selbstgemachter Allrounder im Test

il.ja

Mitglied
Hallo zusammen,

kürzlich habe ich einen Allrounder aus 1.2067 fertiggestellt und nachdem er mich nicht wirklich überzeugt hat, wollte ich ihn hier http://www.messerforum.net/showthread.php?t=98137 verkaufen. Gerade habe ich nochmal den Text überflogen und es scheint, dass ich das Messer fast nur aus negativer Sicht erläutert habe. Also, habe ich noch extra einige allgemeine Tests gemacht und will sie präsentieren. Ich hoffe, die Moderatoren sehen mir das ein bisschen Eigenwerbung nach, solange der Beitrag inhaltlich passt. Gleichzeitig können auch andere Forumiten ihre Komentare zum Messer loswerden (gerne auch zu dem Preis). Für mich war es der erste und wohl auch der letze Allrounder aus diesem Stahl, hat aber hauptsächlich mit meinem Geschmack zu tun.

1) Glasritztest: gleich nach dem Härten hat das Messer diesen Test nur gerade mal so bestanden (verwende dabei i.d.R. eine Bierflasche). Ausgerechnet heute bin ich hier im Forum auf eine mögliche Erklärung gestoßen: bevor ich eine Klinge härte, gehe ich mit einer Feile über alle Kanten, damit bloß keine scharfen Kanten übrig bleiben. Anscheinend wirkt es sich negativ auf den Glasritztest aus. Als ich das gelesen habe, wollte ich es genau wissen und habe mit der inzwischen längst geschärften Messerspitze an einer Bierflasche gekratzt und siehe da - es bleiben (zugegeben minimale) Kratzer, trotz der relativ langen Anlasszeit.

2) Nachdem das Messer noch immer Glas ritzt, wollte ich die Härte einigermassen einordnen und habe mit einer guten Feile (Härte laut Angabe 66-67 HRC) ganz leicht direkt an der Schneide gefeil. Sie hat kaum gegriffen. Zum Vergleich habe ich das Gleiche mit Lauri PT (63HRC) und Dreilagenklinge von Mora (61HRC) gemacht. Mein Messer lag irgendwo in der Mitte zwischen den beiden: bei Mora hat die Feile etwas besser gegriffen, bei Lauri PT so viel wie gar nicht. An dieser Stelle würde mich die Expertenmeinung interessieren, wie aussagekräftig so ein Test ist beim Vergleich verschiedener Legierungen mit verschiedenen Härten (Einfluss der voneinander verschiedenen Karbide [Zusammensetzung, Größen, Anordnung] auf das Feilen).

3) Die Klinge mit einem Hammer durch 10 mm Rundstab aus Baustahl (St37) zu treiben hat auch gut funktioniert [Foto1 zeigt das Messer neben dem gerade durchtrennten Stab, Schneidbereich rot umrandet]. Das Messer wurde kurz zuvor geschärft und konnte nach einigen Holzhack- und Schnitztests gerade noch so die Unterarmhaare schaben (d.h. nicht mehr besonders scharf aber die Schneide noch immer sehr fein). Der Rundstahl war sauber durchtrennt [Foto2], die Klinge hat sich dabei nur ein bisschen umgelegt [Foto 3-4], ich hätte da größere Spuren erwartet (eventuell spielt der 35°-Schneidwinkel eine nicht zu vernachlässigende Rolle). Bei dem letzten Hammerschlag flogen die beiden Reststücke des Baustahls weg und das Messer schnitt praktisch mit der ganzen übertragenen Wucht in den Amboß rein. Dieser eine Schlag hat der Schneide mehr ausgemacht als der 10mm Rundstahl. Zum Glück gab es auch hier keine Ausbrüche, nur etwas stärker umgelegte Schneide. Am Ende war die Schneide gar weniger ramponiert als der Rücken [Foto5] (hatte ganz vergessen, dass ich das Messer beim Abschrecken nicht komplett ins Öl getaucht habe. Komischerweise ist durch einen unglücklich platzierten Hammerschlag trotzdem ein kleines Teil aus dem Rücken rausgebrochen [Foto6]. Kann es mir nicht wirklich erklären.)

4) Biegetest: Hier war ich recht vorsichtig. Zuerst habe ich das Ende der Klinge eingespannt und mich in mehreren Schritten im immer größeren Abstand von der eingespannten Stelle auf das Messer gestellt. Bild7 zeigt eine Entfernung von ca. 8cm, weiter habe ich mich nicht getraut, trotz der zarten 77 kg Körpergewicht. In Sachen Robustheit traue ich diesem Stahl einfach nicht. Die Verformung war rein elastisch und das Messer ist in die Ausgangsform zurückgeschnellt. Dann habe ich noch das Messer noch in den Schraubstock eingespannt und gezogen wie ein Ochse [Letztes Bild]. Das Messer hat sich noch nicht mal so stark verbogen wie unter meinem Gewicht. Ich würde mal behaupten, ohne ein verlängertes Hebel ist es für einen Otto-Normalverbraucher gar nicht so einfach das Messer zu brechen.


So viel zu den Tests, ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen. Noch etwas zur Verarbeitung: Von der Symmetrie und Geradlinigkeit der Schliffes ist das Messer zwar nicht berauschend, aber auch nicht schlechter als die meisten Messer von Mora, Helle, etc., die ich bisher in der Hand hatte.

Entschuldigung für die Rechtschreibfehler, es ist spät und der Kopf fühlt sich an wie mit Brei gefüllt. Ich brauche jetzt erstmal eine gesunde Portion Schlaf.
 

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