Moes Anfängerfragen Folge 23: Messer aus einer alten Feile machen?

Flaming-Moe

Mitglied
Wie genau krieg ich das Ding auf eine halbwegs bearbeitbare Härte?

Weichglühen, nehme ich an!?!??

Wie lange, bei welcher Temperatur?
Kann ich das in der Glut eines Grills machen? :D
Wie langsam sollte das Ding abkühlen lassen???

Mir ist am Wochenende ein wahres Prachtstück von einer alten, angerosteten, riesenhaften Feile (der Griffstummel ist schon abgebrochen) ca. 300 x 40 x 8 mm in die Hände gefallen... :hehe:
 

Claymore

Mitglied
Hallo Moe,

halbwegs bearbeitbar mit was ?
Mit Feilen per hand, dann ist weichglühen angesagt.
Wenn du schmiedest ergibt sich das von selbst
:steirer:
mit nem guten Bandschleifer mit kühlung wär das net notwendig, da geht das schleifen auch im gehärteten zustand ohne das die feile unbedingt an härte verliert (ist allerdings nicht der beste weg)
Weichglühtemperatur bei den Feilenstählen so um 680 °C +/- in abhängigkeit des Stahles.
=> Dunkelrot/rotglut
Wenn du bis zur austenitisierungstemp gest (stahl wird nichtmagnetisch) und langsam abkühlst hast du auf jeden Fall den Martensit zum größten teil weg.
=> Rotglut.
Mit dem Grill sollte gehen (Holzkohlegrill)
schönes tiefes glutbett anlegen, die kohle sollte schön gleichmäßig glühen die feile gut einbetten und dann ausgehen lassen ohne Luftzufuhr.
ggfls. die Feile vor randendkohlung schützen (härtefolie), bzw. einpacken in einen Mantel aus geschlämmten ton, oder feuerfestem Mörtel (Schamotte)
Normalerweise passiert das im holzkohlefeuer noch dazu ohne luftzufuhr zwar nicht, aber wenn mann's zum ersten mal macht kann es nicht schaden.
das dauert etliche stunden, danach ist die feile garantiert weich und du brauchst dir um die definierten Abkühlraten keine gedanken zu machen.

eine andere Möglichkeit wäre die feile mit einem Schweissbrenner bis auf rotglut (je nach Umgebungslicht bis leicht hellrot) erwärmen und dann in Holzasche einpacken, die evtl. zuvor angewärmt wurde.
Nach 10-12 stunden sollte die feile immer noch gut handwarm sein und weich dazu.

Bei dieser größe der feile könnte es sein, das sie einsatzgehärtet ist, was bedeutet nur eine dünne Randschicht war hochkohlenstoffhaltig, der Kern dagegen nicht.
Das wär schlecht fürs spätere messer.
Test:
Feile trennen Schnittflächen feinschleifen und ätzen (Batteriesäure)
Wird die Stirnfläche gleichmäßig grau, glück gehabt.
hast du einen farblich abgesetzen Äüßeren rand ca. 1 mm stark war sie einsatzgehärtet.
Schau mal ob du eine Prägung, einen stempel auf der Feile siehst zur bestimmung der Marke.
Dick, Pferd, Nicholson etc. = Qualitätsfeile
Ohne bestimmung = ggfls. ausprobieren.


viel spass
und glück

gruß

Peter
 

Flaming-Moe

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Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Ich muß die Feile erstmal sauberbürsten, bevor ich da ein Logo erkennen kann...

Ich werd dann wohl am Wochenende mal wieder den Grill anfeuern...