st36 Feuerschweissen

Hallo Community,
Mit meinem Post stelle ich mich erst mal vor. Ich bin Student und schmiede mitlerweile (gelegentlich) seit 7 Jahren. Letztens habe ich mich endlich mal ans Feuerschweissen gewagt. Ich habe einen 10mm Vierkant gefaltet und bei rotglut mit Borax bestreut. Beim zusammenfügen hats ordentlich geknallt und der Stahl lag gut aufeinander. Danach habe ich in der selben Richtung noch einmal mit Sand/Boraxgemisch bei ordentlich heißen Temperaturen (hellgelb - noch ohne Funken) noch einmal geschweisst.
Von aussen sah die Verbindung nahezu perfekt aus.
Ich habe das ganze danach versucht aufzubiegen, um die Verbindung zu prüfen. Dabei ist das ganze aufgegangen, als ob das mit Spucke zusammengeklebt wäre, die Auflagestellen sahen aber wie ein grobkörnig gebrochener Stahl aus, waren also blank.
Kann mir jemand sagen, was das zu bedeuten hat? Zu niedrige Temperatur? Zu langsam und leicht geschlagen?
 

AchimW

Mitglied
Zeig doch mal ein Foto.

(P.S. Mods: der Text "Zeig mal ein Foto." war dem Forum zu kurz. Das ist doch wohl ein Witz, oder?)
 
Zuletzt bearbeitet:

AchimW

Mitglied
Wenns sehr grobkörnig aber blank war, kann es sein, dass die Feuerschweißung geklappt hat. Grobkörniger Stahl bricht SEHR leicht.
 

Heinrich D

Mitglied
Ich gehe davon aus, daß Du mit der Temperatur zu niedrig warst.

Ich würde nochmals einen Versuch machen und mit der Temperatur höher gehen,- so weit, daß sich einzelne Sternchen zeigen.

Da Du in der "Lernphase" bist , braucht`s schon einige Versuche um das richtige Temperaturfeld zu finden.

(Bei dem verwendeten Baustahl kannst Du ja nichts kaputt machen)

Gruß
Heinrich
 

arno

Mitglied
Schau dir mal auf youtube das Video "Der Schmied 1-2" an. Etwa 9:00.

Da siehst du zum einen wie der Sand aufgebracht wird, nämlich ins Feuer, zum anderen die richtige Schweißtemperatur. Es müssen bei Baustahl diese ganz kleinen Funken sein. Wenn es die großen Funken sind, verbrennt der Stahl und dann ist selbst Baustahl verdorben. Achte auch darauf dass vorher alles Blitzeblank ist da Sand keine Oxide löst. Schmiede nach dem Schweißen weiter bis ans Ende der Schmiedetemperatur, auch das ist wichtig.
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Du weißt schon: Ferndiagnosen !.

Ein paar Sachen sind mir aber aufgefallen und vielleicht könnte da die Ursache des Fehlschlags liegen.

Beim Zusammendrücken des mit Borax bei Rotglut bestreuten Stabs hat es geknallt. Das führt mich zu der Annahme, daß Du normalen Borax verwendet hast, der also nicht dehydriert war.
Das macht an sich nichts aus, es könnte aber sein, daß dadurch einfach zu wenig Borax auf die Schweißstellen gekommen ist. Borax enthält 10 Teile Kristallwasser und wenn die ausgetrieben sind, bleibt nicht soviel übrig.

Das alleine erklärt das Mißlingen allerdings nicht.

Die entscheidende Ursache wird wohl zu niedrige Temperatur gewesen sein.
Haedicke: "Die Technologie des Eisens" beschreibt den Schweißvorgang auf S. 141 f. Wo man das nachlesen kann, ist in einem andern thread vor kurzem mitgeteilt worden. Das ist sehr lesenswert, beschreibt es den Vorgang doch aus einer Zeit, in der Feuerschweißen noch regelmäßig vorgenommen wurde.

Hier nur in Kürzestfassung: Baustahl, also weitgehend kohlenstofffreies
Eisen wird im Feuer bei Temperaturen geschweißt, bei denen an der Oberfläche schon ein leicht teigiger Zustand herrscht. Bei geeigneter Zusammensetzung der Schlacke ist ein Flußmittel überflüssig, da sie die Oxyde löst und mit ihnen abgeführt werden kann.

Die modernen Stähle sind zwar schlackenärmer, aber Baustahl läßt sich bei der richtigen Temperatur auch heute noch ohne Flußmittel verschweißen.

Du solltest daher den Versuch bei höherer Temperatur- sprich: beginnende Weißglut wiederholen.

Für das Verschweißen von Stahl gelten andere Gesetze. Das haben wir aber hier auch schon ausführlich behandelt.

Noch eines : Beim Erhitzen auf Schweißtemperatur muß strikt darauf geachtet werden, die sauerstoffreiche Zone des Feuers über der Gebläseföffnung zu vermeiden. Oxyde, die gar nicht erst entstehen, muß man nicht in Lösung bringen.

Wenn gar nichts hilft- was ich mir aber nicht vorstellen kann- solltest Du einem erfahrenen Schmied zusehen. In der Nähe Deines Wohnsitzes fällt mir da Matthias Burger in Fürstenreuth ein.

Freundliche Grüße

U. Gerfin