Uraltstahl härten?

Moppekopp

Mitglied
Hi Leute!

Ich habe vor einigen Jahren eine Machete gemacht. Als Klinge habe ich ein Pflugmesser aus einem alten Pferdepflug genommen. Das Pflugmesser schneidet vor dem Pflugschar den Boden auf und ist ca. 40cm lang, 1cm dick und ist gekrümmt wie ein Sensenblatt. Die Klinge habe ich nur grob mit der Flex saubergeschliffen - kein weiteres Finish! Und wenn ich mir die Griffschalenvernietung anschaue:angst: ! das wollte ich jetzt mal überarbeiten.
Die Machete habe ich bisher zum Bäume entasten, Holzspalten, etc. benutzt, dabei ist mir aufgefallen, dass die Klinge relativ weich ist.
Nun zu meiner Frage: Lohnt es sich die Klinge zu härten, oder ist der Kohlenstoffgehalt zu niedrig?

Gruss Moppekopp
 

kababear

Mitglied
zur härtbarkeit könnte man nur etwas sagen, wenn man wüsste, was das für ein stählchen ist...
ich vermute mal, dass er nicht härtbar ist, da es für sein vorheriges leben nicht notwendig und somit die verwendung eines härtbaren stahls "verschwendung" gewesen wäre...
 

freagle

Mitglied
Da gibts doch die sogenannte Funkenprobe, kann man da nicht sehen was der Stahl in etwa für Legierungselemente enthält, oder ob ein hoher Kohlenstoffanteil vorliegt, oder hab ich mich da vertan?. Ich würd sagen da ist Herbert gefragt.

freagle
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo Moppekopp!

Ich habe keine Ahnung vom Stahl, der bei alten Pflugscharen verwendet wurde. Allerdings würde ich vermuten, dass man früher den einfachten möglichen Stahl genommen hat, der die Aufgabe noch erfüllt.

Da Du bei dem Pflug wahrscheinlich keine richtige Schneide hast und auch Steine im Boden anzutreffen sind, spricht vieles eher für einen zähen als für einen harten Stahl.
Der wird sich wahrscheinlich auch nicht allzu hoch härten lassen.

Aber warte erstmal die Expertenmeinungen ab.

Ansonsten kannst Du auch eine Funkenprobe bei dem Stahl vornehmen, indem Du schaust, welches Bild die Funken abgeben, wenn Du ihn mit dem Winkelschleifer traktierst. Ich weiss nicht mehr genau, wie das Funkenbild aussehen muss bei einem Kohlenstoffstahl. Herbert hatte neulich sowas mal gemacht, der kann Dir sicherlich weiterhelfen.

Gruß Leo.
 

HankEr

Super Moderator
Hm, herbert würde wohl eher zur Spektralanalyse greifen :D Funkenprobe sollte aber auch jeder anständige Metaller, dessen Ausbildung schon etwas älter ist, beherrschen. Die Funkenanalyse sollte auch genau genug sein um den Stahl auf 2--3 Härtepunkte an die Wunschhärte heranzuführen --- wenn es sich denn härten läßt. :rolleyes:
 

Leonardo75

Mitglied
Hier nochmal eine kurze Beschreibung ein Funkenprobe von der Seite
http://www.dittmar-stahl.de/lexikon/f/funkenbilder.html

Funkenbilder


Aus der Farbe und Form des Funkenbildes kann auf die Art und Zusammensetzung des Werkstoffes geschlossen werden. Hierzu wird das zu prüfende Metallstück in einem abgedunkelten Raum gegen eine rotierende Schleifscheibe gedrückt (Funkenprobe). Beispiele:
Einsatzstahl: glatter Funkenstrahl, wenige stachelige C-Explosionen;
Vergütungsstahl: eingeschnürte rote Lanzenspitzen, feine büschelige Stacheln;
unlegierter Vergütungsstahl C 45: glatter Strahl, mehrere stachelförmige C-Explosionen.

Und hier noch mit Bildern!

funkenprobe.jpg


Quelle:

http://experte.kt2.tu-harburg.de/Diverses/

Gruß Leo.
 

Moppekopp

Mitglied
Hi!


Danke erstmal!!!!
Wo ihr gerade von Spektralanalyse redet, da hätte ich auch drauf kommen können!!!! Ein Bekannter ´von mir hat Zugang zu einem Funkenspektrometer! Das wäre wahrscheinlich der genaueste Weg, aber erstmal versuch ich die Funkenprobe per Winkeschleifer!

Gruß Moppekopp
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo kababear!

Jetzt aber nicht Deine schönen Customs versauen, nur um die Funken sprühen zu lassen.

Andererseits fehlen ja noch die pulvermetallurgischen Stähle bei den Bildern, wenn Du willst, kannst Du uns da ja mal Auskunft geben ;).

Viel Spaß bei Flexen wünscht der Leo.
 

kababear

Mitglied
also mit PMs kann ich leider nicht dienen... nur mit rostfreiem damast, 2842 und 2379, wobei sich letzterer absolut nicht zum bearbeiten mit ner flex eignet...(zu starke erwärmung:angst: )
cu
kaba
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Sorry, Leute, war eine Weile beruflich unterwegs und offline, hatte schon Entzugserscheinungen.
Da wird man mal gefragt, und dann ist man nicht da. Pardon.

Klar, ich würde eigentlich immer zur Spektralanalyse greifen, aber die Sache mit den Funken funktioniert ganz gut. Wichtig ist der abgedunkelte Raum. Hab neulich mal in unserer Schlosserei eine Palette von Stählen (alles rostende, allerdings) sowohl bei Tageslicht als auch im abgedunkelten Raum ausprobiert. Ein Unterschied wie Tag und Nacht, hehehe.

Aber das gibt zumindest Auskunft, ob man den Stahl härten kann. Wenn man das nicht unterscheiden kann, dann z.B. die Spitze erhitzen und abschrecken, anfeilen. Geht? Schade, Pech gehabt. Geht nicht? Anlassen, sonst bricht sie ab.

Meist sind jedoch solche Werkzeuge aus nicht allzu hartem Stahl gefertigt, damit man sie wieder herrichten kann, und die für Messerzwecke angestrebte hohe Härte ist für solche Anwendungen im Pflug (oder auch bei Sensen) kontraproduktiv. Über Sensen gabs neulich mal was, da wurde diskutiert, dass die ja durch Dengeln kaltverfestigt werden, und eigentlich aus nicht härtbarem Stahl bestehen. Die Kaltverfestigung durch Dengeln reicht, zumal man auch noch die Schneide neu richtet und ausformt. Mit gehärtetem Material ginge das alles nicht. Finde grad den Link für die Sensen nicht. Ich glaub, Zorro_43 hat damit angefangen.
 

zorro_43

Mitglied
Hey Herbert,
das mit den ungehärteten Sensen wusste ich noch garnicht!
Das hast du damals aber nicht verraten!
Wieder was gelernt!:super:
Der Thread ist hier .

Zorro
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Hi, Zorro! Danke für den Thread!
Wir können die Sache ja in Laubuseschbach vertiefen. Ich bring mal das Dengelgerät mit!
 

Tierlieb

Mitglied
Apropos Sensen...
Die dritten wiederholen anscheinend gerade eine Sendung zum Thema Sensen.
Vom Dengeln bis zu Mäh-Wettbewerben ist alles zu sehen.

Am Montag lief es auf WDR, am Donnerstag auf BR... vielleicht wird es bei Ecuh irgendwo auch gerade wiederholt... Titel fällt mir gleich wieder ein... garantiert.

MfG, Tierlieb
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Hab gerade mal wieder alte Literatur gewälzt und festgestellt, dass ich meine Äußerungen ein wenig revidieren muß. Es gab durchaus eine Reihe von Markensensenherstellern, die für ihre Sensen 0,7% und 0,8% C Stähle verwendet haben,und die wurden in Öl abgeschreckt und demnach auch richtig hart. Aber meine Teile sind das nicht.
Die Firmal Kuhlmann (weiß nicht, obs die noch gibt) hatte 0,8% C als Standardstahl.
Die Herstellung von Sensen ist gar nicht mal ohne. Wenn ihr mir ein paar Tage Zeit gebt, und Euch das interessiert, dann lese ich mich mal was näher ein (auch in die HÄrtetechniken) und poste das hier mal. Ist nicht uninteressant, hab da was über eine der letzten Sensenfabriken in Leverkusen - Schlebusch (wo ist Leonardo75?).
Also dann.

@tierlieb: bitte nachdenken! Die Sendeanstalten haben ja einen Service, da brauch man bloss die Sendezeit genau zu wissen, dann kopieren die einem das auf Video, so um die 50 Euro oder so. Hab das vor ein paar Jahren mal mit dem ZDF gemacht, hat super geklappt, aber die finden das nur, wenn man die Sendezeit kennt. Stand vor Jahren, klar, vielleicht geht es heute schneller.
 

Moppekopp

Mitglied
Hi!

Ich war am wochenende bei meinen Eltern und bin der Machete mal mit dem Winkelschleifer zuleibe gerückt. Nun ja was soll ich sagen, die Funken zeigten ziemlich viele C-Explosionen. Ich würde den stahl daher irgendwo zwischen c45, c100 oder 60 MnSi4 einordnen. Ich habe verschiedene Schleifmittel probiert, wie Schleifbock mit Korundschleifscheiben ( glaube ich), Schleifscheibe, Schruppscheibe,etc . Leider habe ich keinen Vergleichsstahl. Allerdings stellt sich mir die Frage, warum die Klinge nicht gehärtet war als sie noch als Pflugmesser verwendet wurde. Wenn schon ein solcher Stahl verwendet wurde, sollten ja auch seine Eigenschaften ausgenutzt werden.

Zu dem Tipp, die Spitze versuchsweise zu Härten: Das habe ich noch nicht probiert. Werde es nächstes mal probieren!
Aber: Lohnt es sich überhaupt eine Klinge zu härten, die fast ausschließlich zum Spalten von Holz und Entasten von Bäumen verwendet wird?
Oder riskiere ich da Ausbrüche aus der Schneide?
Danke sosweit!

gruß Moppekopp
 

zorro_43

Mitglied
@Moppekopp:
Klar lohnt sich das! Muss nue halt die richtige kombination aus Härte und Zähigkeit ergeben. Alle Äxte sind doch gehärtet!

@Herbert: Ja, bitte! Ich bin jedenfalls interessiert!

Zorro
 

herbert

MF Ehrenmitglied
@moppekopp: ich sehe das wie zorro. Ich schau mal, ob ich die Vergütungsvorschrift für Äxte und Beile noch finde.

@zorro: ich kümmer mich mal drum
 

Moppekopp

Mitglied
Hi!

Ich habe heute mal einen Härteversuch gemacht und es geht!!!! Der Stahl ist härtbar!!!! Ich habe einfach ein Stück das beim in formbringen des Griffs abfiel probeweise gehärtet, danach ließ der Stahl sich nicht mehr feilen.
Vielen dank nochmal für eure Tipps, waren echt Gold wert!!!!!:super:


gruß Moppekopp