MT Socom Elite vs. SOG X-Ray Vision

Sam Hain

Mitglied
"Wer vergleicht denn hier Äpfel mit Birnen?!"

ICH! Da ich inzwischen einen halbwegs vernünftigen Grundstock einer Sammlung zusammengetragen habe (danke an alle hier die sie mir so günstig verkauft haben!) und nach eigener Einschätzung genug Erfahrung (Messer hab ich schon seit 20 Jahren) und Erkenntnisse erworben habe, dachte ich, daß es an der Zeit sei hier mal einen kleinen Vergleichstest reinzustellen. Irgendwer hatte sich glaubich neulich beschwert daß sowas zu selten geschähe. Find ich auch!

Um´s vorwegzunehmen: Dieser Test ist selbstverständlich subjektiv (welcher nicht?) und wird wohl daher auch nur meine eigene Meinung wiederspiegeln können. Wenn er aber ausreichend Anklang findet, hab ich geplant, daraus eine kleine Testserie zu machen. Dabei würde jedesmal ein Messer meiner Sammlung an besagtem Socom Elite gemessen werden. Dieses gilt vielen ja nach wie vor als Maß aller Dinge im Tactical Folder-Bereich. Meine Idee dabei ist festzustellen, ob nicht doch das eine oder andere Messer dem SE das Wasser reichen oder es sogar übertreffen kann. Es kämen natürlich jedesmal die gleichen Testkriterien zum Einsatz.

Das sollte als Vorabgeschwätz reichen. :D

Zu den Kandidaten: Das Socom Elite ist eine Old Grind Version mit partiellem Wellenschliff und Anopeen-Finish (Danke David!:) ).
Der "Gegner": Wie der Überschrift zu entnehmen war, ein SOG X-Ray Vision, also die Zytel-Griffversion.
Ich sagte schon daß ich hier auf den ersten Blick Äpfel mit Birnen zu vergleichen scheine, aber ich denke daß die Messer durchaus in der gleichen Liga spielen: Tactical. Daß das beide völlig unterschiedliche Klingengeometrien haben, stört mich hier tatsächlich nicht die Bohne. Wie gesagt: Subjektiv.

Also jetzt endlich der Test. Eigentlich ist Vergleich oder Revision der passendere Begriff fällt mir grade ein. Ich verspüre nämlich nur begrenzt Lust, die Messer zu Tode zu quälen mit fiesen Schnitthaltigkeits- oder Bruchfestigkeitstests *g*.


Ich beginne den Vergleich mit dem Griff: Das SE besitzt den bekannten Aluminium-Griff mit Kratoneinlagen. Die Daumenrampe ist ausreichend ausgeformt, aber ich finde die Riffelung könnte ruhig besseren Halt bieten. Die Handlage ist gut und durch die Form sind schnelle Griffwechsel zumindest bei mir möglich. Riffelungen am Griffende begünstigen die Reverse-Griffhaltung zusätzlich. Verbessert gegenüber dem Vorgängermodell ist der Zugang zum Daumenknopf durch eine Fräsung im Griff. Die obligatorische Kordel ist eine nette Zugabe, jedoch Geschmacksache. Der Clip gefällt mir weniger: Die Haltekraft ist mir persönlich zu schwach und versetzen kann man ihn auch nicht. Außerdem noch Tip-down :-( aber auch das ist Ansichtssache. Mir gefällts halt nicht. Der Gesamteindruck vom Griff ist sehr gut. Vor Allem die perfekte Verarbeitung ist hervorzuheben. Torxverschraubung, genaueste Passung, keine Fehler und außerdem extrem "verwindungssteif". Scharten bekommt er zwar relativ leicht, aber man will ja nicht nur Briefe damit öffnen und richtig kaputt kriegt man diesen Griff eh nur mit äußerst brutalen Mitteln (mit dem Panzer überfahren, o. Ä.)

SOG: Der Griff des Vision ist natürlich nicht völlig ebenbürtig. Bei einer Zytel-Variante ist das aber auch kaum zu erwarten. Die Oberfläche ist fein geriffelt und der Griff fügt sich in meine Hand sehr angenehm ein. Die Fingermulde für den Zeigefinger macht die Haltung in Verbindung mit der Daumenrampe am Klingenrücken sicherer als beim SE (!). Auch Reversegriffhaltung ist kein Problem. Dann liegt der kleine Finger sicher in der Mulde. Der Griffwechsel geht ebenfalls sehr flott. Der Daumenknopf ist durch die Fingermulde sehr gut erreichbar. Ein Pluspunkt ist der Clip: Materialsparend konstruiert und dennoch ausreichend stark. Außerdem kann man ihn auf die andere Seite versetzen und er ist "Tip-up". Wie das SE besitzt auch das Vision eine Kordelbohrung für die Seilknüpfer unter uns. Der Gesamteindruck ist gut. Die Stabilität ist nicht mit der des SE vergleichbar, aber in meinen Augen völlig zufriedenstellend und die Qualität ist hoch. Vorteil des Materials und der kompakteren Bauweise ist natürlich das geringere Gewicht.


Als nächsten Punkt habe ich die Klingen vorgesehen. Zum Stahl 154-CM bzw. ATS-34 verlier ich keine Worte. Das wurde schon lange ausführlich bequatscht. Ausreichen soll hier: Der Klingenstahl ist sehr gut. Fertig.
Das SE hat den besagten Old-Grind. Ist also etwas spitz. Die Klinge ist etwa fünf mm länger als beim Vision. Die Stärke von vier mm ist vertauenerweckend solide. Durch die fast durchgehende Fehlschärfe am Klingenrücken wirkt es jedoch angenehm schlank. Die Riffelung am im Daumenknopfbereich ist ein Designdetail das zwar nett ausschaut, aber unötig ist. Der Daumenknopf selbst fungiert als Stopper und ist durch seine Form und Oberflächenstruktur sehr gut zu bedienen. Die Klinge ist bauchig genug zum Schneiden. Die Schärfe ist über jeden Zweifel erhaben. Reicht zum Rasieren gegen den Strich. Der ach so verpöhnte Wellenschliff ist hocheffektiv und hat mir schon gute Dienste geleistet. Mich stört er nicht, weder optisch noch in der Handhabung. Die Klinge ist leichtgängig und vollkommen spielfrei. Der Micro-Bar Liner rastet sicher ein und blockiert die Klinge zuverlässig. Besonders das Geräusch liebe ich *g*. Den Liner zu lösen kostet etwas Kraft was schon ein wenig lästig sein kann. Aber einhändiges Schließen ist dennoch kein Problem. Alles in Allem eine Superklinge mit perfekter Sicherung. Nur die Klingenspitze ist etwas bruchgefährdet bei hartem Einsatz, da sie relativ dünn und spitz ausläuft. Also im Steinbruch als Meißel benutzen is nich.

Das SOG hat eine modifizierte "Tanto"-Klinge die zunächst mal zu Äußerungen wie "Mordwerkzeug" bei Laien anregt. Trotz der geringeren Abmessungen ist sie die weniger politisch korrekte Version. Aber damit muß und kann ich leben. Vorteil der Tanto-KLingen ist, wie wir nicht erst seit Messermagazin wissen, die Stabilität der Spitze. Die ist beim Vision auch unbestreitbar höher als beim SE. Wie das SE hat das V auch eine fast durchgehende Fehlschärfe und das Design ist einfach hinreißend finde ich. Die Daumenrampe im Rücken ist bereits oben abgehandelt und sehr lobenswert. Der Daumenknopf ist voll linkshändertauglich und "giffig". Die Klingenform lässt natürlich nicht den gleichen schönen "rollenden" Schnitt zu wie die des SE, aber sie hat sih bei mir dennoch bewährt. Besonders eins fällt auf: So scharf das SE auch ist, das Vision ist um Welten schärfer! Ich habe vielleicht mit meinem Glück gehabt, aber es IST scharf wie Nachbars Lumpi. Rasieren meines Backenbartes ist ohne Probleme möglich (trocken!) und ich hab dicke störrische Haare im Gesicht! Der Wellenschliff des Vision ist sehr aggressiv und beißt sich in härterem Material schneller fest als der des SE. Aber auch er leistet gute Arbeit im täglichen Einsatz. Zum Schnitzen gibts schließlich kleine Taschenmesserchen. Wer mach sowas schon mit so einem Teil wie dem SE oder dem Vision?! Ich jedenfalls nicht. Die Klinge lässt sich blitzschnell aufschnippen und geht butterweich. Durch den erstklassigen Arc-Lock, eine Verbesserung des Benchmade Axis-Locks, kann man sie auch superschnell wieder schließen. Das ganze geht so schnell und einfach wie bei einem Automatikmesser. Der Verschluß ist außerdem sicherheitstechnisch über jeden Zweifel erhaben. Blödsinn wie Spine-Whack hab ich früher auch gemacht, jetzt zählt eher die Bewährung in der Praxis. Und die bestehen beide Sicherungen mit Bravour. Einziger Mangel ist das leichte Wackeln der Klinge. Dieses tritt aber nur bei starker Belastung auf und fällt im Gebrauch nicht im Geringsten auf. Nur für die Perfektionisten ist das störend, aber das SE übertrumpft das V in diesem Punkt lässig. Insgesamt eine schöne und gute Klinge. Die geringere Materialstärke (drei mm) gleicht der Tantoschliff wieder aus.


Der letzte Punkt ist die abschließende Bewertung. Ich tu mich schwer, ein standardisiertes Bewertungssystem einzuführen, daher werde ich einfach darlegen wie sich das jeweilige Messer im Vergleich zum SE schlägt.
Das SOG kann dem MT nicht den Rang ablaufen, aber es kann durchaus mithalten. Als User ist es volltauglich und als Kampfmesser verwendet es doch sowieso keiner, seien wir in diesem Punkt doch mal ehrlich. Es ist nicht ganz so unverwüstlich wie das SE, dennoch robust genug, daß es auch harte Einsätze klaglos wegsteckt. Die Praxistauglichkeit der Tantoklinge empfinde ich als gut, auch keine Probleme mit der "Säge". Gewicht und Abmessungen lassen es bequem in der Hosentaschen verschwinden (wobei auch das größere SE nicht stört). Und der Preis ist natürlich einer der größten Vorteile. Aber da das hier keine Werbung werden soll, sag ich dazu nichts näheres. Ich muß auch sagen, daß mir das Vision besser und "sicherer" in der Hand liegt als der SE, da der Griff einfach sehr gut konstruiert ist. Das Fazit lautet also: SE weiter an der Spitze, vor allem wegen der überragenden Qualität, und das Vision knapp dahinter (zumindest bis auf Weiteres). Ein "sympatisches" Messer *g*.

Das solls fürs Erste gewesen sein. Wenn das Feedback ausreichend positiv ausfällt, gehts demnächst an dieser Stelle weiter. Der nächste "Herausforderer" wäre dann das R.E.K.A.T. Carnivore.

Also vielleicht bis denne!

CU
sam
 

vector0168

Premium Mitglied
Danke für den Test, Sam. Ich habe genau so ein SE, die von Dir beschriebenen Eigenschaften kann ich nur bestätigen.
@ Sam: "Den Liner zu lösen kostet etwas Kraft was schon ein wenig lästig sein kann." Auch hier gilt: Microbar und Rampe entfetten, damit ist das Problem behoben.

MfG
 

aqua

Mitglied
KLASSE!

Tag Sam,

genial, dass mal so ein ausführlicher Test gemacht wird und von ein und derselben Person zwei Messer direkt verglichen werden. Dass Du keine Tests mit Brachialgewalt gemacht hast ist meiner Meinung nach egal, weil erstens die beiden Messer auch härtere Einsätze aushalten müssen und Du zweitens viel über Satbilität und Verarbeitung gesagt hast, sodass jeder in der Lage ist sich seinen Teil dazu zu denken und es wenn er meint selbst die Dinger in den Boden rammen kann.(Ausserdem verlangt hoffentlich auch keiner hier, dass Du Deine Messer für uns zur Sau machst!!!).
Ich würde es wirklich begrüssen, wenn Du oder jemand anderes weitere Tests dieser Art machen würde. Ich würde mich ja auch dazu bereiterklären, da ich aber recht neu bei Messern bin und keine zwei aus der gleichen "Kategorie" besitze habe ich leider nicht die Möglichkeit dazu.

Viele Grüsse,

Jochen
 

Elakazam

Mitglied
Toller Test! Klasse geschrieben!

Hat wirklich Spaß gemacht Deinen Test zu lesen!

:super: Aufgrund Deiner erzielten Ergebnisse habe ich mir gerade ein SOG-Vision bestellt (allerdings das mit dem Titangriff). Das dürfte dann ja eigentlich noch besser abschneiden als das X-Vision. Bin gespannt!

Das hatte ich zwar eigentlich schon länger vor, konnte mich aber nie richtig dazu durchringen, da ich das Messer bisher noch nirgendwo anschauen/testen konnte. Eigentlich müßte der Verkäufer des SOGs Dir danken,hehe.

Echt Prima, freue mich schon auf weitere Deiner Test!

Liebe Grüße!!:D
 

Sam Hain

Mitglied
Wow, das nenn ich positives Feedback! Danke!

@Elakazam:
*g* Ja, als Germanist sollte man auch halbwegs im Stande sein einigermaßen lesbare Texte zu produzieren. Eine meiner Berufsvorstellungen ist tatsächlich sogar Werbebranche, aber das hier soll keine Werbung für SOG oder MT sein. Es ist nur meine persönliche Wertung und die fällt nunmal positiv aus. Bei schlechterem Abschneiden des Vision hätt ich´s entsprechend "runtergeputzt" :D .

@all:
Ich fühle mich bestärkt und werde baldmöglichst den nächsten Kandidaten antreten lassen. Das habt Ihr jetzt davon.:p

CU
sam:)
 

Paco

Mitglied
Klasse Test! - Mehr davon

Hab das Sog Vision! Tolles Messer stimmt alles was Du gesagt hast. Apropos Klingenspiel: Läßt sich an der Schraube justieren (bei mir hat eine viertel Drehung gereicht) dann wackelt nichts mehr!

Ein aussergewöhnlich gutes Messer mit einem sehr schönen und ausgefallenem Klingenschliff!

Gruß

Paco
 

Sam Hain

Mitglied
@ Paco

Habs ausprobiert. Es stimmt wirklich, das Klingenspiel lässt sich mit der Achsschraube eliminieren. Ich werd zusätzlich ein bisschen blaues Loctite reinkleistern damits hält.
Thx:super:

sam
 

beagleboy

Premium Mitglied
Arc Lock vs. Axis Lock

Tach zusammen,

worin besteht eigentlich die "Verbesserung" des Arc Lock im Vergleich zum Axis Lock?
Habe selber ein paar BM´s, aber noch kein SOG probiert.
Wo sind die Vorteile?
 

crashlander

Mitglied
worin besteht eigentlich die "Verbesserung" des Arc Lock im Vergleich zum Axis Lock?

Ich glaube nicht daß es eine Verbesserung darstellt. Die mußten es halt anders machen als den axis lock, damit es keine Lizenzprobleme gibt :fack: Ich glaube daß der axis besser ist, weil einfacher aufgebaut.
 

kababear

Mitglied
axis schiebt sich linear in die verriegellungsnut, während der arc ne viertel- (oder isses ne fünftel-)drehung macht, um zu verriegeln.. also einfach ne patentumgehung :D
 

beagleboy

Premium Mitglied
Was ich vergessen habe...

...ist zu sagen, daß auch mir der Test gut gefallen hat.
Ich habe da auch ein paar Kandidaten in der Schublade; mal sehen, ob ich vielleicht noch vor dem Urlaub auch zum Schreiben komme. Fühle mich jedenfalls "inspiriert".

@ Sam: auf alle Fälle weiter so! :super:
 

Paco

Mitglied
Arc-Lock vs. Axis-Lock

Ob es sich hier um eine Patentumgehung handelt weiss ich nicht. - Könnte aber schon sein.

Allerdings läuft das Log von meinen SOGs (hab zwei Exemplare (x-Ray-Vision) und das Mini-SOG-Vision) bedeutend besser als das Lock vom BM 710 (Mc Henry-Williams) und besser als das vom BM-Griptilian. Ob das ein Zufall ist (der nur in der jeweiligen Verarbeitung/Modell liegt)???

Jedenfalls könnte ja die zusätzliche Führung des Verrigelungsbolzen dafür sorgen, dass sich dieser weniger stark in den Führungsschienen verkantet... Würde eigentlich dann für dieses Konstruktionsprinzip sprechen.

Schlußendlich: Beides hervorragende Verriegelungsprinzipien, die in abgewandelter Form und mit anderem Namen ja auch bei anderen Herstellern vermarktet werden - und wie es derzeit aussieht, auch in Zukunft auf dem Vormarsch sind..

Gruß Paco
 

beagleboy

Premium Mitglied
Axis Lock

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, daß der Axis Lock nicht bei allen Modellen gleich gut ist.
Bei mehreren Griptilians, die ich in der Hand hatte, war die Entriegelung recht schwergängig, aber da die Qualitätsanmutung insgesamt (für mein Empfinden) auch etwas hinter den anderen BMs zurückbleibt, hat mich das nicht gewundert.
Bei meinem BM 730, 705 und 942 ist der Axis Lock jedenfalls absolut tadellos, und beim 770 hat die (für mich) leicht erschwerte Bedienung (womit ich keine höhere Bedienkraft, sondern eher eine leichte Tendenz zur "Fummeligkeit" meine) nur mit der kleineren Ausführung des Knopfes zu tun, wobei ich aber dazusagen muß, daß ich da auch keine Eingewöhnungszeit hatte, was sicherlich für den subjektiven Eindruck auch viel ausmacht.