Stahl für feinste Schneide?

Predator92

Mitglied
Hallo Messerfreunde,

Bin gerade dabei mein erstes Messer zu machen.

Bin soweit mit dem Design fertig und mache mir jetzt noch Gedanken über den Stahl. Ja ich weiß nicht der Stahl sonder die WB und die Geometrie spielen eine sehr viel wichtigere Rolle als das Material, doch bin ich in dieser Hinsicht sehr perfektionistisch :hmpf:. Es soll auf jeden Fall ein Kohlenstoffstahl werden. Und da ich mich selbst als Schärfe Fetischist bezeichnen würde, will ich bei diesem Messer auf absolute Schärfe gehen. Daher suche ich nach einem Stahl mit möglichst feiner Struktur. Überlegt habe ich mir bis jetzt O1, 1095, 52 100, 50 100B, L6.


Welcher dieser Stähle erzeugt die feinste Schneide? (in welcher Reihenfolge würdet ihr sie ordnen?)

Gibt es noch feinere bzw. schärfere Stähle?

Ich habe ich gelesen, das weißer Papierstahl sehr scharf werden soll.


Vielen Dank im voraus!
 

Sabeltiger

Mitglied
AW: scharf, schärfer, am schärfsten...

Welcher dieser Stähle erzeugt die feinste Schneide? (in welcher Reihenfolge würdet ihr sie ordnen?)

Gibt es noch feinere bzw. schärfere Stähle?
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Hallo,Predator!
Kennst du Anssi - Klingen? Diese Klinge ist sehr-sehr scharf, und hat sehr feine Struktur.
Nicht schlecht sind auch Lauri (carbon), Mora, Kankanappa, Roselli.
Z.b. Lauri (neue Klinge), mache ich 20 Bewegungen auF dem Riemen mit Polierpasta, und mann kann Haar spalten. Ist auch lange schnitthaltig.
Mann kann auch EKA Swede (Sandvic Stahl) auf eine fantastische Schärfe bringen.
scandi Stähle ist meine Wahl
 

Ookami

Mitglied
AW: scharf, schärfer, am schärfsten...

Weißpapierstahl, sprich shirogami, wird bei richtiger WB auf jeden Fall extrem scharf.


Ookami
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
AW: scharf, schärfer, am schärfsten...

Die Frage beantwortet sich von selbst, wenn man von einer optimalen Wärmebehandlung ausgeht.

Der limitierende Faktor für die erreichbare Schärfe ist die Korngröße und zwar zunächst mal der Matrix, dann -falls vorhanden- der Karbide.

Die höchste Schärfe ist sicher mit gerade so eutektoidischen Stählen oder leicht untereutektoidischen zu erreichen, weil da nach dem Härten keine Karbide vorhanden sind, die mögliche Schärfe also alleine von der Korngröße der Matrix bestimmt wird. Theoretisch könnte man natürlich auch einen Stahl mit grobem Matrixkorn auf höchste Schärfe bringen. Das würde aber ein extrem scharf und zugleich sanft wirkendes Schleifmittel voraussetzen und die Schärfe würde wegen des zu erwartenden Ausbruchs nicht halten.

Optimal behandelt würden also Stähle wie C 60 bis C 80 am schärfsten.
Das entspricht so etwa dem Klingenmaterial, das man in Omas Schublade noch finden kann- bei den meisten Lesern wird es eher schon die Uroma sein.

Die untereutektoidischen Stähle haben neben dem Vorteil exzellenter Schärfbarkeit und Zähigkeit aber den Nachteil, daß sie wegen der Karbidfreiheit nicht besonders verschleißfest sind und bei schlechter Wärmebehandlung schnell grobkörnig werden.

Leicht übereutektoidische Stähle bilden weniger schnell Grobkorn, sind wegen der auch nach dem Härten noch vorhandenen Karbide verschleißfester, und die Schärfbarkeit und Zähigkeit sind nur wenig herabgesetzt.
Für mich sind solche Stähle wegen ihrer guten allround-Eigenschaften erste Wahl.

Die in der Ausgangsfrage genannten Stähle gehören alle zu der günstigen Kategorie. Eine sinnvolle Abstufung ist da kaum möglich. Grundsätzlich könnte man noch sagen, daß für Werkzeuge hergestellte Stähle wegen der sorgfältigeren Behandlung beim Erschmelzen gegenüber einfachen Qualitätsstählen der Vorzug zu geben ist.

Den L6 würde ich ausnehmen, er ist ein klassischer Gesenkstahl und in erster Linie auf Zähigkeit ausgelegt.

Ansonsten ist gegen einen reinen C-Stahl wie 1095 (nach der amerikanischen Bezeichnung- bei uns entspräche das etwa einem Stahl 1.1272 oder 1.1274) oder gegen die leicht legierten Kugellagerstähle gar nichts einzuwenden.
Wegen der größeren Sorgfalt bei der Erzeugung- nicht wegen der Legierung- würde ich einen in Deutschland hergestellten Werkzeugstahl wählen.
Es spricht nichts dagegen, statt des Shirogami Stähle wie 1.1545, 1.1654 oder 1.1663 zu verwenden- außer natürlich dem Protzeffekt: "Ich habe etwas Geheimnisvolles, Japanisches nach der uralten Tradition japanischer Schwertschmiede Hergestelltes".
Schon diese Aussage ist in sich unsinnig, da kein vernünftiger japanischer Schwertschmied einen so hoch kohlenstoffhaltigen Stahl wie Shirogami für ein Schwert verwenden würde.
Für feinschneidende Messer ist er natürlich ebenso wie die alternativ genannten Kohlenstoffstähle vorzüglich geeignet.

Freundliche Grüße

U. Gerfin