Vorbereitungen zum Härten

Tolstoi

Mitglied
Hallo,

ich habe hier im Forum schon öfer gelesen, das man einen Klingenrohling vor dem Härten weichglühen sollte. Außerdem soll man ihn nach dem Härten anlassen.
Meine Frage an euch ist nun folgende : Wie verhält sich das Ganze, wenn ich meinen Flachstahl(12C27, ATS34, RWL34) den ich z.B. bei Dobner/Borger gekauft habe nach der Bearbeitung zum Härten schicke.
Wird der "nur" gehärtet oder beinhaltet das Härten das vorherige Weichglühen und anschließende Anlassen.
Wolf Borger bietet auch das Bearbeiten verzogener Klingen
mit dem Richthammer an (habe den/die Beiträge im Forum
schon gelesen). Muß ich nun bei jeder Härterei all diese
Dinge seperat abklären, oder ist das der gängige Standard.

freue mich auf eure Antworten

Tolstoi
 

DeadlyEdge

Mitglied
Hi!
Das Flachmaterial, was man bei Händlern wie Dobner, Borger, Wojtinowski bekommt ist eigentlich weichgeglüht. Ich glaube, das zusätzliche (Weich)glühen vor dem Härten ist deshalb zu empfehlen, damit durch unregelmäßiges Erhitzen (z b beim Schleifen) entstandene Spannungen in dem Rohling abgebaut werden - wenn das zu einem Verzug führt, kann man die Klinge in weichgeglühtem Zustand eben problemlos richten. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, daß sich die "entspannte" Klinge beim Härten verzieht, wesentlich geringer (wenn man das Härten richtig macht, natürlich - egal wie spannungsfrei das Messer ist, wenn es in dem Ofen auf die Seite geschmissen wird, wirds krumm).
Viele Schmiede normalisieren die Klingen mehrmals vor dem Härten, manchmal wird auch mehrfach gehärtet. Diese pyromanische Rituale haben, soweit ich weis, den Zweck, ein feineres, gleichmäßigeres Gefüge des Stahls zu erzeugen. Achim und Claymore können das besser erklären.
Ich glaube eher nicht, daß es einen gängigen Standart bei den Härtereien gibt. Am besten immer fragen.
mfg,
DE
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Eine Härterei benötigt normalerweise einige Vorgaben, vor allem welcher Werkstoff das ist, ob er weichgeglüht werden sollte, oder normalisiert, und nach welchem Verfahren er gehärtet werden soll (Vakuum, Salzbad.....), wie er abgeschreckt werden soll, und welche Zielhärte man im Auge hat, danach richtet er das Anlassen, bei Kenntnis des Werkstoffs, natürlich. Wenn Du das über Borger laufen läßt, gibt der die wichtigen Sachen schon weiter. Ich persönlich bin aber ein Stahlfreak, ich lege das immer selbst fest, ich benutze meist den kleinen Stahlschlüssel und das Aufgabenspektrum, das das Messer abdecken soll.
 

Tolstoi

Mitglied
hallo DeadlyEdge,

das heißt also, das ich das Messer vor dem Härten anschaue und eventuell selber noch "gerade" biege (was ich eigentlich schon vor
der Bearbeitung mit dem Flachstahl mache, sprich den Stahl im Schraub-
stock "gerade richte"). Somit dürfte es doch eigentlich ausreichen,
diesen Rohling zu einem wie Borger/Dobner/Wallner/Woijtinowski zu
schicken, und davon auszugehen (da diese selber Messer machen),
ein gutes Resultat zu erhalten (den Thread Bester Härteservice usw.
habe ich schon gelesen).
Wenn mir jetzt noch jemand erklären könnte, ob ein Anlassen der Klinge
zum Standard gehört, oder ob man das seperat absprechen muß, wäre ich ein großes Stück weiter.

Vielen Dank bisher,

Grüße Tolstoi
 

raccoon

Mitglied
Jungle Expert

durch das weichglühen lockert sich das gefüge auf und richtet sich gleichmässig aus (kubisch raumzentriert). damit der zusätzliche kohlenstoff beim härten in den stahl diffundiern kann und sich keine martensitnester bilden, die später für den bruch verantwortlich sind, wird erst weichgeklüht.
durch das härten wandert nun der zusätzliche kohlenstoff (aufkoksen) in das stahlgefüge, nach dem abschrecken ist der stahl hart, je nach verfahren und härtezeit wird die HRC bestimmt. abschrecken in öl ist da vorteilhaft. je länger gehärtet wird, desto mehr kohlenstoff diffundiert in den stahl. der zusätzliche kohlenstoff im stahl verspannt das gefüge wieder.
auch unterschiedliche abkühlgeschwindigkeiten, gerade an der randschicht, bringen zusätzliche spannung in den stahl.
um eine entspannung zu erzielen, wird der stahl dann angelassen. dabei ist auf die anlass-farbe zu achten, zu langes anlassen verursacht eine versprödung oder minderung der gewünschten härte, die festigkeit nimmt dadürch ab.
wenn es richtig gemacht wurde sind oberflächen- und gefügespannung herabgesetzt worden, so dass die eigenschaften für ein messer gegeben sind. das anlassen bezieht sich aber mehr auf die oberflächenspannung.

ich gehe mal davon aus, dass der typ von dem du sprichst härtet und anlässt, entweder alles oder nichts.

es könnte aber sein, dass der stahl nach dem härten erstmal geschliffen werden müsste, weil er raben-schwarz ist und eine raue oberfläche bekommt. frage doch einfach mal nach, wie er das so macht.

raccoon
 
Zuletzt bearbeitet:

Tolstoi

Mitglied
Also eigentlich wollte ich nur mal ein Paar selbstgemachte Rohlinge
an die Händler/Messermacher zum Härten geben, von denen ich den Stahl
auch bezogen habe, in der Hoffnung, das mit der Stahlbezeichnung ei-
gentlich alles erledigt wäre. Daß man bei einer fremden Härterei
genauere Angaben zum Härtegut machen sollte leuchtet mir ein.
Wenn ich jetzt aber bei Borger/Dobner... einen Messerstahl kaufe um
ihn später härten zu lassen, müßte ich doch eigentlich voraussetzen
können, das alles richtig gemacht wird. Da ich kein Stahlprofi bin,
bleibt mir doch zunächst auch gar nichts anders übrig.

Herbert : den kleine Stahlschlüßel habe ich zwar, aber auch das ist
momentan noch viel Arbeit für mich

racoon : auch Deine Infos haben mir sehr weitergeholfen

ich glaube, ich muß wohl meine ersten Rohling einfach mal zum Härten
schicken, und hoffen, das alles klappt.

recht herzlichen Dank nochmal an alle.

Für weitere Infos bin ich natürlich sehr dankbar

Tolstoi
 

HankEr

Super Moderator
Nachdem ich auch erst mal mittelmäßig verwirrt war habe ich damals meinen Erstling aus RWL-34 einfach zu Borger geschickt und ich bin mit dem Ergebnis super zufrieden (ob man das allerdings verallgemeinern kann, weiß ich nicht).
 

Floppi

Mitglied
Re: Jungle Expert

@Tolstoi: Schick Deine Klingen zu einen von den Leuten, die härten können/lassen, die Du selbst aufgezählt hast. Das passt schon.
Du solltest aber neben der Stahlart eine gewünschte Zielhärte angeben und diese sollte auch möglich sein (also Stahlschlüssel konsultieren ;)).
Bei welchen Temperaturen und wie abgeschreckt wird wissen die Härtereien. Wenn Du mit 'nem Exoten kommst, mußt Du denen genaueres schreiben, ansonsten eigentlich nicht.

Ich habe zwar erst wenige Klingen härten lassen, hatte aber bis jetzt keine Probleme mit Verzug oder ähnlichen. Das liegt vielleicht auch an meinen Bearbeitungsmöglichkeiten, die gar nicht erst Spannungen entstehen lassen.

@DeadlyEdge: Stahl von Recknagel ist wahlweise weichgeglüht oder gehärtet. Letzteres muss man allerdings angeben. :D

@raccoon:
Original geschrieben von raccoon
abschrecken in öl ist da vorteilhaft.
So pauschal stimmt das leider nicht. Es kommt auf den Stahl drauf an.
es könnte aber sein, dass der stahl nach dem härten erstmal geschliffen werden müsste, weil er raben-schwarz ist und eine raue oberfläche bekommt. frage doch einfach mal nach, wie er das so macht.
Kann ich bei den aufgezählten Härtereien (z.B. Wallner und Borger) nicht bestätigen. Entweder wird in Schutzgas gehärtet, dann hat man eine ziemlich fies-harte und dicke Oxidschicht, die man schleifen muss. Die ist aber nicht schwarz, sondern bunt verfärbt. Oder aber es wird im Vakuum gehärtet. Dann ist die Schicht so dünn, daß ich sie in der Vergangenheit einfach runterpolieren konnte.
 
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luftauge

Mitglied
Das Beste wird sein, mit dem Härtemeister selbst Kontakt aufzunehmen, es geht beim Glühen ja nicht immer nur um das Gefüge,
- sondern manchmal auch um den Faserverlauf Stahl, bzw.
- ist der Rohling symetrisch (auf beiden Seiten gleichmässig) zerspant worden,
- ist er evtl. beim Zerspanen irgendwie unter Spannung gesetzt worden (Hydraulikschraubstock)

Der Experte, der das Teil Härten soll, kann es am Besten beurteilen, wenn er den Rohling sieht, also:
Kontakt aufnehmen und beraten lassen, so weit möglich !

Gruß Andreas
 

Tolstoi

Mitglied
Also nachdem ich jetzt eure Meinungen und Ratschläge kenne, kann da wohl nicht mehr viel schief gehen. Das Messer wird natürlich mit Angabe der Stahlsorte zum Härten geschickt. Beim gewünschten Härtegrad habe ich im kleinen Stahlschlüssel nichts gefunden, aber ich glaube 12C27 wird bei EKA-Klingen auf 57-59° Rockwell gehärtet. Da es ein Küchenmesser werden soll, ist das sicherlich ein guter Wert und nachdem ich nicht weiß, wo das Limit bei 12C27 liegt, behalte ich diesen Härtegrad bei.
Jetzt kann ich dann nur noch hoffen, das die Klinge nach dem Härten
keine all zu harte Oxidschicht hat.

vielen Dank und freundliche Grüße

Tolstoi

Ach so, mit dem Zerspanen ist das so eine Sache, da ich die Klinge
teilweise mit dem Bandschleifer und einer Feile abwechselnd bearbeitet
habe. So ganz symmetrisch ist es nicht geworden, aber ich habe da keine anderen Möglichkeiten. Meint ihr, das ich da auf jeden Fall mit einem Verzug rechnen muß ?
 
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@Tolstoi:
wenn es nicht schon zu spät ist-wenn du keine harte Oxidschicht willst, dann schicks zum Dobner...oder wer immer sonst im Vakuum härtet, wie oben schon mehrfach geschrieben...

Aysmmetrie führt nicht gleich zu Verzug, sonst wären alle chiselground Messer krumm!

Grüße, Jens