Tauschieren für Anfänger

burzum

Mitglied
Hallo,

ich würde mich gerne daran versuchen, habe aber leider bisher kein Buch gefunden das sich explizit nur mit dem Tauschieren beschäftigt und ich wollte keinen Fachwälzer über Goldschmiedekunst für 90,- Euro kaufen nur um eventuell einen Einstieg in das Tauschieren zu finden und sehen ob ich daran Gefallen finde beziehungsweise das Geschick dazu habe.

Für den Anfang möcht ich mit geraden Linien üben an einem einfachen Stück Stahl um dann später eventuell eins meiner alten Schwerter am Knauf mit einem Muster nach Fundlage zu tauschieren.

Kann mir eventuell jemand eine brauchbare Website empfehlen zu dem Thema oder ein Buch das sich im speziellen mit dem Tauschieren beschäftigt?

Und welche Werkzeuge nehme ich konkret dafür? Diverse Stichel habe ich gefunden, allerdings keinen "Schwalbenschwanz" wie er auf manchen Seiten erwähnt wird um die Vertiefungen so auszumeißeln das man den Grat hinterher über das eingelegte Metall hämmern kann.

Ich habe hier und hier Stichel gefunden. Jedoch habe ich keine Ahnung welcher davon in Sachen Härte und Verwendungszweck für mein Vorhaben taugt. Ich würde ungern beim Stückpreis von ~10,- Eu pro Werkzeug erst eine Gallerie davon kaufen bis ich merke welcher "richtig" ist.

Vielen Dank! :)
 

erny

Mitglied
Hast Du schonmal die SuFu benutzt?

Da findest Du ne Menge fachlicher und sonstiger Auslassungen zu dem Thema.

Einfach den Begriff "tauschieren" in die suche geben. :D
 

Schlosser

Mitglied
Ich habe die Befürchtung, Du gehst Deinen Wunsch von der falschen Seite her an.

Wenn ich das richtig verstehe, hast Du noch nicht graviert, hast also weder Werkzeuge noch Praxis. Dabei ist das Tauschieren eigentlich eine Fortsetzung des Gravierens, d.h. Du schneidest nicht nur Dein Muster in's Grundmaterial, sondern unterschneidest die Linien zusätzlich und schlägst ein Kontrastmaterial in die Vertiefungen.

Will sagen: Ohne Gravieren zu können und die dafür notwendigen Werkzeuge zu besitzen, ist an Tauschieren nicht zu denken.

Den "Schwalbenschwanz", von dem Du gesprochen hast, macht man nicht mit einem dafür geschliffenen "Schwalbenschwanzstichel". Das ist einfach eine gravierte Linie im Material, die nach unten, also in das Grundmaterial hinein, breiter wird. Und nicht ein dabei entstehender Grat wird über das eingelegte Material gehämmert, sondern das einzulegende Material unter die oben stehen gebliebenen Ränder der Linie.

Ein Buch über das Tauschieren ist mir nicht bekannt. Auch keine Website, die sich explizit mit diesem Thema beschäftigt. Es wäre wohl anzuraten, bei jemandem, der das Gravieren beherrscht, nachzufragen, über die Schulter zu schauen, erste Erfahrungen zu sammeln usw. usf.

Verfolge Dein Ziel weiter, aber schaffe erst die Grundlagen dazu.
 

burzum

Mitglied
Danke für die gute Antwort. :)

Das es quasi de Fortsetzung des Gravierens ist war mir nicht bekannt, das ich das Material jedoch unterschneide schon, das ging aus den Erklärungen die ich gelesen habe auch hervor.

Ok, ich habe mich glaube ich nicht gut augedrückt, was Du beschreibst ("...sondern das einzulegende Material unter die oben stehen gebliebenen Ränder der Linie.") ist exakt das was ich meinte.

Nun, das heißt wohl das ich jetzt erst mal jemanden finden muß in meiner Nähe der Graviert. :)

Ich möchte es ja auch "nur" für mein Hobby erlernen, da ich es interessant finde und auch mal was anderes wäre als der Xte Färber, Schmied oder Glasperlenmacher. Zumindest habe ich auch noch keinen auf einer Veranstaltung tauschieren sehen.

Außerdem könnte ich dann meine Steigbügel nach Fund tauschieren ohne dabei arm zu werden. ;)
 

MythBuster

Mitglied
Hallo,

hier mal ein paar Links für den Einstieg:

http://www.engravingforum.com/showthread.php?t=2234

http://www.seekyee.com/Bladesmithing/the%20process/tutorials/inlaytutorial1/inlaytutorial.htm

http://followingtheironbrush.org/viewtopic.php?f=31&t=1017

http://followingtheironbrush.org/viewtopic.php?f=31&t=130

Hab mir selber auch schon mal ein paar einfache Meissel gemacht und so einen niedlichen japanischen Hammer wie im letzten Link habe ich auch schon geschmiedet. Ein paar bescheidene Tauschierversuche in Eisen hab ich auch schon unternommen, genug um zu zeigen, dass das Ganze kein Hexenwerk ist... aber ich bin mir noch unschlüssig, ob ich das Gepfriemle mag.:irre:

Gruß

MythBuster
 

Bummi

Mitglied
Hallo burzum,
Schlosser hat recht, ohne einen Stichel kunstgerecht bewegen zu können ,keine Tauschierung.
das unterschneiden in schwalbenschwanz erfolgt mit einfachen Spitzsticheln, versuch dich erstmal aneiner geraden Linie, das dauert
schon eine Weile , wenns überhaupt klappt.
In den ,,Spalt ,, werden übrigens Gold oder Silberdrähte gehämmert, sieht gut aus in einem gebläuten Stahl - Waffen industrie.
Eine Unterart ist das Niello, hier werden Lote (schwarz) eingehämmert .
Waffen Graveure werden in Suhl ausgebildet , 3 Jahre Lehrzeit , 500 Bewerber
und ca. 20 Stellen.
Ohne überheblich zu wirken, du wirst es ohne gründliche Ausbildung und Werkzeug nicht schaffen.
Leih dir mal das Buch,,Grundlagen der Gravierkunst,, und lies es , wenn du es dann immer noch probieren willst, kannst du Stichel von mir bekommen, habe genug davon (kostenlos)
Damit kannst du üben.
tschüss fritz
 

burzum

Mitglied
Super, vielen Dank für die Antworten!

Scheint doch ein wenig aufwendiger zu sein als das man es alle paar Wochenenden mal nebenher zu etwas bringen könnte. :( Aber ich werde es mal versuchen. :) Beruflich erlernen oder nutzen wollte ich es nun nicht gerade.

@erny
Sorry, aber hast DU sie schon mal zu dem Thema benutzt? Da fand sich nämlich nichts brauchbares!
 

MythBuster

Mitglied
Hallo,

weil es mich interessiert hat, ob man wirklich 3 Jahre Lehrzeit dafür braucht hab ich mal einen kleinen Tauschierversuch gemacht :haemisch:

[URL=http://img39.imageshack.us/i/tauschierung010.jpg/] Uploaded with ImageShack.us[/URL]

Das Monogramm hab ich mit 0,4mm Kupferdraht gemacht, rechts daneben ist ein 0,8mm Draht eingelegt. Die Platte ist aus Reineisen, lag zufällig rum Baustahl geht bestimmt auch. Auf einer Pfriemelskala von 1-10 würde ich dem Ganzen eine 9,5 geben:irre: Wirklich feine Sachen müsste man unter einem Binokular machen.
Hab versucht es über der Flamme zu bläuen, ist aber leider etwas unregelmäßig geworden. Ist wahrscheinlich besser in einem Ofen zu machen. Der Kupferdraht hat einen eigentümlichen Einfluß auf die Anlauffarben ringsrum.
und hier die Waffen. Die Stichel sind alle aus Feilen gemacht, der Hammer ist aus Baustahl:

[URL=http://img202.imageshack.us/i/tauschierung004.jpg/] Uploaded with ImageShack.us[/URL]

Da das richtig Spaß macht, werd ich demnächst mal ein Dreilagenmesser damit verschandeln.

Grüße

MythBuster
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Könntest Du Dich nicht auch für Kofgari begeistern ?. Die theoretische Anleitung und das Werkzeug- bis auf den Achat- Blutstein o.ä. zum Beipolieren- kann ich Dir machen.
Mir fehlt es an dem Händchen für das Zeichnen und an Geduld.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 

Graveur

Mitglied
Hi

Die Seite www.igraver.com bietet, wie das angeschlossene engravers-cafe, tolle infos zum gravieren und tauschieren.
Zweifelsohne ist Übung vonnöten, um schöne Ergebnisse zu erzielen, man kann jedoch das Tauschieren lernen ohne vorher die gesamten Grundlagen des Gravierens können zu müssen.

Beim Einlegen geht es darum, entsprechende Linien (Handgeschnitten, geätzt, gefräst......) mit sog. Unterhaupunzen zu unterhauen, das heißt den Schwalbenschwanz oder die Hinterschneidung mit dem Punzen in der Linie einzukerben. das muss nur minimal sein, im idealfall wölbt sich der Rand der Linien nicht auf, die Oberfläche wird also nicht (merklich) verformt.
in diese unterhaute vertiefung wird nun der Draht (idealerweise weichgeglüht) mit Flach- oder Mattpunzen eingelegt. Das Material wird verdrängt, wandert in die Unterhauung und hält fix.

überstehendes wegschnbeiden oder Feilen, fein schleifen usw.
Dabei gibts allerdings ein risiko: das weichere eingelegte Material wird beim Schleifen und Polieren stärker abgetragen als das harte Grundmaterial. Also aufpassen!

Soweit mein Erfahrungsbericht ^^

wenns noch detailierte fragen gibt, einfach anschreiben, und wenn du mal im schönen mostviertel bist dann schau vorbei.

gruß

Lorenz
 

MythBuster

Mitglied
AW: Tauschieren für Anfängeren

@U.Gerfin: ja bin interessiert, hab Dir ne Mail geschickt.

@Graveur: Ja, hab ich genauso gemacht wie Du es beschrieben hast. Aber wie stellt man es an, dass beim Unterhauen des Schwalbenschwanzes kein Material nach oben verdrängt wird. Unterschneiden halte ich bei engen Radien nicht für machbar, oder geht´s doch?

Hier auch noch ne schöne Anleitung.

Gruß

MythBuster
 

steelhead

Mitglied
Hallo,
Ich habe mich auch schon am tauschieren versucht. Es macht richtig Spaß! Relativ einfach ist es auf ebenen Flächen vorzeigbare Ergebnisse zu erzielen, aber der "Pfriemelfaktor" steigt enorm an wenn man versucht auf gewölben Flächen zu tauschieren und das Motiv dabei nicht zu verzerren. Ausserdem gleiten Stichel sehr viel leichter aus. Ich möchte aber dennoch aufmuntern zu weiteren Versuchen-tauschieren ist eine wunderbare Technik um Dinge zu verschönern. Eine Schaschka aus dem Nordkaukasus, die sich in meinem Besitz befindet, ist tauschiert von den Griffnieten über die Scheidenbeschläge bis hin zum Elfenbeingriff und zeugt vom hohen Können der alten Meister in dieser Kunst.
Schönen Abend euch allen.
Gruß Maik
 

Graveur

Mitglied
Das kein Material nach oben gedrückt wird hängt ab von der Beschaffenheit des Werkzeugs und von der Übung. :ahaa:

Wie gesagt eben die Punzen aus HSS, idealerweise 2,5mm oder 3mm Quadrat, vorne Messerscharf zugeschliffen. Je schlanker desto besser.
Für gerade Linien eine gerade Schneide, für gebogene Linien einseitig ballig geschliffen (die schneide wird dann rund).
wie gesagt scharf schleifen (ich kann mich mit meinen Unterhaupunzen Rassieren....)

Unterhauen: nur nicht zu fest, ein bischen genügt. Die Punze asnft einschlagen, wenn man sie loslässt soll sie idealerweise steckenbleiben (kein Muss). rückwärts wieder rausziehen um die feine Schneide nicht abzubrechen.

http://www.messerforum.net/newreply.php?do=newreply&noquote=1&p=764545
Diese Unterhauung is ziemlich heftig :staun:
Je klobiger die Punzen, desto gröber die Materialverformung nach oben. Bei so starker verformung kann sich folgende Problematik ergeben:
Präzise gestochene Linien werden verformt und sehn nach dem abfeilen verwackelt aus (is mir schon passiert, nich so Toll....:argw:)

Fein und vorsichtig arbeiten, dann sind die Ergebnisse Guti
und gutes Werkzeug (stets Scharf!) hilft dabei

gruß

Lo
 

MythBuster

Mitglied
Bei der Klinge hier hab ich den Eindruck, dass es eine differenziell gehärtete Klinge ist, also der Rücken weich ist. Ich denke, dass eine Tauschierung eine Härtung eher nicht unbeschadet überleben wird.

Gruß

MythBuster
 

Adrian K.

Mitglied
Hallo zusammen,
ich bin neu hier im Forum und grüße somit Euch alle.
Da ich selbst als Hobby Messer herstelle will ich mich auch mal ans gravieren sowie tauschieren heranwagen.
Kann mir jemand weiterhelfen und verraten,was ich vielleicht als Grundausstattung benötige so das ich mich an der Kunst versuchen kann?
 

Schlosser

Mitglied
Du hast aber schon diesen Thread gelesen und Dir die Links von MythBuster und Graveur angesehen ? Wenn Du dann noch Fragen hast, dann stelle sie doch ganz konkret !
 

Adrian K.

Mitglied
ja gelesen habe ich das alles und mir auch die Links angesehen.
ich wollte nur wissen welche Handstichel ich benötige und in welchen größen um erstmal klein anzufangen.beziehungsweise welche Stichel und Größe ich auch benötige um zu die hergestellte Linie zu unterschneiden.
 

Schlosser

Mitglied
Deine Antwort beweist nur, daß Du entweder nichts gelesen oder aber nichts von dem verstanden hast. Es ist alles schon gesagt/geschrieben.