Rostträger Stahl gesucht für eher dünn ausgeschliffene Jagdmesserklinge

xtorsten

Premium Mitglied
Guten morgen zusammen,

Nachdem ich nun schon einige Themen etwas gekapert habe (was nicht wirklich gut ist und dann zuviel OT werden würde), mache ich hier mal ein neues Thema auf.

Ich weiß, dass das Thema Stahl für Jagdmesser nun ja ein uralter Hut ist - und die Tendenz sehr in Richtung hoch karbidhaltiger Stähle geht. Gerade auch, da bei dem größtenteils weichen 'Schnittgut' - sprich Fleisch - keine wirklich feinen Geometrien erforderlich sind. Wäre da nicht auch die Naht am Brustbein, also massiv Knochenkontakt, die definitiv durchtrennt werden muss.
Hier hat sich bei mir die Erfahrung eingestellt, dass fein ballig ausgeschliffene Klingen eine sehr gute Figur machen und daher möchte ich gerne den Weg weiter verfolgen. Bisher mit nicht rostträgen Stählen, aber für einen Jagdkollegen (und auch weil es mich interessiert) will ich gerne im Bereich rostträger Stähle weiter machen.

Ich habe erfahren, dass z.B. D2 nicht dafür geeignet ist. Hier habe ich bei identischer Geometrie zu meinem Messer aus 1.2842 deutliche Beschädigungen an der Schneide. Also muss was her mit weniger Karbid bzw. mit kleineren und homogener verteilten Teilchen.
Nach meinen bisherigen Überlegungen bewegt sich das Spektrum von AEB-L, 14C28, über Niolox (SB1+), Becut bis hin zu S30 (90)V oder aber Böhlers M390.
Ziel ist natürlich, so viel als möglich Karbid für die Verschleißfestigkeit zu haben - bei gleichzeitig genügender Zähigkeit für die harten Arbeiten am Knochen.

Insofern die Frage nach Euren Erfahrungen in dem Bereich.

Etwas konkreter zur Klinge: ca. 9cm lang, maximal 3mm stark am Rücken um die 0,5mm an der Schneidfase; bzw. noch lieber ballig ausgeschliffen an der Schneide bei einem Gesamtwinkel von 35°.
Also natürlich keine Kochmessergeometrie, aber schon deutlich feiner als das, was man oft geliefert bekommt, wenn man ein Messer aus ATS, D2 oder ähnlichem von der Stange nimmt.

Viele Grüße,
Torsten
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Böhlers Vanadis 4E ist zwar nicht wirklich rostträge, liegt aber zumindest auf dem Niveau von D2. Man muß sich also nicht allzu sehr sorgen. Ich habe mit dem Stahl allerbeste Erfahrungen hinsichtlich Stehvermögen und Schneidkantenstabilität gemacht. Einmal in der amerikanischen Version CPM 4V und dann aktuell als Vanadis 4E an meinem Dulo Puukko. In meinem diesbezüglichen Review findest Du alle erforderlichen Informationen zu dem Stahl ...

R'n'R
 

AccuBond

Mitglied
Ich kann hier nur aus eigener Erfahrung den SB1 auf 60HRC empfehlen. Sehr gut schnitthaltig, die Schneide legt sich bei dem Stahl, z.B. bei hartem Kontakt mit Knochen, eher um als auszubrechen.
Lässt sich somit mit ein paar Zügen problemlos wieder aufrichten.

Ich nutze den SB1 auch für Kochmesserklingen.

SB1+ habe ich keine Erfahrung mit.

Grüße

AccuBond
 

xtorsten

Premium Mitglied
Danke Euch beiden schon einmal!

SB1+ sollte sich ja nicht soo viel vom SB1 unterscheiden, denke ich. Denke mal, bei dem Preis für den Stahl auf jeden Fall probieren ;)

R&R: vanadis/ cpm 4 hatte ich unter dem Gesichtspunkt der Schneidfähigkeit/ -Haltigkeit als idealen Kandidaten auch auf dem Plan - aber verworfen, da ich ihn nicht annähernd in die Ecke eines D2 von der Rostträgheit gesteckt. D2 reicht allemal, sicher. Direkter Kontakt mit Feuchtigkeit ist auch kein Problem bei mir - aber längerer Aufenthalt bei etwas Feuchtigkeit in einer Lederscheide z.B.

Egal: wo bekommt man denn den Stahl her (den 4v bzw. V4)?
 

Taperedtang

Premium Mitglied
Etwas konkreter zur Klinge: ca. 9cm lang, maximal 3mm stark am Rücken um die 0,5mm an der Schneidfase; bzw. noch lieber ballig ausgeschliffen an der Schneide bei einem Gesamtwinkel von 35°.
Die von dir beschriebene Schneidengeometrie funktioniert bei einem Jagdmesser sehr gut. Auch die gewählten Abmessungen der Klinge sind für die meisten jagdlichen Anwendungen ideal. Rock`n´Roll hat dir mit dem Vanadis 4 E schon einen sehr guten Vorschlag gemacht. Falls Du dich bezüglich Schnitthaltigkeit, Zähigkeit und Rostträgheit noch weiterbilden möchtest, kann ich dir diesen Beitrag von Rock`n´Roll sehr empfehlen. Du wirst beim Lesen des Threads feststellen, dass es einige Stahlsorten zu entdecken gibt, die deinen Ansprüchen annähernd gerecht werden.
Wäre da nicht auch die Naht am Brustbein, also massiv Knochenkontakt, die definitiv durchtrennt werden muss.
Bei "hartem arbeiten"(hacken, Klinge mit Hilfsmitteln durch Knochen treiben etc...) an Knochen, kann ich dir jetzt schon sagen, dass fast jeder Stahl mehr oder weniger Schaden nehmen wird (zumindest bei der von dir bevorzugten Schneidengeometrie, kann es je nach Zähigkeit des Stahls entweder zu Ausbrüchen kommen oder die Schneide kann sich umlegen). Man könnte aber die Frage stellen, muss ich mit einem Jagdmesser solche Arbeiten zwingend durchführen? Unabhängig davon wird man sich bei einem alten Keiler schwer tun, mit dem Messer das verknöcherte Brustbein zu durchtrennen oder das Schloss zu öffnen. Hierzu gibt es geeignetere Werkzeuge (z. B. Aufbrechsäge). Klar kann man sagen, dass der Profi das alles mit Erfahrung und Technik auch geregelt bekommt, das Risiko einer beschädigten Klinge ist dennoch sehr hoch.

Gruß
Matthias
 

Guido

Mitglied
Es gibt es einen guten Vergleich zur Zähigkeit, Verschleißfetsigkeit und Rostträgheit verschiednener Stähle im Blog von Larrin Thomas, falls du die Seite noch nicht kennen solltest.

Es kommt am Ende halt ganz darauf an, was dir am wichtigsten ist:
korrosionsbeständig + zäh: z.B. 14C28N, LC200N/Z-Finit/Cronidur 30
korrosionsbeständig + verschleißfest: z.B. M390/20CV/204P, S110V
verschleißfest + bedingt korrosionsbeständig: z.B. S90V
verschleißfest + zäh: z.B. CPM 3V, CPM 4V oder CPM M4

Ein neuer Stahl, der alles in sich, als sehr guten Kompromiss vereinigt, ist der CPM MagnaCut, der aber nur schwer zu bekommen sein wird.
CPM MagnaCut - The Next Breakthrough in Knife Steel - Knife Steel Nerds
korrosionsbeständig + zäh + verschleißfest
Aber auch zum CPM MagnaCut gibt es Stähle die in einzelnen Disziplinen besser sind, z.B. bei der Zähigkeit oder der Verschelißfestigkeit.
Siehe Grafiken unten.

LC200N/Cronidur 30 - History and Properties - Knife Steel Nerds
CATRA-5-7-2021.jpg



stainless-toughness-6-25-2021.jpg


CPM-15V and the Lost CPM-20V - How Much Vanadium Can you Add? - Knife Steel Nerds
high-alloy-toughness-5-7-2021.jpg


CPM 10V Steel - History, Properties, and How to Heat Treat - Knife Steel Nerds
low-alloy-toughness-2-14-20.jpg


Corrosion Resistance Testing of Stainless Knife Steels - Knife Steel Nerds
corrosion-rating-table-12-10-19.jpg


(Ich habe bei Larrin nachgefragt: Es ist Ok, wenn ich die Grafiken verlinke.)

Nachtrag 08.07.2021 7:25 Uhr:
Auf den netten Hinweis von Rock'n'Roll habe ich die Grafiken und Tabellen durch einen aktuelleren Stand ersetzt.
(Ist nicht ganz einfach da immer den letzten Stand in dem Blog von Larrin zu finden.)
 
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xtorsten

Premium Mitglied
@Moridin:
danke für die Info zu der Verfügbarkeit von Vanadis 4E - und noch eine Frage zur Bestellung: macht das einen Unterschied bzgl. Portokosten, Bezahlung (Vorkasse per Bank am besten) oder sonstwie aus, ob nun aus Volnik oder blade-shop? Wie sind da die Erfahrungen?

Matthias:
auch Dir vielen Dank für die Rückmeldung!
Sowohl was die Einschätzung zur Klingengeometrie anbelangt als auch Deine Anmerkung zur Nutzung beim Aufbrechen. Die Schlossnaht lasse ich meist in Ruhe oder die Schere kommt zum Einsatz. Also da gibt es keinen groben Missbrauch. Das Brustbein muss aber definitiv durch und da habe ich mit einer sehr schlanken Klinge aus 1.2842 sehr gute Erfahrungen gemacht wohingegen die recht massiv gehaltene Klinge aus D2 meines Manly Patriot sowohl viel mehr Kraft benötigte als auch wesentlich mehr Abnutzungsspuren zeigte. Also es geht. Ich habe mit der kleinen Klinge auch das Haupt am Atlas abtrennen können ohne großartige Blessuren der Klinge - klar aber, dass die feine Rasurschärfe dann hin ist.

Den Beitrag von R&R hatte ich auch schon gefunden und ebenso bei knifesteelnerds einiges gelesen - aber auch hier danke für den Hinweis. Hier kommt ja gerade z.B. der AEB-L bezüglich Toughness sehr gut weg - bei entsprechend stark herabgesetzter Leistung im Schnitttest. Mit meiner Frage hier ging es mir dann um das ausloten eines sinnvollen Kompromisses vor dem Hintergrund meiner Anforderungen - sprich: muss es AEB-L sein bei der Geometrie oder reicht die Zähigkeit von wesentlich karbidreicheren Stählen? Ich hatte auch den Vanadis 4 als guten Kompromiss im Kopf, ihn aber wegen der Nicht-Rostträgheit verworfen.
Sollte der aber auf dem Level von D2 sein, dann sieht die Sache wieder anders aus.
Sehr interessant, was Larrin über die Menge an gelöstem Chrom (und Mo) in der Matrix dazu hier schreibt:
Corrosion Resistance Testing of Stainless Knife Steels - Knife Steel Nerds

...insgesamt auch sehr interessante Texte, aufschlussreiche Gefügeaufnahmen und Überlegungen zum Thema Stahl für Messer. Ob ich da in allen Dingen folgen möchte, weiß ich noch nicht.
Sehr viel erst einmal zum Lesen ;)

Was mir aber schon einmal vor dem Hintergrund meiner Frage aufgefallen ist:
- AEB-L kommt bezüglich Schnitthaltigkeit im Catra-Test nicht wirklich gut weg. Hier hätte ich mehr erwartet (auch wenn ich die Gefügeaufnahme mit dazu nehme - ist doch ein nicht unerheblicher Teil an Karbid in guter Größe, Menge und Verteilung vorhanden).
- Niolox zeigt in der Gefügeaufnahme Primärkarbide in erstaunlicher Größe und auch eine zeilige Ausprägung der Verteilung. Das hätte ich nicht erwartet und hier bin ich etwas skeptisch geworden. Das passt dann zwar zur dort ebenfalls gemessenen toughness - deckt sich aber nicht mit den Rückmeldungen im Netz (und auch hier), dass der SB-1 ein guter Stahl für feine Schneiden und hohe Schärfen ist. Kann sich das jemand erklären?
- toughness: hier kommen Stähle wqie z.B. O1 und auch 1.2519 nicht wirklich gut weg. O1 bewegt sich bei 61-62HRC zwar noch über dem Niveau von D2 - aber wirkliche 'Welten' können das irgendwie nicht sein. Zumindest nicht so, wie ich den Unterschied zwischen den Stählen in der Praxis für mich erlebe. O1 (bzw. bei mir 1.2842 oder auch 1.2519) hält eher feine Schneiden besser und ohne so massive Ausbrüche wie D2. Für mich habe ich als wesentlichen Faktor für die Stabilität der eigentlichen Schneide dann auf die Mikrostruktur geschlossen; sprich Karbidgröße, -Menge und -Verteilung.
Larrin kommt ja in seinen Artikeln über Karbide:
Carbide Types in Knife Steels - Knife Steel Nerds
und Edge-Stability:
What is Edge Stability? - Knife Steel Nerds
auch da hin (und ich habe Romans Bilder natürlich sofort erkannt ;))

Egal; das führt dann ein bisschen zu weit weg vom Thema.
Ich habe mal resummiert, dass ich für mein Vorhaben wohl im Bereich CPM 3V/ 4V ganz gut aufgehoben bin - Karbidmenge, -Größe und Verteilung schauen gut aus (wie auch die Messwerte) und die Neigung zum 'Rosten' scheint schon stark herabgesetzt. Dürfte so funktionieren, denke ich. Jetzt muss ich nur noch mal genauer schauen, wo ich das Zeug herbekomme, bzw. wie das bei den Bezugsquellen oben so funktioniert.

Gruß,
Torsten
 

Taperedtang

Premium Mitglied
Deine Einschätzung, dass Du mit dem CPM 3V / 4V gut klar kommen wirst, teile ich. Gerade bei diesen Stählen solltest Du aber auch eine Härterei an der Hand haben, die Erfahrung mit der Wärmebehandlung dieser Stähle hat. Es wäre schade, wenn so teure und leistungsfähige Stähle nicht vernünftig wärmebehandelt werden und dann weit hinter ihrem eigentlichen Leistungspotential zurückbleiben.

Wenn man sich nicht für einen PM-Stahl festgelegt hat, kann ich auch den 14C28N empfehlen. Wie Guido auch schon geschrieben hat, ist er sehr zäh, sehr korrosionsbeständig und bzgl. der Schnitthaltigkeit liegt er nur wenig hinter dem Niolox. Ich habe bisher mit dem 14C28N nur gute Erfahrungen gemacht.

Gruß
Matthias
 
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Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Was den SB1 bezüglich Eignung für feine Schneiden angeht, lohnt sich ein Blick auf die Seite von Jürgen Schanz. Wie man sieht, verwendet er für seine SLIM LINE 14C28N anstelle SB1. Ich habe mal nachgefragt warum und er hat geantwortet, daß der 14C28N halt zäher ist …

Es gibt auch Anwender, die aus ebendiesem Grund SB1 für sehr feine Geometrien nach eigener Erfahrung eher nicht als sonderlich geeignet ansehen.

Bezüglich der Schnitthaltigkeit von AEB-L reicht der Blick allein auf die Gefügebilder nicht aus. Denn zwar sehen wir dort (Bild 01) schön kleine gleichmäßig verteilte Karbide. Wie auch ähnlich bei CPM 4V (Bild 02).

13C26 and AEB-L.png


4V-1000x 8 % Carbide Volume.jpg



Bei AEB-L sind die Karbide kleiner, was der Zähigkeit zugute kommt. Entscheidender Unterschied bezogen auf die Schnitthaltigkeit: Bei AEB-L sind es Chromkarbide und bei CPM 4V / Vanadis 4E sind es die sehr viel härteren Vanadiumkarbide.

carbide-hardness-chart.jpg
1


Zum Verhältnis CPM 3V / CPM 4V noch folgende Anmerkung. Der CPM 4V ist sehr hoch härtbar. Das wiederum macht ihn nach Auffassung von Big Brown Bear aka Shawn Houston, der mit Larrin zusammenarbeitet, dem 3V gegenüber überlegen. Denn während gute Zähigkeit Ausbrüche vermeiden hilft, schützt hohe Härte vor Umklappen der Schneide. Was bei schlanken Geometrien besonders von Bedeutung ist.

Es gibt ein sehr anschauliches Video zur Belastbarkeit von CPM 4V, in dem Big Brown Bear Stahlnägel damit durchschlägt.

R’n‘R
 
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xtorsten

Premium Mitglied
Matthias: 14C28 für Kochmesser sicher gut - für die Jagd und die doch etwas massivere Geometrie würde ich aber schon lieber was karbidreicheres nehmen.
.... Härtung ist das A und O, klar. Hatte überlegt, ob Jürgen Schanz das nicht vlt. machen könnte. Einfache Stähle mache ich in meinem kleinen Ofen, aber für die höher legierten habe ich leider nicht das passende Equipment und auch nicht die Erfahrung.

R&R: danke für das Video. Sehr interessant und bemerkenswert, was da gezeigt wird. Sehr aufschlussreich auch die Angaben der Schneidendicke und des Gesamtschneidenwinkels. So konkret wird selten jemand! Für ein Jagdmesser würde ich jetzt nicht auf 65 HRC gehen wollen, aber das Gezeigte dort bestärkt mich in der Wahl für den 4V.
Was die unterschiedliche Härte der Karbide anbelangt, hatte ich das bisher so nicht auf dem Schirm in Bezug auf die Verschleißfestigkeit. Und ich war eher in Richtung der Wolframkarbide interressiert, da sie bei klassischer Herstellung des Stahls klein und fein verteilt sind. Aber die Stahlentwicklung ist fortgeschritten und auch bei den nicht rostträgen Stählen macht sich wohl die PM-Technologie und das 'cleane' Verfahren positiv bemerkbar.

Gruß,
Torsten
 
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Guido

Mitglied
Die Darstellung in der Grafik von Larrin bezüglich der Verschleißbeständigkeit kann leicht irreführend sein.
Die Basislinie der Darstellung liegt unten schon bei 250 TCC (mm) an.

Wenn man sich die Werte mal ansieht sehen die Unterschiede, zumindest für mich, plötzlich nicht mehr so dramatisch aus:

14C28N
62 HRC und 415 TCC (mm)
Toughness bei 60,8 HRC 30 ft-lbs

SB1 Niolox
60,5 HRC und 430 TCC (mm)
Toughness bei 59,8 HRC 8 ft-lbs

CPM 3V
60 HRC und 470 TCC (mm)
Toughness bei 60 HRC 35 ft-lbs

CPM MagnaCut

61 HRC 510 TCC (mm)
Toughness bei 61 HRC 17 ft-lbs

CPM 4V
61 HRC und 525 TCC (mm)
Toughness V4E bei 62 HRC 16 ft-lbs

CPM S30V
62 HRC und 600 TCC (mm)
Toughness bei 60,1 HRC 6 ft-lbs

M390/20CV/204P
61,5 HRC 620 TCC (mm)
Toughness bei 61,8 HRC 5 ft-lbs

CPM S90V
61,5 HRC und 775 TCC (mm)
Toughness bei 60,7 HRC 5,5 ft-lbs

Zwischen SB1 mit 430 TCC (mm) und CPM 4V mit 525 TCC (mm) liegen "nur" ca. 100 mm oder ca. 25% mehr.
Ein CPM S90V schaft aber 775 TCC (mm) und damit noch einmal ca. 50% mehr als ein CPM 4V.
Natürlich alles nur Zahlen, wo sich die Frage stellt in wie weit dies praxisrelevant ist.

CPM-S110V Steel - History and Properties - Knife Steel Nerds
M398-toughness-chart.jpg
 
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Taperedtang

Premium Mitglied
Matthias: 14C28 für Kochmesser sicher gut - für die Jagd und die doch etwas massivere Geometrie würde ich aber schon lieber was karbidreicheres nehmen.
Torsten, ich verstehe deine Überlegung. Den 14C28N sehe ich als "Allrounder" der überall gut einsetzbar ist nicht nur in der Küche, sondern auch auf der Jagd. Er ist aber, da Du ja sehr großen Wert auf Schnitthaltigkeit legst, für dich nicht die erste Wahl. Die Empfehlungen zu CPM 3V / 4V bieten einen guten Kompromis zwischen Schnitthaltigkeit, Zähigkeit und Korrosionsbeständigkeit. Sollte dein Schwerpunkt klar bei der Schnitthaltigkeit liegen, kann man auch über den CPM S90V nachdenken oder auch über den M390 der eine gute Verschleißbeständigkeit mit einer sehr guten Korrosionsbeständigkeit vereint. Theoretisch müsste man auch Maxamet, aufgrund seiner extrem guten Verschleißbeständigkeit betrachten, das macht aber aus meiner Sicht wenig Sinn, da ich nicht wüßte woher dieser Stahl zu beziehen ist. Anfragen meinerseits sind leider gescheitert.
Zwischen SB1 mit 430 TCC (mm) und CPM 4V mit 525 TCC (mm) liegen "nur" ca. 100 mm oder ca. 25% mehr.
Ein CPM S90V schaft aber 775 TCC (mm) und damit noch einmal ca. 50% mehr als ein CPM 4V.
Natürlich alles nur Zahlen, wo sich die Frage stellt in wie weit dies praxisrelevant ist.
Guido bringt es auf den Punkt, das sehe ich auch so. Sicherlich bieten die Daten zu den Stählen eine wichtige Rolle, um einen Stahl überhaupt einordnen zu können in welcher Liga er spielt und wo seine besonderen Stärken und Schwächen liegen. Ob er aber tatsächlich meinen Bedürfnissen entspricht und ob es im praktischen Einsatz große Unterschied gibt, lässt sich am besten in der Praxis selbst feststellen. Einen Stahl, der kein PM-Stahl ist, möchte ich noch empfehlen. Es ist der 1.2695. Ich habe vor einiger Zeit einen Vergleichstest zweier Jagdmesser aus D2 und 1.2695 durchgeführt. Die Leistungen des 1.2695 haben mich beeindruckt. Möglicherweise ist der 1.2695 auch eine Alternative für dich.

Gruß
Matthias

P. S. Im Nachgang fällt mir auf, dass ich den 1.2695 schon einmal, in anderem Zusammenhang empfohlen habe und den verlinkten Bericht hast Du auch schon gesehen. Ich denke aber ist nicht schlimm, den 1.2695 kann man auch mehrfach empfehlen. :)
 
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Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Ein CPM S90V schafft aber 775 TCC (mm) und damit noch einmal ca. 50% mehr als ein CPM 4V.
Natürlich alles nur Zahlen, wo sich die Frage stellt in wie weit dies praxisrelevant ist.

Hier lohnt sich ein Blick auf andere Testergebnisse. Dort werden die Stähle nicht mit silikatgetränkter Pappe sondern mit Manila Rope konfrontiert. In Jim Ankersons Rope Cutting Test sehen wir beispielsweise u.a. folgende Ergebnisse (Anzahl Cuts):

CPM 4V - 740 - Big Chris Custom - 63 RC - .008" - .010" Behind the edge.
S90V - 600 - Benchmade 940-1 - 59-61 RC - .018" Behind the edge.
S90V - 460 - Military - 60 RC
S90V/CPM 154 - Para 2 - 460 - ? RC
Niolox - 420 - LX Blades - 59 - 59.5 RC - .006" behind the edge
M390 - 380 - Military - 61 RC
AEB-L - 340 - Tim Johnson Custom - 60 RC - .006" behind the edge


In der Rope-Cutting-Übersicht von Pete vom Cedric and Ada Youtube Channel sieht es ähnlich aus (erste Grafik).


Das heißt - und das haben wir hier in mehreren threads ja bereits ausführlich diskutiert - bildet Catra nicht zwingend allgemeingültige Ergebnisse ab, da es auf das Medium ankommt, das geschnitten wird, ob Mensch oder Maschine schneiden und natürlich sehr wesentlich auch auf die Wärmebehandlung. Was Larrin ja auch selbst einräumt ...

Ganz unabhängig davon würde ich für ein Jagdmesser bei einer Wahl zwischen S90V und CPM 4V unbedingt zum CPM 4V greifen, da er dreimal so zäh ist. Und da es dem TO um die Vermeidung von Ausbrüchen geht, ist genau das hier praxisrelevant.

R’n‘R
 

Guido

Mitglied
Die Seiten mit den Ergbissen aus den Rope-Cutting Test finde ich sehr interessant.
Die hatte ich mir in der Vergangenheit auch schon intensiv angesehen.

Die zeigen sehr schön auf, welche Streuungen in der Schnitthaltigkeit beim gleichen Stahl vorhanden sein können.
Die Unterschiede sind vermutlich vor allem auf die Geometrie und das andere zu schneidende Medium zurückzuführen.

Hier bei Jim Ankersons:
Ranking of Steels in Categories based on Edge Retention cutting 5/8" rope
liegen S30V und CPM S35VN auf ähnlichem Niveau wie der CPM S90V, der bei Larrin im CATRA-Test deutlich besser abschneidet.
CPM S35VN - 760 - Darrin Sanders Custom - 62 - 62.5 RC - .006" behind the edge
S30V - 620 - Michael Raymond Estrella Custom - 60.5 - 61 RC - .006" behind the edge
S90V - 600 - Benchmade 940-1 - 59-61 RC - .018" Behind the edge
CPM 4V - 740 - Big Chris Custom - 63 RC - .008" - .010" Behind the edge.

Die CPM S90V Klinge ist aber auch deutlich dicker hinter der Schneide.

Beim Cedric and Ada Youtube Channel:
Cedric and Ada Steel Comparison Ratings
Liegt der CPM S45VN sehr weit oben (über CPM S90V) was die Schnitthaltigkeit angeht.

Zur Einfluss Geometrie beim CATRA-Test gibt es hier Informationen:
Maximizing Edge Retention - What CATRA Reveals about the Optimum Edge - Knife Steel Nerds
edge-length-vs-cut-length.jpg


Edge-angle-vs-TCC-comparison.jpg


Am Ende des Tages spielt die Geometrie eine sehr große Rolle und schnitthaltige Geometrien sind mit zähen Stählen sicherer zu realisieren, weil dort nicht so schnell etwas ausbricht.

Zusammengefasst kann man sagen, das die ganzen Zahlen vermutlich nur Tendenzen aufzeigen können und wenn man sich die Ergebinisse Rope Cutting Tests ansieht, der Stahl vermutlich bei der Schnitthaltigkeit in der Praxis eine geringere Rolle spielt, als von vielen angenommen.
Da ist die Zähigkeit in der Praxis wohl wichtiger, weil eine zu geringe Zähigkeit im Extremfall auch zum Ausfall der Klinge führen kann (ausbrechen oder gar abbrechen).
Wenn die Schnitthaltigkeit nicht top ist, muss man einfach öfter mal nachschärfen und das geht sogar unterwegs.
Bei Ausbrüchen wird es unterwegs unter Umständen schon schwieriger.
 
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xtorsten

Premium Mitglied
Guido und Matthias: .....jaja, die Skalierung von Grafiken ;)
Ich war auch in meiner Einschätzung von AEB-L beim Abschnitt Edge Retention hier:
How to Pick the Best Steel for Every Knife - Knife Steel Nerds
hängen geblieben. Da fällt der AEB-L deutlicher ab. Keine Ahnung, was von beiden Sachen da aussagekräftiger ist bzw. besser auf eine konkrete Klinge für den Handschnitt übertragbar.
EDIT: der Rope Cutting Test zeigt ja hier schon auch eine Tendenz auf.
Geometrie ist klar ein wesentlicher Faktor. Ich kenne das von neuen Klingen, die meist eher dünn ausgeschliffen sind bei mir. Am Anfang der Nutzung habe ich dann entsprechend öfter nachzuschärfen - zum einen sicher weil von der Bearbeitung vlt. eine mehr oder weniger dünne Schicht entkohlt ist oder etwas zu warm geworden. Aber es pendelt sich dann nach einigen wenigen Schleifzyklen auf eine von der Nutzung, Härte und dem Stahl abhängige Geometrie (vor allem Schneidenstärke) ein, die gut funktioniert - und da liege ich für die Jagdklingen bei niedrig legierten oder zähen rostträgen Stählen bei etwa 0,4-0,5mm und für die höher legierten Stähle fällt das höher aus (ich muss das da nochmal genau messen - habe ja neulich erst meine D2 Klinge überschliffen).

Denke mal, dass wir heute insgesamt auf einem sehr luxeriösen Level von Stahlqualität angekommen sind und die Aufgaben mehr als hinreichend erfüllt werden können. Aber als Messerinteressierter sucht man ja immer noch ein bisschen weiter nach einer optimalen Lösung ;)

1.2695 liest sich auch sehr interessant. Sekundärhärtemaximum als Anlasstemperatur würde ich da auch lieber nehmen - und die Nachteile in Kauf nehmen.
Wobei dann wieder auch die Frage nach der Verfügbarkeit auf den Tisch kommt - da hat man es mit AEB-L und Co wesentlich einfacher.

Habe Volnik mal kontaktiert wegen Vanadis - der Webshop möchte leider nicht nach D versenden. Mal schauen, was da an Antwort kommt.

Gruß,
Torsten

....interessante Diskussion hier btw., macht Freude!
 

Taperedtang

Premium Mitglied
Bis jetzt gab es mit der Verfügbarkeit von 1.2695 kein Problem. Du kannst den Stahl bei AchimW, der auch Mitglied im Forum ist, zu einem sehr fairen Preis bestellen. Falls Du Interesse hast, schreibe ihn einfach mal an.

Gruß
Matthias
 

xtorsten

Premium Mitglied
super (y)
...da werde ich mal anfragen. Schrott heißt dann Reststücke Abschnitte weichgeglüht oder wie muss man sich das vorstellen?

Gruß,
Torsten