M390 - Richtversuche

Jorgo

Mitglied
Hallo ! haben uns zu ersten Mal am Böhler M390 versucht . Ausgangssituation : Ließen uns ein paar Rohlinge rausslasern . Ja - vielleicht schon Fehler Nr: 1?! Da diese Rohlinge alle relativ stark verbogen waren ( ca. 0.8 mm ) , wollten wir Diese vor dem Entfernen des Zunders ( mittels Flächenschleifmaschine ) noch richten . Der erste Richtversuch verlief nicht so gut . Kurzes Andrücken - und PING !
Nach der ersten ( innerlichen ) Beruhigung probierten wir einen Richtversuch an einem Teil , dass mit dem Laser noch nicht in Berührung kam . Dieses Teil ließ sich deutlich mehr durchbiegen , als dass Teil , welches einer Laserbehandlung unterzogen wurde . Um Es auf den Punkt zu bringen : Schön langsam vermuten wir , das dieser " M390 " so eine geringe Streckgrenze hat , das man(n) ihn nicht richten sollte ??! Etwas anderes fällt uns momentan nicht ein . Er läßt sich problemlos feilen , bei Durchbiegung ( Spindelpresse , seitliche Hammerschläge ) fliegen die " Fetzen " .
Ich hoffe , ich habe dieses " Phänomen " einigermaßen erklären können ?!
Zusammensetzung : C 1.9 / Si 0.7 / Mn 0.3 / Cr 20 / Mo 1.0 / V 4.0 / W 0.6 %

Grüße Jorgo



P.S: Ja , momentan testen wir verschiedene Varianten der " M " - stähle aus . Siehe " M340 - Härteversuch " + Bilder !:steirer:
 

sanjuro

Mitglied
......haben uns zu(m) ersten Mal am Böhler M390 versucht...... Ließen uns ein paar Rohlinge rauslasern......Da diese Rohlinge alle relativ stark verbogen waren (ca. 0.8 mm)..... wollten wir diese.......(mittels Flächenschleifmaschine) noch richten.....
Nur um zu prüfen, ob ich das richtig verstanden habe: die Rohlinge waren relativ stark verbogen? Du gibst nicht an, wie lang sie sind, aber weniger als 1 mm Verzug wäre bei einer Klingenlänge von - angenommen - 100 mm nicht viel. Ein geübtes Handwerkerauge sieht das vielleicht gerade noch.

Habe ich das auch richtig verstanden, dass Du mit einer Flächenschleifmaschine durch Materialwegnahme 'richten' möchtest? Ich vermute, dass Du damit das Problem der unerwünschten Spannung nicht ausgleichen kannst, es wird sich wohl durch die Wärmebehandlung wieder zeigen.

Gruß

sanjuro
 

Jorgo

Mitglied
Hallo ! Das mit der Flächenschleifmaschine habe ich vielleicht nicht ganz so richtig formuliert ( sorry ) . Meinte , dass ich nach dem Richten die Klinge mithilfe der Flächenschleifmaschine vom Zunder befreie .
Abmaße vom Messer : Gesamtlänge 195 mm , Klingenhöhe ca. 34mm , Klingenlänge ca. 85 mm , Materialstärke 4,4 mm . Durchbiegung - Übergang Schneide - Griff 0.8 mm ( mit Fühlerlehre gemessen ) .
Wenn ich jetzt an der Spindelpresse diese 0,8 mm auf zimlich " 0 " bringen möchte , muß ich wegen des Federeffekts natürlich mehr vorspannen .
Probierten zuerst ca. 10 mm , dann ca. 15mm . Kontrollierten dann die Planität - und nichts war passiert . Gingen dann auf geschätzte 25mm - und PING ! , wir hatten wieder 2 Teile .
Jetzt vermuten wir eben , dass so ein PM- Stahl so eine geringe Streckgrenze ( ? ) hat , dass er es nicht mag , wenn man ihn z.B durchbiegt ?!
Uns wundert halt , dass sich ein ungehärteter Stahl so verhält .

Was nochmal die Flächenschleifmaschine betrifft : Durchaus möglichen Verzug nach dem Härten , hätten wir wahrscheinlich schon mit dieser korrigiert .

Grüße Jorgo
 

ChristophR

Mitglied
Jorgo,

Du biegst ein gerade mal 200mm langes Stück 25mm durch ? habe ich das so richtig verstanden?
Und das nach dem Lasern wo ja schon der Randbereich "gehärtet" ist, Denke ich jedenfalls.

Ich richte meine Stähle indem ich sie auf zwei Klötze lege und mit dem Handballen auf den Bauch des Stahls drücke...ohne Probleme . Das mache ich auch bei S90V so.

Gruss Christoph
 

Jorgo

Mitglied
Hallo !
Ja , und bei einem ungehärtetem Stück Metall sollte auch Nichts passieren ( denke ich ) . Außer , dass ich dann die Durchbiegung auf der anderen Seite habe .....
Wie gesagt : Durch diesen " Rückfedereffekt " war es nötig das Material so stark vorzubiegen , dass überhaupt etwas passiert .
Nur : Ab einer gewissen Grenze reißt es ab . Und das ist sonderbar - finden wir .
Was das Richten an sich betrifft : Haben eine Spindelpresse , legen zwei Unterlagen unter die äußeren Punkte des Materials , und drücken dann auf den höchsten Punkt .
Man kann dieses Material in den Schraubstock spannen , und seitlich mit dem Hammer draufschlagen . Mat. biegt sich kurz , dann nach härteren Schlägen, fliegt es weg ?!
Und , dass das Lasern Schuld daran hat , glaube ich auch fast nicht mehr .
Haben die selben Versuche an einem ungelasertem Stück gemacht .
Ab einem gewissen Grad ist es auch abgebrochen ( auch ca. 25 mm Durchbiegung ) . Und der seitliche " Hammerschlageffekt " war auch der Gleiche .

Vermutlich ist ein S90 V was Durchbiegung betrifft einfach etwas " gutmütiger " ?!


Grüße Jorgo
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Viel mehr als Spekulieren kann man hier wohl nicht, da einfach zu viele Faktoren unbekannt sind.

Waren die Stücke vor dem Herauslasern der Form gerade oder wiesen sie schon die Verbiegung auf ?.
Wären sie gerade gewesen, so wäre klar, daß der Verzug durch den Wärmeeintrag und die Spannungen durch die Randhärtung eingetreten ist.

Waren sie schon vorher verzogen, so könnte der Verzug einfach durch Biegebeanspruchungen -etwa beim Transport oder wie auch immer- entstanden sein.

Wenn im zweiten Fall der Stahl beim Richten gebrochen wäre, läge der Grund wohl tatsächlich in mangelnder Zähigkeit.
Im ersten Fall ist aber sicher eine Beeinflussung durch gehärtete/überhärtete Randzonen in Betracht zu ziehen.

Daß dei Klingen mit einem "Pling", also einem hellen, scharfen Laut gebrochen sind, spricht für die "Teilhärtethese".

Eine Abhilfe läge in beiden Fällen in einem Weichglühen und/ oder Richten in der Weichglühhitze.

Der angesprochene Gedanke, daß der Stahl Biegung ohnehin nicht gut verträgt, hat auch einiges für sich.
Wenn man sich das Eisen-Kohlenstoff-Diagramm anschaut, sieht man, daß ein Stahl mit soviel Kohlenstoff einen enormen Anteil an Karbiden hat. Dieser Anteil wird durch die hohe Legierung mit Sonderkarbidbildnern noch erhöht.
Im weichgeglühten Zustand dürfte das Material zu mehr als 30 % aus freien Karbiden bestehen.
Diesen Zustand kann man mit einem Beton vergleichen, der sehr viel Kies und wenig Zement enthält oder einem Material, das - wie Roman es mal formuliert hat- viele Zähne und wenig Zahnfleisch hat.
Die Bindung zwischen Karbid und Grundmasse ist aber eindeutig schwächer, als die Bindung in der Grundmasse selbst.

Das kann dann schnell zu Brüchen bei Biegebeanspruchungen führen.

Die Streckgrenze kann dabei durchaus hoch liegen. Sie gibt ja nur an, bei welcher Spannung ein Material sich um einen bestimmten Betrag bleibend verformt. Problematisch ist es, wenn die Spanne zwischen Streckgrenze und Bruchfestigkeit gering ist. Das wird bei allen hoch- und höchst karbidhaltigen Stählen der Fall sein.

Zwei Lösungsvorschläge:

1. Vor dem Richten auf dunkelrot erwärmen und bei dieser Temperatur richten.
Wenn es auf exakteste Einhaltung der Maße ankommt, danach spannungsarmglühen und dann härten.

2. Mit einem gewissen Übermaß arbeiten und erst mal abwarten, ob sich der Verzug beim Härten bessert-oder verstärkt. Bessert er sich, kann der Rest durch Überschleifen beseitigt werden. (Muß ich dazu schreiben, daß man dabei eine Überhitzung vermeiden muß ?).

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 

Jorgo

Mitglied
Guten Abend !

Danke Meister ! Viel mehr kann man , denke ich , nicht zu diesem Thema sagen !

Habe jetzt , was diese Situation betrifft , fast meinen innerlichen Frieden gefunden .

Danke nochmal Jorgo
 

Damascener

Mitglied
Huhu!

Meine Erfahrung mit pulvermetallurgischen Stählen ähnlicher Bauart ist jene, dass durch die klaren Korngrenzen ein stark verminderte Bruchfestigkeit bzw. Elastizität vorprogrammiert ist. Man merkt dies deutlich beim Kerbschlagversuch. Das merkt man alleine schon bei Fräsbearbeitungen, bei denen kleine Ecken an der Randzone nicht sauber weggefräst werden, sondern kleinräuming ausbrechen wenn das Werkzeug etwas stumpf ist.Wenn du ein solches Material ausrichten willst, dann geht das nach meiner Erfahrung nur über die Druckfestigkeit, welche dieses Material durchaus besitzt. Nimm die Klinge und lege sie über eine minimal hohle Fläche (z.B. einen leicht hohlen Amboss) und bearbeite die buckelige Seite mit flachen und dosierten Hammerschlägen. Idealerweise wärmst du den Amboss oder die Unterlage vorher mit einem glüghenden Stück Stahl vor. Auch die Klinge sollte nicht kalt sein. So habe ich zumindest meine Teile immer ohne Bruch gerade gerichtet.

Das Schlimmste was du diesem Material antun kannst ist es fix einzuspannen und ihm einen starken Schlag mit großer Hebelwirkung zu versetzen. So kann mann z.B. eine massive Welle von 30 mm Durchmesser, welche nur 5 mm angesägt ist spielend leicht von Hand abbrechen.
Ich hoffe du kannst deine Probleme dadurch lösen.

Gruß Dama
 

Jorgo

Mitglied
Hallo !

Äußerst interessanter Vorschlag !
Ich befürchte nur , dass diese Richttechnik ein etwas " geübteres Schmiedehändchen " erfordert .
Da dieser Werkstoff nicht unbedingt günstig , und die vorhandene Materialmenge eher gering ist , möchte ich nicht zuviel experimentieren

Aber , danke nochmal für diesen Tip !

Grüße Jorgo