Messergeschichten / Messertraditionen

neo

Mitglied
hallo!
Es wäre doch ganz nett, wenn wir hier in diesem Beitrag persönliche, lustige oder kuriose Messergeschichten / Messertraditionen sammeln könnte!!

Also ich kenne zum beispiel den Brauch, daß man ein messer nie verschenkt, denn man sagt dann zerschneidet es die freundschaft. Aus diesem Grund gibt einem der Beschenkte als gegenwert zumindest eine Münze (meist Pfennig oder jetzt Cent)!! Weiß jemand wo dieser brauch herkommt??

Des weiteren sagt man, daß wenn man sich das erstemal mit einem neuen messer schneidet, sich dieses quasi vorgestellt hat. man ist ab da also quasi "per Du"!!
Weiß auch nicht wo das her kommt!?!

was habt ihr so für Geschichten auf Lager??

Gruß neo
 

neo

Mitglied
nee, war nur gerad so ne iddee!!

Langeweile hab ich eh sehr selten!!

Aber schön, daß auch Du noch wach bist, in deinem Alter!!

Gruß neo
 

Nidan

Mitglied
Hi neo,

ich find die Idee interessant, ich mag so Sachen :) Außerdem weiß ich jetzt endlich wieso ich mich an meinen Eigenbauten immer schneid wenn ich sie mach, die wollen nur "Hi" sagen :D

zum Thema : Man darf bestimmte Messertypen nur dann in die Scheide zurückstecken wenn sie Blut gezogen haben (notfalls selber schneiden ;) ). Weiß jemand von welchen Messern das gesagt wird ? Ich weiß es z.B. vom Sgian Dubh.

Der Hintersinn dieser traditonellen Regel dürfte klar sein.
 

neo

Mitglied
Hi Nidan!
Schön das es Dir gefällt!
ich kenne das mit den Klingen, welche erst "Blut geschmeckt haben" und dann erst wieder in die Schiede zurückgesteckt haben nur aus dem japanischen bereich. da gab es auch die Regel, das man wenn man ein schwert gezogen hatte, dieses auch einsetzten mußte, weil es sich sonst gegen einen selber richtete!!

Ebenso gab es bestimmte "verfluchte" Schwerter, z.B. eines bestimmten Schmiedes, ich glaube Muramasa hieß der o.ä., dessen Schwerter als perfekt , aber auch besonders blutrünstig galten. Wenn Dich das näher interessiert, müßte ich das genau nachschauen!


Mir fällt gerade nochwas ein:
In Finnland z.B. haben sich die verschiedenen familien an den unterschiedlichen Formen /Mustern der messer/Scheiden erkannt. Wißt ihr wo dsas noch so war??

Gruß neo
 

Nidan

Mitglied
Danke für die Infos, neon. Von so verfluchten japanischen Klingen hab ich auch mal was gelesen.

Den tollen Link von tierlieb hab ich gebookmarkt und werd es mir mal in aller Ruhe durchlesen, scheint wirklich sehr interessant zu sein :super:
 

cearbhallain

Mitglied
nur kurz aus dem Kopf zu den Muramasa-klingen:
Irgendwann ist damit wohl mal ein wichtiger Mensch umgetötet worden. Dann noch ein zweiter. Daraufhin wurden die Erzeugnise dieses Schmiedes als schädlich für die grade herrschende Familie angesehen und per Erlaß vernichtet. Nur wenige entgingen dieser Zerstörung. Sorry für ungenaue Angaben, aber da ich die Namen der Beteiligten Nicht im Kopf habe, muß ich mich etwas unspezifisch halten.

Die Sache mit dem erst wieder zurückstecken, wenn Blut die Klinge berührt haben sollte, halte ich für eine moderne Fabel. Historisch ist mir derartiges noch nicht untergekommen.

Ne ganz andere Geschichte: im nordischen Kulturkreis war es dem vernehmen nach üblich, wenn Mann und Frau, die NICHT miteinander verheiratet waren umständehalber die selbe Bettstatt teilen mußten, die blanke Klinge dazwischen zu legen.
 

luftauge

Mitglied
@ Cearbhallain :

Ich weis nicht, wie genau die Überlieferung ist :

Muramasa und Masamune waren zwei konkurrierende japanische Schmiede, Masamune ein Ehrenmann - Muramasa ein "vierschrötiges" Schlitzohr, die um das beste und schärfste Schwert wetteiferten, darum entschloss man sich zu einem Vergleich.
Dazu wurden Schwerter von beiden in einen Fluss (Bach) gesteckt; um die Schärfe zu vergleichen, ließ man zwei Blätter auf dem Wasser in Richtung der Schwerter treiben.
Masamunes Schwert durchteilte das Blatt in einem suberen Zug :super:, während das zweite Blatt einen grossen Bogen um Muramasa Schwert machte :haemisch:
Und danach war Muramasas Ruf wohl hinüber, bzw. restlos geschädigt.

So steht die Geschichte in Manfred Sachse's Alles über Damast (kleine Ausgabe)

Gruß Andreas/L
 

ingelred

Mitglied
Hi,

ich bin Neumitglied bei Euch, schaue aber schon seit einiger Zeit ständig bei Euch rein.
Kurz zu mir, Messer sammle ich seit ca. 15 Jahren, zuerst Factory, dann Custom und zuletzt alte Stücke.

Kurz zu Messertraditionen:

Der Brauch, bei Verschenken eines Messers eine Münze als Gegenleistung zu geben, kommt meines Wissens aus Spanien im Zusammenhang mit Nayajas.

Zum Thema Masamune - Muramasa:

Meines Wissens war Muramasa ein Schüler von Masamune.
ImGegensatz zu den meisten anderen Schmieden war er aber der MIenung, dass ein Schwert am lebenden Objekt, sprich an einem zu Tode Verurteilten ausprobiert werden musste, daher sein Ruf als blutdürstig.
Muramasas Klingen wurden von den Tokugawa-Shogungen endgültig in Verruf gebracht, da ein Tokugawa-Shogun sich wohl übelst an einer Muramasaklinge verletzt hatte. Außerdem wurde sein Vater gezwungen, Seppuko zu begehen. Dies tat er dann wohl mit einer Muramasaklinge.
Daher auch ihr Ruf als Unglück bringend.

Einen weiteren netten Brauch möchte ich hier noch hinzufürgen, den der Liebesgaben , aus Italien stammend.
Dort haben Frauen ihren Liebsten ein Messer geschenkt, um ihnen zu zeigen, dass jetzt, wo sie zusammen waren, der Mann dafür zu sorgen hatte, das ihre Ehre erhalten blieb.

Dies alles ohne Gewähr.
 

TacHead

Mitglied
@Luftauge: ich habe das Ergebnis des Bachtests genau umgekehrt im Hinterkopf: Muramasas Klinge durchschnitt das Blatt und galt deshalb als "blutrünstig", während das Blatt um Masamuns Klinge herumschwamm, diese also "friedlich" war. Kann mich aber auch täuschen - vermutlich gibt es zig Varianten solcher Geschichten.

@Neo: mein Shabaria hat sich mir im Laden "vorgstellt", als ich es das erste mal in die Hand nahm: Klinge nicht ganz aufgegangen, nachgerutscht, wirklich nur leicht an die Klinge gekommen - das Teil war teuflisch scharf :angst:. Nur gut, daß die Frau von der Feuerzeugzentrale Pflaster da hatte - das Shabaria war natürlich in dieser Sekunde gekauft :D
 

neo

Mitglied
ja TacHead, genau sowas meine ich, das ist typisch! Ich denke das Shabaria wird dein treuer Begleiter bleiben! Wie bist Du zufrieden damit?

@ingelred: ich kennen den Münzbrauch auch aus Rußland. hat sich vielleicht parralel entwickelt.

Gruß neo
 

WalterH

Mitglied
zu Muramasa:

Ich spiel schon seit ewigen Zeiten NetHack (www.nethack.org). Ein Artifakt ist da der "Tsurugi of Muramasa", ne recht nette Waffe. Hat eine signifikante Chance, den Gegner beim ersten Schlag zu halbieren :hehe:

Wie auch immer. in der Newsgroup rec.games.roguelike.nethack kommt immer wieder die Frage nach dem Ursprung des Schwerts auf.

Hier ein recht interessanter Thread dazu:

http://groups.google.com/groups?hl=...29d93&seekm=86lqpo$gjv$1@nnrp1.deja.com#link6

Besonders dieser Link hier duerfte recht interessant fuer euch sein:
http://www.reninet.com/shoshin/tokai2.htm

-Walter
 

luftauge

Mitglied
Abschrift aus "Alles über Damaszenerstahl" M. Sachse :

Masamune :
Berühmter jap. Schmied im 13. Jhd. Sein Widersacher war Muramasa.
Masamune ohne Fehl und Tadel, wie seine Klingen. Selbst die Natur erkannte dies.
...
Bei der Probe hielt Masamune seine Klinge in einen fliessenden Bach. Ein Blatt trieb gegen die Klinge und wurde glatt zerteilt.
...

Muramasa :
Muramasas Klingen galten als böse und blutrünstig.
Sie wurden z.T. schon damals vernichtet, da man glaubte, dass sie Unglück bringen.

Das ist teilweise abgeschrieben, ich habe beim nachlesen festgestellt, dass in der entsprechenden Passage zum zweiten Blatt ein eigentümlicher Fehler enthalten ist, der beim Stichwort Muramasa klargestellt wird.
Wer das Buch hat kann es nachlesen, denn das zweite Schwert ist laut Text auch von Masamune, da hat irgendwer einen Fehler gemacht, der so im Buch steht... :hmpf:
Vielleicht gibt es noch ein anderes Buch, in dem diese Geschichte erzählt wird.

Gruß Andreas/L
 

neo

Mitglied
Woher kommt eigentlich der Ausdruck:
Das Messer ist ja so stumpf, da kann man drauf nach Finnland reiten!
?
Gruß neo
 

tolegen

Mitglied
Coole Idee von Dir Neo

Die Sache mit dem verschenken von Messern kenne ich auch, was mich aber noch nie davon abgehalten hat eines zu verschenken.
Ein geschenktes Messer soll angeblich die Freundschaft zerschneiden, deswegen soll es zumindest symbolisch gekauft oder getauscht werden. Ich bevorzuge tauschen; heißt "He Martin hier ist dein Geburtstagsgeschenk, gib mir mal ne Kippe(Ich rauch nämlich ganz gern). Klappt erfahrungsgemäß auch, denn ich bin noch mit allen Beschenkten befreundet.
Die Sache mit dem Pfennig ist übrigens eine Idee der Schweizer Victorinox und Wenger die, zumindest früher, sicherheitshalber einen Rappen in jeden Karton gepackt haben.
Dieser Glaube ist übrigens noch viel weiter verbreitet, denn einer meiner besten Freunde, ein Kasache dessen Namen ich hier benutze, erzählte mir das es in Kasachstan den selben "Aberglauben"(Man kann ja nie wissen) gibt und Türcken,Serben und Araber kennen das auch(Vielleicht ist ja doch was dran?).

Mit Krisen soll man übrigens auf keinen Fall, nicht mal zum Spaß,auf einen Menschen zeigen, da diesem sonst schweres Unglück wiederfährt. Ein Kris soll nur an einem guten Tag geschmiedet werden da er sonst ebenfalls ein Unglücksbringer wird. Auch ein unrechtmäßig angeeigneter Kris soll Unglück bringen.

Kleine Geschichte (wahr)
Vor ein paar Jahren kannte ich einige Niederländer die in O. (wie Ich) studierten. Einer von ihnen, ein Holländer aus Sandbort(kein Knifenut/Auch KEIN Spinner), erzählte mir folgendes.
Sein Nachbar den er seit Kindertagen kennt ist ein Indonesier. Dieser(wohl ein Knifenut/besitzt wohl eine gute Sammlung traditioneller indonesischer Waffen) bekam einen historischen, wohl 200 Jahre alten Kris unbekannter Herkunft geschenkt. Irgendwie begann von diesem Zeitpunkt an der Haussegen bei ihm schiefzuhängen. Seine Kinder wurden krank, alle mögliche Sachen im Haus gingen plötzlich in unnatürlicher Häufung kaputt, Menschen seiner nächsten Umgebung fingen plötzlich an sich mit Ihm rumzustreiten, miese Stimmung machte sich deutlich bemerkbar(Arjan bestätigte das sogar er die Veränderungen in den Lebensumständen seines Nachbarn und Freundes mitbekam).
Irgendwann kam sein Nachbar auf die Idee das es erwas mit dem Kris zu tun haben könne. Er nahm ihn auf seiner nächsten Reise nach Indonesien mit um Nachforschungen anzustellen.
Dabei kam heraus das mit diesem Kris mehrere Hinrichtungen durchgeführt wurden und er danach seinem urprünglichen Besitzer gestohlen wurde.
Der Indonesier konnte die Familie des ursprünglichen Besitzers ermitteln und gab ihnen den Kris zurück.
Seit dieser Zeit renkte sich alles wieder ein, die Kinder wurden gesund, der häusliche Friede wiederhergestellt.
Mein Holländer(der ein Ingenieur ist und beileibe nicht herumläuft und Spinner oder Spukgeschichten erzählt) versicherte mir eindringlich das jedes Wort dieser Geschichte war ist und es sich auch mit seinen Beobachtungen (des Lebens seines Freundes und Nachbarn) deckt.

Ein guter Kris klappert übrigens in der Scheide sobald seinem Besitzer Gefahr droht(Nimm mich raus du brauchst mich gleich)!
So einen hätte ich gerne!!!

Übrigens NEO
der Spruch stammt von meinem Vater und heißt im Orginal"Die Klinge ist ja so stumpf, auf der kannst du ja bis nach Laremie reiten"

P.S. Wir wollen mal nicht vergessen das laut Ulki auch die Nogales Klingen von Cold Steel mythische Kräfte haben!

Freue mich auf noch mehr Geschichten.

Gruß
 
Zuletzt bearbeitet:

Guenter

MF Ehrenmitglied
Hier die Version von Masamune und Murasame, wie ich sie kenne:
Murasame war Schüler von Masamune und bildete sich irgendwann ein, er sei jetzt besser als sein Lehrmeister (soll häufig vorkommen :rolleyes: ). An seinem Schwert zerteilte sich das Blatt, um Masamunes Schwert machte das Blatt einen Bogen, weil es die fürchterliche Schärfe schon vorher fühlte.
Zum Thema Blutrünstigkeit kenne ich auch ingelred's Version.
 

maxkos

Mitglied
@neo
Meines Wissens nach ist es auch bei den Gurkhas die Regel, daß wenn sie ihren Dolch ziehen, dieser auch Blut schmecken muß. Das scheinen die auch ernst zu nehmen - in der Vergangenheit setzte Großbritannien seine Kompanien aus nepalesischen Gurkha-Kämpfern immer recht erfolgreich in diversen Konflikten ein.

Gruß maxkos :D