Verwendung trotz Härteriss?

Morty01

Mitglied
Hallo an alle :)
Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen.
Vor 2 Monaten habe ich angefangen einen Rohling zu schmieden. Es handelt sich um weißen Papierstahl den ich geschmiedet, weichgeglüht und dann mit viel Aufwand in die Endform gearbeitet habe. Heute hatte ich dann endlich mal Zeit wieder die Esse an zu werfen und den Rohling zu härten. Ich habe den Rohling in meine Esse gelegt und langsam auf Temperatur gebracht. Er war schön gleichmäßig Kirschrot und der Magnettest hat auch geklappt. Also zack raus aus dem Feuer und bis zur Hälfte in warmes Sonnenblumenöl getaucht. ich hab mich gefreut wie ein Schneekönig als ich danach die Klinge überprüft habe. Alles sah schön sauber aus. Doch dann! Was ist das :( im vorderen Drittel der Klinge ein schöner hauchzarter Riss. Oh my god!!! der Riss ist ungefähr 6mm lang und verläuft vertikal. Die Klinge ist an dieser stelle ca 2.5 cm Hoch. Jetzt meine Frage was soll man damit machen? ich hab schon viel im Forum über die Sufu herausgefunden schweißen und alles is Blödsinn, würde nichts bringen. Aber soll ich den Rohling trotzdem wegschmeißen? Ich meine der Rücken der Klinge ist recht stabil mit 2,2mm an der Stelle und das Messer ist nur zum feinen schneiden gedacht, wird also kaum große Belastungen bekommen. Was meint ihr?
Vielen Dank schon mal für eure antworten

Gruß Matze
 

gnilreh

Mitglied
Ohne Fotos gesehen zu haben, ist es grundsätzlich schwer, eine Aussage zu treffen.
Ist der Riss nah genug an der Klingenspitze, würde ich sie an dieser Stelle abbrechen, neu verschleifen ("Sheepfoot light" quasi) und zufrieden sein.

Solltest du damit Essen zubereiten wollen, wäre mir perönlich das Risiko, ein geschärftes Stück Spitze im Essen zu haben, ansonsten zu groß...

Grüße,
Dom
 

no bird

Premium Mitglied
Hallo Matze

Ich würde es verwenden , in der Küche wird es wohl nicht so hart hergenommen weden zumal Du weißt was Sache ist .
Querbelastungen sind halt strikt zu meiden.
Sollte es dennoch zum Bruch kommen wirst Du das große Stück sicher nicht mit den Zwiebeln in die Pfanne werfen.

Gruß ... Norbert
 

Morty01

Mitglied
ok super vielen Dank Norbert :) jetzt bin ich beruhigt. ich hätte fast heulen können als ich den Riss entdeckt habe aber jetzt gehts mir wieder gut
 

gnilreh

Mitglied
Hmm,

aus eigener leidlicher Erfahrung weiß ich, wie schwer es fällt, etwas auszusortieren, an dem man lange schon gearbeitet hat. Ich für meinen Teil verbuche sowas mittlerweile aber als Lehrgeld.
Mir wäre meine ohnehin knappe Zeit für einen Rettungsversuch mit zweifelhaften Ausgang zu schade...

Tut mir ja leid für dich!

Grüße,
Dom
 

sanjuro

Mitglied
....... Ich habe den Rohling in meine Esse gelegt und langsam auf Temperatur gebracht. Er war schön gleichmäßig kirschrot und der Magnettest hat auch geklappt. Also zack raus aus dem Feuer und bis zur Hälfte in warmes Sonnenblumenöl getaucht. .......im vorderen Drittel der Klinge ein schöner, hauchzarter Riss...... was soll man damit machen?.......
Wichtig wäre für mich, dass ich wüsste, WARUM das passiert ist. Dass Lernen manchmal mit Kosten und Verlusten verbunden sein kann, ist wohl jedem klar.

Natürlich ist es schade um die Klinge, aber Du gewinnst doch auch an Erfahrung - das ist nicht zu verachten!

Und schließlich kannst Du, wenn Du es nicht übers Herz bringst, die Klinge in die Tonne zu werfen, immer noch einen Brieföffner daraus machen!

Gruß

sanjuro
 
Zuletzt bearbeitet:

Morty01

Mitglied
Wichtig wäre für mich, dass ich wüsste, WARUM das passiert ist. Dass Lernen manchmal mit Kosten und Verlusten verbunden sein kann, ist wohl jedem klar.

Natürlich ist es schade um die Klinge, aber Du gewinnst doch auch an Erfahrung - das ist nicht zu verachten!

Und schließlich kannst Du, wenn Du es nichts übers Herz bringst, die Klinge in die Tonne zu werfen, immer noch einen Brieföffner daraus machen!

Gruß

sanjuro


Ja da hast du auch wieder recht. Nun ich hab ein paar Fehlerquellen gefunden die ic hdas nächste mal auf jeden Fall beseitige. Die Klinge war nicht gefinischt. Ich hab sie nur mit 280er Papier geglättet und das in der vertikalen Richtung. ich hab gehört das zu grobe Riefen im Stahl als "Sollbruchstelle" dienen könnten. Ebenso habe ich das normalisieren vergessen. Bei den Messern die ich davor gemacht habe hab ich den Stahl immer aus einem Flachmaterial geschnitten und mit dem Bandschleifer in Form gebracht. Und da hat es jedes mal ohne Probleme mit dem Härten geklappt. Damals hab ich sogar in Wasser abgeschreckt ( und dieses mal hab ich absichtlich Öl genommen weil mir die Klinge so wichtig war :(... )
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Ganz ehrlich- ich würde die Klinge so nicht verwenden.
Es besteht zwar keine Gefahr, daß kleine Stückchen ausbrechen und das Essen "scharf würzen", aber der Riß ist vorhanden und wird mit der Zeit nach innen korrodieren und immer unansehnlicher werden.
Du ärgerst dich dann jedesmal, wenn Du das Messer in die Hand nimmst.

Da der Riß ziemlich exakt senkrecht zur Längsachse liegt, kannst Du vom Rücken her mit einem dünnen Flexblatt anschleifen und den beschädigten Teil abbrechen oder eben ganz abschneiden. Da Du die eigentliche Schneide dabei nicht berührst, wirst Du dort keine Härteeinbuße hinnehmen müssen.
Das Messer ist dann halt mehr an die Gemüsemesserform angelehnt als an die Santoku-Form.

Zur Verursachung des Risses ist natürlich schwer etwas zu sagen.
Der von Dir geschilderte Härteprozeß hört sich eigentlich vernünftig an. Vielleicht war der Fehler schon beim Schmieden angelegt ?
Der "weiße Papierstahl" ist relativ frei von Legierungsbestandteilen und neigt deshalb bei Überhitzung zu Grobkorn- kann es daran gelegen haben ?.

Ein bißchen kannst Du der Ursache näher kommen, wenn Du den Klingenrest fein ausschleifst. Wenn er sich gut auf extreme Schärfe bringen lässt und ohne zu knistern "buckelt", liegt jedenfalls jetzt kein Grobkorn mehr vor.

Was mir noch auffällt-vom Anlassen hast Du nichts geschrieben-das sollte aber alsbald nach dem Härten erfolgen.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 

Morty01

Mitglied
Hm leider ist die Klinge jetzt schon recht kurz und wenn ich sie an dem Riß abbreche dann hat sie evtl noch 10cm.. wobei besser ein kurzes messer als ein kaputtes. Das muss ich mir dann wohl auch durch den Kopf gehen lassen.
Das kann gut sein das ich den Stahl überhitzt habe ich hab eine Esse aus einem kleinen Grill mit einem Gebläße dran und da entsehen bei mir Temperaturen das hätte ich selber net für möglich gehalten. ich habe an einem recht sonnigen tag geschmiedet und von der Farbe her war der Stahl oft im orangen bis sogar fast gelben Bereich weil er sich so schnell aufheizt.
Ja ich hab ihn gerade vorhin angelassen ca 30min nachdem ich gehärtet habe. Den Riß habe ich aber schon unmitelbar nach dem Härten sehen können. Angelassen hab ich den Stahl 2 mal bei 180°.
 

sanjuro

Mitglied
......Das kann gut sein, dass ich den Stahl überhitzt habe, ich hab eine Esse aus einem kleinen Grill mit einem Gebläse dran und da entstehen bei mir Temperaturen, die hätte ich selber net für möglich gehalten. Ich habe an einem recht sonnigen Tag geschmiedet, und von der Farbe her war der Stahl oft im orangen bis sogar fast gelben Bereich.......
Bei Tageslicht oder gar in der Sonne schmieden, ist ausgesprochen schwierig, da haben auch Profis Probleme! Da ist eine lokale Überhitzung schnell passiert!

Wenn Du die angeknackte Spitze abbrichst, kannst Du ja mal einen Blick auf das Gefüge werfen.

Gruß

sanjuro
 

Nick

Mitglied
Ahoi,

wenn es meine Klinge wäre, würde ich sie auf keine Fall kürzen, da ich den Riss weder für eine Enschränkung im Gebrauch, noch für gefährlich halte (solange man keine Biegekräfte auf die Klinge bringt).

Da mich der Riss aber dennoch stören würde hier meine Frage :
Hat schonmal jemand eine Reparaturschweissung (Plasma ?) oder Auffüllung mit Hartlot (bei Kühlung der Schneide) probiert ?

Beste Grüsse, Nick
 

Armin II

Mitglied
Hat schonmal jemand eine Reparaturschweissung (Plasma ?) oder Auffüllung mit Hartlot (bei Kühlung der Schneide) probiert ?

Das ganze Thema hatten wir hier vor Monaten schon mal ausgiebig durchdiskutiert. IMHO ist das Pfusch und den ganzen Aufwand nicht wert.

Und ich persönlich würde das Messer zu nem Parmesanmesser umbauen, früher oder später wird sich die Spitze nämlich so oder so verabschieden.
 

Eisenbrenner

Mitglied
Das ist sehr schade, mein Mitgefühl hast du!

Das ganze zu reparieren solltest du vergessen.
Hartlöten funktioniert nicht, entweder hast du Probleme das Messer warm genug zu bekommen oder eine weiche Schneide, die du neu härten müsstest, wobei dir das Lot wieder schmilzt und der Riss sich evtl. weiterzieht.

Schweißen kann man auch vergessen, hab ich mal spaßeshalber bei einem frühen Messer aus Federstahl versucht, bevor ich es weggeworfen habe (da ich es wegen einem Riß eh entsorgen wollte).
Das Ganze damals mit Elektrode und neuem Härten.
Ging ganz gut und ließ sich sogar benutzen, schaut aber nicht gut aus und ist Pfusch hoch 3.

Ich würde dir auch raten das ganze abzuschleifen, entweder auf nummer sicher die Spitze ab, oder ganz vorsichtig von der Schneidenseite abnehmen, bis der Riß weg ist.
Bei zweiterem besteht aber immer die Gefahr, das du nicht genug abschleifst, oder sich der Riß durch das Schleifen fortsetzt.

So oder so bleibt dir aber immer noch ein kleines Messerchen wie z.B. ein Schälmesser erhalten.
 

nepolsky

Premium Mitglied
Mahlzeit Matze
Egal wie du dich entscheidest...ärgern wirst du dich früher oder später immer.Ob du die Klinge gleich kürzt oder wartest bis der Riss mit rosten anfängt und sich irgendwann dann die Spitze verabschiedet ist vollkommen schnuppe.
Ich persönlich würde die Klinge gleich kürzen...nur um zu sehen wie das Gefüge aussieht und mach dir mal nicht so viele Gedanken...das ist mir passiert,das ist Anderen passiert,das gehört einfach zum Lernprozess dazu.Isso.

Gruß Ralf
 

JostS

Mitglied
Hi Matze -
wenn Du nass schleifen kannst, oder einen sehr langsam laufenden Bandschleifer hast, würde ich die Schneide vom Anfang bis zur Spitze flacher schleifen, bis der Riss weg ist. Dann Richtung Spitze einen leichten Bogen anlegen und die Klingenflanken anpassen. Das Messer wird dann schlanker aber nicht sehr viel kürzer.
Die Prozedur würde verkürzt, wenn Du vorher weichglühst und nach dem Umschliff neu härtest.
Wenn es dann wieder einen Riss gibt, war es eine weitere Übung in WB,
die nicht viel Arbeit gekostet hat. Wenns gut geht ... auch nicht schlecht.
Bin gespannt, was Du draus machst.
Herzliche Grüße aus Stuttgart,
Jost
 

Sven

Mitglied
Schmeiß es in die Ecke und mach ein neues.
Klingt hart, ist aber etwas das du so oder so lernen musst.
Sonst investierst du zuviel Zeit in die nicht rettbaren Kandidaten.
Ich habe schon einige Exemplare in die Schrottkiste befördert, da war eigentlich alles dabei.

- Stahl verbrannt.
- Falsch einsortierten Baustahl geschmiedet
- Offene Lagen
- Einschlüsse
- zu dünn geschmiedet
- verschliffen
- für das Härten zu dünn geschliffen
- Härterisse aller Art
- etc.

Um so früher du die Fehler siehst um so besser. Und wenn es dir in der Seele wehtut, hau es in die Tonne.

So jetzt müsste ich mich nur noch selbst daran halten...
...diese offene Stelle geht ja nicht wirklich weit rein. Die verschwindet schon wenn ich den Anschliff erst bis oben hochgezogen habe.
...die Schneide ist jetzt zwar schon sehr dünn, aber die wird das Härten schon überstehen.
...die Schneide ist jetzt zwar wellig aber das kann ich bestimmt rausschleifen...


Ciao Sven
 

Morty01

Mitglied
vielen Dank für die vielen Antworten. so schwer es mir auch fällt aber ich glaube ich werde die Klinge brechen und mir das gefüge anschauen. Wie ein paar von euchschon geschrieben haben ist halt ein Lernprozess. Dann muss ich mich am Wochenende wohl wieder an die Esse stellen und fleißig weiterschmieden. Aber ich werde versuchen die Esse an einen Platz zu stellen an dem es etwas dunkler ist irgendwo im Schatten.