Wacholder - Pfeffer oder Leinöl riechen?

Virgil4

Premium Mitglied
Hallo zusammen,

bisher habe ich alle meine Griffhölzer mit einer Mischung aus Leinöl und Orangenöl behandelt, die auch fast alle irgendwie noch nach Leinöl riechen.

Jetzt verwende ich zum ersten Mal Wacholder für ein Klappmesser - der "Wacholder-Folder".

Da ich dieses Holz wegen seines tollen Pfeffer-Geruchs ausgesucht gabe, suche ich nach einer andern Möglichkeit das Holz zu schützen als Leinöl.

Hat da jemand schon Erfahrungen gemacht, bzw. hat einen Tipp, das Holz geruchsneutral zu "impregnieren"?

Besten Dank im voraus für eure Hilfe.

Grüsse vom Kaiserstuhl.

Virgil
 

sanjuro

Mitglied
Wie riecht Wacholder?

......Jetzt verwende ich zum ersten Mal Wacholder für ein Klappmesser.......Da ich dieses Holz wegen seines tollen Pfeffer-Geruchs ausgesucht habe, suche ich nach einer anderen Möglichkeit, das Holz zu schützen, als Leinöl.

Hat da jemand......einen Tipp, das Holz geruchsneutral zu "imprägnieren"?......
Wacholderholz riecht typischerweise nach Wacholder - das überrascht den Kenner nicht.

Du könntest Dir in der Apotheke eine kleine Menge ätherisches Wacholderöl besorgen (Oleum Juniperi). Davon gibst Du einen Tropfen in eine kleine Flasche mit chinesischem TUNG-Öl (Fa. DICK in Metten), ersatzweise Leinölfirnis. Mit dieser Mischung kannst Du nun Dein Wacholderholz sortenrein und naturidentisch pflegen.

Reines TUNG-Öl für die geruchsneutrale Pflege: Du gehst in die Apotheke und sagst: Behalten Sie doch Ihr albernes Wacholderöl!

Viel Erfolg!

Gruß

sanjuro
 

MythBuster

Mitglied
Hallo,

die Tung-Öl Qualität die zumindest ich kenne riecht auch ziemlich streng. Wie wär's denn mit Wahlnussöl verdünnt mit Balsam-Terpentinöl (und evtl. ein Spritzer Sikkativ, damit es schneller trocknet). Edel wär auch Mohnöl, aber das riecht schon wieder ziemlich nussig.

Gruß

MythBuster
 

tuff

Mitglied
Wie wäre es mit Hirschtalg ? Pur oder als Politur-Grundlage !

Nicht als kommerzielles Paraffin-Produkt aus dem Kosmetikbereich.

Wasserärmstes Fett und geruchlos und weiß . Also nicht färbend

Es wird mit warmen Händen fast wie Öl .

Ich hab es gerade aufgerieben und das Holz wurde deutlich farbfrisch
aber nicht fettig und fühlt sich fanstastisch glatt an.

Ich habe das bisher nur auf dem Billig Test, der vorläufigen Griffschalen gemacht , sonst ist es für Leder ebenfalls gut .

Wachholder behält seinen Duft wie man mir im Messer-Geschäft sagte, als man es zeigte.

Sonst würde ich es mit Mandelöl versuchen, das gibt es im Kosmetikbereich.Riecht leicht nussig ist aber weiß.

Sonst Lanolin mit Bienenwachs als Politur .
Wachholder wird stäker im Duft wie Bienenwachs sein.
 
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tuff

Mitglied
Hier sieht man die Unterschiede.

Links/ ein unbehandeltes Stück Holz.
Mitte / mit Rotwein gealtert zwar gewachst und 2 tage lang abgegriffen
Rechts/mit einer Stange Hirschtalg (nur das Fett, nicht als Politur )abgerieben.

 

sanjuro

Mitglied
.....Wachholder behält seinen Duft, wie man mir im Messer-Geschäft sagte........Sonst Lanolin mit Bienenwachs als Politur......
Wachholder wird stä(r)ker im Duft als Bienenwachs sein.
Das Zeug heißt 'Wacholder', und natürlich riecht es völlig anders als Bienenwachs.

Lanolin sollte man nicht auf Holz bringen, weil es keine aushärtenden Bestandteile enthält, sondern u.a. flüssiges Paraffin und Wasser. Wasserfreies Wollfett hingegen (fälschlich oft als 'Lanolin' bezeichnet) ist ein vorzügliches Lederpflegemittel.

Mit Hilfe der Suchfunktion findet man ausführliche Informationen zur Holz- und Lederpflege.

Gruß

sanjuro
 

tuff

Mitglied
Ich meinte das der Geruch von Wacholder mit Sicherheit den Bienenwachsduft übertönt. Der sollte ja erhalten bleiben.

Natürlich muss man Lanolin zu einer Politur verarbeiten mit Bienenwachs und Ethanol. Zumindest ist es natürlich. Mit dem wasserfreien mag ich gar nicht arbeiten, weil es in den Rezepturen die ich brauche (Tierfell),so anzieht, das es zu hart wird.Also braucht mal wieder Öl zum verflüssigen und das fettet dann evtl zuviel.

Paraffin ist außerdem ein Mineralisches Abfallprodukt aus Erdöl ,das ich weder für Haut noch für Haare und dem zu folge auch nicht für Holz verwenden würde.
Nicht nur aus persönlichem Idealismus ,sondern auch aus Erfahrung bei Haut ,Haar und Fell. Paraffin trocknet aus, obwohl es fettet und unterbindet die Hautatmung. Beispiel sind die Melkfett-Gesichter von Frauen mit feiner Haut, weicher Haut und vielen Falten. Paraffin-Haare haben keine eigene Sprungkraft mehr. Es sei den man hat eine Afro-Krause die man bändigen will.
Dann evtl. lieber Stearin das auch einen höheren Schmelzpunkt wie übliches Weich-Paraffin hat und aus natürlichen Bestandteilen gewonnen wird.

Ich habe jetzt Hirschtalg als wasserfreies Fett benutzt, das ich mit wenig Bienenwachs zum aushärten als Politur verwende. Das reicht für meine Zwecke bei einem privat genutzen Messer. Sieht aus wie Seidenglanz lackiert. Und ist in 1 Minute wieder übergewachst wenn es nötig sein sollte.

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(Danke übrigens für die Rechtschreibkorrektur die hier oft im Forum geboten wird ... war spät und ohne Lesebrille. Das Internet macht oft schnell und schusselig.

Aber stellt euch vor Jamie Oliver würde sich hier einloggen, ganz privat, um sich ein Kochmesser zu schmieden.
Der- würde als Legastheniker hier nur Schläge bekommen und schnell wieder gehen .
Trotzdem verdient er Millionen!
Gerade weil diese Leute dafür in technischen und handwerklichen Bereichen richtig gut sind.
Wollt Ihr diese alle vor den Kopf stoßen ?
Und dafür kämpft man in Schulen, dies nicht zu überbewerten . --hab jahrelang welche betreuen müssen und das Leid in den Familien gesehen -- )
 

Blacky

Mitglied
Wo kann man das Zeug am Günstigsten beziehen? Führen Apotheken das eventuell auch? Wie sind die Kosten im Vergleich zu Wollwachs?

Legastheniker [...] --hab jahrelang welche betreuen müssen und das Leid in den Familien gesehen -- )
Dramatisier' mal nicht so :)
Ein gut gemeinter Hinweis auf richtige Schreibweise in einem Fachforum dient auch dem "Gefundenwerden" des Threads und Interessierten bringt es bessere Suchergebnisse. (Schonmal mit einem falsch getippten Wort gesucht? Je nach Suchmaschine/-funktion kann das sehr ernüchternd sein ;))
 

dirkb

Super Moderator
[OT]

...Legastheniker...
Wollt Ihr diese alle vor den Kopf stoßen ?

Hier wird keiner vor den Kopf gestoßen. Im vorliegenden Beispiel ging es ja nicht um Legasthenie, sondern um Nicht- oder Falschwissen der Schreibweise eines bestimmten Worts. Oder um Faulheit: „war spät und ohne Lesebrille“.

Ansonsten gilt: Wer hier schreibt, bedient einen Computer. Wer einen Computer bedient, hat Zugriff auf eine Funktion zur Rechtschreibkorrektur. Und deren Benutzung ist - ob Legastheniker oder nicht - sicherlich zumutbar.

Weitere Grundsatzdebatten zur Legasthenie dann bitte an anderer Stelle.

[/OT]
 

tuff

Mitglied
Eben ! Sonst wär man im Literaturforum.

Google >> nach Hirschtalg aber pur oder in Apotheken.



Nachtrag: Hab gerade an einem alten Messerchen, mit Bein oder Hirschorn am Griff, das polieren mit Lanolin und Hirschtalg ausprobiert .
Ist glaube ich egal. Das Ding glänzt wie lackiert.

Aus meiner Zeit mit Porzellanguss habe ich die Erfahrung gemacht, das die Finger ein hervorgagendes Poliermaterial sind. So ist diese Angewohnheit bis heute geblieben. Man schleift meist mit Seide, Nylonstrümpfen und der Haut.
Bei diesem alten Messer hab ich mit Schleifpapier den alten Dreck runtergeholt, fein geschliffen und dann nur mit Lanolin poliert.
Durch die Reibung ensteht Wärme beim polieren und dies versiegelt die Fläche ganz gut . Wässrige Bestandteile verdunsten dabei ,die wachsartigen härten aus. Mit Holz (alte Messergriffe und alte Fleischgabeln) hab ich das auch schon gemacht . Es glänzt schön (etwas besser wie seidenmatt) und fühlt sich nicht fettig an und das Holz kann weiterhin atmen.Allerdings hab ich bei diesen Gegenständen nicht besonders geschliffen.
Zumindest ist dies eine geruchlose Variante auf Holz.

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Hier mal die Unterschiede bei Lanolin aus Wikipedia
Nach dem Deutschen Arzneibuch (DAB) wird als „Lanolin“ (lat. Adeps lanae cum aqua) eine Emulsion bezeichnet aus 65 Teilen Wollwachs, 20 Teilen Wasser und 15 Teilen dickflüssiges Paraffin. Es stellt eine gelblichweiße, salbenartige Masse dar, die sich beim Erwärmen im Wasserbad in eine wässrige und eine auf dieser schwimmende ölige Schicht trennt, und soll nach dem Trocknen bei 100 °C nicht mehr als 26 % an Gewicht verlieren.

Andere Zubereitungen:

Lanolinum: 15 Teile dickflüssiges Paraffin, 20 Teile Wasser, 65 Teile Wollwachs (DAB 10, Deutschland)
Lanolin: 10 Teile Olivenöl, 20 Teile Wasser, 70 Teile Wollwachs (Ph. Helv. 7, Schweiz)
Cera lanae cum aqua composita (wasserhaltiges Wollwachs)/ Lanolinum: 10 Teile flüssiges Paraffin, 20 Teile Wasser, 70 Teile Wollwachs (ÖAB90, Österreich)

Um wasserhaltiges Wollwachs geschmeidig zu machen, setzt man ihm manchmal Olivenöl zu, für kosmetische Zwecke vielfach ätherische Öle, Vanillin etc..

Wollwachs besitzt sehr gute hautpflegende Eigenschaften, da es den transepidermalen Wasserhaushalt regulieren kann. So beschleunigt es die Wundheilung und ist deshalb in Wundsalben für die strapazierte Haut sowie in Hautschutzsalben enthalten. Seine pflegende Eigenschaft wird auch in Lederpflege-Produkten genutzt.
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Und was hier schon angesprochen wurde ist das (feste)- Lanolin anhydrad-
Das bekommt man in jedem Naturkosmetikladen oder der Apotheke.
Wie auch dass, was ich für alles mögliche verwende/ weiches -Lanolin DAB-
und es gibt auch Liquid Lanolin das wie Honig im Aussehen und der Konsistenz ist. (Nicht im Handel )

Als Ersatz für Nylonstrümpfe kann man Charmeuse nehmen bzw. Wirkfutter aus dem Kaufhaus.
 
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sanjuro

Mitglied
Wacholderholz pflegen

.......Durch die Reibung en(t)steht Wärme beim Polieren und dies versiegelt die Fläche ganz gut. Wässrige Bestandteile verdunsten dabei, die wachsartigen härten aus........

Und was hier schon angesprochen wurde, ist das (feste)- Lanolin anhydrad- .....
Wie Du Deine Messergriffe pflegst, ist Deine Sache. Die Informationen, die Du so freigiebig verteilst, bedürfen aber der Korrektur:

Die durch eine Handpolitur entstehende Wärme versiegelt keinesfalls eine Oberfläche, die ja am Ende gar nicht 'versiegelt' sein sollte. Holz 'atmet' natürlich nicht, sondern die meisten Hölzer haben einen Feuchtigkeitstransfer und benötigen daher eine diffusionsoffene Beschichtung.

Wachsartige Substanzen (wasserfreies Wollwachs besteht im Wesentlichen aus Wollwachsalkoholen!) sind keineswegs pauschal aushärtend. Wasserfreies Wollwachs wird manchmal Lanolin-Anhydrat genannt, nicht '-Anhydrad'.

Der Ausflug in die europäischen Arzneibücher ist an dieser Stelle nicht hilfreich, weil die Vorschriften bei Interesse überall nachzulesen sind und die Rezepturen sich zudem weitgehend gleichen.

Daher nochmals mein Hinweis, dass Du in der Suchfunktion das Thema 'Holz- und Lederpflege' mit allen nötigen Infos im Detail nachlesen kannst.

Gruß

sanjuro
 
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Virgil4

Premium Mitglied
Erstmal besten Dank für die Tipps!

Da mein Tung-Öl von Dick kaum Eigengeruch hat, hab ich mich an Sanjuros erste Empfehlung gehalten und Wacholderholzöl (Achtung: es gibt auch Wacholderbeerenöl: ca. 10 Mal so teuer) in der Apotheke besorgt.

Bei der Dosierung des Wacholderholzöls war ich etwas grosszügiger, das wäre aber nicht nötig gewesen - "viel hilft viel" stimmt auch hier mal wieder nicht!

Die Maserung kam kam gut heraus (siehe Foto), die Oberfläche fühlt sich super an und nach ein paar Tagen riecht das Holz jetzt wieder wie vor der Behandlung - nach WACHOLDER, was sonst (wie konnte ich nur Pfeffer schreiben ;)).

DSC_0026.jpg


Schönes Restwochenende noch!

Virgil
 

sanjuro

Mitglied
Wacholder, der auch so duftet

.......Die Maserung kam gut heraus (siehe Foto), die Oberfläche fühlt sich super an und nach ein paar Tagen riecht das Holz jetzt wieder wie vor der Behandlung......
Das ist ein wirlich schöner Griff! Ich finde, dass das wirklich etwas Besonderes ist; wo sonst hat man dieses Holz?

Viel Freude damit!

Gruß

sanjuro