Warum stinkt Stahl?

Philipp

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Ich frage mich immer wieder, warum Stahl stinkt. Bsonders ist mir das kürzlich bei Benutzung eines alten Opinels aufgefallen: alles, was man damit schneidet und hinterher ißt, schmeckt sofort irgendwie ekelig. V.a. saure Sachen, scheinen den Stahl anzugreifen und einen entsprechenden Geschmack zu hinterlassen :waaah: .Ist ein bestimmtes Element dafür verantwortlich (ganz banal das Eisen) und warum ist der Geruch/die Geschmacksverzerrung bei den verschiedenen Stählen so divers? Auch wenn es blöde klingt, für mich wäre der manchmal echt eklige Geschmack wichtiges Kriterium für die Stahlsorte bei einem Gebrauchsmesser...
 

DeadlyEdge

Mitglied
Original geschrieben von Philipp
Ist ein bestimmtes Element dafür verantwortlich (ganz banal das Eisen) und warum ist der Geruch/die Geschmacksverzerrung bei den verschiedenen Stählen so divers?

JA, das Eisen ist es. Fe-Ionen gehen halt in Lösung, und die schmeckt man. Es entstehen bestimmt auch so einige "schöne" Verbindungen/Komplexe mit den organischen Säuren, die die Geschmacknote beeinflüssen, und die auch in der Patina hängenbleiben, so daß später auch nich so stark oxidierende Lebensmittel (Brot...) den Geschmack annehmen.
"Rostfreie" Stähle bilden eine im Idealfall geschlossene Schicht von Chrom(III)oxid (bei 13% Chromgehalt kann sich ein Mischkristal von Eisen und Chrom bilden, was die Entstehung von so einer Oxidschicht gewährleistet) , dadurch wird das darunterliegende Metall geschützt - eben vor Oxidation. Da schmeckt man in der Regel kaum noch was (z.B. beim Essbesteck - meistens aus austenitischem Cr-Ni-Stahl). Kann sein, daß auch andere Legierungsbestandteile zum Geschmackbeitragen (Mn, Ni...) ...
Ich hoffe, ich konnte helfen.
Martin
 

Moppekopp

Mitglied
Hi philipp!

Verantwortlich für den schlechten Geschmack von zB. saurem Obst das mit einer nicht rostfreien Klinge geschnitten wurde, sind Schwefelverbindungen. Die häufig dabei auftretende schwarze Farbe ist FeS - Eisen(2)sulfid. Bei der Reaktion entstehn auch organische Schwefelverbindungen, die häufig einen unagenehmen/fauligen Geruch und Geschmack haben. Die bekannteste Verbindung ist H2S - Schwefelwasserstoff - riecht nach Faulen Eiern. Das Entstehen von Sulfiden ist auch der Grund warum man Eier nicht mit Silberlöffeln essen soll - es entsteht Ag2S - Silber(1) sulfid.

Nach diesem kurzen Ausflug in die Chemie, weiterhin noch guten Appetit!

Gruß Tobi
 

jangs

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Jedensfalls einer der Hauptgründe warum ich rostende Messer (Meserstähle) nicht mag.
Mein erstes Opinel (rostend) war geschmacklich für mich schlechtes Beispiel genug!
 

spyderbug

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Das mit dem schlechten Geschmack kann doch aber nicht für alle Rostträgen Stähle gelten. Mein Vater ist Koch und er benutzte jahrelang "rostende" Messer in der Küche (jetzt ists leider verboten, dank EU). Ich denke mal, wenn man für 700 Leute Essen mit rostenden Messern zubereitet und jeder Stahl schlechten Geschmack verursacht, dann müßte das doch irgendjemand auffallen, oder?

Ich werde mal versuchen rauszufinden, aus welchem Stahl seine alten Messer gefertigt sind....

Und das Stahl stinkt wäre mir auch neu :angst: (höchstens wenn er verbrennt - das stinkt wahrlich penetrant)

Grüße, Robert
 

Moppekopp

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Hi!

@ rfruehauf: Das entstehen dieser Schwefelverbindungen ist pH-wertabhängig, sie entstehen nur in saurem Mileu. Fleisch, Käse, Brot und vor allem gekochte und gebratenen Speisen haben einen ph-Wert um die 7 (neutral). Außerdem ist eine viel benutzte rostende Klinge nicht blank sondern schon von einer Schicht FeO - Eisen(2)oxid (auch schwarz) überzogen, das verhindert schon etwas das Entstehen des FeS.

Gruß Tobi
 

spyderbug

Mitglied
@Moppekopp

Demzufolge schmeckts nur schlecht wenn das betr. Lebensmittel einen PH-Wert im sauren Bereich hat. Da gibts eigentlich nur eine Lösung für das Problem: ESST KEIN OBST - ESST MEHR FLEISCH!!!! :irre: :irre: :irre:

Grüße, Robert
 

Aleena

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Hi rfrueauf,

deshalb waren "alte" Obstmesser auch aus Bronze und die Köche haben mit ihren Fleischmessern keine sauren Sachen geschnitten.
Wirklich eklig wird der Geschmack nämlich nur, wenn die Klinge zuerst oxydiert wird (sauer pH-Wert) und dann mit Eiweiß in Berührung kommt (schwefelhaltig).
Gute Pflege und tadellose Bearbeitung spielt auch noch eine Rolle (alle Flecke gleich wieder wegmachen).:cool:
 

zorro_43

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Hi,
die "rostfreien" (@roman: rostbeständigen) Stähle gibt es erst seit den Zwanziger Jahren, Massenhaft verbreitet waren sie erst nach dem 2.Weltkrieg.

Haben die Leute in den 2000 Jahren seit der Bronzezeit nur stinkende Lebensmittel gegessen?

Hm, was für saure Sachen könnten die denn gegessen haben?
Obst kann man ja auch so aus der Hand essen. Was ist denn noch sauer?
Saure Gurken und Sauerkraut muss man ja auch nicht schneiden.


Naja, ich schneide meinen Apfel immer mit nem rostenden Messer und hab noch nix geschmeckt.
Aber ich bin auch von klein auf dran gewöhnt, meine Mutter hat nämlich immer ein Herder Windmühlen Schälmesser benuzt.

Zorro
 

zorro_43

Mitglied
P.S.: Wenn Stahl verbrennt, beim Flexen oder so, dann entsteht so ein richtig wohliger, gemütlicher Duft...
Da möchte man gar nicht mehr nach hause gehn...

Zorro
 

Aleena

Mitglied
Original geschrieben von zorro_43
Hi,
die "rostfreien" (@roman: rostbeständigen) Stähle gibt es erst seit den Zwanziger Jahren, Massenhaft verbreitet waren sie erst nach dem 2.Weltkrieg.

Haben die Leute in den 2000 Jahren seit der Bronzezeit nur stinkende Lebensmittel gegessen?
Hi zorro 43,

"rostfreie" Stähle gibt es seit Anbeginn der Eisenzeit. Nur warum wusste keiner.
Einige Eisenerze (z.B. in Finnland und in Spanien) haben von Natur aus die "richtigen" Bemengungen und waren deshalb so begehrt.
Andere Messer haben beim Essen zubereiten "gestunken".
Hat man sie halt für was anders benutzt. Und die guten Köche hatten ein gutes Messer und haben es auch nicht mehr hergegeben.
 

zorro_43

Mitglied
Hey Aleena!
Das klingt spannend!
Kannst du da mehr zu erzählen?
Da hab ich noch nie was von gehört?
Ist da soviel Chrom drin, das es nicht rostet?
Kann man das dann überhaupt noch wie normalen Stahl verarbeiten?

Zorro
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo zorro_43!

Original geschrieben von zorro_43
P.S.: Wenn Stahl verbrennt, beim Flexen oder so, dann entsteht so ein richtig wohliger, gemütlicher Duft...
Da möchte man gar nicht mehr nach hause gehn...

Zorro

Ich dachte immer der leckere Geruch beim Flexen entstünde, wenn das Kunstharzbindemittel verbrennt, was die Schleifkörner zusammenhält.
Aber was man danach so alles im Taschentuch hat, nach einem Schneuzen, da sollte man den Geruch wahrscheinlich auch nicht ungefiltert zu sich nehmen ;).

Gruß Leo.
 

Nidan

Mitglied
Also ich kapier die Diskussion auch net so ganz, so was tolles wie Stahl kann gar nicht stinken, da riecht es höchstens ein bisserl würzig :D

Aber im Ernst, ich hab ja ein paar Messer aus 1.2842 und hab noch nicht bemerkt, daß da was stinkt. Zumindest bei Fleisch, Brot oder so gabs nie Probleme. Obst hab ich damit allerdings nur 1 mal geschnitten, da ist dann die Klinge angelaufen und ich habs nicht mehr gemacht weil mir das Putzen zu blöd ist und ich eh nicht viel Obst eß ;)
 

Leonardo75

Mitglied
Original geschrieben von zorro_43


Könnte auch sein, ich bin mir da nicht so Sicher.
Aber am Schleifbock riechts man doch auch, oder?

Zorro

Hat man bei den Schleifscheiben vom Doppelschleifer nicht auch eine Kunstharzbindung? Ich kann mich noch so düster erinnern, dass man die mit angibt bei der Bestellung. Kodiert in der Schleifscheibennummer.

Wenn dort ein B auftaucht, dann ist das glaube ich eine Kunstharzbindung. Wenn es ein V ist, dann eine keramische, die dann meiner Theorie nach nicht so stinken dürfte. Hab aber nie keramische gehabt.

Nur ist dort etwas weniger Bindemittel drin.

Gruß Leo.
 

Aleena

Mitglied
Original geschrieben von zorro_43
Hey Aleena!
Das klingt spannend!
Kannst du da mehr zu erzählen?
Da hab ich noch nie was von gehört?
Ist da soviel Chrom drin, das es nicht rostet?
Kann man das dann überhaupt noch wie normalen Stahl verarbeiten?

Zorro

Hi Zorro,

bißchen was weis ich noch.
Die Erze in Finnland (alles schon verhüttet) hatten von Natur aus etwa
3-4% Chrom, nach dem Eisenmachen waren´s dann so etwa 6-8%. Da wissen jetzt andere mehr zu, aber deutlich besser als reine Kohlenstoffstähle sollte das schon gewesen sein. Die Finnen haben auch kein Erz verkauft, sondern diesen Vorteil selbst genutzt.
Am Anfang der Stahlherstellung konnten die "Schmiede" (Hersteller) nicht einmal steuern ob es Gußeisen oder Stahl wird.
In Toledo (Spanien) und auch in Damaskus gab es Erze, die fast immer (wenn man sich nicht gar zu blöd anstellt) Stahl ergaben. Deshalb hat sich dort eine lange Tradition des Schmiedens entwickelt.
Aber auch an anderen Stellen ist durch die Verwendung von unterschiedlichen Erzen immer mal ein "Wunderstück" entstanden, das es durchaus mit heutigen Messern aufnehmen kann. Die wußten nicht warum und konnten es nicht reproduzienen aber tolle Einzelstücke gab´s schon.