Verzug beim spannungsarm Glühen

Laketrout

Mitglied
Hallo
ich habe bei zwei Klingen einen deutlichen seitlichen Verzug bekommen beim spannungsarm Glühen. Dabei habe ich das gemacht um genau solchen Verzog zu verhindern. ???

Die Details dazu:
Eine Klinge, etwa 16 cm Klingenlänge, Kochmesser, 1mm Rückenstärke, aus Damast 1.2842/75Ni8
Die Andere, etwa 12 cm Klingenlänge, Rüstmesser, 1.5 mm Rückenstärke aus Federstahl.
Eine dritte, kürzere Klinge aus Damast war auch noch dabei die hatte keinen Verzug.

Ich hatte alle, einzeln, in Härtefolie eingewickelt und mit dem Rücken nach unten in den Ofen gestellt. Den Ofen danach gestartet und 4 Stunden gehalten, Temperatur zwischen 580 und 630 Grad gependelt. Danach im Ofen erkalten lassen.
Die Temperatur habe ich nebst dem Termostat noch mit einem Termometer überprüft, die Werte sollten also stimmen.

Habt ihr sowas auch schon gehabt ? Was mache ich falsch ?
 

Cronidur3

Mitglied
Ich würde eventuell behaupten, dass es aufgrund der geringen dicke der Klinge zu einem kleinem Verzug gekommen ist. Denn alle Klingen Klingen kühlen unterschiedlich ab. Wenn du einen einigermaßen vernünftigen Ofen hast sollte die Temperaturverteilung stimmen, ansonsten kann es auch schon mal sehr große Abweichungen geben.
Wenn du die Möglichkeit hast dann häng die Klinge das nächste mal in den Ofen hinein. Dann hast du überall den gleichen Wärmeeintrag und Abtrag beim Abkühlen.
 

JostS

Mitglied
Hi -
da sind wohl die Spannungen vom Schleifen ... abgebaut worden.
Aber wo ist das Problem? Vorsichtig richten (Hand, Schraubstock, etc.) und Härten.
Übrigens: 4 Stunden hab ich noch nie Spannungsarm geglüht. 45 Min. bei 630°C mit Abkühlung bei offenem Ofen reichen nach meiner Erfahrung bei den meisten niedriglegierten C-Stählen - es sei denn man will Einformen.
Herzliche Grüße aus Stuttgart,
Jost
 

yaammoo

Mitglied
Du wolltest mit dem 16cm langen Küchenmesser in Damast mit Rückenstärke von 1mm ein absolutes Ausnahmemesser bauen, welches sehr schwierig gerade zu halten ist. Fraglich, ob die Klinge jemals verzugsfrei zu härten sein wird. Neben der Länge und der sehr dünnen Rückenstärke spielt hier sicherlich noch die Damaststruktur eine wichtige Rolle.
M.m.n war die Haltedauer beim Glühen für die Materialstärke deutlich zu lang. Wahrscheinlich hätte bei 1 mm Rückenstärke schon eine Haltedauer von 5 Min gereicht, nachdem der Ofen die richtige Temperatur erreicht hatte.
Außerdem wirst du dir durch das "pendeln" zwischen 580 und 630 Grad neue Spannungen in das Material reingeglüht haben. Warst du dir unsicher welches die richtige Temperatur ist, oder aus welchem Grund hast du gependelt?
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Es spricht alles dafür, daß es sich um die Auswirkung vorhandener Spannungen handelt, wie schon in Beitrag 3 erwähnt.

Den Sinn eines so exzessiven Spannungsarmglühens kann ich nicht recht nachvollziehen.
Nach einer solchen Behandlung ist das Werkstück weitgehend frei von inneren Spannungen.
Was ist damit aber gewonnen ?.
Wenn man das Werkstück in diesem Zustand einsetzen wollte, wäre es , was Spannungszustände betrifft, formstabil. Das ist aber auch alles.

Beim Härten treten notwendig erneut Spannungen auf, die teilweise vermeidbar oder reduzierbar sind, teilweise aber nicht wirklich zu beeinflussen.
Beim Aufheizen zum Härten würden durch ungleiche Temperaturverteilung erhebliche Spannungen entstehen- dem könnte man durch sehr vorsichtiges, gleichmäßiges Erwärmen noch begegnen.
Die Umwandlungsspannungen sind dagegen unvermeidbar.

Bei einer so dünnen Klinge sind sie bei der Länge auch geradezu zwingend zu erwarten.
Härten mittels Quette war eine traditionell bewährte Abhilfe.

So zarte Teile lassen sich aber auch ohne Härteverlust richten. Das ist hier vielfach erörtert worden. Ein mildes Erwärmen auf knapp über 100 Grad v o r dem eigentlichen Anlassen bietet eine sichere und wirksame Richtmöglichkeit.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 

Laketrout

Mitglied
Danke Euch für die Hinweise.

Das mit dem Pendeln glaubte ich hier im Forum irgend wann mal gelesen zu haben.
Offensichtlich habe ich also viel zu lange geglüht.

Ich habe die Klingen nach dem glühen gerichtet und gestern dann gehärtet. Dabei haben sie sich natürlich wieder genau gleich verzogen. Sofort nach dem Abschrecken konnte ich sie problemlos erneut richten und anschliessend anlassen.
Sie sind dabei gerade geblieben.

Ich denke in Zukunft werde ich mir das spannungsarm glühen schenken.