Neuling stellt sich vor und hat gleich einige Fragen :-)

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Hallo zusammen

Mein Name ist Chris. Bin 32 Jahre alt und komm aus Bayern.
Vor kurzem habe ich dieses neue Hobby für mich entdeckt. Meine erste Klinge war mal eine alte Autofeder und ist für die erste selbst geschmiedete Klinge ganz ordentlich (wie ich finde).
Nun möchte ich mir natürlich eine g'scheite Kohlenesse bauen. Da ich bissher meine Esse auf dem Boden augebaut habe und mich das langsam nervt...:)
Damit kommen wir schon zu den Fragen.
Ich habe vor mir diese Esse selbst zu mauern. Das Untergestell würde ich aus Ytong machen. Darauf eine Ytongplatte und auf diese Platte eine Schamottplatte. Jetzt ist die Frage ob das die Ytong platte aushält oder ob ihr das zu heiß wird?
Die Feuerstelle würde etwa die Größe 20 auf 20 cm haben? Genügt das?
Ich habe festgestellt das das bei meinem jetzigen Provisorium völlig ausreicht. Will mich allerdings durch euch "alte Hasen" ruhig eines besseren belehren lassen.
Die Feuerschüssel würde ich durch eine schrägstehende Schamottplatte und einige Steine erzeugen.
Belüftung für die Esse ist ein Staubsauger. Da ich Holzkohle verwende durch Seitenwind (wie ich hier im Forum gelernt habe). Als "Dach" evtl. ein 60l Fass....darüber bin ich mir aber selbst noch unschlüssig.
So das wär's :)
Ich hoffe ihr seit nachsichtig mit mir und meinen "dummen" Fragen.
 

sanjuro

Mitglied
Esse bauen

.....Nun möchte ich mir natürlich eine g'scheite Kohlenesse bauen, da ich bis(s)her meine Esse auf dem Boden aufgebaut habe und mich das langsam nervt....
Über das Thema findest Du in der Suche eine Menge Informationen, weil das schon tausendundein Mal gefragt wurde. Einfach mal nachlesen und dann - falls noch nötig - konkrete Fragen stellen.

Eine persönliche Empfehlung von mir: unbedingt einem gut eingerichteten Schmied bei der Arbeit zuschauen und die Geräte studieren! Danach erübrigen sich bestimmt viele Fragen!

GHruß

sanjuro
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Ich warte nur noch darauf, daß auch Egil Skallagrimson hier im Forum auftaucht. Sein Vater-logischerweise Skallagrim- war u.a. ein tüchtiger Schmied.

Scherz beiseite: Wenn Du bei Holzkohle als Brennstoff bleiben willst und auf Damastschmieden oder generell Feuerschweißen verzichten willst (warum sollte man sich aber dieser Möglichkeiten berauben ?), kann der gewählte Aufbau so bleiben.

Wenn Du aber schon dabei bist, ein ordentliches Feuer zu bauen, solltest Du zwei, drei Verbesserungen gleich mit einbeziehen:

1. Die Grundplatte aus Schamotte ist nicht ideal. Solltest Du einmal Kohle (Schmiedekohle, Anthrazit, Koks) als Brennstoff verwenden wollen, so wird sich Schlacke bilden, die sich mit der Schamotteplatte verbindet. Ohne Beschädigung der Grundplatte kriegst Du das nicht mehr ab.
Deshalb ist als Bodenmaterial ein dickes Stahlblech besser-am besten V 2A.
Beim Stahlblech als Bodenplatte mußt Du nur darauf achten, daß der Stich des Gebläses nicht zu stark nach unten geneigt ist. Dadurch würde die Zone der größten Hitze direkt an der Bodenplatte liegen und An-oder Durchschmelzungen wären zu erwarten.
Ytong als Trägermaterial ist unbedenklich- Hitze wirkt immer von unten nach oben.

2. Bei einer Schmiede mit Seitenwind ist eine quadratische Feuerschüssel nicht zwingend. Du kannst sie auch länglich oder-besser- verstellbar einrichten. Die Größe 200 x 200 ist an sich in Ordnung. Wichtig ist aber eine ausreichende Tiefe der Feuerschüssel, die 7-8 cm nicht unterschreiten sollte.
Die Größe der Schüssel hängt im wesentlichen von der zugeführten Luft, also vom Gebläse ab. Ist die Feuermulde für das Gebläse zu klein, wird sie am Rand zu heiß und im Laufe der Zeit werden die besonders exponierten Teile abschmelzen. Dann regelt sich die Größe von selbst.
Ist sie zu groß, so verbrennt zuviel Brennstof am Rand der Feuerstelle, ohne dem Schmiedegut zur Verfügung zu stehen.

3. Das Gebläse sollte regulierbar sein, entweder durch ein Blech im Rohr der Luftzufuhr oder- besser- durch einen Dimmer.

4. Moderne Schmiedefeuer haben schräge Wände. Was modern ist, ist gut. Also muß man die Feuerschüssel mit schrägen Wänden machen.

-Warum ?-

Für die modernen Essen mit Seitenwänden aus Blech ist das zwingend erforderlich, weil sie sonst durchbrennen.

Für die von Dir geplante Schmiede mit Schamottesteinen als Begrenzung der Feuerstelle ist das nicht erforderlich. Senkrechte Begrenzungswände strahlen die Hitze ins Feuer zurück und Du erreichst mit weniger Luft eine bessere und gleichmäßigere Hitze.
Haedicke berichtet von einer Brennstoffeinsparung von etwa 50 % bei senkrechten Wänden der Feuerschüssel. Bei Holzkohle als Brennstoff ist das kein zu vernachlässigender Faktor.

5.
Ein Dach als Abdeckung nacht-richtig angebracht- schon Sinn.
Zum einen erreichst du dadurch eine gewisse Gleichförmigkeit der Lichtverhältnisse, was für die Beobachtung der Glühfarben hilfreich ist.
Zum andern kann man mit einer Abdeckung die Abgase in die richtige Richtung lenken.
Freundliche Grüße

U. Gerfin
 
Die Suchfunktion habe ich genutzt, aber so wirklich geholfen hat das nicht, darum stell ich ja meine dummen Fragen.
Einem Kunstschmied hier im Ort habe ich auch ein wenig über die Schulter geschaut.
Ich frag eben lieber hier. Ihr habt Erfahrungen die andere nicht haben. Schließlich betreibt ihr diese Hobby schon eine Weile und mit einer Leidenschaft die andere eben nicht haben.
Dieses Forum ist quasi der Hauptgrund warum ich zu Schmieden begonnen habe....naja besser gesagt beginnen will...Schmieden kann man mein Gehämmer noch nicht nennen.
Ich kann mir vorstellen das es nervig ist immer die selben blöden Fragen zu beantworten.....aber ich hab wirklich Stunden das Forum durchsucht, aber eben keine Antworten auf MEINE Fragen gefunden.
Ich möchte niemendem zu nahe treten. Das was ich will, ist mich inspirieren, belehren und begeister lassen von diesem Forum und seine langjährigen Mitgliedern.

So nun zurück zum Thema....


Lach...Mein Nickname bezieht sich auf mein anderes Hobby....Wikingerdarstellung auf Mittelaltermärkten. Außerdem war Egil Skallagrimsson kein wirklich angenehmer Zeitgenosse :D

Danke für die Tips U. Gerfin.
Damastschmieden habe ich noch nicht vor. Konzentriere mich erstmal aufs normale Schmieden. Kleine Schritte....
Mir geht es auch nicht primär ums Messerschmieden.
Da meine Frau Trinkörner herstellt und graviert, mach ich die Trinkhornständer. Weil was ist ein Horn ohne ordentlichen Ständer?
Jetzt stellt sich mir aber wieder eine Frage.... Funktioniert Feuerschweißen oder Damast nicht mit Holzkohle?
Gut früher oder später würde ich mir dann eine Gasesse bauen/kaufen....

Würden 4mm V2A genügen oder sollts mehr sein?

So für heute genug genervt :hehe:

Grüße Egil

P.S
Für etwaige Rechtschreibfehler wird keine Haftung übernommen ;)
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Nach den heute gängigen Vorstellungen war Egil Skallagrimson in der Tat kein angenehmer Zeitgenosse. In seiner Zeit aber war er sicher eine Riesengestalt und einige seiner Dichtwerke sind -das kann man ruhig sagen- Weltliteratur.

Zum Schmiedefeuer:
4 mm V2A genügen, wenn der Stich des Gebläses nicht zu stark nach unten gerichtet ist. Untechnisch ausgedrückt: wenn der seitlich eintretende Luftstrom nach unten gerichtet ist, liegt der Punkt der größten Hitze-wo also am meisten Sauerstoff vorhanden ist- eben unten knapp über dem Bodenblech.
Das macht dann auch V2A nicht lange mit.
Besser wäre sowieso eine Grundplatte unter dem Brennraum von 8-10 mm Dicke. Es genügt, wenn sie den Brennraum unten etwas überlappt. Das ganze Bodenblech muß nicht diese Stärke haben- soweit die Glut nicht darauf ruht, kann es ruhig dünn und aus normalem Stahl sein.

Holzkohle als Brennstoff ist für Feuerschweißungen und Damast natürlich erste Wahl, da sie frei von Stahlschädlingen-Phosphor-Schwefel- ist. Ihre Verwendung ist also in erster Linie eine Kostenfrage.

Wenn man Platz genug hat, kann man Holzkohle aber sehr gut selbst brennen. In kleinstem Umfang geht das schon im Gartengrill, besser in einem Stahlfaß.
In dem Büchlein "Traditional Woodcraft" ist eine Beschreibung des Vorgangs mit Bildern.
Unser Mitforumit Unsel hat mit dem Köhlern auch einige Erfahrung.
Ob er als Kelte allerdings einem Wikinger was verrät ?.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 
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