Schärfstab/Wetzstab - Sieger Longlife im Vergleich zu „IOXIO“?

Turmfunk

Mitglied
Ich habe, schon bevor ich mich hier angemeldet habe, immer wieder mal die älteren Beiträge zum Sieger Longlife gelesen.

Da ich meine Küchenmesser mit dem mittleren und dem ultrafeinen Bankstein von Spyderco schärfe (und einem groberen DMT-Diamant, wenn es mal wirklich nötig sein sollte), bin ich irgendwann mal über die Keramik auf den Sieger Longlife gekommen und habe ganz gute Erfahrungen damit für zwischendurch gemacht.

Aber da es für den Sieger Longlife herstellerseitig nie eine richtig klare Körnungsangabe gab, war ich auch immer etwas verunsichert, was er eigentlich macht. Was er macht, macht er gefühlt gut, aber ich konnte es nie wirklich „einordnen“.

Jetzt haben wir seit einiger Zeit in unserer zweiten Küche auch den J3000er von IOXIO in Benutzung und ich überlege wieder. Die IOXIO gibt es ja in allen möglichen Farben, Längen und auch rund oder oval, aber mich interessiert vor allem erst einmal die Körnung im Vergleich zum Sieger Longlife. Und da es bei IOXIO mitllerweile ja auch einen „ultrafeinen" und einen „noch feineren“ gibt, bin ich neugierig und unsicher.

Hier mal nur die einfachen runden zum Überblick, um was es mir geht:

„Blue“ - F360/J800
https://ioxio.de/wetzstab-blue
Weiß nicht, ob ich einen so groben Stab brauche. Wenn nötig, dann doch lieber auf den Stein.

„White“ - F1000/J3000
https://ioxio.de/wetzstab-white
Der ist recht gut, trägt aber auch noch recht viel ab. In meiner Wahrnehmung auch danach noch etwas bissiger und verzahnter als beim „Longlife, aber ich bin da unsicher mit meiner Wahrnehmung.

„Ultrafein“ - F1300/J4200
https://ioxio.de/wetzstab-ultrafine
Laut Hersteller wäre da nicht viel Unterschied zum weißen. Ich habe es bisher nicht ausprobieren können, aber J4200 klingt auf dem Papier erstmal noch anders als J3000? Und ist der dann feiner als der Sieger Longlife?

„Origin“ - keine zugesetzte Körnung
https://ioxio.de/wetzstab-origin
Da gibt es vom Hersteller keine Körnungsangabe, da keine Körnung zugesetzt würde. Der Abtrag sei aber sehr gering. Es handele sich um das selbe Material, das für Hüftprothesen eingesetzt wird. - Also definitiv sicher feiner als der „Sieger Longlife“ und von allen genannten wohl am ehesten mit einem traditionellen Feinabzug-Wetzstahl zu vergleichen.

Mein Dilemma: Ich kann doch jetzt aus reiner Ausprobier-Neugier und Sammler-Perfektionismus nicht auch noch anfangen Schärf-/Wetzstähle zu sammeln. Stöhn. Und welchen von den drei feineren würde ich dann wirklich nutzen? Und wie gesagt, den „Sieger Longlife“ hab ich ja auch noch irgendwo und mag ihn.

Was sind Eure Erfahrungen, Meinungen, Ratschläge?
 

Rock'n'Roll

Premium Mitglied
Der Sieger Longlife ist mittelfein und hat eine Körnung von 10 Micron bzw. J1500. Der IOXIO Ultrafein mit J4200 - etwa 3 Micron - ist also feiner.

R’n‘R
 

Turmfunk

Mitglied
Danke. Das ist ja verrückt. Hätte ich nicht erwartet. Ich hätte geglaubt, der Sieger wäre feiner als der 3000er Ioxio. So viel zu meiner Wahrnehmung. Wobei die in unterschiedlichen Küchen sind und ich sie nur mal kurz "nebeneinander" ausprobiert hatte.

Wenn ich ehrlich bin, taugen mir auch beide. Und ich bin unsicher, ob für den Alltagsgebrauch der "Ultrafein" oder gar der "Origin" bei mir spürbar mehr bringen würden. Der immer wieder erfolgende leichte Abrieb ist für mich Grobsensoriker "spürbar". Andererseits will ich natürlich auch nicht unnötig immer Material abtragen.

Bei meinen alten Wüsthof Classics hatte ich von Wüsthoff so einen Feinabzug-Stahl dabei. Theoretisch verstehe ich das Konzept von Gradaufrichten im Gegensatz zum Wetzen zwar. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich es praktisch mit dem Feinabzug nie "gespürt".

Das ist durch den Abrieb mit dem 3000er Ioxio und dem Sieger anders.

Wäre es ratsam, den Ultrafein oder den Original mal zu probieren. Oder sollte ich einfach zufrieden sein. Mir geht es um optimale Gebrauchsschärfe. Mehr würde ich sicher eh nicht hinbekommen.
 

Rock'n'Roll

Premium Mitglied
Beim Schärfen mit einem Keramikstab / Sinterrubin muß man sich darüber im Klaren sein, daß die Auflagefläche der Klinge sehr gering und der dadurch ausgeübte Druck groß ist. Man trägt also schon dadurch relativ viel Material ab. Je nach Stahl reißt die Klinge gegebenenfalls regelrecht auf, was zu einer Mikrosäge führt. Hier ein Beispiel an einem Small Regular Sebenza S30V:

Bild 01 Abzug Sieger Longlife = 10 Micron
Bild 02 Abzug Micro Mesh 2.400 = 12,5 Micron

Wie man unter dem Mikroskop sehr deutlich sehen kann, wirken beim Sieger trotz feinerer Körnung vergleichsweise erhebliche „Zerstörungskräfte“. Es ist bei dessen Gebrauch zu empfehlen, keinerlei Druck auf die Klinge auszuüben.

01 Sebenza S30V Sieger Longlife.jpg02 Sebenza S30V Micro Mesh 2.400.jpg

R’n‘R
 

Turmfunk

Mitglied
Danke. Das ist natürlich total hilfreich, das so direkt "vor die Augen" geführt zu bekommen. Werde mal noch stärker darauf achten, beim Abziehen wirklich nur das Eigengewicht des Messers wirken zu lassen.

Aber das bestärkt mich auch in der Überlegung, ob ich nicht dem "Origin" zum Zwischendurch-Abzuehen doch mal einen Versuch geben sollte. Der, bei dem der Keramik keine extra Körnung zugeführt wurde.

Der J4200 würde sicher wirklich nicht groß anders sein im Vergleich zum vorhandenen J3000, wenn ich mir die Bilder oben ansehe.
 

Turmfunk

Mitglied
Ich habe mir die Stäbe von Ioxio einmal zuschicken lassen. Wirklich Sinn macht meinerseits nur der "Origin", der laut Hersteller ja ohne zugesetzte Körnung sein soll und über dem "Ultrafein" von 4500JIS liegen soll. Aber selbst bei dem "Origin" ist noch ein deutlicher Abrieb zu bemerken. Die anderen drei habe ich nicht ausprobiert, um sie zurückgeben zu können.

Interessanterweise fühlen sich alle vier von Ioxio aber deutlich rauer an als mein schon etwas älterer Sieger. Ginge ich nur davon aus, würde ich entweder annehmen müssen, dass die Angaben von Ioxio nicht stimmen oder dass der Sieger doch feiner als diese 1500 JIS sein muss. Aber die gefühlte Glätte ist sicher nicht relevant und fühlt sich bei dem Sinterrubin vermutlich einfach anders an?

Auch erscheint mir der Sinterrubin langlebiger als die von Ioxio. Wir hatten ja schon einmal einen Ioxio mit 3000JIS im Einsatz, und der ist im Vergleich mit dem neuen jetzt deutlich abgeschliffener. Die Keramik von Ioxio erinnert da vom Verhalten ein wenig an einen Diamant-Schleifstein.

Im Moment experimentiere ich jetzt für Zwischendurch mit dem Sieger, dem Ioxio-Origin und einem ganz glatten Feinzug Metzgerstahl von Wüsthof. Der Feinzug nimmt die verbliebene Bissigkeit am Ende und feine Sachen schneiden sich dann besser.

Aber am Ende stelle ich mir wahrscheinlich dann doch wieder den Ultrafein Stein von Spyderco griffbereit in die Küche, um die Messer beim Gebrauch zu warten.
 

Rock'n'Roll

Premium Mitglied
Was die Körnung des Sieger Longlife angeht - ich hatte vor einiger Zeit ein ausführliches Telefongespräch mit dem verantwortlichen Ingenieur der Firma Friatec, Hersteller und Marktführer von Aluminiumoxid. Friatec stellt das Zeugs her unter der internen Bezeichnung „Degussit DD57“. Der Sieger Longlife entspricht laut Aussage des Ingenieurs mittelfein = 10 Micron.

Was die Langlebigkeit anbetrifft: Nach jahrelangem häufigem Einsatz ist bei meinem Sieger nicht die geringste Spur von Verschleiß feststellbar.

R’n‘R
 

Turmfunk

Mitglied
Ich habe in einem älteren Forum gelesen, dass Du auch andere Sachen aus Sinterrubin ausprobieren wolltest? Ging wohl um Ersatz für den Sharpmaker. Aber ich habe irgendwie das Ergebnis des Tests nicht gefunden.

Ich hatte vor dem Kauf meiner Spyderco Banksteine (m und uf) auch mal mit Banksteinen aus Sinterrubin geliebäugelt, die aber nicht nur als teuer, sondern vor allem als sehr klein empfunden.

Hast Du mit sowas abgesehen vom Sieger Erfahrungen gemacht?

https://www.hoffmann-group.com/DE/d...k-Abziehbankstein-mittel-(M)/p/558980?tId=341

https://www.hoffmann-group.com/DE/d...mik-Abziehbankstein-fein-(F)/p/558985?tId=341
 

Rock'n'Roll

Premium Mitglied
Ich hatte mal vor, mir für den Sharpmaker zwei Dreikantfeilen 120 x 13 mm mittelfein zu besorgen, habe es dann aber doch nicht in die Tat umgesetzt, da ich so gut wie nur noch (mit sehr befriedigenden Ergebnissen) auf Schleifleinen abziehe.

Den Sieger nutze ich für Härtefälle oder kleine Ausbrüche. Den Sharpmaker brauche ich überhaupt nicht mehr. Als Banksteine habe ich Shapton Glasstones, die ich zum Umschleifen von Klingen benutze. Sinter-Banksteine hatte ich noch keine.

Der erste von Dir verlinkte Sinter-Bankstein von Friatec sollte exakt dem Sieger entsprechen (mittelfein = 10 Micron).

R’n‘R
 

Mr.Hw35

Mitglied
Hallo,

zum Thema Banksteine aus Degussit/Sinerrubin: Ich hab seit lägerem einen etwa 15x2x0,5cm kleinen Sinterrubin chinesischer Herkunft als festen Bestandteil meines "Schreibtischequippments"- so als kurzen Touch Up für Taschenmesser und kleine Edc- Fixed, um wieder eine bissige Schärfe zu erreichen. Funktioniert trotz der Größe hervorragend! Wurde als 3000er vermarktet, würde ihn aber auch eher in den Bereich des Sieger Longlife einordnen. Hat damals keine 4€ mit Versand gekostet, und der Händler hatte auch größere Banksteine für Küchenmesser im Angebot.
Bis auf ein paar Abstoßungen an den Kanten kam das Teil sogar am Stück bei mir an, ein großer Bankstein war mir aus dem Grund damals zu riskant. Wurde als Ruby 3000 oder so ähnlich auf den einschlägigen Webseiten feilgeboten.


Lg
 

recurveman

Mitglied
Die beiden genannten Steine von Hoffmann haben wir hier im Unternehmen in dem ich arbeite.
Ursprünglich wollten wir damit nitrierte Bauteile (1300HV) leicht beiarbeiten, dafür sind sie nicht wirklich geeignet, der Abtrag ist einfach zu gering. Verschleiß ist an den Steinen aber nicht zu erkennen, lediglich die Verfärbungen der Steine kriegt man nicht mehr weg...
Für Messer ist das Material der Steine wirklich sehr geil, allerdings sind die Steine schon grenzwertig klein wenn die Klingen etwas länger wird.
 

karl zeitler

Mitglied
hab auch den Sieger Longlife. Meine Erfahrung mit SB1, N690 und RWL ist enttäuschend. Wenn ich Küchenmesser aus diesen Stählen nachschärfe mit dem Stab sind sie danach deutlich stuumpfer als mit dem 500er glasstone geschärft. Für mich heisst das, dass sie stumpfer sind als vor dem schärfen. Arbeitsschärfe ist bei mir nach Behandlung mit dem 2000er glasstone.
Natürlich schärfe ich mit dem Sieger ohne jeglichen Druck.
Bei rostenden, AEb-L und Sanviks ist die Schneide nach dem Sieger schon gebrauchsfähig. Aber das Ergebnis lässt sich auch mit einem feinem Sensenwetzstein erreichen.
Für beide Stahlkategorien ist meiner Ansicht nach dem Sieger die Schneide ruiniert. Armhaare nicht denkbar, nach der 3. Tomate oder Paprika sind die Zähne
schon wieder weg und wenn du dann weitermachst mit schärfen sieht deine Klinge bald aus wie ein Metzgermesser.
Also nichts für feine Schneiden!
 

Rock'n'Roll

Premium Mitglied
Meine Erfahrung mit SB1, N690 und RWL ist enttäuschend.
Für beide Stahlkategorien ist meiner Ansicht nach dem Sieger die Schneide ruiniert. Armhaare nicht denkbar …
Also nichts für feine Schneiden!

Es ist kein Problem, mit dem Sieger jedweden Stahl rasurscharf zu bekommen, sei es AEB-L, SB1, S30V, S110V, 3V, 4V etc.

Je nach Härte des Stahls /der Karbide muß man den Druck beim Schärfen anpassen. Bei SB1 beispielsweise führt ein Schärfen mit dem Sieger ohne Druck zu keinem brauchbaren Ergebnis. Druck andererseits führt aber auch nicht zu einer ruinierten Schneide.

Ich habe als Beispiel hier gerade mal mein Schanz Mini Santoku Slim SB1 mit ordentlichem Druck auf dem Sinter abgezogen. Die Schneidfase sieht unter dem USB-Mikroskop sauber aus. Die Haare fliegen …

01 DSC07914.jpg02 Schanz Mini Santoku Slim SB1.jpg03 Schanz Mini Santoku Slim SB1.jpg04 DSC07918.jpg

Feinste geschlossene Schneiden sehen anders aus, aber der Sinter liefert - bei relativ starkem Materialabtrag - eine gute Arbeitsschärfe. Bei Küchenmessern ist der Sinter nicht meine erste Wahl. Bei dem einen oder anderen Jagd-/Taschen-Messer (Para Military 2 S110V z.B.) aber ist mir der leichte Sägecharakter willkommen.

R’n‘R
 

mico

Mitglied
Hallo liebe Messerfreunde,

wenn Ihr einen Abziehstab für feine Schneiden sucht, dann kann ich euch einen Keramik-Abziehstab empfehlen - hier im Forum auch als "Riesenprügel" bekannt -, den beispielsweise auch Jürgen Schanz in seinem Shop günstig anbietet:

https://www.schanz-shop.de/de/messermacherbedarf/werkstattbedarf/schaerfgeraete/keramikschleifsets-steine-normal/mega-keramik-abziehstab.html

Dieser Keramik-Abziehstab hat diese Vorteile:

1. Er hat einen großen Durchmesser (25mm) und übt weniger punktuellen Druck auf die Schneide aus als ein Abziehstab mit kleinerem Durchmesser.

2. Durch den großen Durchmesser bietet er auch eine große Schleiffläche, die man nach und nach lange nutzen kann (kleine Drehungen beim Abziehen), bis sie sich zugesetzt hat.

3. Er lässt sich auf verschiedene Körnungen dressieren. Ich habe ihn für meine Zwecke mittels billiger Diamantschleifplatte feiner geschliffen. Sicherlich kann man ihn auch gröber schleifen.

Viele Grüße
Mico
 

karl zeitler

Mitglied
Wie man unter dem Mikroskop sehr deutlich sehen kann, wirken beim Sieger trotz feinerer Körnung vergleichsweise erhebliche „Zerstörungskräfte“. Es ist bei dessen Gebrauch zu empfehlen, keinerlei Druck auf die Klinge auszuüben.
 

Rock'n'Roll

Premium Mitglied
Rasurscharfer Stahl sieht aus der Nähe betrachtet nicht immer gleich aus. Die "Säge" des S30V im ersten Beispiel rasiert genauso Armhaare wie die SB1-Klinge im zweiten Beispiel. Eine Zerstörung der Klinge findet in keinem der Beispiele statt. Es ist immerhin eine 200fache Vergrößerung der Schneidenspitze. Ich hatte "Zerstörungskräfte" bewußt in Anführungszeichen gesetzt.

Die Reihe der oben von mir aufgezählten Stähle, die ich mit dem Sieger rasurscharf bekomme, kann ich gerne noch um diverse andere erweitern, wie O1, A2, D2, 1.2442, 1.2552, Elmax usw.

Je nach Sprödigkeit des Stahls und ausgeübtem Druck sieht die Schneide unter dem Mikro halt anders aus ...

R'n'R
 
Zuletzt bearbeitet:

Bukowski

Mitglied
"Rasurscharf" ist auch manchmal eine vieldeutige Begrifflichkeit. Armhaare entfernen geht locker mit Körnungen unter 1000 JIS und ist mit den meisten Schleifmedien und Stählen keine große Hürde, auch wenn die Schneidkante danach weit davon entfernt ist "geschlossen" zu sein und unter dem Mikroskop aussieht wie eine Miniaturberglandschaft. Eine angenehme Gesichtsrasur ist deswegen aber noch lange nicht möglich.

Soein Sinter ist gut wenn es schnell gehen soll/muss aber Zuhause setze ich lieber einen sauberen Schliff an, wenn es sein muss oder erhalte ansonsten die Schärfe mit feineren, weniger abrasiven Stäben/Stählen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Oben