Outdoor Messer, 1.2842, No.1

MaLu

Mitglied
Hallo zusammen,

ich möchte euch gerne den Versuch vorstellen, mein erstes Messer selbst anzufertigen.
Es soll ein großes, stabiles Outdoor Messer werden. Ich habe mich in diesem Fall für einen 1.2842, Präzisionsflachstahl, 50x5mm entschieden, welcher schon einige Jahre bei mir unbeachtet in der Garage lag.
Die Gesamtlänge des Messers wird ca. 252mm betragen wobei max. 120mm auf die Klinge entfallen. die Höhe beträgt 48-49mm. Die Klingenstärke beträgt logischerweise 5mm.
Für den Griff werde ich wohl ein Stück Eichenholz nehmen, mit einer Zwischenlage zum Stahl aus schwarzem Vulcanfiber. Als Querstifte für den Griff dienen 3 Messingbolzen mit einem Durchmesser von 6mm.


Anbei der Entwurf:
Entwurf.jpg

Im folgenden Schritt habe ich den Entwurf auf den Flachstahl übertragen und mittels Winkelschleifer die grobe Form herausgearbeitet. Hierbei habe ich versucht, möglichst wenig Hitze in das Messer zu bringen. Leider ist es hier und da im Randbereich doch etwas blau geworden. Ich hoffe das wirkt sich in der weiteren Bearbeitung nicht negativ aus. Beim nächsten Messer wird das sicher besser.
Ausflexen.jpg

Danach habe ich den Rohling grob gefeilt, gebohrt und ansatzweise in Form gebracht.
Bild1.jpg
Bild2.jpg
Bild3.jpg
Bild4.jpg


Im nächsten Schritt wird es darum gehen, das Messer in seine entgültige Form zu bringen und alle Flächen/Konturen schön winklig zu Feilen. Ich werde Berichten, sobald es hier Neuigkeiten gibt.

Über Tipps, Anregungen und Meinungen freue ich mich:)

LG
Markus
 
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herbert

MF Ehrenmitglied
Du weisst, wie Du am besten die Schneide, d.h. die Mitte anzeichnest? Mit Edding oder Anreisslack einfärben, dann das Messer (ist ja noch alles planparallel) auf eine ebene Fläche legen, am besten Glasplatte oder Fensterbank etc, und dann einen 5mm-Bohrer nehmen, die Spitze auf die eingefärbte Schneide setzen und entlangfahren, dann umdrehen auf die andere Seite (das Messer) und nochmal. Dann erhältst Du zwei nahe beieinanderliegende parallele Linien, damit sind die Schneidenmitte und die Dickenzugabe für das Härten markiert. Ist ein einfacher Trick, hab ich aber erst bei meinem zweiten Messer gewußt, hätte mir viel Gefummel erspart.
 

Taperedtang

Mitglied
Deine Stahlauswahl für dein erstes Messer, ein Outdoor Messer, hast Du gut getroffen. Der Stahl ist feinkörnig, zäh, nimmt eine gute Schärfe an und ist leicht zu bearbeiten. Stabilitätsprobleme wird es bei dieser Klingenstärke auch keine geben.

Du hast bei deinem Rohling sauber gearbeitet, gut gemacht!

Ich empfehle dir, solltest Du das noch nicht gemacht haben, deinen gezeichneten Entwurf auf ein Stück Karton zu kleben und auszuschneiden. Du kannst dann gut prüfen, ob das Messer gut in der Hand liegt, ob die Proportionen und Abstände stimmen. An der Schablone kannst Du schnell und einfach Änderungen durchführen und überprüfen, ob es sich lohnt nochmal den Rohling anzupassen. Solange der Stahl noch nicht gehärtet ist, kann man noch leicht etwas ändern. Nach dem Härten wird es schwierig.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Messermachen und lass dich durch Fehler nicht entmutigen, bei jedem weiteren Messer wird es besser! Einen guten Anfang hast Du jedenfalls gemacht.

Gruß
Matthias
 
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MaLu

Mitglied
@herbert , danke dir für den Tipp mit dem Bohrer! Für das Anzeichnen der Mitte hätte ich in diesem Fall einen Höhenreißer oder optional einen Messschieber genommen, welchen ich etwas unter Mitte einstelle, um die besagte Dickenzugabe zu erreichen. D.h. die Klinge bleibt vor dem Härten erst einmal stumpf und ich erzeuge nur den Flachschliff. die eigentliche Schneide bringe ich dann erst nach dem Härtevorgang mit einem Schleifstein an. Habe ich dich so richtig verstanden?
Gibt es für die Dickenzugabe einen Richtwert? Ich würde jetzt mal max. 0,5mm anpeilen. Je breiter, desto größer wird ja zwangsläufig der Schneidenanschliff.

Um nochmal auf meinen geplanten Flachschliff zurück zu kommen, ich werde versuchen ihn zu feilen, da mir die Möglichkeit fehlt diesen zu schleifen. Dafür habe ich vor, mir eine Feillehre zu bauen, damit der Feilwinkel einstellbar und immer gleich ist. Ich weis, das ist warscheinlich unendlich viel Arbeit, aber ich versuche vorher möglichst viel Material mit dem Winkelschleifer abzutragen (ohne viel Temperatur ins Material zu übertragen), um die Feilarbeit somit möglichst zu reduzieren.

@Taperedtang , auf Karton habe ich den Entwurf jetzt nicht übertragen, habe das nur so ansatzweise an der aus Papier ausgeschnittenen Schablone getestet . Aber der Rohling liegt bereits sehr gut in der Hand. Ich habe den Griff sogar etwas dicker belassen als auf dem Entwurf gezeichnet. Aber das stimmt, erstmal auf Karton übertragen macht durchaus Sinn, bevor man hinterher merkt dass einem die Form gar nicht gut liegt. Beim nächsten mal(y). Nachträglich mache ich das wohl aber trotzdem, fals ich das Messer irgendwann nochmal bauen will.

LG
Markus
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Die Dicke von 0,5 mm reicht. Ich würde aber das Flexen weitgehend reduzieren. Oder wenn, dann muß vor dem Härten normalisiert werden (das empfiehlt sich in meiner Begriffswelt ja ohnehin immer). Es gab im Messermagazin mal einen Beitrag ("Workshop"), in dem eine Feilenlade vorgestellt wurde, die mit wenig Geld und wenig Aufwand zu fertigen ist. Hab ich auch gemacht, und geht gut. Weiß nicht mehr genau, in welchem Heft das war, mal sehen. Vielleicht weiß das jemand hier im Forum.
Ich habe damals mein erstes Messer (siehe Avatarbild) komplett durch händisches Feilen als Halbintegral gemacht, das hat eine gute Wirkung, wenn man händisch feilt. Ich habe mit handwerklichen Dingen bis dahin nie zu tun gehabt, und das anfangs beherzte und später vorsichtige Feilen vermittelte mir ein Gefühl für die Formgebung und das Stahlverhalten, denn ich hatte mir gesagt, dass auch der Weg ein Stück vom Ziel ist. War eine gute Erfahrung. Bei den ersten Messern ist Zeitersparnis nicht immer eine gute Sache.
Was den Tip von @Taperedtang angeht: ich habe oft neue Entwürfe aus Sperrholz ausgesägt und auch einen Griff aufgeklebt, um Handling etc. zu testen. Das hat sich bewährt. Auch was verschiedene Griffformen angeht.
 

MaLu

Mitglied
@herbert ,du hast Recht, ich lasse das mit dem Flexen lieber sein. Das ist es nicht wert, dass deswegen etwas in die Hose geht. Zumal ich bestrebt bin, Dinge die ich händisch erschaffe bestmöglich umzusetzen, da darf es ruhig etwas länger dauern. Der Weg ist ein Stück des Ziels trifft es sehr gut.

Griffmaterial habe ich nun auch besorgt. Es sind doch zwei Griffschalen aus Cocobolo Holz geworden, keine Eiche wie ich anfangs erwähnt habe.

Da habe ich auch eine Frage zur richtigen Vorgehensweise zum Griffbau:
1. Ich muss zuerst beide Griffschalen nachdem ich diese plangeschliffen und gesäubert habe mit einer Lage Vulcanfiber verkleben, in diesem Fall habe ich mich für 0,8mm entschieden.
2. Danach richte ich die Griffschalen am Messergriff aus und verbohre diese mit den schon zuvor gesetzten Löchern.
3. Ich Bearbeite die Griffschalen grob vor und passe diese der Messergriffkontur an, lasse aber etwas Aufmaß drauf, so 1-2mm
4. die Fläche der Griffschalen welche Richtung Klinge zeigen muss ich komplett fertig bearbeiten da ich sonst die Klinge zerkratzen würde bei der nachträglichen Bearbeitung.
5. Griffschalen zusammen mit den Messingbolzen mit dem Messergriff (vorher aufrauhen und säubern) verkleben und nach dem Aushärten die Griffschalen fertig bearbeiten.
Stimmt das so in etwa?

Sollte ich die Löcher für die Messingbolzen auch etwas größen bohren als der Nenndurchmesser der Bolzen, damit ich einen Klebespalt erzeuge? Nur in den Griffschalen oder auch im Messergriff?
Wenn ja, sollten 0,2mm ausreichend sein?

Kann mir jemand einen guten Kleber empfehlen? Ist ein gewöhnlicher, langsam aushärtender 2k Kleber von Uhu geeignet?


LG
Markus
 

Taperedtang

Mitglied
Genau so wie Du es beschrieben hast mache ich das auch. Allerdings muss man Griffschalen nicht mit Vulcanfiber verkleben. Man kann es auch weglassen oder eine andere Zwischenlage nehmen. Das ist im Endeffekt eine Frage der persönlichen Vorliebe.

Ich bohre die Löcher für Holzgriffschalen maximal 0,1 mm größer. In aller Regel reicht das. Bei Griffschalen aus künstlichen Materialien z.B. Kirinite oder Micarta bohre ich nur auf Nenndurchmesser der Pins. Die Pins passen dann meistens saugend. Die Löcher der Griffschalen senke ich auf der Klebeseite leicht an, das hat zwei Effekte, der Kleber gelangt besser an die Pins und das Durchführen der Pins durch beide Griffschalen gelingt besser.

Hölzer wie auch künstlichen Materialien können sich sehr unterschiedlich beim Bohren verhalten. Ich taste mich mich da immer vorsichtig an die richtige Bohrgröße heran. Grundsätzlich bohre ich die Löcher so klein wie möglich aber so groß wie nötig. Bohrt man die Löcher zu klein, kann das Griffmaterial reißen (passiert besonders schnell bei Holz). Ich empfehle niemals unter Nenndurchmesser der Pins zu bohren. Bohrt man zu groß, hat man einen unschönen Kleberand um den Pin herum. Beim Messergriff mache ich es genau so. Aus meiner Sicht entsteht aber kein Problem, wenn der Lochdurchmesser hier ein Zehntel größer ist.

Ich habe früher Uhu Endfest 300 benutzt, zur Zeit nehme ich den 30 min 2K Kleber vom "Nordischen Handwerk", mit dem ich sehr zufrieden bin. Von den 5 min 2K Klebern rate ich dir ab.

Ich empfehle dir, falls Du noch keine Literatur zum Messerbau hast, das Buch "Messermachen für Anfänger" von Stefan Steigerwald und Dirk Burmester. Dort wird alles notwendige zum Messerbau sehr gut erklärt und gezeigt.

Gruß
Matthias