Manly Wasp und der CPM-Aufschlag oder wie entscheide ich mich richtig

brikler

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grüß euch,

ich brauch mal eine entscheidunghilfe:
es geht um so eins https://www.manly-bg.com/catalog/2224418_wasp_orange.html und man muß bei der klinge zwischen sandvik12c27 und einem cpm s90v wählen. die variante mit cpm s90v ḱostet 27€ mehr.

wenn ich D2 anstatt 12c27 wählen könnte, würde ich mich für den D2 entscheiden, aber die wahl gibts nicht und jetzt frag ich mich, ob die +27€ gut angelegt wären?
beide varianten sind auf 60/61 hrc gehärtet, das gibt also auch keinen anhaltspunkt für mich…
nun, ich reiche die frage an euch weiter, was meint ihr?
 

Harry_W

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AW: manly wasp und der cpm aufschlag oder wie entscheide ich mich richtig^^

Geh mal davon aus, dass die CPM S90V Klinge etwa 2-3 mal so schnitthaltig ist wie die 12C27 Variante. Ob dir das den Aufpreis wert ist, kannst nur du selbst entscheiden. Zu bedenken ist aber auch, dass S90V alles andere als leicht nachzuschärfen ist. Also WENN die Klinge mal stumpf ist (was bei vernünftiger Nutzung sehr lange dauert), dann ist sie nicht mal eben schnell auf einem x-beliebigen Stein nachgeschärft. Passendes Schärfequipment und eine halbwegs vernünftige Technik braucht es schon für S90V und vergleichbare Stähle.
Was ich dir sagen kann, ist, dass 12C27 ein ordentlicher Klingenstahl ist und vergleichbar mit 440C oder 8Cr13MoV ist. Also nichts überragendes, aber ein ordentlicher und ehrlicher Klingenstahl. Er lässt sich leicht nachschärfen und nimmt für einen rostträgen Stahl eine recht hohe Endschärfe an.
 

TheLem

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AW: manly wasp und der cpm aufschlag oder wie entscheide ich mich richtig^^

Der Aufschlag ist gut angelegt, wenn Dir die S90v Klinge 27€ mehr wert ist. So einfach ist das.

Ich habe meiner 3 Jahren alten Tochter damals das Wasp mit der S90v Klinge geschenkt. Ein reiner Vernunftkauf.:D

Betrachte es mal so, welche Messer kennst du zu diesem Preis mit S90V Klinge?

Das relativiert für mich den Mehrpreis.


Gruß

The Lem
 

Rock'n'Roll

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AW: Wanly Wasp und der CPM-Aufschlag oder wie entscheide ich mich richtig

Mit Crucible CPM S90V und Sandvik 12C27 stehen hier zwei absolut gegensätzliche Stähle zur Wahl: Ein hochlegiertes Karbid-Monster und ein ungemein feinkörniger Stahl. Mit anderen Worten, man entscheidet sich zwischen einem sehr lange schnitthaltigen Stahl, der - wie schon erwähnt - Ansprüche an das Schärfen stellt und nicht für seine Zähigkeit berühmt ist.

12C27 dagegen muß häufiger geschärft werden, was aber sehr einfach vonstatten geht, wobei die Klinge sich leicht auf höchste Schärfe bringen läßt. Der Stahl verträgt sehr feine Schneiden, ist aufgrund seiner Feinkörnigkeit schön zäh und neigt nicht zu Ausbrüchen. Man kann ihn nicht mit 440C vergleichen, der eine deutlich gröbere Karbidstruktur zeigt.

Über die Qualitäten von 12C27 (und anderen Sandvik-Stählen) berichtet Larrin Thomas in seinem Blog "knifesteelnerds" unter dem Titel „All About AEB-L“in aller Ausführlichkeit - unterstützt von aussagekräftigen Grafiken und Bildmaterial.

R’n‘R
 

TheLem

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Und neben den mal wieder von R‘n‘R fundiert herausgearbeiteten Informationen kommt dann noch die Praxis. Das Wasp ist nämlich sehr dünn ausgeschliffen und hat nur eine sehr kleine Anschliffphase.

Ich kann problemlos mit den feinen Stäben des Spyderco Sharpmakers und mit einem Leder das Messer zum Haarespalten bringen. Das ist für mich dann doch eine Erleichterung, wenn nur 0,3 mm hinter der Wate stehen und nicht ein ganzer mm.

Erwähnenswert ist aber, dass das Messer bei mir schlecht geschärft mit deutlich umgelegten Grad ankam.

Also musste ich gleich nachschärfen und wurde positiv überrascht.


Gruß

The Lem
 

brikler

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@all
danke schön :)
also so wie ichs verstanden hab: der cpm aufschlag ist es eigentlich nicht wert, denn der sandvik ist der bessere klingen stahl, aber andererseits kann man mit dem cpm angeben :cool:
 

TheLem

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Hallo!

So sehe ich das zwar nicht und würde Deine Aussage so nicht unterschreiben, aber wenn das der Schluss ist, den Du für Dich ziehen kannst, dann ist Dir ja geholfen.

Viel Spaß mit dem Manly!!

Gruß

The Lem
 

Rock'n'Roll

Premium Mitglied
Es kommt - wie immer - darauf an, was man mit dem Messer machen will. Muß man den ganzen Tag Karton schneiden, rentiert sich der CPM S90V schon deshalb, weil man nicht andauernd nachschärfen muß. Soll das Messerchen aber - und so wird es ja in der Regel aussehen - als EDC dienen, also hier mal einen Umschlag öffnen, Scheibe Wurst, Apfel schälen, bissi rumspielen, wäre meine Wahl der 12C27.

Auch dieser Stahl wird nicht beim ersten Scheibchen Hartwurst stumpf, sondern hält seine Schärfe recht gut. Wenn man ihn dann schärfen muß, ist es keine unliebsame Rackerei. Simples Abziehen führt hier bereits zu besten Ergebnissen. Mein schlagendes Argument ist die Zähigkeit, die bei einer Klinge mit eher filigraner Geometrie Ausbrüche verhindert.

Der CPM S90V liegt in punkto Zähigkeit beispielsweise unterhalb von S30V oder D2. Die Franzosen lieben 12C27 und viele ihrer rostträgen Messer sind damit bestückt. Laguiole beispielsweise und insbesondere auch die schlanken und schneidfreudigen Klingen von Opinel :super: ...

R'n'R
 

Rock'n'Roll

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Daß man 12C27 nicht unterschätzen sollte, zeigt auch dieses nette Arbeitsgerät. Der französische Werkzeughersteller Facom - bekannt für gute Qualität - verkauft unter dem Namen „COUTEAU TOUT INOX A MOLETTE 840 LEPB“ ein Messer aus Ganzstahl mit einer Klinge aus 12C27.

Mein Freund Smith von der Tankstelle gegenüber hat eines seit mehr als 20 Jahren in der Werkstatt im Gebrauch. Und er geht nicht zimperlich damit um. Ich hatte es mir mal angesehen. Die Klinge hat schon leichte Wellen entlang der Schneide. Aber null Ausbrüche :super:!

Er hat mir vor einigen Jahren eines geschenkt. Hier mal vorgestellt.

Ich habe es gerade mal inspiziert und hinter der Wate nachgeschaut: 0,31 mm zeigt der Digitale. Und so sieht es aus …





R’n‘R
 

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Rock'n'Roll

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Werfen wir zur Veranschaulichung der Toughness-Relationen noch einen erhellenden Blick auf die folgende Grafik aus dem Knifesteelnerds-Blog:



Wir finden ganz oben Bohler Uddeholms AEB-L. Der ist mehr oder weniger identisch mit Sandviks 13C26 und weitgehend auch mit 12C27.

AEB-L: C: 0,67 Cr: 13,00 Mn: 0,60 Si: 0,40
13C26: C: 0,68 Cr: 13,00 Mn: 0,70 Si: 0,40
12C27: C: 0,60 Cr: 13,50 Mn: 0,40 Si: 0,40

Ganz unten auf der Grafik sehen wir D2. CPM S90V ist nicht auf der Grafik. Aber wir wissen von Crucibles Datenblatt, daß dessen Toughness noch unter der von D2 liegt.

Bei der Wear Resistance sieht es geradezu umgekehrt aus …

R’n‘R
 

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brikler

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@R’n‘R
danke schön :)

fürs erste hab ich mich für die variante mit cpm entschieden.
allerdings, obs bei mir bleibt, das ist noch offen
 

excalibur

Super Moderator
fürs erste hab ich mich für die variante mit cpm entschieden.
allerdings, obs bei mir bleibt, das ist noch offen

.....und das finde *ich* wiederum eine recht klingonisch anmutende Äußerung Deinerseits:confused:
Ich finde Deine "Forenberater" haben sich hier für Dich ordentlich ins Zeug gelegt und Dir Vor-und Nachteile recht objektiv aufgezeigt.
Die Tauglichkeit für Dich wird sich erst nach intensiver Nutzung und ersten Nachschärfversuchen zeigen - und dann willst Du es eventuell zurück geben?

mit vielen ????
Excalibur
 

Rudi_57

Premium Mitglied
Servus R'n'R,

besten Dank für den Hinweis auf das Facom Messer, werde ich mir beim nächsten Frankreich Aufenthalt sicher besorgen.
Ist in D anscheinend schlecht zu kriegen.
Ich arbeite oft in Westafrika mit Facom Werkzeugen, die müssen sich vor deutschen Top - Herstellern garantiert nicht verstecken.

@ brikler, eigentlich ist zu den Stählen alles gesagt.
Ich habe mehrere französische Regionalmesser, die fast durchweg
12C27 Klingen haben, zum Brotzeit, sprich casse croute, machen,
auch mal in der (Behelfs-) Küche etc. Werden sehr scharf, lassen sich auch
im Notfall auf Flusskieseln für den o.g. Gebrauch schärfen.
Mein Outdoor - Messer ist vom Reinhard Müller, aus CPM 420V, heute heißt der S90V.
Das gebe ich, ehrlich gesagt, Fachleuten zum Schärfen. Ist aber äußerst selten nötig.

Gruß
Rudi
 

Rock'n'Roll

Premium Mitglied
Weil wir gerade dabei sind und Bilder sich besser einprägen als Worte, hier noch eine kleine Anleihe aus Larrins Blog.

Zunächst die Gefügebilder von 440C (Bild 01) und AEB-L bzw. 13C26 (Bild 02), die die Karbid-Größe zeigen. Der Unterschied der „Klunker“ ist bereits hier deutlich. Leider steht kein Gefügebild vom CPM S90V zur Verfügung. Aber die Tendenz sollte klar sein.

01 440C.jpg 02 13C26.jpg


Dann noch eine kleine Übersicht bezüglich der Edge Retention. Hier sehen wir bei vergleichbarer Härte die unterschiedliche Widerstandsfähigkeit der aufgeführten Stähle gegen Abnutzung. AEB-L findet sich weit unten. 440C würde wegen seiner vergleichsweise bereits großen und harten Karbidbrocken etwa doppelt so lange Karton schneiden wie AEB-L oder 12C27.

03 AEB-L - Edge Retention.jpg

Dennoch übertrifft AEB-L immer noch einen 1086 oder 52100 in dieser Disziplin. Jeder mag daraus die für sich passenden Schlüsse ziehen …

R’n‘R
 

brikler

Mitglied
.
Ich finde Deine "Forenberater" haben sich hier für Dich ordentlich ins Zeug gelegt und Dir Vor-und Nachteile recht objektiv aufgezeigt.
Die Tauglichkeit für Dich wird sich erst nach intensiver Nutzung und ersten Nachschärfversuchen zeigen - und dann willst Du es eventuell zurück geben?

oh ja, die beiträge waren auch sehr hilfreich, aber damit weiß ich noch nicht, obs mir taugt, das hat nichts mit dem stahl zu tun …wenn nicht, gehts wieder dahin, wos her kam.

a propos stahl, ich dachte cpm würde für eine feine struktur sorgen, ohne monster karbide?
 

Rock'n'Roll

Premium Mitglied
Die Pulvermetallurgie sorgt zwar für kleinere Karbide, aber Stähle ohne oder mit sehr wenigen Legierungsbestandteilen sind halt trotzdem bezüglich ihrer Feinkörnigkeit überlegen ...

R'n'R
 
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