Schöne Bilder von Messen - was Messermacher tun können

pitter

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Am Wochenende war ich bekanntermaßen auf der Ausstellung in Olching. Früher in diesem Jahr auch in Solingen und Sindelfingen, auf der Ausstellung in Schaafheim ... und Buseck droht.

Die Bilder gefallen offenbar dem einen oder anderem und sie sagen mir das auch - was mich freut. Weils eine Scheissarbeit ist ;) Und deswegen möchte ich mal einen Hinweis geben, wie man mir - und allen anderen, die Messer auf Ausstellungen fotografieren müssen, aber mehr Hemmungen haben, sich unbeliebt zu machen, als ich ;) - also wie man uns das Leben einfacher machen kann.

Helft den Walen, aber helft auch den Fotografen und verwendet geeignete Hintergründe

Damit man versteht, warum mir das ein Anliegen ist:

Messer zu fotografieren ist grundsätzlich mal schon nichts ganz einfaches. Messer glänzen, die Umgebung spiegelt sich, Kontraste sind extrem hoch und wenns gut ausschauen soll, muss man Licht steuern und nicht nur draufschmeissen. Soweit so gut; wenn man sein Licht kontrollieren kann, Zeit und genug Ausrüstung hat, alles kein Problem.

Auf Messen ist das Licht aber grundsätzlich beschissen :D Gemessen an dem, was man an Licht für vernünftige Bilder braucht, viel zu dunkel, zig Halogenspots oder Entladungslampen die lustig bunt in die Klinge strahlen. Gedränge vor den Tischen, Zeit hat man auch nicht beliebig, wenn man an jedem Tisch fotografieren will, usw. ... als Fotograf ist man mit der Gesamtsituation eher unzufrieden und die Fotografiererei einfach ein rechtes Geschisse.

Jetzt hab ichs noch "leicht". Ich muss nicht für Print fotografieren, ich mache die Bilder fürs Web und fürs Forum. 800er Auflösung reicht. Da kann man schon mal pfuschen. Und das, was ich hier abliefere, ist von vorne bis hinten gepfuscht. Und trotzdem ist der Zeitaufwand hoch. Beispiel Olching: Ich hab hier 300 Bilder, die ich alle einzeln nachbearbeiten muss (Helligkeit, Rauschen, die lustigen Spots auf der Klinge...). Wenn ich schnell bin, schaffe ich RAW Bearbeitung, Bildbearbeitung, runterskalieren in etwa 1 bis 2 Minuten pro Bild (!). Macht 5-10 Stunden Arbeit, ohne Text. Und danach hab ich viereckige Augen. Und deswegen gibts die Bilder noch nicht zu sehen.

Ok, die Massenabfertigung ist der Tatsache geschuldet, dass ich möglichst von jedem Tisch ein paar Bilder mitbringe. Damit auch die, die nicht in Olching waren, sehen, was es dort alles gab.

Müsste ich einen Artikel machen, sprich für Print fotografieren, sähe das etwas anders aus. Erstens braucht die "Produktion" vor Ort mehr Zeit, weil man sich für den Text mehr Notizen machen muss. Man kommt dafür zwar mit weniger Bildern aus. Die müssen - oder sollten zumindest - aber sauberer auschauen, als das, was ich mache. Deswegen rennt man da dann auch gerne mit Zipfelmütze oder Faltreflektor rum.

In Summe sitzt man da aber vermutlich auch nicht viel kürzer an den Bildern. Es gibt eben kein Programm, bei dem man auf nen Knopf drückt, und dann kommen super Bilder raus. Es ist und bleibt eine Frickelarbeit, auch wenn manche das nicht glauben und immer noch den Knopf suchen ;)

So, und jetzt zu meinem Anliegen:

An den Gegebenheiten vor Ort kann man nichts ändern, klar. Was aber eine große Hilfe wäre, wäre die Wahl geeigneter Hintergründe. Die machen denen, die mit den Bildern arbeiten müssen, das Leben leichter. Vor allem aber, sehen die Messer besser aus.

Ich habe mal aus den Ausstellungen von 2011 ein paar Fotos als Beispiele zusammengetragen. Die Auswahl ist quasi zufällig. Ich hab nur darauf geachtet, dass ich die Messermacher kenne. Die verzeihen mir Kritik hoffentlich leichter ;)

Ich fang mal mit der ersten Katastrophe an. Messer auf schwarzem Samt, ein Klassiker. Das kann man schon fotografieren, wenn man den passenden Aufbau hat. Aber auch dann tue ich mir das nur unter Zwang an. Neben dem ewigen Geschisse mit den Fusseln verschluckt der Samt einfach alles einfallende Licht. Das hat zur Folge:

1. Der Kontrast ist extrem hoch; am, oder über dem Limit der Kamera. In einfach: ist die Klinge erkennbar, ist der Griff schwarz. Habe ich mehr Struktur im Griff, ist die Klinge reinweiß. Dazu kommt:

2. der Samt reflektiert kein Licht, die Seiten des Messergriffs sind schwarz.

Nicht, dass ich nicht wüsste, wie man das grundsätzlich in den Griff bekäme. Aber nicht im Schnelldurchlauf, im Gedränge, bei vorhandener Beleuchtung auf einer Messe. Bleibt nur Nacharbeiten (das Bild hier ist, wie alle anderen in diesem thread auch, unbearbeitet). Kostet alles Zeit und zaubern kann man auch nicht



Nicht viel besser, schwarzes Leder:



Ok, wenigstens kein Geschisse mit Fusseln. Aber der Erl unter den Griffschalen ist quasi schwarz. Weil vom Leder kein Licht zurück kommt.

Schon besser dieser Jeansstoff, schwarz/stonewash. Habe ich bei Jockl gesehen, die Idee prompt geklaut und mir so einen Stoff als Untergrund/Tischbezug nähen lassen. Kostet quasi nix, lässt sich auch waschen, sieht meiner Meinung nach recht nobel aus, keine Fusseln, und deutlich mehr Reflexion als der schwarze Samt oder das schwarze Leder. Sieht man ja an der Seite des Griffs.



Mal noch ein absolutes no-go, farbiger Samt oder farbige Hintergründe insgesamt. Wer das freiwillig fotografiert, nimmt auch ne Stahlbürste zum Rückenschrubben:



Das Problem ist, dass der Hintergrund eben die Farbe reflektiert, die er hat. So gibts dann hübsche rote oder grüne Klingen und das Griffholz hat ne undefinierbare Farbe ;) Das bekommt man in der Nachbearbeitung entweder gar nicht oder nur mit viel Zeitaufwand wieder heraus (300 Bilder, Zeitaufwand!). In dem Fall würde ich Hand und Holzeinlage auswählen und den Rest einfach in schwarz/weiss. Ist der Hintergrund dann eben grau, so what. Oder man lässts.

Noch ein Punkt der zu beachten ist. Muss ich einen Artikel schreiben, also sagen wir mal vier bis sechs Seiten, hab ich vielleicht Platz für maximal zwanzig Bilder. Da suche ich mir natürlich die aus, die als Bild am besten aussehen. Nicht unbedingt die, auf denen das hübschere Messer ist. Das muss dann schon was ganz besonderes sein, dass ich an einem Bild lange rum mache, nur damits im Artikel ist. Das ist halt so, es gibt Zwänge, nicht zuletzt die Zeit, um die kommt man nicht rum.

Also: Am besten ists, der Hintergrund ist mittelmäßig hell und möglichst neutral. Grau, Beige; Holz, Leder geht auch...aber nach Möglichkeit nicht knalle rot, knalle grün oder knalle blau. Nicht schwarz, nicht weiß, kein Samt. Ich zeig mal ein paar Beispiele.

Funktioniert problemlos, grauer Filz. Man sieht schon, dass der Erl auch unter den Griffschalen noch ne Farbe hat (Licht wird vom Filz reflektiert) und nicht einfach nur schwarz ist.



Oder sowas. Ein bisserl dunkler, geht schon noch.



Normales Sackleinen ist auch wunderbar. Läge das Messer auf schwarzem Samt oder einem anderen tief dunklem Untergrund, wär der Horngriff an der Seite eben schwarz.



Hier nochmal ein Gegenbeispiel. Nicht ganz so schlimm wie Samt, weil der Filz immer noch mehr Licht reflektiert, als Samt. Aber die Griffseite wieder dunkel. Und der Kontrast ist nur deshalb noch akzeptabel, weil die Klinge nicht poliert ist.




Das waren natürlich nur ein paar Beispiele. Es gibt zig Hintergründe, die Messer gut aussehen lassen und die die Messer auch gut fotografieren lassen. Was ja heute irgendwie zusammenhängt, wenn die Bilder im Web oder in einem Magazin erscheinen sollen.

Ich möchte auch um Gottes Willen niemandem vorschreiben, was er auf seinen Tisch zu legen hat. Das ist halt Gschmacksach. Aber wenn man mir das Leben nicht schwer macht, bin ich schon dankbar ;) Und den anderen, die Fotografieren, wirds genauso gehen.

Pitter


BTW, hätte hier zwei große Tischdecken abzugeben. Schwarzer Bühnenmolton, maximal lichtschluckend :) Ja, ich dachte auch mal, das wäre ein sehr geschickter Kauf :)
 

leielekt

Mitglied
Hallo Pitter,
danke für die Hinweise. Auch wenn ich keine Messer auf Ausstellungen oder Messen präsentiere war diese Kurzbeschreibung von Hintergründen lehrreich. Wir "Knipser" schindern uns ja wirklich und finden die Lichtverhältnisse ebenso schrecklich. Da sind solche Hinweise hilfreich. Auch wenn es für andere Adressen gedacht war.:super: