Talonite vs. CM 154

sharky

Mitglied
Hallo Leute,

kann mir jemand was zu den Unterschieden (außer dem Preis) dieser beiden Materialien sagen ?

Grüße,
Sharky
 

HankEr

Super Moderator
Kann man so schlecht vergleichen, sind doch zwei recht unterschiedliche Paar Schuhe. 154 ist härter, Talonite ist abriebfester und rostfrei. 154 kann wesentlich feinere Schneiden unterstützen. Wo sich Talonite verbiegt, tut sich bei 154 entweder gar nichts, es federt zurück oder es bricht, je nach Wärmebehandlung, Stärke, Anwendung, etc.

Wie gesagt schwer zu Vergleichen, da doch recht unterschiedlich. Wenn Du immer noch auf der Suche nach einem Universalmessr bist, dann würde ich nicht zu Talonite greifen.
 

AchimW

Mitglied
Unterschied

Der entscheidende Punkt bei der Unterscheidung ist der:
- Talonite ist eine Kobalt-Legierung (wie Stellit) und kein Stahl.
- 154CM ist ein Stahl, also eine Eisenlegierung.

Achim
 

AchimW

Mitglied
Also nochmal:

Talonite

Vorteile:
- absolut rostfrei und auch Salzwassertauglich, da mit 3 % fast kein Eisen enthalten
- antimagnetisch
- sehr hohe Standzeit (bleibt lange scharf)
- relativ zäh

Nachteile:
- extrem hoher Preis des Rohmaterials
- extrem schwierige und zeitaufwendige Verarbeitung, daher auch als Endprodukt teuer
- Stäube sind lungengängig und sehr giftig (für Endkunde unwichtig). Siehe dazu auch diesen Bericht über "hard metal lung disease" auf Bladeforums!!
- schwer nachzuschärfen
- keine sehr scharfe Schneide

Letzteres Problem kommt durch die Art des Materialaufbaus zustande. Talonite, wie alle Stellite, hat eine weiche (so um die 46 HRc) Kobalt-Matrix, in die extrem harte Karbide eingelagert sind. Beim Schärfen bildet nur die Kobaltmatrix eine extrem scharfe Schneidkante, die sich aber innerhalb weniger Schnitte bis auf die eingelagerten Karbide 'runterarbeitet. Dann ist das Messer nicht mehr extrem scharf, behält aber diese mittelmäßige Schärfe extrem lange. Das Material wurde eben nicht für die Messerherstellung entwickelt, sondern um daraus zum Beispiel Sägezähne in der Metallverarbeitung zu machen.

Kommt also immer drauf an, wonach man sucht. Ich persönlich habe kein Problem mit rostenden Stählen bei meinen Messern und finde, daß diese immer noch die besten Eigenschaften für den Zweck bieten.

Achim
 
Zuletzt bearbeitet:

zorro_43

Mitglied
Hi,
Wenn ein Material als sehr Verschleissbeständig gilt liegt es doch nahe, dass das schärfen schwieriger wird!
Ich denke da kannst du dem AchimW ruhig glauben!

Zorro
 
Kann ich mit meiner begrenzten Erfahrung (Camillus EDC in Talonite als mein zeitweises EDC) nur bestätigen, grade mit Diamant-Abziehstein oder so verdampft das Zeugs recht schnell und ist nach wenigen Zügen wieder scharf. Bei derart agressivem Schleifmedium wird vermutlich die weiche Kobaltmatrix in grossen Stuecken weggerissen.
Eine besondere Zaehigkeit hab ich bisher nicht feststellen koennen, aber weich ist es definitiv, und bleibt auch nicht lange rasiermesserscharf. Nach kurzer Zeit bildet sich eine glatte Schneide mittlerer Schaerfe, die dann verdammt lange so bleibt. Um ein Stueck Draht zu schneiden wuerd ich so ein Messer dann aber nicht verwenden...
Wenn man jetzt noch den exorbitanten Preis dazurechnet, sieht Talonite fuer Gebrauchsmesser nicht mehr allzugut aus, imho.
Fuer mich eher ein Material, dass durch seine Exotik und seinen "gadget-factor" besticht, und seine Faehigkeiten bei sehr speziellen Anwendungen (weiches Schnittgut, Salzwasser,...).
Jeder Messerfreund sollte natuerlich mal ein Messer aus Talonite besessen haben ;) Ist einfach ein interessantes Zeug. Aber wenn ich EIN Messer kaufen sollte als EDC fuer die naechsten Jahre, so waere es sicher nicht aus Talonite.
 
Maik> Interessante Antwort, danke. ;) Kurze Frage: würdest Du Talonite als EDC wegen dem Preis und der nur mittleren Schärfe nach leichtem Gebrauch nicht nehmen, oder noch wegen anderen Eigenschaften? Wie ist denn diese mittlere Schärfe, von der Du sprichst? Für mich hört es sich nicht schlecht an...kannst Du damit noch ein Blatt Papier, welches liegt, schneiden (also nicht die Kante runter, sondern die Schreibfläche entlang), oder geht das schon nicht mehr?
 
Also ich mag meine Klingen einfach sehr sehr scharf, und bin auch ein Dauerschärfer ;) Ausserdem mag ich leicht aggressive Schneiden lieber, und grade die hält Talonite naturgemäss eher nicht lang.
Aber versteht mich nicht falsch: "scharf" im Sinne von "schneidet ordentlich" bleibt Talonite sehr wohl lang, und ja, schneidet auch Papier gut ;) Die Schärfe reicht schon für die meisten Anwendungen.

Aber wenn ich das zB mit einer Schneide aus M2 @ 60-62 HRC (Benchmade) bei 15 Grad pro Seite vergleiche... Ist halt was doch was anderes.

Der Preis spielt bei einem User finde ich auch eine Rolle. Will man wirklich ein Messer mit einem eher empfindlichen Klingenmaterial, dass das dreifache einer ähnlichen Stahlversion kostet? Was wenn man es doch mal "missbrauchen" muss, weil man dringend einen Schraubenzieher braucht?
Die Stärken von Talonite spielen bei meinen Anforderungen an Messer einfach kaum eine Rolle, nur das muss halt jeder selber fuer sich sehen. "Rostfreiheit" zB ist für mich gar nicht wichtig, ich kann mich nicht erinnern, mal was besonders korrosives geschnitten zu haben (ausser meinem Finger ;) ). Und da ich meine Messer eh oft schärfe, interessiert mich auch viel mehr, wie lange sie rasiermesserscharf bleiben, und da sehen harte, zähe Stähle einfach besser aus (zumal die nicht-rostfreien).