Schärfen - erste Erfolge & erster Frust

Quimby79

Mitglied
Hallo, komme ich nach langem Mitlesen auch mal zu meinem ersten Posting... :)

Ich bin gerade dabei, mir als Autodidakt das Messer-Schärfen auf Banksteinen aufzuschaffen. Habe hier ein paar Jagdmesser, die es dringend nötig hätten und habe keine Lust mehr, sie immer wegzugeben.
Habe mir im Waffengeschäft eine Beratung angedeihen lassen und verfüge nunmehr über einen gröberen Korundstein um Scharten auszuwetzen, sowie über einen Stein aus Silicium Carbid, für das eigentliche Schärfen.
Um nicht meine guten Messer zu verhunzen, habe ich zum üben erstmal ein altes Solinger Fleischmesser genommen, das schon seit Jahren total stumpf in der Schublade gelegen hatte. Das Ergebnis ist zwar nicht schön, da ich am Anfang durch Ungeschicklichkeiten viele Kratzer auf die Seiten gemacht habe und auch anfangs Probleme hatte, den Winkel zu halten, aber für meine Begriffe ausgesprochen scharf. Es flutscht nicht nur durch hochgehaltene einzelne Blätter, sondern auch ohne Mühe durch Klopapierrollen und zusammengerollte Illustrierte. Bin darüber so verblüfft, dass meine Altpapierkiste schon ausschaut wie ein Konfettihaufen... :lechz:

Als zweites "Opfer" hatte ich mir dann ein Backlock-Klappmesser ausgeguckt, das ich für ein paar Euro im Baumarkt erstanden hatte.
Meine Logik war wie folgt: Einfacher, weicherer Stahl ---> Schärfe ist zwar nicht beständig, aber leicht herzustellen.
Leider scheint das aber ein Trugschluss gewesen zu sein.(?) :confused:
Es sieht zwar besser aus als das erste Messer und hat eine nunmehr halbwegs sauber geschliffene Fase, aber scharf wird das Ding zum verrecken nicht. Mitlerweile habe ich so lange daran rumgefuhrwerkt, dass die ursprüngliche Hechtklinge ausschaut wie eine Clip-Point... :irre:
Habe ich meine bescheidenen Schärfkünste so sehr überschätzt, oder gibt es so minderwertige Stähle, die wirklich GARNICHT scharf werden?
 

weedpeet

Mitglied
Was nicht fehlen darf ist Leder mit Polierpaste. Findest du eine Menge mit der SuFu. Damit kannst du sehr schnell den Grat entfernen, der eine gute Schärfe verhindert.

Alle wichtigen Tips und Tricks zum Schärfen findest du auf Leo's Seite.

www.messer-machen.de inklusive Kaufempfehlungen, Tests, etc pp.

Einfach mal in Ruhe alles durchgehen und schon bist du schlauer. ;)

Generell kann man mit der richtigen Technik jedes noch so billige Messer halbwegs scharf bekommen. Die Frage ist dann nur, wie lange die Schärfe anhält. Wenn du noch Fragen hast, kannste mir auch eine PM schicken.:cool:

Gruß

weedpeet
 

Quimby79

Mitglied
Also Leder und Polierpaste habe ich schon angetestet. Hat leider gar keinen zusätzlichen Effekt gehabt. :(

Na ja, und Leos Seite kenne ich natürlich auch schon, nachdem ich hier ja schon länger mitlese.

Hm, muss ich wohl noch mal einen Versuch starten. :(
 

mico

Mitglied
Für die Schärfe gibt es zwei Kriterien:

1. Die Schneidenflanken müssen sich an der Schneide treffen. Die Dicke der Berührungslinie hängt von der Tiefe der Schleifriefen ab. Man kann also nur mit einem sehr feinen Schleifmittel geschlossene rasiermesserscharfe Schneiden herstellen.

2. Die Geometrie des Klingenquerschnitts bestimmt die Kraft, die für eine bestimmte Eindringtiefe des Messers in das Schneidgut aufgewendet werden muss. Ist die Klinge zu dick, kann sie stumpf erscheinen, obwohl sie Armhaare rasiert.

Eventuelles Problem bei Deinem Messer:

Es könnte sein, dass Du mit zuviel Druck geschliffen hast, so dass sich ein einseitiger Grat aufgeworfen hat. Die Wate zeigt also nicht mehr nach unten, sondern zur Seite. Sehen kannst Du das, indem Du die Schneide unter einer guten Lichtquelle begutachtest und auf Reflexionen achtest. Dabei fallen alle Unregelmäßigkeiten auf. Zum Beispiel wo die Schneide hell reflektiert, ist sie platt und stumpf.


Viel Erfolg
mico
 

Querzulap

Mitglied
Hey.... habe auch schon die Erfahrung gemacht dass Manche Messer einfach nicht wollen.
Meist läuft es drauf raus dass du dann den Winkel falsch gewählt hast.
Solange keine Scharten oder ausbrüche drin sind versuche ich es zuerst mit meinen Arkansas Fein und Superfein zu regeln. Parallel zu Klinge anlegen (Fase nach oben) an die Fase anlegen, und an dem Punkt, an dem der Stein als allererstes die alleroberste Spitze der Schenidfase berührt hast du den Winkel der vorher draufwar (sehr Allgemein Formuliert). Da kann eigentlich nicht sehr viel schiefgehen mit dem Winkel. evtl kannst du nochn bissl gröberen Winkel wählen, um die Seite der Klinge nicht zu massakrieren.Allerdings pass dabei auf,da sehr leicht dann der Fasenwinkel total im eimer ist.

Allerdings schleife ich frei,also Messer in der einen Hand,Schleifstein in der anderen.
Wenn du nen Stehenden Stein hast,z.b. aufm Tisch Montiert,dann musst du dir das ganze halt in der passenden Ebene vorstellen :irre:
und evtl mal aufn Knien rumrutschen um die Winkel zu sehen.
 
Hi Quimby :)

Das Problem mit dem billigen Baumarkttaschenmesser könnte unzter Umständen sein, dass Du so ein billiges Chinaprodukt hast.
Die verkaufen die Messer für 5-10 Euro, der Stahl ist einfach nur zum verzweifeln.

Die Aussage, man bekommt jedes messer wieder richtig scharf, will ich hier mal etwas dementieren.
Die billigen Klappmesser (Baumarkt für Handwerker) kriegt man nicht richtig scharf (ok, bei 420er schon ;) ).
Ebenso bekommt man diese tollen Damastmesser mit "Made in Solingen, Germany" aus den Supermärkten nicht wieder richtig scharf...versucht man es vorsichtig, gibts plötzlich Ausbrüche an der Klinge oder ähnliches.

Als Gegenbeispiel gibt es auch günstige Jagdmesser (z.B. Linder), auch Made in China o.ä., aber 440 A-Stahl, die bekommt man richtig schön scharf, sind nur recht weich :)


VG, Jörg
 

Quimby79

Mitglied
Ja, das war vermutlich echt ne Schnapsidee von mir. Hab das Ding ja extra zur Übung gekauft...
2 Euro, Marke "Budget". :glgl:

Am Anfang habe ich definitiv mit zu viel Druck gearbeitet, mitlerweile allerdings habe ich mehr und mehr das Gefühl, dass ich den Bogen langsam raus habe. Die Schneide sieht optisch eigentlich wirklich gut aus. Scharf ist sie trotzdem nicht.
 
Ja, das war vermutlich echt ne Schnapsidee von mir. Hab das Ding ja extra zur Übung gekauft...
2 Euro, Marke "Budget". :glgl:

Am Anfang habe ich definitiv mit zu viel Druck gearbeitet, mitlerweile allerdings habe ich mehr und mehr das Gefühl, dass ich den Bogen langsam raus habe. Die Schneide sieht optisch eigentlich wirklich gut aus. Scharf ist sie trotzdem nicht.

Ich kenne die Budget-Dinger.

Hab selbst für einen Arbeitskollegen so ein tolles Messer nachgeschärft.

Kann man prima jemanden mit erschlagen oder totschmeißen, nur zum Schneiden und Stechen lohnt sichs net :steirer:

Da sind die 440A-Sachen wesentlich besser.

Hab mal ein Smith and Wesson (China, angeblich 440C!) nachgeschärft...wurde alles, aber nicht scharf.
Eickhorn dagegen benutzt für seine Günstigserien 440A, die krieg ich gut nachgeschliffen:)


VG, Jörg
 

mico

Mitglied
Ich zweifle an, dass es einen Stahl gibt, den man nicht scharf bekommt.
Früher machte man Messer aus Bronze, die wohl weicher als Stahl ist und trotzdem schneidet. Mit scharf meine ich, dass man damit ruckelfrei Zeitungspapier schneiden kann.
Es gibt aber einige rostträge Stähle, die beim Schleifen gerne einen Grat erzeugen, der so instabil ist, dass er sich sofort beim Schneiden umlegt. Den kriegt man nur weg, wenn man das Messer mit einem deutlich stumpferen Winkel abzieht oder immer schön gegen die Schneide schleift unter ständigem Wechsel der Seite.
 
Ich zweifle an, dass es einen Stahl gibt, den man nicht scharf bekommt.
Früher machte man Messer aus Bronze, die wohl weicher als Stahl ist und trotzdem schneidet. Mit scharf meine ich, dass man damit ruckelfrei Zeitungspapier schneiden kann.
Es gibt aber einige rostträge Stähle, die beim Schleifen gerne einen Grat erzeugen, der so instabil ist, dass er sich sofort beim Schneiden umlegt. Den kriegt man nur weg, wenn man das Messer mit einem deutlich stumpferen Winkel abzieht oder immer schön gegen die Schneide schleift unter ständigem Wechsel der Seite.

Hi Mico.

Prinzipiell gebe ich Dir Recht, aber bei den von mir erwähnten Chinadingern ging es eben nicht um normale Stähle, sondern irgend etwas (nur nichts gebrauchstüchtiges), dass ich sowohl auf 20 als auch auf 25 Grad geschliffen und abgezogen habe...wie gesagt, wir hatten 2 fast baugleiche Klingen...ein S&W und ein Eickhorn (Colt-Serie mit 440A).

Das Eickhorn bekomme ich super scharf, das S&W auf egal welchem Winkel nicht rasierscharf.
Der Stahl bei dem S&W-Modell ist alles andere als feinkörnig und auch nicht sonderlich zäh, einfach nur böse...da lohnt sich das Schärfen gar nicht ;-)

LG, Jörg
 

mico

Mitglied
Ja, diese Stähle kenne ich auch. Da zweifelt man an sich selbst. Für ein Werkzeug eignen die sich dann leider gar nicht! Und dann gibt es Stähle, die werden fast automatisch scharf, wenn man die an etwas reibt ;o)

Als Kind habe ich Messer aus Holz geschnitzt und im Feuer gehärtet :hehe:
 
Holzmesser im Feuer gehärtet wär noch was für ein Custom ;)


Ja, ich fange an, diese weicheren Stähle richtig zu lieben :)




@Quimby...wenn Du das Schärfen üben willst, hol Dir einfach das eine oder andere Messerchen aus 440er Stahl (A) bzw. 420er (so für 10 Euro)...sind zum Üben ideal, nehmen nichts krumm und kannst Du als "Werkzeug für üble Aufgaben" immer noch benutzen :)
Wenn Du mal was feineres schärfen willst, hol Dir für 13 Euro ein Mora mit Carbonstahl, wird superscharf in fast jedem Winkel und schneidet wie Hölle, ist dazu noch recht weich (der Stahl) und kostet nicht viel...ich nehm meins für Lederarbeiten und co.


VG, Jörg
 

Leonardo75

Mitglied
Wenn sich manche Grate gar nicht mit Leder und Polierpaste entfernen lassen. Mache mal folgendes:

1. Messer schleifen bis Gratbildung bis zur feinsten Körnung auf Deinen Steinen. => Grat entsteht und wird bei feineren Steinen etwas reduziert

2. Abziehen auf Lederriemen und vernünftiger Polierpaste (aber nur kurz, maximal 3 mal pro Seite) => Grat wird weiter reduziert, ist aber so weich, dass er sich teilweise nur hin und her biegt

3. Zieh das Messer 3 bis 4 mal mit mäßigem Druck durch ein härteres Stück Holz in verschiedenen Richtungen zum Holzfaserverlauf. => der hin- und hergebogene Grat bleibt im Holz größtenteils hängen

4. Dann nochmal kurz mit leichtem Druck auf den Abziehriemen mit der Polierpaste. => die letzten Gratrest werden entfernt


Das hat mir bei manchen sehr widerspenstigen Messerngraten schonmal geholfen. Aber leider auch nicht jedesmal.