzente Erfahrung mit Messerhärten, und gibt sich Mühe. Er richtet die Klingen auch. Ich habe ihm A2 Messer zum härten gesendet, und mit ihm telefoniert. Er macht eigenetlich nichts anders als was für die Stähle bereits vorgeschrieben ist. Er macht es aber sorgfältiger als manche Industriehärterein.

.. aber mittlerweile bin ich mit HWL und HANOMAG Härtol hier in Berlin sehr zufrieden. Beide geben sich sehr viel Mühe und ich habe sehr selten Probleme. Da ich aber seit Jahren meine Klinge da bearbeiten lassen, die wissen was ich erwarte.
 

Silkcut

Mitglied
@HankEr, 6--8h bei -140°C kühlen
Warum nun das? Nach Roman erfolgt die Umwandlung beim Tiefkühlen angeblich mit Schallgeschwindigkeit, warum also die lange Haltezeit?
 

roman

MF Ehrenmitglied
Also Wunderhärter hin oder her,

All kochen nur mit wasse so wie Guenter schon gesagt hat besonders is da nix außer das es vielleicht gewissenhafte darauf achtet was er tut.

Die 510°C Anlasstemperatur bestätigen für mich jedoch nur, das er ne ganze Menge an Topqualität der Wärmebehandlung verschenkt.

Und wie ich im Buch schon sagte die WB macht ca. 1/3 des Leistungspotentiales einer Klinge aus
1/3 Richtiger Winkel und 1/3 richtige Stahlwahl alle 3 zusammengenommen ergeben 100% Leistungspotential auf der Technikseite und die sind etwa 30% vom Gesamtpotential da ca.70% wiederum beim anwender liegen.
 

HankEr

Super Moderator
Tja, ich behaupte einfach mal, daß er die Energie für die 6--8 Stunden nicht aus Spaß an der Freude investiert, dito. die hohe Anlaßtemperatur und ob das nur Marketing ist, wage ich auch zu bezweifeln :hehe:
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Also, bei diesem Stahl hat man 14%Cr und 4%MO, also ganz schön viele Sonderkarbidbildner. Es ist zu erwarten, dass man nach dem Abschrecken Restaustenit überbehält. Der muß weg. Kann man mit Tiefkühlen erreichen, und auch durch Anlassen im Sekundärhärtemaximum, also dort, wo die Sonderkarbide des Cr und Mo abgeschieden werden, eben bei jenen ominösen 500°C circa. Dieser Prozeß entzieht der Matrix das Cr, so dass der Stahl der so angelassen wurde weniger rostbeständig ist.
Tiefkühlen scheidet zudem noch sog. eta-Karbide aus, die die Verschleißbeständigkeit erhöhen.
So, wir haben also einen Stahl, dessen Restaustenit durch Tiefkühlen erledigt wurde, zudem noch eta Karbide. Dann das Anlassen im Sekundärhärtemaximum. Dort scheiden sich die Anlasskarbide sehr fein aus, was gewisse Vorteile in Zähigkeitseigenschaften und Verschleißfestigkeit bringt. Das ist eine Methode, die man üblicherweise bei Schnellstählen anwendet. Wenn ich roman richtig versteht, verschenkt man Härtepotential (die Möglichkeiten der Primärhärte in der unteren Anlassstufe hat man in der Sekundärstufe nicht), reduziert dabei jedoch die Beständigkeit und die Zähigkeit, die in der Primärstufe vorhanden wäre. Also entweder Tiefkühlen oder Sekundärhärte, sonst verschwendete Liebesmüh? Seh ich das richtig?
 

roman

MF Ehrenmitglied
Ja, so ist es ich hab auch bei meinen Tests geringere Schneidkanntenstabilitäten bei sekundär angelassenen Klingen gemessen.
Das bestätigte damals auch den Stüdemann mit seinen Test der diesen Klingen neben stark verminderter Korrosionabeständigkeit auch minderere Schneidleistungen bestätigte.

Also vergebene Liebesmüh!
 

mark23

Mitglied
Nur damit ich das jetzt richtig verstehe: Also sollte man den ATS 34 (oder ähnliche Stähle) nach einer Tieftemperaturbehandlung maximal auf Primärstufe anlassen, um eine optimale Kombination aus Verschleißfestigkeit, Zähigkeit und Härte zu erreichen?

Danke!

Gruß

Mark23
 

roman

MF Ehrenmitglied
Wenn man unbedingt Messer aus dem Zeug machen muss, dann macht es hinsichtlich der Eigenschaften die für ein Messer von Vorteil sind. Sinn tief zu kühlen und niedrig Anzulassen. Denn wenn ich schon einen Stahl einsetze der einenigermassen rostbeständig sein soll und dann noch einigermaßen brauchbare Schneidleistungen zustande bringen soll, warum soll ich ihm genau diese, ja doch gewünschten Eigenschften mit einer WB 510°C Anlassen wieder nehmen. Dann nehm ich gleich einen anderen Stahl der besser passt oder mach halt eine Wärmebehandlung die für Messer sinn macht.

Kannst Du übrigens auch in meinem Buch nach lesen ;-))((

Vielleicht noch eins:

Ich habe früher viel mit den Amerikanern auf ihrem Forum diskutiert aber die Grundhaltung: "Wir sind die besten" hat sie schon öfter beim dazulernen behindert.
 

HankEr

Super Moderator
Naja, kann ja sein, daß die Bos-Härtung genau das gewünschte erzielt. Die Kunden wollen Stahl XYZ und Hersteller bietet XYZ. Rost ist keine Reklamationsgrund und (aus-)gebrochene Schneiden sind nichts für den guten Ruf. Zudem hat der Hersteller keine Lust X verschiedene Stähle vorzuhalten und für jeden Typ einen anderen Stahl, ein anderes Fertigungsverfahren und eine andere Wärmebehandlung zu verwenden. Also nimmt man die Wärmebehandlung die auch für Macheten noch geeignet ist auch für Taschenmesser mit 5cm Klinge.
 

roman

MF Ehrenmitglied
JA stimmt HankEr

wer immer nur das eine verlangt braucht sich nicht zu wundern wenn er auch nur das bekommt!

Abgesehen von der WB die bei den meisten Messern verwendeten Schneidenwinkeln (>>40°) ist sowieso fast alles sichtig was man tut.
 

roman

MF Ehrenmitglied
Eigendlich macht der Gute mann geau das was die solinger schon immer tun:
Für die grobe Massenware alle Parameter auf den (DAU) auslegen. Da braucht man sich nich wundern wenn man von einem 4034 meint das ist doch mist! Der Kann viel mehr als man glaubt. Das potential ist deutlich größer als das was man im Geschäft bekommt.

Ähnlich ist es dem Damast gegangen. Hat man den unsinn von hart und weich besonders tolles abverlangen wollen und dann weils nicht gut war mit dem schneiden(Ausbrüche)derbe Winkel angeschliffen für den (DAU). Dann hats halt irgendwann geheissen. taugt nix ist halt schön.


.....
 

tolegen

Mitglied
Erstmal vielen Dank für die rege Beteiligung!

Einige Sachen sind mir da allerdings noch unklar.

Bos läßt nach Herberts und Romans Meinung die Klingen zu heiß an dadurch verliert der Stahl
1) an Schnitthaltigkeit
2) an Korrosionsbeständigkeit(wird dann das Chrom wieder gebunden?)
3) erreicht keine ordentliche ATS 34 Härte mehr.

Richtig?

Ich meine überdies herausgelesen zu haben, das der Stahl nach dem anlassen bei 510, dann eher flexibler ist, also eher für was großes, hauermesserartiges(Machete) taugt.

Das mit der nicht mehr zu erreichenden Primärhärte verstehe ich auch nocht nicht.
Strider gibt die Bos Härte mit 59-60Hrc. für ATS 34 an.
Das ist doch meines wissens nah am Maximum dieses Stahles.

Also resümire ich.

Guenter, Pitter und KevinWilkins attestieren Bos eine nicht außergewöhnliche aber gute, proffesionelle Härtung.
Während Roman und Herbert der Ansicht sind das Bos mit seinem Verfahren Schnitthaltigkeit und Korrosionsbeständingkeit(das hatte Guenter auch angemerkt) verschlimmbessert.
Die Bos Härtung also eher "suboptimal" ist.

Habe ich das jetzt richtig verstanden?

Gruß
 

roman

MF Ehrenmitglied
Gut zusammengefasst tolegen

Die von ATS kann bis über 64 HRC nach dem Abschrcken betragen. Hängt aber in erster line von Materialquerschintt und Wärmebehandlungsverfahren ab. Die angegebenen Werte der Hersteller/ Stahlschlüssel sind immer Anhaltswerte.

PS: Früher als ich noch solche Stahlsorten intensiv verwendet habe, hatte ich auf Ats Klingen meist so 62 HRC drauf für den Täglichen gebrauch!
Hat aber trozdem nicht besser geschnitten dadurch :-(((