Titan

Paulus

Mitglied
Hallo Jens,

Kleinmengen ist nicht so einfach, ersteigern wäre eine Idee. Schreib mal wie groß und wie dick das Material sein soll, ich habe ein paar Stücke liegen. Möglicherweise passt da was.

Paulus
 

Kevin Wilkins

Moderator Forum Kevin Wilkins
Fü Liners geht nur Grade V, 6al4v Titan. Grade II und andere - wie bei Gemmel - sind nicht dafür geeignet. Grade V ist in DE schwer zu kriegen, aber ich glaube Wolf Borger bietet es an, kann sein das Alfred Dobner auch was hat. Ich kaufe von www.titaniumjoe.com aber die andere Messermacherzubehör Leute in den USA verkaufen auch Ti, zB Halpern Titanium.

PS Ohne eine entsprechende Bandsäge ist Ti über 1mm sehr schwerig zu bearbeiten. Schneide mit Blechschere sollt vermieden werden, da Spannungen rein kommen und die Liner kaum mehr flach zu kriegen sind...
 

freagle

Mitglied
Wolf Borger hatte letzte Woche noch Titan 6Al4V da in mehreren Dicken.

Zwecks sägen von Titan, ich hab da einen Bericht über Mikel Walker aus einem älteren Schweizer Waffenmagazin. Walker bearbeitet nach eigener Aussage sein Titan mit viel Speed, er baut sich seine Maschinen falls nötig alle auf höhere Geschwindigeiten um. Athur Soppera beschreibt wie Walker mit einer kleinen Hobbybandsäge umgebaut auf hohe Drezahl Titan mit nem völlig stumpfen Sägeblatt sägt, er sagt die richtige (hohe) Drehzahl wär alles, auch beim Schleifen.

Bisher bin ich bei Titan mit recht langsamer Drehzahl und scharfen Schneiden am besten gefahren.

Mit einem Hartmetallsägeblatt und einer guten Stichsäge lässt sich auch dickeres Titan gut sägen, oder halt per Bügelsäge und nem scharfen guten Sägeblatt, das geht eigentlich sehr gut. Ich säg auch das über 3mm starke gehärtete Titan noch mit ner Bügelsäge.

freagle

Meine Handmades
 

herbert

MF Ehrenmitglied
kann ich bestätigen, freagle, das geht ganz gut. Auch im gehärteten Zuständ nach Luftfahrtnorm.
Aber mühselig ists schon.
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo Messerbörse!

Ich habe zwei Messer aus dem Ti6Al4V gemacht, auch im gehärteten Zustand. Dazu kann ich nur sagen, dass das Sägen mit einem guten Bimetallsägeblatt in der Bügelsäge recht gut ging. Allerdings musste ich ordentlich Druck aufgeben und relativ schnell sägen, damit ordentlich was passiert. Da fliegen auch schonmal die Funken, wenn die Sägespäne direkt nach dem Sägen verbrennen, weil sie so heiss werden. Ich bin dabei mit ca. 1,5 Sägeblättern pro Messer ausgekommen, aber es waren auch kleinere Messer.
Das Feilen war auch recht beschwerlich, vor allen Dingen beim Schruppen mit einer groben Feile. Dazu habe ich mein ganzes Gewicht auf die Feile gestützt und nur noch mit den Zehenspitzen den Kontakt zum Boden gehalten, dann haben die Feilen, obwohl nicht mehr ganz neu auch ausreichend viel abgetragen. Und öfters mal die Richtung beim Feilen ändern, wenn ich das nicht gemacht habe, dann kamen bei den groben Feilen Rattermarken ins Material. Beim Feilen habe ich das Messer auf ein Brett gespannt, damit es sich nicht wegbiegt.

Beim Bohren habe ich mich da einmal ziemlich dämlich angestellt. Zuerst etiche Löcher mit einem HSS Bohrer in das Titan gebohrt, ohne Probleme, doch dann habe ich die Drehzahl erhöht und das Titan ist dann auf halber Bohrtiefe zu heiss geworden. Was dabei passiert ist, kann ich nicht genau sagen, plötzlich ging der HSS Bohrer nicht weiter rein, also neu angeschliffen und wieder ins gleiche Loch um weiterzubohren. Wieder kam der Bohrer nicht voran. Um es kurz zu machen, nach 2 HSS Bohrern (gerade mal 4mm!), die ich immer wieder geschärft und dann wieder in dem einen Bohrloch versaut habe, bis sie nur noch 2/3 der Anfangslänge hatten, habe ich dann einen TiN beschichteten Bohrer genommen, der kam in dem Bohrloch aber auch nicht voran und ist ausgeglüht! Sowas habe ich vorher noch nicht erlebt. Also die letzte Möglichkeit, die ich noch hatte, mit einem Hartmetallbohrer weiterbohren und das hat dann endlich geklappt.
Ich vermute, dass durch die höhere Drehzahl das Titan zu heiss geworden ist und dann an der Oberfläche durch den Stickstoff in der Luft nitriert wurde. Die Schicht konnte man dann kaum durchbrechen. Also beim Bohren lieber mit langsamerer Geschwindigkeit vorgehen.

Soweit zu meinen Titanerfahrungen, sie sind sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, aber bei mir haben sie funktioniert.
 

luftauge

Mitglied
Moin Leo!

Das hört sich vielversprechend an !

Zu dem Problem mit dem Aushärten:
Ich meine Armin II hätte das mal genauso erklärt, wie Du vermutest.

Gruß Andreas
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
Man kann das Titan auf zwei grundsätzlich unterschiedlich Arten schneiden: ersten mit scharfen Werkzeugen und niedrigen Arbeitsgeschwindigkeiten, oder mit sehr hohen Geschwindigkeiten, dann kann das Sägeblatt auch vollkommen stumpf oder sogar mit dem Rücken voran eingespannt sein. Nennt sich Reibungs- oder Heißschnitt und funktioniert auch mit Stahl. Dort werden nur die Kanten gehärtet, was in einer sehr dünnen Schicht auch beim Titan der Fall ist. Bohren sollte man nur mit der ersten Methode, möglichst unter Sauerstoffabschluß (viel Kühlflüssigkeit), da Titanoxyd äußerst hart ist und sich auf heißem Titan in kürzester Zeit bildet.
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo Titanen!

Hab heute mal am Lehrstuhl für Werkstoffkunde kurz das Thema angerissen. Dort wurde mir folgendes gesagt:

Die Schneide des Werkzeuges beim Titanbearbeiten mit ein wenig zu hoher Drehzahl wird auf Grund der Zähigkeit von einer abreißenden Schicht Titan belegt, so dass man nicht mehr mit dem dem Werkzeugstahl schneidet sondern mit einer undefinierten Schneide, die aus Titan ist und damit deutlich weicher ist als der Werkzeugstahl. Ähnlich als wenn sich ein nicht entfernter Grat nach dem Schärfen beim Schneiden umlegt, dann ist das Messer auch stumpf. Oder wenn man versucht mit einem Messer dessen Schneide mit Tesakrepp abgeklebt wurde etwas zu schneiden, das klappt auch nciht so gut.

Ist die Drehzahl deutlich höher, so kommt es wohl zu eine Kaltverfestigung des Titans man hat ordentlich Abtrag, weil der Schneidkantenumlegeeffekt nicht mehr auftritt. So wurde es mir erklärt.

Also wie Guenter sagt, entweder langsam mit viel Kühlung und scharfem Werkzeug oder richtig schnell.

Das mit dem Nitrieren scheint ein wenig vergriffen von mir zu sein. Das Randschicht nitrieren erfordert wohl deutlich längere Einwirkzeiten, so dass ich nicht davon ausgehen kann, dass das aufgetreten ist. Daher revidiere ich meine Annahme und schwenke zu dem oxidieren (ebenfalls von Guenter eingebracht) ein.

Viel Spaß beim Bohren, Sägen, Feilen,
es grüßt Euch der Leo.
 

luftauge

Mitglied
Das mit dem Abreissen von Ti Partikeln und anschliessendem Belegen der Schneide ist ein Effekt, der beim Drehen und Bohren von Alu und einigen anderen Werkstoffen auch auftritt, man nennt es "Aufbauschneide" , und ist quasi der Gegeneffekt zum "Auskolken" direkt hinter der Schneide (das Werkzeug wird hinter der Scheidkante ausgehöhlt).
Jetzt, wo Du das nachgefragt hast Leo, fiel mir die Ähnlichkeit des Phänomens auf.

Aber die zweite Sache mit dem Nitrieren würde ich trotzdem nicht ganz von der Hand weisen. Die Gefahr besteht grundsätzlich immer, auch bei hochlegierten Werkzeugstählen (zwar nicht Nitrierung aber Oberflächen-Lufthärtung).
Man kann sowieso fast jeden Werkstoff mit einer höheren und einer niedrigen Vc bearbeiten, nur stehen alle "Empfehlungen" im Zusammenhang mit industrieller Fertigung, und da kommt es auf die schnelle Fertigstellung an, also Kombination aus hoher Vc und möglichst grossem Vorschub (REFA).

Gruß Andreas
 
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