ST37 + Metallfeilen-Stahl?

N.konitz

Mitglied
Mahlzeit!

Schonmal im vorraus entschuldigung falls das Thema schonmal aufgegriffen wurde:(

Ich wollte einfach mal fragen ob jemand weiß, wie sich die Kombi aus st37 und einer Metallfeile als Damast macht, bzw welche Probleme es macht. Nächstes WE möchte ich mich gerne mal an das Thema Damast ranwagen:steirer:

Ich denke mir das so in der Reihenfolge:
die Feile per Flex die Zähne "ziehen", in Teile schneiden und dann auf dem Bandschleifer plan und blank schleifen.
st37 in Teile schneiden und metallisch blank machen.
zu insgesammt 7 Lagen aufstapeln und die Mittellage etwas rausstehen lasen, zwecks griff anschweißen.
und der Rest ist ja bekannt.

Aber kommt da auch was ansehnliches und funktionelles bei raus?

MfG

Niclas
 

Armin II

Mitglied
Also fuer Mahlzeit is ja schon n bischen spaet.
Das Zaehne ziehen bei der Feile kannst dem Zahnarzt ueberlasen, die schweisst sich auch mit Zaehnen. Der ST37 hat im Damast eigentlich nix verloren,aber wenns denn unbedingt sein muss und du nix anderes hast, dann pack ihn halt rein. Zum blankmachen gibts eigentlich Borax,und ob zum Schluss was ansehnliches und funktionelles dabei rauskommt, das haengt an dir......
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
"Falls das Thema schon mal aufgegriffen wurde" ist gut !.
Die Kombination ist aus "Kostengründen"-weil alte Feilen und Baustahl umsonst zu haben sind- das breite Übungsfeld für Anfänger.

Ob sie empfehlenswert ist ?.

St 37 ist durch seine -geringe- Zugfestigkeit definiert, die auf möglichst billige Weise erreicht wurde. Es gibt also sicher besseres als Damastkomponente.

Feilenstahl ist auch nicht gleich Feilenstahl. Es gibt "Baumarktspecials", die qualitativ indiskutabel sind, es gibt Spezialfeilen, deren Stahl so mit das beste ist, was man für feinschneidende Messerklingen verwenden kann.
Bei Feilen der eingeführten Marken gehst Du ziemlich sicher, daß es gutes Material ist. Da das Material den geringsten Kostenfaktor darstellt, wird sich eine renommierte Firma nicht den Ruf durch schlechte Qualität ruinieren. Eigentlich sind solche Feilen zu schade, um sie mit St 37-er heißt heute anders, ist aber nicht besser geworden- zu kombinieren.

Gehen wir mal davon aus, Du hast eine gute Feile- Hase, Nickolson, Grobet, Dick oder wie sie alle heißen und ein "normales" Stück Baustahl.

Die Schweißung wird wegen des großen Unterschieds im C-Gehalt nicht ganz einfach sein.
Du kannst von einem ungefähren C-Gehalt im fertigen Damast von ca. 0,6-0,7 % ausgehen ( 0,10 % im Baustahl, 1,3 % in der Feile ergibt bei gleichen Massen 1,4 : 2 = 0,7 % C- mögliche Kohlenstoffverluste beim Schweißen nicht eingerechnet).
Das wäre ganz ordentlich, vom Optimum aber deutlich entfernt.

Wird die Kombination ansehnlich ? Wer kann das wissen !.
Enthalten Deine Feilen ein bißchen Chrom, Vanadium oder Wolfram und enthält dein Baustahl relativ viel Mangan, so wäre der Kontrast beim Ätzen ordentlich.
Ob das Muster selbst ansprechend ist, liegt dann bei Dir.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 
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Ralf

Mitglied
Irgendwann habe mir ein Damast Messer von Johann Birchner aus St37 und Feilenstahl gekauft, weil es mir von der Form und der Handlage sehr gut gefallen hat.
Es ist ein Jagdmesser mit ca. 11,0 cm langer Klinge, zur Schneide fast auf 0 auslaufend.
Die Klinge wurde geätzt und dann poliert, so daß die Unterschiede von den Stahlsorten, nur durch die verschiedenen Tiefen(Maserung) zu sehen ist, gefällt mir gut.

Erst nach dem Kauf habe ich die Suchfunktion hier im Forum bemüht und festgestellt, was ich da für ein "Sch....damst" gekauft habe.

Ich das Messer dann mal getestet, getrocknetes Buche Holz quer zur Faser mit einem Schagholz mehrfach durchtrennt.
Mein Haselnußstrauch mußte ausgedünnt werden, was ich ebenfalls mit diesem Messer gemacht habe.
Die Äste konnte ich mit einem Schlag abtrennen, durch die feine Schneide war das problemlos möglich.
Nach diesen Tests hatte sich die Schneide in keinster Weise umgelegt oder es ist irgendetwas ausgebrochen, ich konnte mich danach mit dem Messer problemlos rasieren.
Über dieses Ergebnis war ich positiv überrascht.

Das Messer trage ich gerne abwechselnd mit anderen auch rostenden Messern, das einzige was mir auffällt, es läuft in der Lederscheide beim längeren Tragen, trotz einölen schneller an, als die anderen Messer, was durch kurzes polieren ohne Rückstand verschwindet.

Mein Fazit: ein guter Schmied bekommt auch aus diesen Stählen ein brauchbares sogar gut funktionierenden Damast geschmiedet.


Gruß, Ralf
 

Torsten Pohl

Mitglied
Ich würde die Antwort anders formulieren,

Ja das kannst du machen, ist nicht ganz ohne und wenn du dir Materialbestimmung , Whb usw. zutraust wirds auch irgendwas
werden.

Nein der Materialmix steht in keinem Verhälltniss zur investierten arbeit und wird einem besser geplantem Damast mit hochwertigerer Materialauswahl, bei weitem nicht gerecht.
Warum also sollte man sich das antun, es gibt wesentlich einfachere und gleichzeitige wesentlich hochwertigere Materialzusamenstellungen die für das auch gerade stehen, was Damaststahl immer sein sollte.
Nämlich etwas besonderes, herrausragendes und eine besondere Leistung, billig war das noch nie und wenn wie hier durch die Materialwahl von vorne herrein schon herabgestuft ist........

Tschau Torsten nur meine 5cent zu dem Thema.
 

Eisenbrenner

Mitglied
Kauf dir doch einfach den 75Ni8 (typischerweise in der Dicke 2mm) zu, der ist wirklich günstig und hat eine bekannte Materialzusammensetzung.
Vorausgesetzt die Feile ist 4mm dick, der 75ni8 2mm, hättest du dann bei 9 Schichten(außen ni8) auf 8/12*1,3%C+5/12*0,7%C = 1,18% Kohlenstoff, und hast eine bessere Zeichnung.
 
Zuletzt bearbeitet:

N.konitz

Mitglied
jetzt aber mahlzeit ^^

danke erstmal für die antworten!
Ich wollte es erstmal nach dem Buch "Damast-Messer schmieden für Anfänger" richten. Deswegen auch der Baustahl:hmpf:

Die Feile hab ich in ermangelung von anderem Stahl gewählt. Der im Buch beschriebene 1.2510 ist in BS im Moment schwer zu bekommen und ich bin der Meinung hier schonmal gelesen zu haben das sich eine Feile zum Anfang auch eignet. Die Feile ist eine alte (ich glaub 5jahre)von meinem Vater...welcher in der Familie und im Bekanntenkreis dafür bekannt ist etwas mehr für Werkzeug auszugeben:hehe: Ich denk mal die wird kein schrott sein.

Ansonsten hätte ich noch eine Blattfeder da.....besser als Feile?

MfG
Niclas
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Die Stahlwahl für Damastkombinationen ist hier schon vielfach und eingehend erörtert worden.

Die grundsätzlichen Fragen sind eigentlich geklärt.

Hier noch einmal in aller Kürze:

Entscheidend für die Qualität eines Damasts sind:

1. Dem Verwendungszweck angepasster C-Gehalt.
Der C-Gehalt bestimmt sich nach dem der Ausgangsmaterialien. Bei gleicher Masse sind die jeweiligen C-Anteile zu addieren und durch die Anzahl der unterschiedlichen Stähle zu dividieren- Ein Beispiel habe ich im ersten Beitrag gegeben.
Bei unterschiedlicher Masse= unterschiedlicher Dicke der verwendeten
Stähle- ist die Rechnung entsprechend zu korrigieren. Ich nehme an, das muß ich nicht auch noch vorrechnen.
Der resultierende C-Gehalt ist auf diese Art ungefähr festzulegen-für eine Zuordnung zu den Verwendungszwecken genügt das.

Haumesser, Macheten, Schwerter, Äxte sollten im Bereich 0,5-07 % C liegen, für all-round-Einsatz ist ein C-Gehalt um 0,7 % gut, für Koch-und Rasiermesser kann man höher gehen, meinetwegen bis 1,5 % C. Mit höherem C-Gehalt steigen dann auch die Anforderungen an den Benutzer.

2. Schöner Musterkontrast

Die verwendeten Stähle sollten sich im Gehalt an Nickel und Mangan deutlich unterscheiden. Nickelhaltige Stähle zeichnen tendenziell hell, manganhaltige dunkel. Die Kombination 75 Ni 8 mit 1.2842 erzeugt einen sehr starken Kontrast.
Wie die einzelnen Stähle legiert sind, findet man im Stahlschlüssel.

3. Fehlerfreiheit

Es gibt- auch das ist vielfach erörtert- einfach zu schweißende Kombinationen und solche, die schwieriger zu schweißen sind.

Unter absolutem Sauerstoffabschluß sind so gut wie alle Stähle schweißbar.
Probleme könnte da noch eine unterschiedlicheWarmfestigkeit bereiten, die zu Abschererscheinungen führen kann.
Unterschiedliches Härtungsverhalten der einzelnen Schichten könnte ebenfalls zu inneren Spannungen mit Abschwereffekten führen.
Bei vernünftiger Stahlwahl ist das aber ein eher theoretisches Problem.

Bei normalem Vorgehen-Erhitzen im Schmiedefeuer oder in der Gasesse- sind folgende Voraussetzungen günstig:
a) in etwa gleicher C-Gehalt-weil dann der Schweißintervall in etwa gleich ist.
b) Legierung mit Mangan oder Nickel stört die Feuerschweißung nicht.
c) Mit steigender Schwierigkeit der Verschweißung ist ein brauchbares Flußmittel einzusetzen.

Stähle mit nennenswerten Anteilen an Chrom, Silizium und Wolfram sind schwieriger zu schweißen, als solche, die diese Elemente nicht oder nur in Spuren enthalten. Chrom macht sich schon bei ca 1,5 % C negativ bemerkbar, ebenso Silizium. Wolfram ist weniger kritisch, die Wolfram-Werkzeugstähle sind aber einerseits relativ warmfest, andererseits relativ hitzeempfindlich.

Eine fehlerfrei geschweißte Kombination einfacherer Stähle ist besser als eine aus exotischen Legierungen, die gerade so, kaum oder nicht wirklich miteinander verbunden sind.

Das ist nur ein kurzer Einstieg in die Materie und soll-gelegentlich ohne Hoffnung- zur Vertiefung einladen.

Die Frage, ob Federstahl "besser" als Feile ist, sollte z.B. jetzt ohne weiteres zu beantworten sein.

Freundliche Grüße

U. Gerfin