Schnittmuster für Lederscheiden

Leonardo75

Mitglied
Näh, näh, so einfach ist das ja gar nicht.

Wie macht Ihr eigentlich Eure Schnittmuster für die Lederscheiden?

Eine Steckscheide entwerfe ich wie folgt:
Ich zeichne mir eine dünne Linie auf ein Papier als Bezugslinie. Dann halte ich das Messer mit dem Rücken an diese Linie und zeichne die Schneide auf dem Papier nach. Komme ich zum Griff, dann messe ich den lokalen Umfang und trage die Hälfte davon von der Linie aus auf dem Papier ab. Das muss ich mehrmals machen, da der Griff nicht durchgehend eine konstante Dicke hat. An den besonderen Stellen (Handschutz und ähnliches) muss man auf jeden Fall eine solche Linie übertragen. Die Griffumfänge überträgt man so weit, wie die Scheide später reichen soll. Hierdurch erhält man eine Kontur der lokalen Breite des Messers.
Jetzt muss diese Kontur noch erweitert werden und zwar wie folgt:
Im Bereich wo die Schneide war muss sie um die halbe Klingenstärke und die Kederbreite und zwei Millimeter als Schneidenluft erweitert werden. Die Erweiterung erfolgt senkrecht zur Tangente an die Klingenkontur.
Im Griffbereich setze ich keinen Keder ein, daher muss die Linie hier nur um den Nahtabstand zur Außenkante und zwei Millimetern Biegezugabe erweitert werden. Jetzt müssen, ausgehend von der äußersten Linie, noch die Übergänge von Griff zu Klinge geglättet werden. Dabei immer außerhalb deräußersten Linie bleiben.

Die Gürtelbefestigung wird nun auch noch an das obere Ende der Skizze angezeichnet. Ich habe meine Messer immer gerne etwas tiefer hängen, deshalb mache ich recht lange Hänger. Damit das nicht zu Problemen führt, sollten diese aber auch recht breit sein, sonst dreht das Messer in der Scheide manchmal einfach ab und hängt in seltsamen Winkeln. Ich lasse den Übergang zur Scheide recht breit, damit er sich mit um den Griff wölbt und so ein wenig weniger schlabberig ist.

Jetzt das Papier an der geraden Bezugslinie zusammenfalten und die äußerste Kontur ausschneiden, den Gürtelhänger natürlich nicht zweimal :).

Wenn man das als Schnittmuster benutzt bekommt man eine recht eng sitzende Steckscheide heraus.

Vielleicht habe ich noch was vergessen, für Verbesserungen oder für andere Tips wäre ich sehr dankbar.

Es grüßt Euch der Leo.
 

HankEr

Super Moderator
So mache ich das: Bau einer Lederscheide

Also im wesentlichen grob auf Pappe übertragen und dann ggf. optimieren und wieder großzügig auf das Leder übertragen. Lieber schleife/schneide ich überall am Ende einen Zentimeter ab, als daß mir irgendwo 1 Millimeter fehlt.
 

Andreas

Mitglied
blatt papier oder pappe.
mittellinie aufzeichnen.
messer mit dem rücken mittig auf die linie legen und auf die seite umklappen.
aussenkontur vom messer auf das blatt oder die pappe übertragen.
von der aussenlinie im abstand von ca. 2,5 cm die kontur erneut aufzeichnen.
gürtelschlaufe am oberen rand aufzeichnen (lieber etwas länger als zu kurz).
zwischenlage anhand der aussenkontur und der kontur des messers aufzeichnen (luft zwischen keder und messer ca. 2-4 mm).
papier/papp-schablone auf das leder übertragen und ausschneiden.
kanten der gürtelschlaufe glätten, auf der rückseite der lederscheide verkleben (klebestelle vorher anrauen) und anschließend vernähen.
position der zwischenlage in der lederscheide durch "anprobe" bestimmen.
keder auf einer seite der lederscheide verkleben.
erneute "anprobe" und vorformen des leders um das messer.
verkleben der 2. seite der lederscheide.
aussenkante der lederscheide (seite mit dem keder) grob vorschneiden und abschließend mit schleifpapier in form bringen.
färben und verzierungen nach bedarf.
aussenkante vernähen.

beim zuschnitt des leders nicht "geizen"!!! so teuer ist das material nicht, dass man auf den millimeter genau das leder am anfang zuschneiden muß. pauschal 2,5cm rand um die kontur des messers hat sich bei fast allen messern (ausser vielleicht ganz "dicken" messern) als ausreichendes polster für das anschließende formen und verkleben bewährt. wie hanker schon geschrieben hat: lieber zum schluß noch etwas abschneiden oder abschleifen. eine berechnung der kontur auf den millimeter genau ist bei dem preis für leder imho überflüssig.

@leonardo: wieso die zwischenlage (den keder) nur auf der höhe schneide? wenn du im griffbereich den keder wegläßt, besteht immer die gefahr, dass beim ziehen oder versorgen des messers die naht der lederscheide gekappt wird. die zwischenlage ist bei meinen lederscheiden immer komplett von der spitze bis zum ende der naht.
 

Nidan

Mitglied
Hi Leo,

ich darf ja eigentlich noch gar net antworten, weil ich gestern erst meine 1. lederscheide gebaut hab, aber ich hab es auch so wie Andreas beschreibt gemacht (HankEr schreibt glaub ich das gleiche in seiner Anleitung) und es hat auf Anhieb prima geklappt. War echt ne recht unkoplizierte Operation ;)

@ Andreas : Muß das Vorformen unbedingt sein, ich hab das nicht gemacht und der Sitz ist trotzdem ok.
 

Andreas

Mitglied
@nidan: müßen muß man gar nichts. man KANN das leder genau um die konturen des messers formen. aber man MUSS NICHT. das ist reine geschmacksache.
wenn das messer nach dem entgültigen verkleben der lederscheide noch etwas spiel hat, läßt sich das spiel durch das formen des leders verringern/beseitigen. ob ein messer fest oder locker in der lederscheide sitzen sollen, ist ebenfalls eine individuelle vorliebe. wackeln sollte das messer imho allerdings nicht unbedingt in der lederscheide.
es gibt auch einge messerformen, da muß man das leder nachformen, sonst "schlackert" das messer in der lederscheide.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
So, hm, da muß ich ja doch wohl für meinen Nicker eine Scheide selbst machen, wenn schon so detaillierte Tips gegeben werden. Das Konzept behalte ich bei, aber schöner soll sie halt werden. Ich probiers mal.
Wenn ich nicht weiterkomme, nerv ich Euch. Versprochen.
 

zorro_43

Mitglied
Hi,
ich machs auch so wie Andreas. Als ich den Post von Leo gelesen hab bin ich doch etwas erschrocken. Scheint mir eine sehr akademische herangehensweise zu sein, aber jeder nach seiner fasson.
Ich mach den Keder aber genau wie Leo nur im bereich der Schneide. Ich finds halt schöner und durchgeschnitten hab ich da noch nie was.

Zorro
 

hogado_willi

Mitglied
Andreas und seiner Arbeitsweise kann ich nur zustimmen, aber Überstand hin oder her, die Naht muß gesetzt werden und das ist der Knackpunkt. Da ist es zwar richtig dass ein etwas üppigerer Überstand gut ist aber zuviel ist vergeudet. Wie setzt ihr die Naht exakt so daß sie passt, da ist bei mir noch keine Systematik herangereift die verlässlich ist.
Nach Bearbeitung der Kante nehme ich noch Kantenglätter ( von Wolf Borger) der nach dem trocknen mit einem Plastikfeuerzeug o.ä. noch geglättet(drübergrubbelt) wird mit tollen Resultat. Für die Stichweite der Naht habe ich mit so einem Zackenrädchen immer ein gleichmäßiges Nahtbild und wenn die Naht noch etwas versenkt im Leder liegt( eine kleinen Nut über die Löcher ziehen) macht der Anblick gute Laune.
 

Andreas

Mitglied
@hogado_willi:
was meinst du mit "wie setzt ihr die naht exakt ..."?
nach dem verkleben der kompletten köcherscheide schneide ich die entgültige form und schleife den rest dann mit 60er papier bis mir die kontur gefällt. die zwischenlage sollte so ca. 13-18 mm "tief" sein (muß zur größe des messers passen, imho).
anschließend dann mit 320 papier noch mal düber.
dann die kante mit wasser anfeuchten und mit 600er papier in eine richtung schleifen.
dann mit einem nahtversenker die naht markieren. abstand zum rand ca. 5-6mm (meistens nach auge, passend zum messer und zur lederscheide).
kante noch mal anfeuchten und mit einem falzbein aus knochen polieren. damit kriegt man die kanten glatt wie "einen kinder-popo". ohne zusätzliches "kantenglätter-zeug".
# jetzt evtl. das leder färben.
dann mit einem "rändelrad" den lochabstand markieren (vom oberen rand der köcherscheide bis zur spitze).
mit 'nem dremel im bohrständer die löcher bohren.
anschließend vernähen (von der spitze bis zum oberen rand).

Koecher.jpg
 

Leonardo75

Mitglied
Scheiden machen

Hallo Ledernäher!

Meine erste Beschreibung ist vielleicht ein wenig zu genau beschrieben. Sie dient eigentlich dazu, die Mindestmaße für eine Scheide festzustellen, damit man die Scheide nicht zu knapp ausschneidet. Allerdings schneide ich meistens auch nicht deutlich mehr aus.

Wie schon hogado_willi angemerkt hat, möchte ich die Naht auch nicht zu weit nach außen setzen.
Neulich hatte ich eine Scheide angefertigt, die allerdings deutlich zu eng war. Um sie zu weiten, habe ich dann vier Schichten Pappe über die Schneide geklebt. Eine Schicht Tesapackband hat die Pappe vor durchtränken geschützt. Mit einiger Gewalt ging das Messer in die mit Alkohol durchtränkte Scheide. Nach einiger Zeit habe ich das Messer wieder herausgenommen. Das Messer geht sehr gut in die Scheide und schlackert in ihr nicht herum. Mir gefällt die Scheide sehr gut.

Zum Glätten der Kanten benutze ich Bienenwachs, was ich in die Kante reibe und mit einem Knochenstück (habe gerade den Fachnamen vergessen, ist schon spät), welches mit einem Tuch umwickelt ist. Das Tuch bewirkt, dass die Reibung zwischen geachstem Leder und Knochen erhöht wird und das Leder so warm wird, dass das Wachs in das Leder einzieht. Da ein Teil des Wachses auch im Tuch verbleibt braucht man für diese Methode mehr Wachs als für die andere Wachsmethode.
Früher habe ich das Wachs nur einfach über die Kante gezogen. Danach habe ich das ganze mit einem Heißluftgebläse erwärmt, damit das Wachs in das Leder einzieht. Leider ziehen dabei auch manche Krümelchen in die Frontseite der Scheide ein und das verunziert die Scheide.

Viele Grüße sendet Euch der Leo.