Restauration eines alten Stückes

spyderbug

Mitglied
Hallo alle zusammen!

Diesmal eine etwas ungewohnete Problematik... Mein Vater hat ein Artillerie-Faschinenmesser Baujahr 1862 erworben, welches er originalgetreu wieder herrichten möchte. Bestimmen ließ sich das Messerchen recht einfach anhand eines schlauen Buches, in dem auch eine Detaillierte Beschreibung zu finden war. :D

In der Beschreibung stand zu lesen, das der Griff aus "Hornmasse" besteht und mit Eisennieten befestigt ist. Der originale Griff ist schon etwas desolat, daher soll ein neuer drauf. Folgende Probleme ergeben sich hierbei...

Da das Messer originalgetreu wieder hergestellt werden soll, sollte das Material natürlich auch stimmen. Was ist nun "Hornmasse"? Ganz normales Büffelhorn, oder ein halbkünstliches Erzeugnis?

Die Nieten sind etwa 5 - 6 mm stark (Daumen mal Pi :rolleyes: genau hab ichs noch nicht vermessen). Wie nietet man die Schalen auf die Angel, ohne die Schalen dabei zu beschädigen? Kleber kommt nicht in Frage, soll ja originalgetreu sein... Kann man ungeübter Weise übehaupt einen dermaßen dicken Eisenstift ohne Unfälle Stauchen?

Die Klinge soll auch in neuem Glanz erstrahlen, daher soll der Rost runtergeschliffen werden. Danach ists aber erst fertig, wenn es auch scharf ist, also wie und womit schärft man am einfachsten ein ca. 45 - 50 cm lange Klinge? (zum Glück ist das ja nur die "halbe" Arbeit, da die Klinge nur einseitig [rechts] angeschliffen ist...)

Welches Vorgehen haltet Ihr für sinnvoll um den Rost zu entfernen? Ohne irgendetwas zu beschädigen natürlich...

Bilder von dem Stück will ich euch natürlich auch nicht vorenthalten (die Qualität ist halt nicht besonders, sind nur Schnappschüsse)...

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Hat jemand schon mal eine derartige Arbeit gemacht und kann mir Tipps zum Material und zur Bearbeitng geben, beziehungsweise zu den Fertigungstechniken in der Zeit um 1860? Ich freue mich über alle Anregungen und Tipps zur Restauration dieses Stückes!

Faschinenmesser (für jene, welche daran interessiert sind wofür man so ein kleines Monster eigentlich braucht(e) :hehe: ) wurden bei diversen Heeren eingesetzt. Der Verwendungszweck war hauptsächlich bei den Pionieren, die damit Stroh- oder Reisigbündel (Faschinen) herstellten um damit Schanzen zu bauen, Wege zu befestigen o.ä. Bei der Infanterie und Artillerie fanden diese Messer als Arbeitsmesser Verwendung.

Danke und Grüße,

Robert

P.S. War mir nicht ganz sicher in welches Forum das am ehensten passt. Wenns hier falsch ist, dann bitte verschieben. Danke!!! :hmpf:
 
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xtorsten

Premium Mitglied
hi Robert,
ob es Horn ist: schleifen und dann am Geruch bestimmen.
zum Rost: ich nehme Chrom-Politur aus dem Baumarkt. Dann mit Lappen oder Leder das Gröbste weg (dauert zwar, funktioniert aber) und in den Vertiefungen mit Dremel und Bürstenaufsatz. Damit geht dann vielleicht nicht alles ganz weg, aber Schleifpapier und Stahlwolle versauen meist den Charme und die Patina so einer alten KLinge.
zum Nieten: habe ich nicht so viel Ahnung, Notfalls Schaubniet benutzen und die Schlitze nachher wegfeilen.
Viel Spaß beim Werkeln,
xtorsten
 
Hi Rfrühauf,

ich würde mir das mit den restaurieren gut überlegen-der zustand ist ja gemessen am alter ganz gut-vielleicht einfach mit öl und einen lappen bearbeiten, und so lassen...
oder rausfinden, wie der orginalzustand war: satiniert oder poliert, vielleicht ist die klinge auch irgendwie beschichtet (habe ich mal an einen bajonett erlebt-beim entrosten ging die glänzende schicht ab-chrom oder sowas)...

grüße, Jens.
 

luftauge

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Bis auf die Stelle am Knauf würde ich es lassen, jeder Rost hat seine eigene Geschichte ;) , darum ist es ja alt.
Einfach die Klinge ölen und den gelöste Rost immer wieder entfernen.

Beschichtungen ausser heisse oder kalte Brünierungen gab es m.W. zu der Zeit noch nicht, Cola soll auch schon kleine Wunder bewirkt haben, einfach reinlegen und abwarten.

Gruß Andreas
 

bullet101

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Hi rfruehauf,
ich hatte das gleiche Problem mit dem Rost bei einem alten Schwert aus Nigeria, der Rost auf deinem Bild sieht mir sehr nach altem, "schwarzem" Rost aus. Diese Sorte Rost greift das Klingenmetall nicht an, sondern bildet eine Art Schutzschicht.

Falls überhaupt "normaler", roter Rost drauf ist kann man den ganz einfach mit jeder beliebigen Metallpolitur spielend entfernen.

Ich habe einen Teil des schwarzen Rosts von einem Schwert geschliffen, hat dem Klingenfinish absolut nicht geschadet da es sowieso nur grob geschmiedet war.

Wenn ich du wär würd ich den antiken Rost einfach drauflassen, gibt ne schöne Patina.
Wenn du ihn unbedingt runterhaben willst, musst du ihn wahrscheinlich mit Elektrolyse runtermachen, den der schwarze Rost ist ziemlich hartnäckig (da hat bei mir weder Rostlöser noch Ballistol noch Cola geholfen).

Gruß Marcus
 

spyderbug

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Danke für eure Meinungen! Mein Vater möchte das Stück möglichst in den Originalzustand zurückversetzen. Er hat dies Schon mit Kavalleriesäbeln und Steinschloßpistolen ähnlichen Alters gemacht. Das hat 2 Gründe - nämlich einerseits die Optik :rolleyes: und andererseits die Wertsteigerung (obwohl er noch nie eines seiner Stücke verkauft hat - und es, so wie ich ihn kenne, auch nie tun wird). Im vorliegenden Fall wäre das Messerchen nach erfolgter Restauration etwa EUR 300,-- (vielleicht auch etwas darüber) wert. Gekauft hat er es um EUR 30,-- :staun:

Die Klinge ist sowieso nicht das Problem (die wird nie Rostlöser, oder Schmirgelpapier zu sehen bekommen - ein richtiger Fanatiker finisht mit Steinen :D ), sondern eher das Parierelement. Die Klinge war übrigens poliert...

xtorsten, du meintest schleifen und am Material riechen... meine Idee wäre, das die ominöse "Hornmasse" evtl. aus gemahlenem Horn besteht, welches mit einem Bindemittel in Form gepresst wurde. Das würde zumindest bei einer Fertigung im militärischen Maßstab Sinn machen. Ich weiß leider nur nicht, ob man damals wirklich so gearbeitet hat, bzw. konnte. In diesem Fall würde es aber auch nach Horn riechen...:rolleyes:

Wie schon gesagt, es soll so originalgetreu wie möglich werden, sowohl das Material, als auch die Fertigungstechniken. Ich persönlich wäre wohl auch mit Rostlöser und Schleifpapier drauf losgegangen und hätte dem Ding einen Griff aus poliertem Ebenholz verpasst. Mein alter Herr sieht das halt etwas enger :hmpf:

Also: Immer her mit euren Vorschlägen!

Grüße, Robert
 

luftauge

Mitglied
Mit dem Horn aus gemahlener Masse liegst Du nicht weit daneben, im Messermacherbuch von 1836 wird es für Schildpatt ähnlich beschrieben, iirc wurden Reste "Schild"-Horn irgendwie aufgekocht und neu geformt.

Falls Du massives schwarzes Kuhhorn brauchst, könnte ich über richknive etwas zukommen lassen, er ist ja auch in SG ;)

Die andere Sache ist der bekannte Streit zwischen Historikern und Auktionatoren:
Der Eine sagt, "belassen wie es ist", der Andere sagt, "Wertsteigerung nach korrekter Restauration", dazwischen liegt nur selten was.
Da gehen die Meinungen weit auseinander, aber Stücke mit dem Alter im Spitzenzustand wird man auf dem Markt nicht finden, evtl. aus Nachlässen ohne Verwandtschaft.
Ein Vergleichsstück wäre vielleicht hilfreich, sonst wird es "kaputtrestauriert", was ja auch nicht im Sinne Deines Vaters wäre.

Gruß Andreas
 

spyderbug

Mitglied
@luftauge:

Messermacherbuch von 1836? :staun: :staun: :staun: Antiquarisch oder Reprint? Wo hast Du es her?

Betreffend des Kuhhorns... Danke für das Angebot! Darauf komme ich evtl.gerne zurück! Ist das aber nicht ein kleiner Umweg über richknive (ich meine er in Salzburg, ich in Wien... ;) )? Egal, wenns soweit ist, melde ich mich bei Dir!

Grüße, Robert
 
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luftauge

Mitglied
@ Robert:
Er ist doch in SG, ich fahre auch dorthin.
Einfacher, als es von mir zuhause zu Dir zu schicken ;)

Sieh mal ins Bücherforum, dort ist es komplett mit ISBN Nr. angegeben, das Buch wurde auch schön häufiger in verschiedenen threads erwähnt, ist ein Reprint !

Gruß Andreas
 

xtorsten

Premium Mitglied
habe gerade eine mail von TL bei Venatus bekommen, da ist besagtes Buch z.Zt. für 10 € zu haben.
gruß,
xtorsten
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Das ist ein Hammerpreis. Ich hab das Buch vor einiger Zeit gekauft, für 50 DM. Und das Buch ist wirklich sehr gut und lehrreich. An die Schrifttypen muß man sich gewöhnen, aber ich bin ja ein alter Knopf und kenne die noch ganz gut.
Aber das steht vieles drin, was noch lange nicht zum "alten Eisen" gehört. Wer da nicht zuschlägt, ists selber schuld.
 

spyderbug

Mitglied
War ja klar :( Sowas erfährt man immer einen Tag nachdem man um den dreifachen Preis bestellt hat....

Grüße, Robert