Schneide einer Sense entschärft

Hallo Leute,

Ich habe, wie oben beschrieben eine Sense(Kollegenwunsch) umgeschmiedet.
Da das ganze Sicher und zu Schauzwecken verwendet werden soll, habe ich die Schneide zwei mal umgebördelt. Die ehemalige Schneide hat jetzt eine Stärke von ca. 3mm. (schneide war ursprünglich ca 1mm stark).
Ich kenne zwar nicht genau den Stahl der Sense, aber nach einer Funken- und einer Härteprobe vermute ich was zwischen C75 und C100.
WB kommt morgen. abschrecken in warmen Öl, Anlassen bei 200°. Soo der Plan.....
Jetzt frage ich mich aber noch, wie könnte die eingerollte Schneide trotz der WB dann auf mechanische Beanspruchung reagieren?? (besagte Schauzwecke)
Bei Massivmaterial weis ich was passiert, aber bei dieser Eingerollten Schneide??
Ich weis das das alles SEHR Spontan angegangen wurde und jetzt nicht wirklich was mit Messern zun tun hat, aber das ist quasi mal eine ungewöhnliche Materialfrage.
Und wenn das ganze nicht hinhaut und nicht halbwegs sicher ist, wirds nicht verwendet. Kosten tut es mich nichts, und ich fand die Idee erstmal interessant wie ich zugeben muß! Das umarbeiten war mal was anderes und hat sogar spaß gemacht.
Aber wie würde sich eben dieses eingerollte 1mm Material nach der WB verhalten, wenn da mal gröber mit umgegangen wird? Ich kannst grad nicht soo einschätzen.

Grüße
Thomas

PS: hier noch ein Info link zu Kriegssense. So soll das ganze dann aussehen.
http://de.wikipedia.org/w/index.php..._Zagłębia_03.JPG&filetimestamp=20070714174304
 

Badger1875

Mitglied
Zu der Zeit (das war zur Zeit der Bauernkriege um 1524), in der die Kriegssense Verwendung fand, stand für den Schmied der die Arbeit des Umschmiedens verrichtete, die Todestrafe darauf.
Sei froh, dass wir dieses Gesetz haute nicht mehr haben!!!


:):):)


Freddie
 
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Ja, ich weis, hab ich auch gelesen....
aber kennst Du nicht den Reiz des Verbotenen?!......(-;

Grüße
Thomas

PS: "Schwerter zu Pflugscharen" ist genau so eine Sünde wie ich finde und hätte auch bestraft werden sollen.
 

Dietmar

Mitglied
Was soll schon groß passieren. Falls Du mal gegen einen Stein beim
"Vorführsensen" haust, kann das Blatt vielleicht brechen oder einreissen,
aber in 1000 Stücke wird es sicherlich nicht zerspringen.
Dafür sorgen schon die Doppelungen vom Einrollen.
Gruß Dietmar
 

natto

Mitglied
So aus dem Bauch heraus sag ich mal hoch anlassen, dabei soll man auch noch gut richten können. Vor dem Härten müssen natürlich die Spannungen aus dem Material, aber nach dem härten soll das Teil bestimmt ähnlich aussehen wie vorher - gute Frage.

Ich lese mich gerade in die Wärmebehandlung ein. Sowie ich fertig bin, sage ich Dir wie es richtig geht. ;)

Gruß Holger

edit: Zitat von U. Gerfin
Man verwendet einen
bei guter Verschleißfestigkeit optimal zähen Stahl- meist reinen C-stahl mit ca 0,8 % C, gegebenenfalls für die Feinkörnigkeit mit einem Spritzerchen Vanadium. Um die Zähigkeit zu garantieren, wird die Sense
hoch angelassen, meist bis in die grau-grüne Farbe.
Da es hier um eine Demo-Waffe geht reicht sicher auch eine etwas niedrigere Anlasstemperatur, aber 200 Grad ist zu cool. Es soll ja nichts brechen, und es werden auch bei guter WB genug Spannungen im Werkstück bleiben. Sofort nach dem Härten anlassen ist wohl auch selbstverständlich. Viel Erfolg!
 
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Hallo,

Die vermutung mit etwas zwischen C75 und C100 war vermute ich dann wohl nicht ganz so falsch. Ich hatte pararell gestern dazu auch noch einige Einträge hier im Forum gefunden.
Die Härteprobe lies mich das auch vermuten. Ich konnte ein Stück der Spitze was ich hatte, nach dem abschrecken noch nicht mal im Schraubstock ein spannen. Es ist quasi einfach zerbröselt. Das Korn war sehr fein und gleichmaßig.
Leider habe ich da nix mehr von als das ich da noch mal ausprobieren könnte:mad:
Auf Steine wird die Schneide wohl nicht treffen. Da es sich jetzt ja um eine Kriegsense handelt, wird sie wohl eher ab und zu leicht auf Stahl treffen.
Als Anlasstemp. steht im Stahlschlüssel 300-500 Grad.
Werd dann die 300 nehmen um sicher zu sein.
Ich vermute aber mal das die Sense an sich hält, nur wird die "Schneide" wohl sehr Kerbschlagempfindlich sein. Denn die 1mm Material (ist ja nur eingerollt 3mm stark) an der "Schneide" vorne, den traue ich trotz härten und anlassen dann nicht soo viel zu. Da fehlt mir aber auch die Erfahrung.
Wenns schartig wird, wird das Ding sofort aus dem Verkehr gezogen und der Kollege bekommt was Massives aus 55Si7. Das ist dann zwar mehr arbeit, aber nun ja. Neue Projekte, neue Erfahrungen.
Danke für die Bisherigen Antworten.

Grüße
Thomas
 

sanjuro

Mitglied
......Die Vermutung mit etwas zwischen C75 und C100 war.....dann wohl nicht ganz so falsch......
Sensen werden meist aus C 45 gemacht. Der Stahl muss vor allem zäh und noch duktil sein, damit sich die Sense nach dem Härten auch noch dengeln lässt. Anlassen mit 200°C wäre sinnvoll, aber für eine reine 'Schau-Sense' auch vielleicht nicht einmal nötig.

So ganz verstehe ich den Sinn der 'Entschärfung' nicht, wenn die Sense doch noch zu Demo-Zwecken verwendet werden soll. Etwas anderes wäre vielleicht der Einsatz auf einer Bühne im Theater.

Gruß

sanjuro
 
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Hallo,

Demo halt als Kriegssense. Sprich es soll auch gezeigt werden wie man so ein Ding einsetzen kann.
Nicht in einem Waffengang mit anderen Leuten, sondern eher als einfache Vorführung. Damit dann auch dabei NIX passiert die entschärfung.
Und falls es zu einem Waffenkontakt kommt, soll das Ding halt nicht schnell schartig werden und nicht direkt kaputt gehen.
Ich weis, das ganze ist momentan eher richtung Versuch und Irrtum, bzw. Versuch macht klug. Aber ich hab mir gedacht ich probier es mal.
Safty first stand dabei aber auch immer an oberer Stelle.
Die Sense, und die Idee war halt einfach da, da hab ich mal angefangen.

Grüße
Thomas

PS: die Geschichte mit dem umarbeiten zu einer Waffe kannte ich ja schon. Ich wollte nun mal auch wissen wie das dann genau aussieht und von statten geht. Die Sicherheit ist ein bereitwilliger kompromiss. Auch wenn es die Optik etwas mindert. Ich habe da dann quasi zwei Dinge: 1:wie gestalltet sich das mit dem Umschmieden und 2: was kann mann dann noch als Verwendung daraus machen, etwas verbunden.
Ich mag und mache so Sachen manchmal.
 
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Geonohl

Mitglied
Ich glaub nicht, das die Klinge ein Kontakt mit was harten gut übersteht.
Ich hätte eine dickere Kante (wie der Einfache Schneidenschtz mit dem die meist verkauft werden) Drauf gesteckt (aus 2mm Blech?).

Irgendwo hatte ich das schon mal geschrieben und weis es nun nicht mehr sicher.
Billigsensen C45
bessere C75
Legierte gibt es auch.
Anlassen war glaube ich, 400° oder mehr? für 30Minuten (bei C45).
 

Badger1875

Mitglied
Halloooo, Ägypten, Kairo, Koffertragen?

:confused::confused::confused:

Hier geht es, so habe ich jedenfalls Thomas verstanden, um ein Schaustück mit eventuellem Gebrauch als "fiktive Schaukampfwaffe" , also lieber etwas zu weich als zu hart. Mit dem Ding wird sich keiner auf den Acker stellen möchten und schon garnicht an Kampfhandlungen teilnehmen.

Zum Anlassen eine gut höhere Anlasstemperatur nehmen und fertig.
Das Ganze geht auch gut im Schmiedefeuer und dann in Asche packen, fertig.

Freddie
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
W. Haufe:"Werkzeugstähle und ihre Wärmebehandlung" beschreibt die Sensenherstellung und die verwendeten Stähle im Kapitel D V S. 172 recht detailliert. Ob die hohen Qualitätsstandarts, die er zugrunde legt, heute noch eingehalten werden, muß ich leider bezweifeln.
Wer mäht heute schon noch mit der Sense ?. Wenn man sie gelegentlich-halb im Hobbybereich - benutzt wird man Qualitätsunterschiede nicht so spüren, wie wenn man damit eine ganze Getreideernte schneiden mußte.

Die Idee, eine moderne Sense als Demowaffe umzuarbeiten, ist ehrlich gesagt, ziemlich daneben.
Es ist richtig, daß in den Bauernkriegen Sensen mit gerade gerichtetem Einsatz benutzt worden sind. Sie konnten dann als Hieb-wie auch als Stichwaffe eingesetzt werden.

Was waren das aber für Sensen !!.
In Friesoythe sind im Museum alte Sensen zu sehen, die meiner Erinnerung nach ca. 15 cm breit waren und eine Materialstärke von gut 2 mm hatten.
Solche Geräte hätten auch einen Kampfeinsatz mitgemacht. Unsere heutigen Leichtgewichte sind dagegen allenfalls gegen ungeschützte, mit scharfen Mangoscheiben bewaffnete Gegner wirksam.
Da wird auch das Einrollen der Schneide nicht viel nützen. Wenn man die als Waffe umgearbeitete Sense halbwegs historisch korrekt einsetzen will, erreicht sie wegen des langen Schafts eine hohe Schlaggeschwindigkeit, der sie beim Kontakt mit harten Gegenständen nicht gewachsen ist.

Ich habe meinen Söhnen noch so halbwegs den Umgang mit der Sense beibringen können (natürlich nicht umgearbeitet). 5 Minuten in der Hand eines ihrer Freunde genügten aber, den Sensenbruch herbeizuführen.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 
Hallo Leute,

Da hab ich ja was angestoßen!? Nun ja.

Habe heute gehärtet und das gute Stück ist direkt in den Backofen gewandert. Passte grad so rein.
300grad, bis jetzt eine Stunde.
Beim härten hatte ich das Problem die Länge gleichmäßig auf Temperatur zu bekommen.
Mit der Gassesse kann ich zwar langes Sachen gut durchschieben, aber der dünne Stahl kühlt auch recht schnell ab wenn er halt gerade ein Bereich nicht in der Essse ist. Mit etwas Übung und Timing hats dann aber geklappt.
Wenn das Teil gestielt und getestet ist, sag ich Bescheid wie es sich verhält. Vorrausgesetzt das interessiert dann noch?.

Grüße
Thomas

PS: ich sense übrigens immer noch Teile der Wiese auf dem Grundstück wo ich wohne. Ab einer gewissen Halmlänge ist das effektiver. Und um mal eben eine kleine Ecke sauber zu putzen/mähen schmeis ich nicht erst den Rasenmäher an. Bin zwar beim Sensen kein Profi, aber ich komm ganz gut klar.
 
Sensenmähen ist aber am Steilhang in meinen Augen die einzige Möglichkeit. Leichter als ein Motorgerät und viel schneller. Wenn Eure Meinungen über die Kriegssensen ausseinandergehen: Es gab die umgeschmiedetet Version, die die Todesstrafe für den Schmied bedeutete und es gab die Kriegssense, die niemals landwirtschaftliches Gerät war. Das war ein eigens hergestelltes Verteitigungsgerät, ließ sich auch noch mit anderen verbinden und war sicherlich nicht gedengelt und viel robuster.
 

The_Nazgul

Mitglied
Demo mit der Sense... so in etwa? *gg*
http://www.youtube.com/watch?v=55TI0rXCsS4
(wobei die Sensen hierbei noch "normal" ausgeformt sind - ein Stück nach dem Fechtbuch von Paulus Hector Mair).

Die in dem Video gezeigten Sensen sind keine umgebauten "echten" Sensen, diese wurden eigens für die Vorführungen gemacht - dementsprechend halten die auch einiges aus, sind dafür aber auch nicht besonders leicht (sind jetzt seit etwa 3 Jahren in Gebrauch, wenn ich mich richtig erinnere). Materialstärke an der "Schneide" dürfte bei 2mm liegen.
 
So, berichte von der Front.

Das Härten und Anlassen ließ auf ein gutes Gelingen hoffen.
Angelassen hatte ich bei 280Grad(mehr schaffte mein Ofen nicht) zwei Stunden lang.
Die Sense hatte sich beim Härten vom Rücken her zwar leicht verzogen, aber damit konnte ich leben.
Also heute die Zunderschicht entfernt und sauber gemacht.
Leider sind dann beim bearbeiten und sauber machen(mit schmirgel von Hand) zwei Risse an der !eingerollten Schneide! entstanden. Und zwar an den Stellen, wo das eingerollte Materiel nicht ganz flach geschlagen war.
Ich könnte mir vorstellen das es durch das einrollen Probleme damit gibt, das das Härtemedium nicht gleichmäßig an der Schneide arbeiten kann/konnte
Naja, mal schauen was ich nun aus dem Material mache.
Ich finde die Idee was er Wert. Immerhin habe ich mal gesehen was geht, und was nicht geht und mich mal andrem mit Material beschäftigt und was gelernt.

Grüße
Thomas