obsidian??

xtorsten

Mitglied
das Obsidian ziemlich feine, scharfe Bruchkanten hat, wissen wir ja schon sau-lange, aber hat das schon mal jemand gemacht, bzw. hat es vor , kennt eine Möglichkeit da dran zu kommen oder ähnliches?
Könnt man das vielleicht irgendwie auch schleifen, oder ist das blödfug und geht nur über die Bruchkanten?
gruß,
xtorsten
 

WalterH

Mitglied
Auf der letzten IMA hatte Franz Weinberger ein paar superschoene selbstgemachte Obsidianmesser dabei. Bigbore hat sich eins davon gekauft:

http://www.messerforum.net/forum/showthread.php?s=&threadid=9170

Viertes Bild von oben. Vielleicht verraet er Dir ein paar Tricks. Ich hab leider nur die Adresse (Forum Suchfunktion) und keine Telefonnummer:

Franz Weinberger
Donaustr. 3
84513 Töging

Weinberger macht ueberhaupt schoene Sachen. Und vor allem bezahlbar!

-Walter
 

Aleena

Mitglied
Klar kannst du Obsidian auch schleifen. Nur eine Schneide gibt das nicht. :D Die kannst du nur über Bruchlinien herstellen. Aber obsidian ist ätzend schwer zu bearbeiten.
Ich habe schon Schneiden aus Flint (Feuerstein) auch grünem (calzedon) geschlagen. 1 von 5 ließ sich benutzen 1 von 10 war gut. Das war unter Anleitung in einem Seminar für experimentelle Archeologie. Ohne Tips gehts sicher nicht besser.:haemisch:
Die ganz tollen Steinmesser haben eine gebrochene Schneide und sind an den Flachseiten geschliffen.
Feuersteinknollen findest du in Norddeutschland am Bach. Obsidian ist teuer oder du suchst ihn in Südamerika.
 

bigbore

Mitglied
Original geschrieben von WalterH
Auf der letzten IMA hatte Franz Weinberger ein paar superschoene selbstgemachte Obsidianmesser dabei. Bigbore hat sich eins davon gekauft:

http://www.messerforum.net/forum/showthread.php?s=&threadid=9170

Viertes Bild von oben. Vielleicht verraet er Dir ein paar Tricks. Ich hab leider nur die Adresse (Forum Suchfunktion) und keine Telefonnummer:

Franz Weinberger
Donaustr. 3
84513 Töging

Weinberger macht ueberhaupt schoene Sachen. Und vor allem bezahlbar!

-Walter

Leider habe ich mir nur eine Feuersteinklinge geleistet,
die Obsidianklingen von Franz Weinberger waren größer, schöner und (etwas) teurer, ausserdem meinte er Obsidian wäre bruchempfindlicher als Feuerstein.
 
P

PhilippU.

Gast
Schön scharf ist er jedenfals als kind hatte ich mal so einen Steinchen. Wusste auch das die Bruchkanten scharf werden, allso habe ich den Stein vor mir auf den Bortstein geworfen. Ein bruchstück ist abgesplittert un mir direkt ins Knie. Das blutete wie ein Wasserfall. Wir wohnten damals im 3 Stock eines Miethauses ich natürlich die treppan nach Mama hochgelaufen und das ganze Treppenhaus war voller blut "lechts" :)
Naja passt ja nur indirekt zu Thema wollte nur sagen das die bearbeitung ohne passende Schutzkleidung nicht gans ungefährlich ist

gruss Philipp
 

Aleena

Mitglied
Original geschrieben von bigbore
..., ausserdem meinte er Obsidian wäre bruchempfindlicher als Feuerstein.

Ganz recht ist er. Aber bei Steinklingen gilt eine ganz gemeine Regel:
Je größer die Bruchgefahr umso schärfer die Klinge.
"Normaler" Feuerstein bricht nur kleinflächig aus und die Klinge wird schnell dicker, ist dann aber recht stabil. Feiner Stein Calzedon oder Obsidian bricht großflächig, da kann man feine Klingen schlagen:super: oder alles ruinieren.:glgl:
 

Aleena

Mitglied
Vielleicht auch noch interessant.:confused:
Auch heute werden noch Obsidianklingen benutzt, nicht nur von Messerfreaks. Die ganz teuren und guten Klingen für Mikrotome (die Dinger mit denen man Gewebeschnitte z.B. für Krebsdiagnostik macht) sind aus Obsidian. Die werden auch heute noch einzeln gebrochen und dann geprüft. Eins von 20 geht, eins von hundert ist gut, eins von tausend ist toll. Da kann es dann schon mal passieren, dass ein neues Gerät angeschafft wird, weil sich keiner traut dieses tolle Messer wieder auszuspannen (es könnte ja brechen)
Normale Messer sind aus Glas und Stahlklingen nimmt man nur für Medizinstudenten.
Zum einschätzen:
Stahlmesser: Nutzbereich bis 20 cm Schitte 100 µm ca
Glasmesser : bis 5 cm 25 - 10 µm
Obsidian : ca 1 cm 5 - 0,5µm

Die Schneide der Klinge muss min um den Faktor 10 dünner sein als der dünnste Schnitt
 

roman

MF Ehrenmitglied
Interessante Werte Aleena!

Das kannt ich noch nicht so. Ich hab das ja in meinem Buch mal beschrieben, da ich wusste das man die Obsidiansplitter eben auch in der Nerven und Augenchirurgie einsetzt.

Das bestätigt auch die grundverhältnisse die ich bei solchen Untersuchungen gefunden habe. Hätt ich bio studiert oder med hätt ich das wohl auch gelernt.
Klasse!
 

luftauge

Mitglied
Feuersteinknollen findest du in Norddeutschland am Bach.

Nicht ganz !
Weil es hier kaum "Bäche" wie in Mittel- bis Süddeutschland gibt, und die sind dann meist von morastigem bis lehmigen Böden umgeben, da ist es eher Zufall, solche Steine zu finden, an solchen Wasserläufen gezielt auf die Suche zu gehen, ist eher Zeitverschwendung.
Dafür gibt es im Norden die Lüneburger Heide, altes Land, viele Geestrücken und auch frühere Urstromtäler, in deren Umgebung gibt es dann reichlich Feuerstein, teilweise zentnerschwer (da freuen sich alle Strassenbauer und Landwirte, wenn so ein Brocken ins Gerät kommt) - im oder am Wasser wird man sie kaum zu Gesicht bekommen, alles trübe Brühe :D

Im gelben Sand (Füllsand) findet man auch häufig Feuersteine, also wer sowas sucht, müsste nur zu einer Kies- oder Sandkuhle fahren, und sich dort etwas umsehen.
wenn man im Norden durch Wälder spaziert, stolpert man ständig über die Dinger, manchmal sehen sie sogar aus, als wären sie schon mal bearbeitet worden.

Gruß Andreas
 
Zuletzt bearbeitet:

Aleena

Mitglied
OK Luftauge hast Recht, ich hab´s zu flappsig ausgedrückt.
Meine Feuersteinknollen hab ich aus ausgetrockneten Flußbetten in der Heide. Weiter nördlich muß es dann schon aufgebuddelt sein. Kiesgrube o.ä. Was oben auf lag ist meistens Mist oder schon lange weg. Oder dann wieder Am Alpenrand.

@roman
freut mich, dass dich meine Erfahrungen interessieren.
 

kababear

Mitglied
während meinem sommerurlaub im letzten jahr war ich an der deutschen ostseeküste. da gibts abschnitte, bei dennen die küste aus weissem kalkstein besteht. neugierig wie ich bin, habe ich mir mal ein paar dunkle flecken genauer angeschaut und festgestellt, dass es feuerstein war. ich kann euch sagen.. da waren brocken dabei!
also wer auf feuersteinsuche gehen will: rauf in den norden!
 

xtorsten

Mitglied
ich seh schon, das wird mich so lange beschäftigen, bis ich das mal ausprobiert habe - auch wenn das ein jahrzent dauert, bis ich es dann wirklich auch gemacht habe. danke an euch erst einmal für die posts.
@Aleena: weißt du, wie die med. Klingen gebrochen werden? doofe frage vielleicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie man so eine präzision erreicht.
xtorsten
 

Camig

Mitglied
Original geschrieben von Aleena
Die werden auch heute noch einzeln gebrochen und dann geprüft. Eins von 20 geht, eins von hundert ist gut, eins von tausend ist toll.

Obsidian : Nutzbereich ca. 1 cm


Ich verstehe es so:
Gebrochen wird im Prinzip immer gleich, der Knackpunkt ist ja gerade eben, daß man vorher nicht weiß wie es nachher wird. Und irgendwo entlang dieser Bruchkante hast Du dann eben ein Stück, das sowohl gerade als auch dünn ist. Wenn nicht- von vorne.
 

Wolfgang Dell

Mitglied
@Aleena, @Roman,@Rest:
Noch was zum Obsidian Messer. Vor Jahren habe ich noch auf der IMA in Nürnberg ausgestellt. Mir gegenüber war ein Chirurg der sein selbst gebautes Gatling Maschinengewehr anbot!! Wir kamen natürlich über das Messer zu den Scalpellen. Ich gab ihm dann eine Adresse eines amerikanischen Flintknappers (muss was mit Daniel Winkler zu tun haben)der für viele Ärzte in Amerika Scalpelle schlägt. Ich sah den Arzt dann im folgenden Jahr wieder und er war begeistert von den Teilen. Jetzt fragt mich nicht wer der Arzt war und wie der Steinschläger hieß, aber die Operations - Schnitte heilten anscheinend wesentlich besser und schneller als mit herkömmlichen Scalpellen. Ist doch interessant, dass die Altvorderen auch dem modernen Menschen noch ein Staunen entlocken können, oder?
Gruß von
Wolfgang
 

Aleena

Mitglied
Original geschrieben von xtorsten
@Aleena: weißt du, wie die med. Klingen gebrochen werden? doofe frage vielleicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie man so eine präzision erreicht.
xtorsten

Da gibt´s keine präzision.:haemisch:
Entweder der Stein tut es oder nicht. Wirst du bei eigenen versuchen noch feststellen. Wenn man an der richtigen Stelle, im richtigen Winkel mit der richtigen Kraft und dem richtigen Werkzeug draufhaut, bricht der Stein von alleine glatt und gerade und die Scheide wird hauchdünn.
Ausprobieren, testen oder reproduzieren geht nicht. Jedes ein Einzelstück. Je länger man damit arbeitet, desto eher sieht man in welche Richtung der Stein brechen will, wenn man ihn läst.
 

Philipp

Mitglied
Was begriffliches

Chalcedon (Feuerstein, Flint) und Obsidian sind zwei an sich sehr unterschiedliche Dinge, sowohl physikalisch als auch chemisch:

Chalcedon (ein recht unterschiedlich gebrauchter Begriff) ist kryptokristalliner Quarz (SiO2). Wie das Wort sagt, ist Ch. kristallin, d.h. die SiO2-Tetraeder befinden sich in einer gewissen räumlichen Ordnung zueinander, jedoch nur über extrem geringe räumliche Distanzen (im Gegensatz zum z.B. Bergkristall bzw. jedem größeren Kristall, wo die räumliche Ordnung der Atome/Moleküle in größerer Dimesion vorliegt). Achate sind farblich gebänderte Chalcedone. Im Schmuckbereich gibt es noch eine große Zahl andere Namen, Kunstnamen und Bezeichnungen. Feuerstein ist ein Chalcedon und entsteht meist aus der Abscheidung und Sammelkristallisation von vorher gelöstem Skelettopal (amorphes, wasserhaltiges SiO2) von Mikroorganismen. In diesem Vorgang haben die Flintknollen der norddeutschen Kreide ihre Ursache.

Obsidian hingegen ist ein natürliches, vulkanisches Glas. Er entsteht aus einer Schmelze, die sich hauptsächlich aus Kalifeldspat und Quarz aufbaut (= rhyolitische Schmelze, entspr. chemisch einer granitischen Schmelze) und die schnell abgekühlt wird. Dadurch fehlt die notwendige Zeit auszukristallisieren, die Moleküle verbleiben im ungeordneten Zustand und es entsteht ein Glas. Die Schwarzfärbung rührt meist von winzigen Einlagerungen an Magnetit her.

Im Gegensatz zu kristalliner Substanz besitzt Glas keine interne Struktur und hat daher keine bevorzugten Spaltrichtungen. Chalcedon spaltet zwar auch nicht sichtbar in bevorzugte Richtungen, jedoch besitzen die einzelnen Mikrokristalle schwach ausgeprägte Spaltbarkeiten, die in "stumpferen" Splittern resultieren.

Entsprechend sind die Unterschiede in den Klingeneigenschaften nachvollziehbar.

Vielleicht hat das jemanden interessiert .:irre:
 

WalterH

Mitglied
[OT]
@Philipp: Doch, interessiert mich sehr. Ich hab mir vor langer Zeit mal ueberlegt, Mineralogie zu studieren. Bis jetzt war ich immer der Meinung, Chalcedon waere vollstaendig amorph.

Grade mal in meinen schlauen Buechern nachgesehen: ... bei welchen die Kristalle sehr klein und nur noch submikroskopische Zwischenraeume vorhanden sind ...

Und stimmt: In meinem schlauen Buch steht auch das mit den kieselsaeurehaltigen Loesungen.

Aha. Das Messerforum bildet wirklich. ;)

Aber Opal ist amorph! Ha! :D
[/OT]

-Walter