Wärmebehandlung von Federstahl

HorstW

Mitglied
Hallo,

nachdem ich mir nun auch eine Schmiede eingerichtet habe hätte ich einige Fragen zur Wärmebehandlung von Federstahl.

Es geht um Blattfederstahl(LKW) vom Schrottplatz.

Muß der Stahl vorm Schmieden weichgeglüht werden?

Wie sind die Temperaturen hierzu?

Welche Härte- und Anlaßtemperaturen und Zeiten?

Welche Härte ist zu erreichen?

Vielen Dank vorab
Horst
 

zorro_43

Mitglied
Hallo!
Im kleinen Stahlschlüssel kannst du alles finden.
Die Werte sind praktisch für alle Federstähle gleich.
Z.B.: 55Si7 1.5026
Weichglühen: 640-680°
Normalisieren: 850-880°
Schmieden: 1050-850°

Härten: 820-870° in Öl oder Wasser
Anlassen: 430-500° (für Federn)

Zorro
 

AchimW

Mitglied
Feder

Alles soweit richtig, bis auf die Anlasstemperatur.

Weichglühen vor dem Schmieden ist nicht erforderlich, da die Bearbeitung warm erfolgt. Härten auf jeden Fall in Öl, da das Härten kleiner Querschnitte (wie Messerklingen) in Wasser nahezu unausweichlich zum Reissen des Materials führt. Anlassen 2 Stunden bei 200° C (im Backofen geht gut!).

Erzielbare Härten liegen bei ca. 64 HRc durchgehärtet und bei 57 bis 59 HRc angelassen.

Achim
 

HankEr

Super Moderator
zorro_43 schreibt ja die Anlaßtemperatur gilt für Federn, AchimW Du düftest ja von Klingen sprechen, oder?
 

AchimW

Mitglied
Ja!

Selbstverständlich. Das sollte auch keine Kritik an Zorro sein. Ich wollte nur die richtige Temperatur angeben.

Achim
 

Brunhard

Premium Mitglied
Wie sieht es denn mit der Haltezeit aus, soll man abschrecken sobald der Stahl die härtetemperatur erreicht hat ?

Ich baue gerade ein Wakizashi aus 55Si7, und möchte an der Schneide 60 Rockwell erreichen. Wie lange und bei welcher Temperatur muss ich die Klinge anlassen ?

brunhard
 

Bene686

Mitglied
haltezeit

hast du so einen großen backofen :hehe:

ne anlassen wie oben beschrieben , beim federstahl eine härte von 61 hrc füe ein schwert mit dünnem querschnitt würd ich nich machen .
is schon ziehlich spröde.
härten: wenn dus im feuer härtest sieh das die klinge gleichmäßig auf härte temp ist dann kannst du sie eigentlich auch schon direckt abschrecken . zu lange sollte mann die klinge nicht im austenitischen breich halten , a sie sonst grobkörniges gefüge bekommen kann . und die temp nach glüfarbe einzuhalten ist auch nicht einfach , am besten in einer dunklen ecke
 

Brunhard

Premium Mitglied
Noch nicht. :p
Ich werde meine Esse upgraden damit ich sie auch zum anlassen benutzen kann.

Das mit den 60 HRC an der Schneide ist bei japanischen Schwerten so üblich. Die Klinge wird ja differentiell gehärtet, d.h. das die der Klingenrücken viel weicher ist als die Schneide, wodurch das ganze wieder ausgeglichen wird.

Die Temperatur kann ich mit einem Meßgerät einigermaßen kontrollieren.

Wie wirkt sich eigentlich die Härtetemperatur aus ? Macht es einen Unterschied ob ich die Klinge auf 820°C oder auf 870°C erhitze ?

brunhard
 

Bene686

Mitglied
ja wenn du im oberber temp bereich bist erreichst du unet umständen eine höhere härte , dann must du aber auch beim abschrecken aufpassen , wegen ris bildung.

mag sein das schwerter 60hrc haben , aber hatt der stahl dann auch nur 0,5c ? warum unbedingt federstahl ??
 

Brunhard

Premium Mitglied
Ich wollte nen Stahl den ich selber im Holzkohlefeuer härten und ne Hamonlinie erzeugen kann. Ein Stahl mit höherem Kohlenstoffgehalt wäre mir auch lieber gewesen. Bei 65Si7 hab aber keinen Händler gefunden, bzw. hätte drei Tonnen kaufen müssen. Was gibt es denn für alternativen aus denen man ein Schwert machen kann, und wo kriegt man das Zeug her ?
 

Silkcut

Mitglied
Federstahl oder 55Si7 ist was anderes als ein Schwert aus Kohlenstoffstahl. Zum einen ein Ölhärter und zum anderen ein Wasserhärter. Viel Spaß beim sammeln von Erfahrungen.
Was den Kohlenstoffgehalt angeht, kein orig. jap. Schwert hat mehr als 0.8 Kohlenstoff. Aber auch 0.6 sind durchaus üblich. Also nicht traurich sein.
 

Brunhard

Premium Mitglied
@ Floppi
Diesen Thread kenne ich, hab alle Händler nach 65Si7 abgeklappert. Kam aber nichts dabei raus.

@Silkcut
Ich weiss, da der Stahl aber auch für mittelalterliche Schwerter benutzt wird und nicht teuer ist hab ich es erst mal damit versucht. Bin garnicht traurig. Er hat ja immerhin 0,55 % Kohlenstoff.

Kann mir jemand sagen was für ein Stahl am besten für so ein japanisches Schwert geeignet ist. Und wo man den herkriegt?