stinkendes Tropenholz

Leonardo75

Mitglied
Hallo Messermacher!

Von einer Bekannten habe ich ein stinkendes Tropenholz geschenkt bekommen, allerdings wusste sie nicht, welche Sorte es war. Es riecht nach altem Katzenklo oder nach Stinkefüßen.

Weiß einer von Euch, welches Holz einen solchen Geruch hat? Die rötliche Maserung ist mittelfein.

Vor allen Dingen wäre ich daran interessiert zu erfahren, ob sich der Geruch mit der Zeit legt, bzw. ob er nach einer Behandlung mit Leinölfirnis verschwindet.

Dann mal viel Spaß beim Messermachen, wünscht Euch der Leo.
 

Flaming-Moe

Mitglied
Original geschrieben von Leonardo75
Es riecht nach altem Katzenklo oder nach Stinkefüßen.

Hört sich gut an. :D

Mach mal ein Neck-knife mit dem Zeug als Griff, und du mußt dir nie wieder den Kopf zerbrechen über Deine Wirkung auf das andere Geschlecht...

sorry OT...
 

luftauge

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Vielleicht stammt das Holz von einem hölzernen Katzenklo :D , dann wär der Duft erklärt !
Griffmaterial Katzenkloholz klingt allerdings auch nicht schlecht.
Frag doch den edlen Spender was es früher war.

Gruß Andreas/L
 

Leonardo75

Mitglied
Katzenklo

Hallo Holzfäller!

Von einem Katzenklo stammt das Holz hoffentlich nicht, aber ich könnte man einen Hund dran schnüffeln lassen, wenn der es dann zerfetzt war es doch Katze :).

Leider kenne ich den Schreiner nicht, der es für die Bekannte zugeschnitten hat und möchte ihn auch nicht nerven, nachdem ich sowas tolles bekommen habe. Vielleicht gehe ich mal dorthin, wenn das Messer fertig ist, damit er auch mal das Ergebnis sieht.

Viele Grüße sendet Euch der Leo.
 

Krabat

Mitglied
Ich habe von einem Walnussbaum mir einige Stücke hergerichtet,zusammengeschnitten und im Keller aufgeschlichtet. Meine Frau suchte daraufhin den ganzen Keller nach Katzendreck ab, so fürchterlich hat das Zeug gestunken (tut es immer noch). Das Holz ist noch ganz frisch und ergo auch sehr schwer. Ein kleines Stück habe ich dann in der Microwelle getrocknet (Versuch!). Es hat gut funktioniert und der Katzenklogestank war auch weg. Ich denke, dass mit dem Trocknen auch der Gestank verschwindet.
 
Ohne das fragliche Stueck gesehen zu haben meine ich, es handelt sich um noch nicht durchgetrocknetes Narra. Das ist ein Tropenholz von sog. Dipterocarpaceen, riesigen Laubbaeumen, die in Suedostasien wachsen. In Struktur und Farbe ist Narra aehnlich wie Mahagoni, nur in der Faser dichter und dadurch schwerer und haerter. Ich wuerde sagen, leg Dir das Stueck mal ein, zwei Jahre auf die Seite, dann oele es, wie man einen Gewehrschaft auch behandelt. Spaetestens dann duerfte der Geruch weg und das Holz auch bereit zur Verarbeitung sein.

Viele Gruesse,
razoredge
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
Eine Großaufnahme von dem Holz wäre sehr hilfreich. Ich weiß nur, daß Wacholder manchmal so riecht.
 

luftauge

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Moin Leo !

Es könnte Afzelia sein - dieses Holz wird oft für Fensterrahmen und Feuchtraumbauteile benutzt, weil es so gut wie Null Feuchtigkeit aufnimmt (ist bei Tischlern häufiger in Gebrauch, als z.B. Teak).
Wenn es aber nass sein sollte, dann riecht es auch nach nasser Katze.

Zum Holz :
Braun-Orange, helle Adern (dunkeln mit Nitroverdünnung) langfaserig - splittert evtl. leicht aus (je nach Faser/Schnitt und Arbeitsrichtung), sehr saftreich (kein Harz!), es schmiert beim bohren, hobeln, fräsen und entwickelt dabei Gerüche.
Nimmt Öl oberflächig an :D , wenn es trocken aussieht, zieh mal eine Hobelklinge oder einen Schaber darüber, wenn Saft rausquillt und eine glänzende Öberfläche bleibt, ist es wohl Afzelia.

Gruß Andreas/L
 
Zuletzt bearbeitet:

Leonardo75

Mitglied
Löcher im Stinkeholz

Hallo Holzforscher!

Ich habe mir das stinkige Holz nocheinmal ganz genau angeschaut. An den gehobelten Flächen sieht man seutlich über das ganze Holz verteilte kleine Löchlein, oder offene Poren in der Oberfläche. Vielleicht ist das ja ein tyüischeres Merkmal.

Leider habe ich immer noch keine Digitalkamera und kann deshalb immer noch kein Foto davon reinstellen.

Viele Grüße sendet Euch der Leo.
 

luftauge

Mitglied
Dann hat der edle Spender Dir vielleicht "Splintholz" angedreht, dass ist der äussere Bereich des Holzes, unter der Rinde - dort halten sich die Borkenkäfer ganz gerne auf, weil dieser Baumbereich weicher ist, als der Kern (Borke ist auch ein Name für Rinde/Randbereich des Stamms).
Das ist aber kein Grund zum Verzweifeln, es ist für Möbel vielleicht nicht brauchbar, aber für Messergriffe sollte es gut genug sein, vor Allem, weil dort oft sehr deutliche Farbunterschiede zu finden sind, und wenn die Löcher nicht zu dicht gebohrt sind, ist es noch weniger ein Problem.

Gruß Andreas/L
 

Leonardo75

Mitglied
Bohrkäfer und andere Eigentümlichkeiten

Hallo Messermacher!

@luftauge: Die Löcher sind sehr gleichmäig und klein (o,25mm geschätzt), ich denke nicht, dass es sich um die Löcher eines Bohrkäfers handelt. Es scheint eher eine Eigenheit des Holzes zu sein, so eine Art aufgeschliffene Porenstruktur.

@Günther: Bist Du in Solingen auf der Mesermacher-Messe (diesmal als offizieller Aussteller?), dann könnte ich Dir dort das Holz einmal zeigen.

Viele Grüße sendet Euch der Leo.
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
Bin ich nicht, Leo.
Nach Deiner Beschreibung müßte das Holz leicht glänzen, frisch bearbeitet blaß hellbraun sein, auf hell bis mittelbraun nachdunkeln, blaß grunliche Spän bzw. Schleifstaub haben und Afzelia sein (Treffer, Luftauge). Das Holz hat starke Poren, die einzelständig gleichmäßig über den Querschnitt verteilt sind.
 

Leonardo75

Mitglied
Afzelia

Hallo Holzfreunde!

@Guenter und luftauge: Vielen Dank für Euren Tip und die Bestätigung. Die Beschreibung von Guenter passt schon sehr gut auf das Holz, nur dass ich es bisher nur gehobelt habe.

Wenn das Holz so einen hohen Ölanteil hat, gibt es dann nciht Probleme mit dem Kleben? Am besten reinigt man das Zeug vor dem Verkleben wohl mal mit Aceton.
Welche Erfahrungen hast Du (Guenter) denn mit dem Holz gemacht? Ist es schwierig zu verarbeiten, von der Splitterfreudigkeit?

Viele Grüße und vielen Dank nochmals für Eure Hilfe,
der Leo holzt jetzt freudig rum,
hoffe das Holz nimmt's mir nicht krum.
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
Nach gutem Abwaschen sollte es sich verkleben lassen.
Neigt zu kleinen, scharfen Splittern, deren Wunden sich entzünden.
Wenn es nicht gut getrocknet ist, neigt es sich zum Verziehen, da es häufig wechseldrehwüchsig ist.
 

luftauge

Mitglied
Hallo Leo !

Ich komme noch mal zu Deinem stinkenden Holz zurück, wegen Herberts Nachfrage.
Ich habe heute Jack & Stanley aktiviert, um meinen Bongossiklotz mittels Radialschnitt zu verkleinern, und siehe da, die Nase rümpfte sich, obwohl das Holz furztrocken war.

Weitere Beobachtung :
Nach dem abschneiden zweier Stirnscheiben, hab ich sie gewässert, um den Faserverlauf besser erkennen zu können, und was sehe ich :
dunkles braunrot bis purpur, genau wie Dein Brettchen in SG !
Das Stück müsste aus dem Übergang vom Kern- zum Splintholz stammen, es hat genau die gleiche Struktur und Färbung, und je nach Anschnitt kann man die Adern (Löcher) besser oder schlechter erkennen.

Die Unterschiede zum Afzelia :
- Afzelia braun-orange im Kern, strohgelb bis weiß im Splintbereich
- Bongossi ganz dunkles rot (purpur) im Kern, bis rotbraun zum Rand in mehreren erkennbaren Stufen
- Bongossi hat eine ähnlich Faserstruktur aber ohne Saft
- Afzelia stinkt nass, Bongossi trocken

Gruß Andreas/L
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo luftauge!

Danke für den Sägeversuch. Also habe ich Dich richtig verstanden, dass Du die Brettchen für Bongossi hältst? Dann wären die ja für Messergriffe nicht so dolle. Schade eigentlich, für ein Käsemesser wären sie ja gut geeignet gewesen.

Hat denn das Bongossi, was Du hattest, nicht auch schon vor dem Sägen gestunken? Wenn Du Erfahrungen damit gemacht hast, wie das Holz riecht, nachdem es gefirnisst ist, dann wäre es klasse, wenn Du dazu auch was sagen könntest!

Viele Grüße und lager Dein Holz am besten in der Garage,
Leo.
 

luftauge

Mitglied
Mahlzeit Leo !

Nee, dass Holz hat erst beim Ansägen gestunken (egal von sauberer oder schmutziger Seite), musste aber in jedem Fall sein,
weil es anfing zu reissen, darum der Radialschnitt - um den Ringaufbau zu erkennen, mussten erst die Stirnseiten sauber sein, weil die ziemlich angegrünt waren, und Bongossi nicht ohne Grund für Wasserbau benutzt wird, wollte ich den Rest retten.

Ich würde mich nicht verrückt machen lasen, und das Zeug auf jeden Fall wenigstens ausprobieren, wenn es nicht geht, mail mir ein Bild vom Schrott, und ich schicke Dir ein Stück Pertinax/Micarta 4x80x190 in kastanienbraun als Schadensersatz für die vertane Zeit ;)

Das, was Du hast,
sieht ziemlich gleichmässig strukturiert aus, da es wie vermutet aus dem Übergangsbereich stammt, ich sehe da keine Bearbeitungsprobleme - was die Erhaltung betrifft, kann ich keine Angaben machen, ich muss erst selber was mit meinem Holz basteln.
Kommt auch immer auf den aktuellen Schnittverlauf an (Radial-, Rift- oder Quartierschnitt)

Gruß Andreas/L