Spyderco Dragonfly ZDP-189 Garantiefall?

Meil

Mitglied
Hallo liebe Kollegen,
gerne möchte ich zur Diskussion stellen was mir heute passiert ist. Heute morgen habe ich mit meinem relativ neuen Spyderco Dragonfly mit ZDP 189 Stahl ein Olivenbrot geschnitten. Das Messer ist dabei für ca. 4 Stunden in dem Brot verblieben. Die Scheidekante war als ich es danach rauszog total zerfressen. Gerne würde ich Euch Bilder zeigen.
Ich habe aber die Hochladefunktion nicht gefunden.

Meine Frage ist ob es sich um einen Garantiefall handelt?

Liebe Grüße
Meil
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Was Reklamation anbetrifft, würde ich mir wenig Hoffnung machen. Das 4stündige Belassen der Klinge in Oliven-Brot (Feuchtigkeit und Säure) ist kein sachgemäßer Gebrauch.

Neben den 20 % Chrom sind ja auch beachtliche 3 % C in der Klinge. Das da was passieren kann, sollte einleuchten.

Es kommt bei den rostträgen Stählen darauf an, wieviel Chrom sich an C bindet für die Bildung harter Karbide und wieviel Chrom „frei“ ist für den Schutz gegen Rost - der sogenannte „Chrome in solution“. Darum ist es bei ZDP-189 designbedingt schlecht bestellt. Der hohe Chromanteil wird für die hohe erreichbare Härte und Schnitthaltigkeit „aufgebraucht“.

„As indicated in the hardness section, ZDP-189 appears to have low chromium “in solution” which is primarily what controls corrosion resistance.“
……

„I previously wrote about corrosion resistance in this article, where I gave ZDP-189 a very low rating for corrosion resistance and predicted that it did not qualify as “stainless.” In that article I finished a range of steels to 400 grit after heat treating them and sprayed water on them. All of the steels were rust/corrosion free except for XHP and so I deemed that it does not qualify as a “stainless” steel though that definition is surprisingly dubious among metallurgists. I repeated this experiment with ZDP-189 along with Takefu SG2 and VG10 at the same time. The two Takefu steels passed without corrosion but the ZDP-189 steel saw significant rusting after only 8 hours.“
……

„Because of the false advertising of this steel as being “stainless” I give ZDP-189 the Knife Steel Nerds “Most Overrated Steel” award.“

Aus Knifesteelnerds


Erfahrungen mit Pits auf einer ZDP-189-Klinge hatten auch schon andere Forumiten.

R’n‘R
 

Meil

Mitglied
Vielen Dank,
da bin ich wohl Opfer des optimistischen Marketings geworden. :eek: Eine solche Anfälligkeit für Rost habe ich bei "rostfreiem" Stahl noch nie erlebt.
Spyderco hat mir angeboten, dass ich Ihnen das Messer nach Golden schicke. Bin unschlüssig ob ich es machen soll...


Liebe Grüße
Meil
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Was heißt denn "total zerfressen"? Kannst Du die Pits mit dem Fingernagel spüren oder ist es eher "optisch". Wenn es nicht richtig ins Metall reingeht, könnte sich das Problem nach dem Schärfen erledigt haben.

In den Garantiebedingungen von Spyderco heißt es, daß nur Herstellungs-, Material- oder Verarbeitungsfehler abgedeckt sind. In anderen Fällen wird man für die Behebung des Problems einen Kostenvoranschlag schicken und auf die Überweisung des Betrags inkl. Kosten für den Rückversand warten.

Bleibt also die Frage, wie Spyderco das Problem einschätzt und/oder wie kulant man ist. Könnte ärgerliches Geld werden.

EDIT:

Spyderco erwähnt im übrigen geschickterweise mit keiner Silbe Rostfreiheit / Rostträgheit von ZDP-189, wie man hier sehen kann ...

R'n'R
 
Zuletzt bearbeitet:

Meil

Mitglied
... leider fühlt es sich beim drüberstreifen mit dem Nagel eher wie eine serrated edge an...

Also ich habe irgenwo gelesen, dass Spyderco ZDP-198 als stainless vertreibt.

Liebe Grüße

Würde hier echt gerne Fotos posten, aber das geht irgendwie nur mit links....
 

porcupine

Super Moderator
...habe irgenwo gelesen, dass Spyderco ZDP-189 als stainless vertreibt...
Kann ich mir nicht vorstellen. Allenfalls irgendwelche Shopbetreiber, die wenig Ahnung haben.
Es gibt allerdings auch laminierten ZDP-189 mit AISI 420 Aussenlagen von Spyderco. Da ist dann nur die Schneide rostempfindlich. Ich habe ein Caly 3.5 mit diesem Laminatstahl (und Roststellen an der Schneide).
Würde hier echt gerne Fotos posten, aber das geht irgendwie nur mit links....
Auf externen Bilderhoster laden und hier verlinken. Oder Mitglied werden, dann darfst du Anhänge hochladen.
 

Meil

Mitglied
Vielen Dank erstmal.
Ich halte Euch auf dem laufenden.

Liebe Grüße

P.S.:

Hier könnt Ihr in Post 9 des unten angehängten Threads aus dem Bladeforum nachlesen, dass Sal Glesser ZDP-189 als den "least corrosion resistant of our stainless steel"s bezeichnet.
Der Chef von Spyderco ist also der Meinung der Stahl ist prinzipiell rostfrei. Ich würde dem nach meiner Erfahrung eindeutig wiedersprechen.

Hier der Link:

ttps://www.bladeforums.com/threads/zdp-189-corrosion-resistance-compared.992801/
 
Zuletzt bearbeitet:

yaammoo

Mitglied
Hier könnt Ihr in Post 9 des unten angehängten Threads aus dem Bladeforum nachlesen, dass Sal Glesser ZDP-189 als den "least corrosion resistant of our stainless steel"s bezeichnet.
Der Chef von Spyderco ist also der Meinung der Stahl ist prinzipiell rostfrei. Ich würde dem nach meiner Erfahrung eindeutig wiedersprechen.

Das übersetzt du nicht ganz richtig. "least corrosion resistant" heißt, "der am wenigsten korrosionsbeständige". Und der Begriff "stainless" steht nicht automatisch für "rostfrei". Eine Definition der British Stainless steel Association lautet: "Stainless steel is an alloy of Iron with a minimum of 10.5% Chromium." Und über den Zusammenhang von Chrom und Kohlenstoff wurde hier ja bereits alles gesagt.

Gruß

yaammoo
 

enrico

Mitglied
Mal als Überlegung, obwohl das ohne Bilder eine reine Vermutung ist:

Wenn die Schneide durch Korrosion total zerfressen wäre, müssten auch die Flanken stark verfärbt und beeinträchtigt sein?

Kann es sein, daß der hoch gehärtete ZDP sich einfach an der Brotkruste seine Beschädigungen geholt hat?

Feuchtes Brot hin oder her, aber nicht ein einziger meiner Carbonstähle reagiert mit Brot oder fettigen Oliven...?

BG, Claus
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Larrin Thomas hat ein mit 400 grit gefinishtes Stück ZDP-189 zum Vergleich mit SG2 und VG10 mit klarem Wasser besprüht. SG2 und VG10 zeigten nach 8 Stunden keine Reaktion. Das Stück ZDP-189 zeigte dagegen signifikanten Rost:

ZDP-189-corrosion-coupon-cropped.jpg

R’n‘R
 

enrico

Mitglied
Glaub ich dir gern, R’n’R.... Larrin Thomas hat sie mit Wasser besprüht, aber nicht in gebackene Brote gesteckt...wie gesagt man müsste mal ein Bild der Klinge aus ZDP sehen, wo da überall „Korrosion“ stattgefunden hat, falls es eine war!?

Wir sind uns drüber einig, dass normale Carbonstähle wie 1.2519 oder Opinels oder Moras dann noch viel früher und heftiger mit Olivenbrot reagieren müssten, wenn ZDP schon so stark reagiert!? Entweder wir kennen ein weitern Umstand in dem ganzen „Versuch“ nicht oder die maschinell geschliffene und damit potentiell überhitzte ZDP-Klinge hat die Ausbrüche vielleicht doch von der Brotkruste!


BG, Claus
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Der TO ist seit 2008 Mitglied im Forum und sollte in der Lage sein, Ausbrüche von Rost unterscheiden zu können. Vielleicht äußert er sich ja noch dazu. Um noch ein weiteres Vielleicht hinzuzufügen ;) - möglicherweise waren es ja auch nicht 4 Stunden sondern ...

Aber bestimmt war es ja Olivenbrot. Und da ist außer Feuchte auch Säure im Spiel. Je nach Oliven unterschiedlich viel. Das könnte hier - vielleicht - eine Rolle spielen.

Was wir btw gelernt haben, ist die Tatsache, daß ZDP-189 - trotz 20 % Chromanteil - nicht annähernd rostfrei ist.

Mal gespannt, wie es weitergeht ...

R'n'R
 

chamenos

Super Moderator
Moin

Olivenbrot. Und da ist außer Feuchte auch Säure im Spiel. Je nach Oliven unterschiedlich viel. Das könnte hier - vielleicht - eine Rolle spielen.

.... und Salz .... je nach Geschmack unterschiedlich viel ;)

und natürlich die Frage: warum steckt man ein ziemlich kleines Messer für etliche Stunden in einen Brotlaib? :irre:

Gruß
chamenos
 

Meil

Mitglied
Hier mal die Links der Bilder incl. des Oliven-Fieslings...









Vielen Dank nochmal für die vielen Antworten

Liebe Grüße
Meil
 

Meil

Mitglied
Kleine Erklärung noch zum Tathergang:

4 Stunden im Olivenbrot:
Ich dachte das Messer muss das abkönnen. :hehe:

Brotkrustenbedingte Ausbrüche kann ich übrigens ausschließen. Es war warm und butterweich...
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Für mich sieht das aus, als sei mit dem Messer auf einer harten Unterlage gechoppt worden - also meinetwegen Möhren auf einem Brett geschnitten - und dabei haben sich kleine Ausbrüche gebildet. Denn Macken und Rost befinden sich ja so gut wie nur im mittleren Drittel der Klinge, also da, wo man das Brett gewöhnlich beim Choppen trifft.

Bei den 4 Stunden im Olivenbrot, das ja offensichtlich nicht durchgebacken worden ist und eine klebrig-feuchte Masse mit etwas Salz und Säure darstellt, hat sich dann an den neuralgischen Stellen der Rost gebildet und dadurch ist es aufgefallen.

Läge es ausschließlich an dem Brot, müßte die Schneide imho auch im vorderen und hinteren Bereich etwa gleich stark beschädigt sein.

R’n‘R
 
Zuletzt bearbeitet:

Meil

Mitglied
Hi,
unglaublich find ich es auch. Aber ich schreibe hier bessrr nochmal wie es sich zugetragen hat um die Spekulationen zu beenden, da sie nicht zielführend sind:

Das Messer wurde von mir vor vier Wochen als Neuware gekauft. Es hatte praktisch noch das Factory Edge, da ich damit seit ich es hatte insgesamt vielleicht fünf mal sehr weiche Nahrungsmittel geschnitten habe und das Messer danach jedesmal sofort mit Seife von den Resten befreit und gut getrocknet haben. Es wurde trocken in meine Jeans geklippt aufbewahrt, dieses unter deutschen Wetterbedingungen.
Am Montag habe ich gegen 07:30 Uhr das Olivenbrot geschnitten, welches um 06:15 fertig gebacken und daher noch warm war. Das Messer steckte von 07:30 bis 11:30, also 4 Stunden im Brot. Als ich es rausnahm sah es so aus wie auf dem Bild. Die Schneide ist in den oberen zwei Dritteln durchzogen von feinen Ausbrüchen. Diese sind so tief, dass ich locker mit dem Fingernagel hängen bleibe. Die Schärfe ist komplett weg an den betroffenen Stellen und es ist noch nicht mal mehr möglich Papier zu schneiden. Davor war das Messer rasierscharf.

Ich finde es ist ein sehr beeindruckendes Beispiel für Korrosion. Meiner Meinung nach ist ZDP-189 als EDC Stahl völlig ungeeignet.

Liebe Grüße
Meil
 

Beeblebrox

Mitglied
Ich finde es ist ein sehr beeindruckendes Beispiel für Korrosion. Meiner Meinung nach ist ZDP-189 als EDC Stahl völlig ungeeignet.

Ich trag seit 2016 ein ZT0450CFZDP (jupp, fürchterlicher Zungenbrecher) als EDC. Auch wenns regnet. Hab bisher keine Probleme mit Rost. Habs vor einem Jahr auseinandergenommen um Ti-Schrauben einzusetzen - auch in den verdeckten Bereichen kein Rost. Bin immer noch begeistert. Hab allerdings auch noch kein Olivenbrot damit geschnitten...
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Meiner Meinung nach ist ZDP-189 als EDC Stahl völlig ungeeignet.

Völlig ungeeignet ist sicher übertrieben. Bei vernünftiger Pflege kann man damit arbeiten. Allerdings hat er Nachteile: Eher geringer Korrosionsschutz im Vergleich zu anderen „Rostträgen“ und sehr geringe Zähigkeit (4 ft-lbs).

Der Vorteil des hoch härtbaren Gebräus - gute Schnitthaltigkeit. Aber auch die ist nicht überragend, da der Stahl sie aus relativ „weichen“ Chrom-Karbiden gewinnt. CPM S90V, M390 und CPM M4 mit ihren harten Vanadium-Karbiden beispielsweise schneiden da besser ab - bei gleichzeitig deutlich besserer Zähigkeit.

Ich habe selbst auch ein Caly 3.5 ZDP-189 und hatte bisher weder Korrosion noch Ausbrüche an der Klinge, obwohl ich schon allerhand damit angestellt habe. Und man kann die Klinge auch rasurscharf (bis zum Haarespalten) bekommen - auch, wenn es dauert.

Allerdings reinige ich meine Messer grundsätzlich nach Gebrauch. Was Dein Messerchen angeht, sage ich mal: Dumm gelaufen und Lehrgeld bezahlt. Ich würde der Klinge einen neuen Anschliff verpassen, mir ein Olivenbrotmesser zulegen ;) und gut iss …

R’n‘R