Rostträgheit der Messerstähle

jangs

Mitglied
Hallo Fachleute,
Es gibt ja bekanntlich viele Messerstähle, und deren Zusammensetzung findet man in Tabellen. Auch die Rockwell-Härte der Stähle ist bekannt, so dass mann sich seinen Teil über die Schnitthaltigkeit denken kann.
Doch eine Eigenschaft dieser "rostfreien" Stähle interessiert mich noch besonders, das ist die Rostträgheit. Ist die überhaupt zu messen, oder irgentwie zu vergleichen?
Wie würdet Ihr, nach Daten und Tabellen oder nach Gefühl und Erfahrung, die bekanntesten Stähle klassifizieren?
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PS Raimund: Sollte was brauchbares hier herauskommen, wäre es sicher eine Überschreibung in die FAQ's der Datenbank wert.


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0-) Jang
 

Armin II

Mitglied
Na dann will ich hierzu mal was beitragen.
Habe vor ca. 2 Jahren die Erfahrung gemacht, das sich bei einem Messer (Spectrum / Gigand) auf der sandgestrahlten AUS 6 Klinge leichte Flecken / Spots von Flugrost gebildet haben, und zwar einfach so beim Tragen in der Tasche, also ohne dass mit dem Messer etwas geschnitten wurde, das agressiv gegenüber dem Klingenmaterial hätte wirken können.
 

jangs

Mitglied
Heh Leute
Was ist los, war die Frage zu schwer?
Muss ich denn nun mein Starmate regelmäßig ölen, oder nicht?
Ist ATS34 weniger rostanfallig als 440C, oder ist ein CPM-Stahl die Lösung. Hat noch keiner darüber eine Doktorarbeit geschrieben?
Und persönliche Erfahrungen hat auch keiner gemacht?
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0-) Jang
 

bladeshop

Mitglied
Ja ich hatte gerade eine Reklamation von einem Bob Lum. Die Klinge war mit Rostflecken übersäht, trotz Pflege mit Tuf Cloth übrigens. Das die sandgestrahlten CRKT´s schnell rosten ist bekannt. Aber bei einem Spydie der Preisklasse hatte ich das noch nicht.

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www.edle-messer.de
 

Andreas

Mitglied
Hallo Jangs,
mein Starmate zeigt seit 1,5 Jahren keine "Rostanfälle" trotz heftiger Benutzung auch in "wässriger" Umgebung. Salzwassertauglichkeit habe ich noch nicht getestet.


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Andreas
Messerforum.net Co-Administrator
 

Vogel75

Premium Mitglied
Ich schätze, diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn die Rostträgheit liegt nicht nur an der verwendeten Stahlsorte, sondern z.B. auch an der Oberflächenbeschaffenheit: Wenn die Klinge spiegelpoliert ist dürfte sie weniger rostanfällig sein wie etwa eine rauhe gestrahlte Oberfläche!

CPM-Stähle sind auch wieder besonders zu beurteilen, da hier ja in der Zusammensetzung der Legierung sehr getrickst werden kann.

Die Frage wäre aber eine interessante Anregung für z.B. das Messermagazin: Gleichwertig verarbeitete Messer unterschiedlicher Stahlsorten mit Spiegelpolitur nehmen und etwas "mißhandeln" mit Salzwasser und ähnlichen Gemeinheiten und dann mal schauen, was dabei rauskommt. Ich werd´s mit meinen Teilen jedenfalls nicht machen, obwohl ich die unterschiedlichsten Stähle hierliegen hab. Wo krieg ich sonst neue her, wenn´s schiefgeht?
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Sascha

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Forum Waffenrecht-Mitglied Nr. 5922 www.fwr.de
 

Vogel75

Premium Mitglied
Im übrigen fällt mir ein: Einfach mal im Visier Spezial Messer 2 nachschauen, da sind die bekanntesten Stähle aufgelistet auch nach der Kategorie rostträge, nicht rostfrei und CPM.

Gruß Sascha

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Forum Waffenrecht-Mitglied Nr. 5922 www.fwr.de
 

jangs

Mitglied
<BLOCKQUOTE><font size="1" face="Verdana, Arial">Zitat:</font><HR>Original erstellt von Vogel75:

Gleichwertig verarbeitete Messer unterschiedlicher Stahlsorten mit Spiegelpolitur nehmen und etwas "mißhandeln" mit Salzwasser und ähnlichen Gemeinheiten und dann mal schauen, was dabei rauskommt.

[/quote]

Eine solchen "Test" mit festehenden Survival-knives kannst Du bei Mission-knives unter http://www.missionknives.com/articles/CorrTest/index.html bewundern.
Rate mal welches Messer gewonnen hat
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.

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0-) Jang
 

Helmut

Mitglied
Es gibt noch einen Test, den die Firma Böker in einer Beilage zum Magnum-Katalog August 2000 vorstellt. Ausgangspunkt: welcher Stahl ist in Bezug auf Korrosionsanfälligkeit (Meerwasser, agressive Reinigungsmittel) eine Alternative zum teuren Titan? Die Materialprüfungsanstalt Remscheid hat Klingen aus X-15 T.N von Aubert & Duval sowie aus 440-C und ATS-34 getestet. Die Fotos mit dem Ergebnis sind eindeutig: X-15 T.N. zeigt in einer Detailaufnahme allenfalls geringe Korrosionspuren. Die Klingen aus 440-C und us ATS-34 sind dagegen ziemlich Schrott!
Ob die Aussagen von Böker über die Härte von X-15 T.N. zutreffen, kann ich nicht beurteilen. Ich habe keine Ahnung, ob tatsächlich die Härte aufgrund der Karbidstruktur höher liegen kann als die 58°HRC - wer kann darüber etwas sagen?
Ich habe jedenfalls ein Böker Gemini aus X-15 T.N., das ich wie ein ganz normales Taschenmesser mit mir herumschleppe und mit dem ich ganz zufrieden bin. Ich stresse mein Messer allerdings auch nicht besonders: kein tropisches Salzwasser, keine medizinische Spülmaschine - nur schneiden und schnitzen, was so anfällt. Kein Rost bisher (woher auch?). Nur scheint die Verarbeitung des Griffs etwas hinter der Qualität der Klinge herzuhinken. Der Liner ist etwas schlapp (spinewhack-Test: durchgefallen). Was solls bei dem Preis. Und das wichtigste ist doch die Klinge, und ich passe halt im Einsatz entsprechend auf.

H.
 

Vogel75

Premium Mitglied
Hi Jangs,
da wird doch wohl nicht die Konkurrenz von MadDog die Nase vor Mission gehabt haben ???
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Sascha

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Forum Waffenrecht-Mitglied Nr. 5922 www.fwr.de
 

Aviator

Mitglied
Hi Jangs,
früher stand für mich immer die Rostträgheit immer Vordergrund, doch das empfinde ich heute eher als sekundär!
Rost kann man durch polieren und säübern seines Messers vermeiden.
Härte und Schnitthaltigkeit sind daher viel wichtiger als Kriterium für einen Stahl. Außerdem darf man nicht vergessen das ein hoher Chrom Anteil, der ja bekanntlich für Rostträgheit sorgt, spröde macht.
Falls du jedoch einen besonders rostträgen Stahl suchst, dann kann ich den XT 15 N empfehlen, da dieser nicht durch den Chromanteil sondern durch den zugeführten Stickstoff stark rostträge ist.

AVIATOR
 

roman

MF Ehrenmitglied
Grundsätzich ist zum thema Messer und Korrosion in der Datenbank Literaturliste einiges zu finden.
Die wichtigen komponenten sind Legierungszusammensetzung und Wärmebehandlung
Man braucht nach der WB 11,8% Chrom gelößt in der Grundmasse um rostbeständigkeit zu bekommen. ein spritzer Molybdän verbessert dabei die lochfraßbeständigkeit und Stickstoff ist allgemein gut da es nichtmetallische Phasen bildet daher ist der XT 15N auch recht gut bei der korrosionsbeständigkeit. das pondon zu diesem stahl stellt übrigens VSG in Essen her Cronidur 20 und 30 dher gutes zeug.
 

Schleifalot

Mitglied
Hallo miteinander.
Bei der Frage nach der Rostbeständigkeit kommt es nicht nur auf den Stahl, sondern auch auf den Gebrauch und die Materialkombination an.
Wenn man ein "edleres " und ein nicht so edles Metall verbindet, wird das "unedlere" korrodiert. Das Kann man aus der Spannungsreihe ablesen.
Bei rostträgem Stahl bildet das freie Chrom eine Oxidschicht auf der Oberfläche, die den Stahl vor Rost schützt. Bildet sich trotzdem Rost, dann ist
1. das Chrom nicht homogen verteilt, oder
2. die Chromoxidschicht abgewetzt
Letzten Sommer hatte ich einen Folder mit CPMT440V Klinge beim Kanufahren 3 Wochen lang in der Hosentasche. Hinterher war eine Roststelle zu sehen. Nach dem reinigen war es sogar eine Macke (Lochfraß). Wahrscheinlich hat der Liner etwas an der Klinge gescheuert und dadurch konnte Rost entstehen.
Jedes Material unterliegt der Korrosion, sogar Kunststoffe. Das Klima in der Hosentasche ist durch Feuchtigkeit und Salzen im Schweiß sehr aggressiv.
Keramikklingen sind leider noch zu spröde für vernünftige Messer