Rostträger Stahl und Hamon

cerry

Mitglied
Hallo zusammen.

Wie der Titel schon sagt bin ich auf der Suche ,
nach einem Rostträgen Klingenstahl auf welchen ich
einen Hamon zaubern kann.
Habe sufu benutzt aber nix gefunden.

Hoffe ihr könnt mir helfen.

Alex
 

AchimW

Mitglied
Frag' Dich mal, warum Du nichts gefunden hast.

Rostträge ist gleichbedeutend mit großen Mengen Chrom im Stahl. Viel Chrom in der Legierung bedeutet wiederum Herabsetzung der kritischen Abkühlgeschwindigkeit und damit mindestens Ölhärtbarkeit, bei den für Klingen verwendeten Querschnitten hingegen oft Lufthärtbarkeit. Und damit isses nix mit Härtelinien auf rostträgen Stählen.
 

Xerxes

Mitglied
Hi cerry,

bei rostträgen oder rostfreien Stählen wird es sehr schwer eine Härtelinie zu erzeugen. Die Härtelinie entsteht ja dort, wo das gehärtete Gefüge (Martensit) und das nicht gehärtete Gefüge (Perlit) aufeinander treffen.

Meist erzeugt man das, indem man den Rücken der Klinge mit Lehm oder einer vergleichbaren Masse bestreicht. Der Lehm bewirkt dabei zwei Sachen. Erstens erhitzt sich der Stahl unter dem lehm langsamer, so dass die freiliegende Schneide schon auf Härtetemperatur sein kann, während der abgedeckte Teil noch nicht auf Temperatur ist. Zweitens verhindert der Lehm, dass der abgedeckte Stahl beim Abschrecken schnell genug abkühlt, um gehärtet zu werden.

Rostträge und rostfreie Stähle benötigen zum Härten allerdings eine relativ lange Haltezeit auf Härtetemperatur, meist einige Minuten. In dieser Zeit wird auch der Stahl unter dem Lehmmantel auf Härtetemperatur kommen. Außerdem verliert der Stahl durch den hohen Anteil der Legierungselemente seine Umwandlungsfreudigkeit. Das bedeutet, das diese Stähle schon bei wesendlich langsameren Abkühlgeschwindigkeiten härten. Es wird beim Abschrecken also auch der abgedeckte Stahl gehärtet, da die Reduzierung der Abkühlgeschwindigkeit durch den Lehm nicht ausreichend ist um die Härtung zu verhindern.

Theoretisch wäre es allerdings möglich einen rostträgen/rostfreien Stahl differentiell zu härten. Man muss es nur schaffen den Rücken der Klinge so gut zu isolieren, dass dieser während der Haltezeit nicht auf Härtetemperatur kommt. Mit der traditionellen Variante mit Lehm etc. wirst du aber nicht weit kommen...

Eine andere Sache wäre es dann noch, die Härtelinie auf dem Stahl sichbar zu machen. Möglich musste es theoretisch sein, wird aber wohl wesendlich aufwändiger als bei "rostenden" Stählen...

Gruß Jannis
 
Zuletzt bearbeitet:

cerry

Mitglied
Dann erstmal danke für eure Antworten. Muss mein Projekt neu überdenken . Und mal mehr im Forum lesen :)
 

AchimW

Mitglied
Theoretisch wäre es allerdings möglich einen rostträgen/rostfreien Stahl differentiell zu härten. Man muss es nur schaffen den Rücken der Klinge so gut zu isolieren, dass dieser während der Haltezeit nicht auf Härtetemperatur kommt.

Das Problem ist nur, dass er dann eben auch nicht mehr rostfrei wird, weil die Diffusion des Chroms fehlt. Ungehärtete "rostfreie" härtbare Stähle rosten fröhlich vor sich hin.

Also war's wohl auch nix mit der theoretischen Möglichkeit.
 

Xerxes

Mitglied
Das Problem ist nur, dass er dann eben auch nicht mehr rostfrei wird, weil die Diffusion des Chroms fehlt. Ungehärtete "rostfreie" härtbare Stähle rosten fröhlich vor sich hin.

Jep, hast natürlich recht. Wäre mit Sicherheit ziemlich sinnfrei so eine Aktion...

Gruß Jannis
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Warum willst Du einen "Hamon auf einen rostträgen Stahl zaubern" ?.

Ein Hamon im klassischen Sinn entsteht, wo unterschiedliche Gefügezustände-Martensit-Perlit aneinander stoßen.
Härteverfahren, die zu diesen Gefügedifferenzen führen, hat man durchgeführt, um eine harte Schneide mit einem bruchsicheren, zähen (n i c h t e l a s t is c h e n) Klingenkörper zu verbinden.
Ob das technisch die beste Lösung ist, kann bezweifelt werden.

Die durch Feinstschliff oder Ätzung sichtbar zu machende Übergangszone-Hamon- ist also kein Selbstzweck.

Wenn es Dir nur auf die Optik ankommt, kannst Du es machen, wie die meisten kommerziellen Anbieter- mogeln.

Dafür gibt es eine Vielzahl möglicher Techniken.

Hier eine Auswahl:

1. Klinge voll härten, fein schleifen, auspolieren und selektiv ätzen-
a) den corpus abdecken und die Schneide ätzen
b) die Schneide abdecken und den corpus ätzen.

2. Statt des Ätzens kann man unterschiedliche Strukturen auch durch unterschiedliche Schleifbehandlungen vortäuschen, etwa: Klinge insgesamt auspolieren und -wie bei 1.- entweder den corpus oder die Schneide satinieren.

Beide Methoden haben den Vorteil, daß die Klinge die guten mechanischen Eigenschaften angelassenen Martensits über den gesamten Querschnitt aufweist.

3. Hamonähnliche Erscheinungen kann man auch durch dadurch erzeugen, daß man das differentielle Härten quasi umkehrt: Man härtet also nicht nur einen Teil der Klinge, sondern härtet zwar den gesamten Klingencorpus, läßt aber nur einen Teil so hoch an, daß sich beim Schleifen oder Ätzen Gefügeunterschiede aufdecken lassen.
Das funktioniert ohne Probleme und hat den Vorteil, daß es sich bei beiden Zonen um angelassenen Martensit-einmal niedrig, einmal hoch angelassen- handelt. Die mechanischen Eigenschaften sind gut: eine harte Schneide läßt sich so mit einem e l a s t i s c h e n Klingenkörper verbinden.

Ein echter Hamon entsteht auf diese Weise n i c h t, weil hier nicht die Gefüge Martensit und Perlit aneinander angrenzen, sondern nur unterschiedlich angelassene Martensitgefüge. Auch die mechanischen Eigenschaften sind gegenüber der klassichen Methode unterschiedlich.

Die Möglichkeiten, die sich aus Variationen des Vorschlags 3 ergeben, sind technisch vorteilhaft, bei den Methoden 1 und 2 ist die Gestaltungsfreiheit größer, bzw. eigentlich unbegrenzt: Nach diesen Methoden könnte man etwa einen "Hamon" in Form ineinander verschlungener Fragezeichen oder einer Reihe Osterhasen gestalten.

O h n e Mogeln wird das bei korrosionsbeständigen Stählen schwierig werden. Die Gründe haben Achim und Jannis dargelegt.
Am ehesten könnte noch eine Abdeckung wirken, die ein Aufheizen auf Härtetemperatur verhindert. Ein scharfer Übergang der Zonen ist da aber nicht zu machen.

W e n n es gelänge, sauber voneinander getrennte gehärtete und nicht gehärtete Zonen zu erzeugen, wäre es allerdings kein Problem, das sichtbar zu machen: ungehärteter korrosionsbeständiger Stahl rostet aus den vielfach dargelegten Gründen und würde sich sowohl beim Schleifen wie auch beim Anätzen gegenüber der gehärteten Schneide abheben.

Warum aber sollte man so etwas machen ???.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 

cerry

Mitglied
Warum man das machen sollte?

bevor ich die Erklärungen gelesen habe, dachte ich mir,
baue ich ein rosträges Küchenmesser mit Hamon rein wegen der Optik.
Gut jetzt sind einige Wissenslücken geschlossen.
Es bringt ja nix ein "HALBES" rosträges Messer zu bauen,
selbst wenn man es hinbekommen sollte.

Danke nochmal für eure Erklärungen

Alex
 

AchimW

Mitglied
Na wenn es nur wegen der Optik ist, dann mach es doch so, wie Ulrich vorgeschlagen hat: Pseudo-Hamon einätzen, einschleifen oder strahlen.