radioaktiv?

Max

Mitglied
Hi Leuts,

habe mir neulich mal so ´nen paar Tabellen mit Stahllegierungen angesehen; und da fällt mir so auf, daß immer mehr High-End-Stähle Wolfram bzw. Kobalt enthalten.
Jetzt mal ne dumme Frage:
ist das Zeug nicht radioaktiv?:confused:

Gruß
Max
 

kababear

Mitglied
wolfram radioaktiv??? das zeug ist in jeder glühbirne drin!
zu kobalt kann ich nichts sagen, aber wenn Co in stahl mit drin ist, dann wird es net gerade problematisch sein.. (selbe geschichte wie uran.. da gibts ja auch das grundelement und die isotope wobei die isotope IHMO gefährlicher & instabiler sind)
 

Floppi

Mitglied
Jupp - die Isotope sind problematisch. Cobalt 59 ist im Prinzip harmlos was Strahlung angeht (höchstens giftig wie eigentlich alle Schwermetalle). Mit Cobalt 60 wäre ich sehr vorsichtig. Es gibt Pläne für Cobaltbomben: Cobalt-Hülle um Atombombe und die dann zünden. Man erhält als Folgeprodukt unter anderem Cobalt 60 - und das ist extrem strahlend. Angeblich soll man mit 2 kg Cobalt 60 (fein atmosphärisch zerstäubt) eine Stadt wie New York vollständig verstrahlen können, so dass sie absolut unbewohnbar ist. Dabei hat Cobalt 60 den Vorteil(?), dass es eine Halbwertszeit von nur 6,2(?) Jahren hat. Das ist sehr kurz wenn man dies mit anderen Materialien, die "hart strahlen" (Gamma-Strahlung) vergleicht und daher militärisch interessant. Aber ich schweife ab...

Uhm: Also mach Dir keine Sorgen. Sonst hättest Du vermutlich auch mit Chrom Probleme: Schwermetall und giftig. Beim Schneiden lösen sich Partikel ab. Die können z.B. eingeatmet werden oder zusammen mit Nahrung aufgenommen werden... :hmpf:
 

Kai

Mitglied
Kobalt kommt auch im Körper vor. Es wird sogar bei gewissen Mangelerscheinungen im Blut(Vitamin B12) per Tabletten den Körper zugeführt. Nix radioaktiv. Kobalt ( Co ) (Cobalt) ist ein zwei- und dreiwertiges Kation
mit der Atommasse 58,93 und der Ordnungszahl 27.
Dichte 8,9 g/ccm, Schmelzp. 1495 C., Siedetemp. 2900 C.
Silberweißes, schwach rötliches hartes Metall.
Vorkommen: Smaltit, Kobaltit, Linneit.

Wolfram ist auch keine Spur von Radioaktiv.
Die hohe Hitzebeständigkeit des Wolframs ermöglicht einen Einsatz als Glühdrähte in Glühlampen und Elektronenröhren, in Schweiß-Elektroden, in Heizleitern von Hochtemperaturöfen und in Raketenspitzen, Raketendüsen und Hitzeschilden für die Raumfahrt. Ferro-Wolfram, eine Eisenlegierung mit 60-80% Wolfram dient zur Herstellung von Wolframstählen, die sich durch sehr hohe Härte und Hitzebeständigkeit auszeichnen. Sie werden für z.B. für Schneidwerkzeuge und Gewindebohrer verwendet. Wolfram-Kohlenstoff-Verbindungen (Wolframcarbide) eignen sich als härtender Zusatz in Schneidwerkzeugen und anderen Hartmetallen. Aufgrund der hohen Dichte eignet sich das Wolfram für Schwungmassen in Armbanduhren oder für Wuchtgeschosse.

So, ich hoffe das genügt

:steirer:


Grüße
Kai
 

Hayate

Mitglied
Das einzige natürlich vorkommende Kobaltisotop 59 ist nicht radioaktiv. Ich habe daher bei Kobalt keine Bedenken.
Wolfram 185 ist ein Beta- Strahler mit einer Halbwertzeit von 75 Tagen, heißt also, daß von dem ohnehin nur schwach strahlenden Material ziemlich schnell nur noch sehr wenig übrig wäre,wenn man es in Stahl hineinmischte. Außerdem sind mindestens 85,5 % der natürlichen Wolframvorkommen nicht radioaktiv.
Es wäre im Übrigen auch ziemlich dumm, einen nennenswerten Anteil radioaktiver Legierungsbestandteile mit so kurzen Halbwertzeiten zu verwenden, da nach Ablauf einer Halbwertzeit eben nach Definition nur noch die Hälfte des Materials vorhanden wäre. Jetzt stellt euch mal vor, ein Stahl enthält neu doppelt so viel Wolfram, wie 75 Tage nach dem Erkalten. Aus einem solchen Material läßt sich gar kein Messer herstellen.
 

beagleboy

Premium Mitglied
Wolfram

Wolfram wird übrigens auch sehr häufig bei Darts verwendet, und zwar nicht in der Spitze, sondern am Barrel (da wo man in greift). Hat den Sinn, die Darts schön schlank zu halten, damit sie die kleinen Felder auf der Scheibe nicht unnötig verdecken und trotzdem ein adäquates Gewicht zu bieten.
Bei guten Darts besteht der Barrel aus 95-97% Wolfram. Und ich habe auch noch keinen Dartspieler im Dunkeln leuchten sehen...:steirer:
 

WalterH

Mitglied
Re: Wolfram

Original geschrieben von beagleboy
Bei guten Darts besteht der Barrel aus 95-97% Wolfram. Und ich habe auch noch keinen Dartspieler im Dunkeln leuchten sehen...:steirer:
Du kennst mich halt noch nicht. :hehe:

Gute Darts haben uebrigens "nur" bis zu 80% Wolfram, meine haben 70% Waere sonst zu sproede.

-Walter
 

beagleboy

Premium Mitglied
Darts

Hallo Walter,

ich weiß zwar nicht, was für Darts Du benutzt, aber ich habe z.B. lange mit den "Magnum" von Harrows gespielt, und die bestehen definitiv zu 97% aus Wolfram. Steht sogar eingraviert drauf. Sind meines Wissens auch die mit dem höchsten Gehalt, aber 90-95% ist guter und weiter verbreiteter Standard (bei hochwertigen Darts, ebenso häufig gibt es welche um die 80% aus der "Mittelklasse")
Und inwieweit "spröde" ein Problem sein soll, ist mir nicht so ganz klar, denn es besteht ja (wie schon gesagt) nur der Barrel (Dartkörper) aus Wolfram; die Spitze ist bei Steeldarts aus Stahl. Und ein am Barrel gebrochener Dart ist mir in meiner ganzen Vereinslaufbahn nie begegnet.
 

hagrid

Mitglied
Wolfram

Hallo Walter und beagleboy,

egal zu wieviel Prozent Wolfram drin ist, hauptsache er geht nicht ins Auge ;) :D
 

WalterH

Mitglied
@Beagleboy: Frag mich nicht nach dem Hersteller meiner Darts. Ich hab die Verpackungen vor Urzeiten weggeworfen. Ich hab 3 Saetze, Neupreis meiner "Lieblingsdarts" war vor 10 Jahren jedenfalls 120 DM. Weiss nicht, ob Du das zur "Mittelklasse" zaehlen willst ... :D

Wg, Sproedigkeit: Ich hab's schon erlebt, dass das Gewinde fuer den Schaft ausgebrochen ist. Als ich in der Liga noch aktiv war, haben wir - natuerlich - auch oefter ueber unsere Darts gefachsimpelt. Und da war keiner, der ueber 80% Wolfram rausging. Ich selbst habe immer mit tropfenfoermigen 21g Darts gespielt. 70% Wolfram, wie erwaehnt, Rest Nickel.

Wenn Du mir sagst, dass es inzwischen Darts mit 97% Wolfram gibt, muss ich das wohl glauben ...

@hagrid: Macht nix. Als Mitlgied im Bayerischen Dart Verband hab ich ne spezielle Unfallversicherung. :hehe: :hehe:

-Walter
 
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herbert

MF Ehrenmitglied
Bei dem verwendeteten Material handelt es sich normalerweise nicht um reines Wolfram, das nur sehr schwer und teuer zu bearbeiten wäre. Es ist ja immerhin ein Refraktärmetall. Meist handelt es sich um sogenannte "Pseudolegierungen" (das ist nichts Anstößiges oder Negatives) bzw. um Sintermetalle. Dabei gehen die Komponenten nicht zu 100% eine Lösung ab, sondern sind eine Verbundstruktur. Etwa wie eine Nußschokolade mit sehr vielen harten Nüssen (Wolframteilchen) in einer nicht ganz so harten Matrix (die Schokolade, nur halt verflucht wenig davon, mehr Nüsse halt.
Es gibt mehrere Systeme: z.B. (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) gibt es Cu-W, oder Fe-Ni-Co-W, oder Ni-Co-W, mit geringen Anteilen anderer Metalle. Die Pulver der Komponenten werden gemischt, und dann bei einer temperatur unterhalb der Schmelztemperatur des Wolframs oder gar der niedrigstschmelzenden Komponente "gebacken".
Da gibts auch noch mehrere Verfahen, wenn eine Komponente dabei schmelzflüssig wird (Flüssigphasensintern), dann sedimentieren die W-Teilchen, oder man bleibt immer in der festen Phase aller beteiligten Komponenten, dann ist meist das Gefüge homogener, aber die teilchen sind spratzig, während sie sonst rund sind, sintert man zu lange in der flüssigen Phase, dann werden die Teilchen groß, das Gefüge grob usw.
Man sieht, man kann da viel Einfluß nehmen, und da wurde viel entwickelt.
Man kann die Werkstoffe noch kaltverformen und die KÖrner damit strecken, oder man kann Sprühverfahren für schmelzflüssige Komponenten anwenden, kurz und gut, da tut sich soviel, dass man kaum zwei Sachen die zeitlich getrennt sind, unbedingt vergleichen kann.
Ob die Legierung spröde oder nicht ist, hängt von der Zusammensetzung genaus so ab wie von der Sintermethode und der thermomechanischen Behandlung.

Pardon!

Diese Wolframschwermetalle sind eine faszinierende Geschichte. Leider nix für Klingen, da gibts besseres. Auf dem Sektor Stahl, klar, wo sonst.
 

beagleboy

Premium Mitglied
Wolfram

Kleine (abschließende?) Ergänzung noch:
der materialkundliche Exkurs ist hochinteressant. Ich bin da bestimmt kein Spezialist, von daher war das recht informativ.
Ob allerdings die Darthersteller die da genannten Legierungen verwenden weiß ich nicht, aber die Preise für ein Oberklasse-Dartset lagen vor Jahren schon bei ca. DM 140 - DM 160.
Die Hersteller geben jedenfalls immer nur Wolfram als Bestandteil an, und da es sich ja nie um reine Wolframdarts handelt, würde es (logisch betrachtet) bei Verwendung einer Legierung als "Pseudowolframgehalt" kaum Sinn machen, den Gehalt dieser Legierung an der Gesamtlegierung mit welcher Prozentzahl auch immer anzugeben. Denn wenn es ohnehin eine Legierung wäre, würde es doch keinen Sinn machen, die letzten 3%, 5% oder 10% nochmal separat anzugeben, oder? ("97% Wolframlegierung, legiert mit 3% wasauchimmer" klingt irgendwie komisch, finde ich.)
Infos gibt es übrigens hier
Ich schau mal, was ich noch finde...
Oder wir werfen das mal im Pub bei ´ner Runde 501 aus :lach2:

Jetzt habe ich da eben noch mal schnell hingemailt, ich lasse Euch die Antwort wissen.
 
Zuletzt bearbeitet:

herbert

MF Ehrenmitglied
@beagleboy: Sorry, wollte nicht oberlehrerhaft sein. Im Sprachgebrauch wird da gerade im angelsächsischen Bereich nicht sauber unterschieden. Mit tungsten meinen die praktisch alles, was zum rößten Teil aus Wolfram besteht. Auch der Hinweis bzg. des Magnum 97 gemäß Deinem link bekräftigt meinen Verdacht. High density tungsten heißt halt, dass es auch welche mit geringerer Dichte gibt. Die von mir angesprochenen Werkstoffe haben eine Dichte von ca. 17.6 und mehr, und das "Pseudo" bezieht sich auf die Sache mit der Legierung. Eine echte Legierung ists halt nicht, sondern ein Verbundwerkstoff. Würd schon blöd aussehen in der Werbung, von Pseudolegierung zu sprechen. Klingt nach unecht und nachgemacht. Daher verwende ich diese Bezeichnung auch fast nie. Für mich sind das Sinterverbundwerkstoffe.
Theoretisch könnte es natürlich auch reines Wolfram sein, ist möglich. Läßt sich letztlich eindeutig nur durch analyse bzw. Schliffbild zeigen.

Und der Kern der Frage: radioaktiv ists sicher nicht. Ist schon schwer genug, radioaktives Material genügend zu konzentrieren. Und muß sicher aufbewahrt werden. Im Falle von Co 60, das oft für Durchstrahlungsaufnahmen in der Röntgentechnik (Schweißnähte etc) verwendet wird, ist das heikel und unterliegt scharfen kontrollen.
Nennenswerte Radioaktivität würde sofort ein großes Theater hervorrufen.
Eine natürliche Radioaktivität, die aufgrund der natürlichen Gehalte an unterschiedlichen Isotopen vorliegt, muß vor dem HIntergrund der Halbwertszeit gesehen werden. Das wurde aber schon gesagt.

Bei Radioaktivität ist immer wichtig, die Konzentration des instabilen Isotops zu kennen, die Menge (klar), sowie die Art des Zerfalls. Alpha-Strahler, Beta-Strahler und Gammastrahler haben unterschiedliche Schädigungscharaktere und sind unterschiedlich gut abzuschirmen.
 

Aleena

Mitglied
Hi max,

radioaktive Isotope gibt es von jedem Element.:hmpf: :hmpf:
Co60 Quellen sind halt bekannt und werden öfter auch in Romanen erwähnt. Aber es gibt auch radioaktiven Kohlenstoff (C14) hast du zu etwa 2% in deinem Körper, radiaktiven Wassertoff auch und wenn du Jod oder Phospor (Phophat) abbekommst wird erst so richtig interessant. Diese Stoffe kann dein Körper aufnehmen.:haemisch: :haemisch:
Sicher strahlen die Granitsteine im Park mehr als eine Co-Legierung.
 

Aleena

Mitglied
Hi kababear,

meine Bemerkung sollte beruhigen (und den Kauf eines schönen Messers ermöglichen??) und nicht niedermachen.:hmpf:
Und im Übrigen ist es die Wahrheit.:staun:
Radioaktivität ist auch nicht immer schädlich.
 

Max

Mitglied
Hi Aleena,

keine Angst: habe Deine Ausführungen nicht als niedermachend empfunden; waren aber interessant!

So...muß jetzt mal kurz gucken, ob der benachbarte Park im dunkeln leuchtet ;)

Bis dann,
Max
 

Aleena

Mitglied
Hi max,

wer hat eigentlich den Irrglauben in die welt gesetzt, dass radioaktive Stoffe leuchten????:staun:
Diese Stoffe schwärzen Filme, jedenfalls wenn es gamma-Stahler sind.
Aber sehen tut man die Stahlung nicht, wäre auch sonst zu einfach.:haemisch: :haemisch:
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Ganz heimtückisch sind die Alpha-Strahler, die sind zwar leicht abzubremsen, die Alpha-Teilchen, aber die kann man unter Umständen inkorporieren, die Stoffe, und die lagern sich dann im Körper ein, im Knochenmark z.B., und strahlen fröhlich vor sich hin, von innen, mit dem maximalen Schädigungspotential. DAS ist heimtückisch.