Lufthammer Eigenbau mit Drehschiebersteuerung

Holgi

Mitglied
Guude!

Ich baue mir im moment einen Lufthammer selber.
Es könnte ja sein, daß jemand auch so einen (oder so ähnlich) bauen will, deshalb stelle ich das hier mal rein, bis er fertig ist. Das wird aber noch ein paar Tage (also wohl Monate) dauern.
Mit Drehschiebersteuerung habe ich nämlich noch keinen entdeckt. Alle anderen entweder elektropneumatisch oder mit mechanischen Ventilen gesteuert.

Ursprünglich sollte das eine Werkstattpresse zum Einpressen von Lagern werden. Daher die Ständer mit den vielen Bohrungen und die zwei Traversen.
2004 hatte ich diese Teile schon gefertigt, aber ich benötigte die Presse nicht mehr. Deshalb kam ich auf die Idee, einen Lufthammer daraus zu bauen.
Ich wollte einen bauen wie die "richtigen", also mit Luft- und Bärzylinder und Drehschiebersteuerung.
Pneumatikzylinder hatte ich ausgemusterte schon rumliegen. Bohrung 78x375 Hub als Bärzylinder (Nutzhub jedoch nur 275mm) und Bohrung 102x 160 Hub als Luftzylinder.

Die Drehschiebersteuerung war mir im Prinzip schon klar, wo die Luftkanäle aber wirklich hingehen, konnte man nirgendwo richtig erkennen. Ich habe jede Menge in Büchereien und im Internet gesucht, auch Markus Balbach hat mir mit Unterlagen weitergeholfen, aber das entgültige hat noch gefehlt.
Irgendwo hier las ich mal, daß Torsten das Buch "Schmiedehämmer" von G.Gube hat. Ich werde es mir bei Gelegenheit auch noch anschauen, wenn er mal Zeit hat.
In einem anderen Beitrag hier im Forum ( http://www.messerforum.net/showthread.php?t=32022&highlight=Lufthammer+eigenbau ) entdeckte ich den Tipp, im Europa-Lehrmittel Buch "Industrieschmiede" nachzuschlagen (Beitrag Nr3). Dort wäre die Drehschiebersteuerung genau beschrieben.
Ich habe mir das Buch letztens dann einfach gekauft, kann man nur empfehlen.
Da steht einiges drin, was in anderen Schmiedebüchern nicht steht.

Aber das wichtigste war die Drehschiebersteuerung. Die Funktionsweise ist wirklich super detailiert dargestellt. Jetzt kann ich langsam anfangen, sie zu bauen.

Alle Teile sind aus Schrott- oder Restmaterial oder aus Teilen, die sowieso da waren. Deshalb kann ich keine Kostenangabe machen.
Die Ständer sind aus Doppel-T-Träger 140x70x7.
Die Traversen St52, 140x20x850.
Bär aus 42CrMo4V, 30kg ohne Gesenkaufnahme und Gesenk.
Bärführung aus Guss, vermutlich GG20.
Schabotte aus hochwarmfesten Stahl, ähnlich 1.2344, Gewicht 58kg. Wird auf zwei noch zu fertigenden Traversen mit zusammen 80kg Gewicht verschraubt.
Gesamtgewicht im moment etwa 235kg.
Vorraussichtliches Gewicht nach Fertigstellung ca. 430kg.
Außer den zwei Füßen an den Ständern ist alles geschraubt und verstiftet.

Hier mal ein paar Fotos, wie der Hammer bis jetzt aussieht. Manche Bilder sind etwas verwackelt.

Bärführung mit Schmierkänalen. Abmaße: 193x70x104


Bär. Abmaße 90x87x293, Leisten 48x38x460



Bär mit Führungen


Bär von unten mit Bohrungen zur Gesenkverschraubung.
Gesenkaufnahme kann alle 22,5Grad arretiert werden.


Schabotte 170x190x230hoch. Gesenkaufnahme kann natürlich auch alle 22.5Grad arretiert werden.


Rohbau








Bär in der Führung von unten. Rechts und Links, unten und oben an der Führung kommen noch Ölabstreifer dran.


Und hier zwei 15 Sekunden Filme (mehr kann meine alte Digi-Kamera nicht), Trockenlauf nach Montage, natürlich noch ohne Steuerung, nur mit Druckluft 5 bar.
Die Videos sind leider waagrecht, ich weiß nicht, wie ich das ändern kann.
Müßt Ihr halt Euren Bildschirm nach links kippen ;-))).

Bär mit Luft angehoben und durch Eigengewicht gesunken
http://www.youtube.com/watch?v=I-0_s9g7q2g&feature=channel

Bär angehoben bis Stillstand und mit Druckluft abwärts geschossen.
http://www.youtube.com/watch?v=P_qA6aNqfMQ&feature=channel



Wenn jemand Fragen oder ernstgemeinte Vorschläge hat, her damit.


Gruß aus Mittelhessen,

Holger
 
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bullet101

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Respekt, sieht nach einer Menge, sehr präziser Arbeit aus. Bin gespannt wenn das ganze mal fertig ist.

Viele Grüße

Marcus
 

broihuhn

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hallo holgar, das ganze ist schon beeindruckend. würde mich interessieren, wie du den drehschieber ansteuern willst. eine lineare geschichte wäre wohl am sinnvollsten? mir fällt da athok der rundschieber ein, der auch bei dampfmaschinen anwendung findet. da gäbe es auch die möglichkeit der äußeren oder inneren einströmung. der kann linear gesteuert werden, und braucht keine umlenkung.

grüße uwe;)
 

Mister B.

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Moin!
Das sieht alles sehr präzise und professionell aus. Besonders gefällt mir die 22,5°-Verstellung.
Frage: Wird "er" nicht unter Volllast hoppeln? Bei der Höhe könnte man das ganze doch auch zusätzlich noch unter der Decke befestigen, oder ist das ungünstig, weil dann die Vibrationen etc. auch in die Decke eingeleitet werden?

Gruß Mister B.
 

Holgi

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Guude!

Erstmal danke für Euer Lob, aber das Dingens ist ja noch lange nicht fertig.
So, es geht wieder weiter. Ist zwar nichts spektakuläres, aber dennoch nicht unwichtig: die Abdichtung der Bärführung.
Dazu habe ich mir einen Messerschnitt gebaut (Stanzwerkzeug für dünnes/weiches Material) und die Dichtungen aus einem alten Autoschlauch ausgestanzt.
Der Autoschlauch wird das nicht ewig aushalten, vielleicht werde ich dann mal Leder versuchen.
Wenn der Bär nicht nach oben in die Führung hineinfährt, (dadurch werden dann die Ölkanäle freigelegt, siehe Bild 4), bleibt die Bärführung dicht.
Ich habe jetzt mal 46er Hydrauliköl benutzt, kann sein, daß es auf Dauer vielleicht zu dünn für die Dichtung wird. Ich werde dann 220er Bettbahnöl probieren, oder eine Mischung der beiden Öle, mal sehen.

Auch die Senkungen der Befestigungsschrauben der Führungsleisten am Bär (Bild 4+5 im Beitrag #1) mußten verschlossen werden. Dazu habe ich Stopfen aus Kunststoff gedreht und bündig eingepresst.
Sonst würden die offenen Senkungen die Dichtung zerstören und bei jedem Hub Öl auswerfen.

@Marcus: Bin ich auch gespannt

@Uwe: Wie meinst Du das: ansteuern? Ich will genauso ein Trethebel wie bei anderen Luft- und Federhämmern anbringen, mit dem dann eine Zugstange betätigt wird, die dann wiederum an dem Hebel zieht, der an dem Drehschieber sitzt.
Ich warte noch auf Bescheid, ob ich die Zeichnung veröffentlichen kann (Urheberrecht). Wenn ja. dann stelle ich das hier rein. Dann sieht man, wie der Drehschieber funktioniert.

@Mister B.: Ob er hoppelt, werde ich dann sehen, wenn der Motor und der ganze Kurbeltrieb mit Luftzylinder montiert ist und läuft.
Ich denke aber eher nicht, weil das ein geschlossener Rahmen ist und die bewegten Massen in der Mittel liegen und nicht wie bei Luft- und Federhämmern außerhalb der Mitte (C-Ständer).
An der Decke befestigen wäre nicht so gut, außerdem sind die Ständer nur 2,05m hoch. Der Zylinder ist 2,3m hoch. Das meiste Gewicht wird im unteren Drittel liegen.

@Torsten: Und wenn´s noch so schön ist, es dauert viiiel zu lange :jammer:


Auf der Spindelpresse



Messerschnitt mit Dichtungsklemmplatte und geschnittener Dichtung


Führung oben mit Dichtung


Führung unten mit Dichtung


Stopfen für M6


Stopfen für M8



Gruß aus MIttelhessen,

Holger
 
Zuletzt bearbeitet:

broihuhn

Mitglied
hallo holger, habe mich vielleicht etwas undeutlich ausgedrückt. zunächst braucht es doch die steuerung für den zylinder. die ließe sich imho linear als kolbenschieber ziemlich einfach umsetzen. nun muss die steuerung noch angesteuert werden. z.b. mit einem fußpedal. bei einer mechanischen ansteuerung steht das pedal immer an einem festen platz. ich kann aber über das pedal eine pneumatische ansteuerung zum schieber machen. dies ermöglicht mir, das pedal stets dort zu plazieren, wo ich es am bequemsten bedienen kann. es werden ja eventuell auch einmal längere werkstücke bearbeitet. kann sein, das ich falsch liege? bin mal gespannt auf die drehschieberzeichnung.

grüße uwe
 

Holgi

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Guude!

So, jetzt kann ich mal das Prinzip der Drehschiebersteuerung, so wie ich sie bauen will, hier reinstellen.
Ist leider nur abfotografiert, ich habe keinen Scanner.
Es ist aus dem Buch "Metalltechnik, Industrieschmiede" von Klaus Nawrotzki, Europa Verlag, Europa-Nr: 1101X

http://messerforum.net/fotoalbum/data/500/MF_036.jpg


@Uwe: Hast Du schon mal einen richtigen Hammer gesehen? Die haben eine umlaufende "Reling" zur Fußbetätigung. Genauso will ich es auch machen. Den Drehschieber direkt betätigt und nicht erst nochmal über eine Vorsteuerung. Und so groß werden die Teile nicht sein, daß ich soweit weg vom Hammer stehe, daß ich nicht mehr an das Fußpedal komme.

Gruß aus Mittelhessen,

Holger
 
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broihuhn

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hallo holger, danke für die zeichnungen. nun wird mir das ganze schon klarer. ist aber noch ein schönes stück arbeit, wie es aussieht. viel freude weiterhin!

grüße uwe
 

Holgi

Mitglied
Guude!

@Dietmar: Danke für die Blumen :). Ich will den Hammer bauen, also habe ich auch Durchhaltevermögen :D.
@broihuhn: Jojo, ein großes schönes Stück Arbeit :staun:

Und wieder ein kleiner Schritt in richtung Fertigstellung.
Irgendwann kapiere ich auch, wie das mit den Fotos geht, also kleines Foto im Beitrag, das man anklicken kann.

Aus Mangel an passendem Material für die untere Traverse mußte ich "aus 2mach1" vollziehen.
Also 2 Hälften für je vordere und hintere Traverse. 37mm dick, 168mm hoch.
Gewicht je Traversenseite 39kg. Verschraubt und verstiftet.


Sieht dann montiert so aus


Mit montierter Schabotte


Es sind noch 4 Abstandsstücke mit eingeschraubt, erhöht das Gewicht um 16kg und macht die Traverse auch ein bißchen steifer. Gesamtgewicht Schabotte mit Traversen und Abstandsstücken=152kg.




Und hier noch eine kleine Spielerei so nebenbei. Gravur auf der Schabotte.
Das "Häuschen" ist auch meine Schmiedemarke.



Gruß aus Mittelhessen,

Holger
 

Holgi

Mitglied
Guude!

So, extra für broihuhn Uwe ;)
Das Drehschiebergehäuse ist noch nicht ganz fertig, es fehlen noch die Querbohrungen (rot mit Edding angezeichnet) und außerdem muß ich noch die drei großen Bohrungen ausspindeln. Obendrauf kommt ein Deckel.
Vielleicht wird die Zeichnung aus Beitrag Nr.8 nun etwas anschaulicher.
Größe: Länge 180mm, Breite 96mm, Tiefe 64mm.
2 große Bohrungen Durchmesser 50mmx 34mm tief, mittlere Bohrung Durchmesser 30mmx 34mm tief.

Gruß aus Mittelhessen,

Holger
 

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Holgi

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Guude!

Endlich mal wieder ein kleiner Schritt in richtung Fertigstellung.
Ich habe es endlich geschafft, die Gesenkaufnahmen + Gesenke + Keile anzufertigen.





Gesenkaufnahme unten + Gesenk + Keil




Gesenkaufnahme oben + Gesenk + Keil



Kleine Spielerei: Nonius zum mittigen einspannen der Gesenke




Gesenkaufnahmen von der Unterseite. Obere Aufnahme mit Stiften zum Arretieren alle 22,5°, untere Aufnahme mit Sechzehnkant wie die Schabotte. In die vier Quergewinde (sichtbar nur 3) kommen noch Inbusschrauben mit 90° Spitze, um die Aufnahme auf der Schabotte in der umlaufenden 90° Nut festzuklemmen (siehe oberen Beitrag).




Montiert am Hammer






Obere Gesenkaufnahme mit 4 Schrauben am Bär angeschraubt



Den großen Keil habe ich in der Gasesse von Torsten Pohl gehärtet und angelassen. Ging super, ohne Verzunderung. Die Gesenke und den kleinen Keil habe ich schon vor einiger Zeit in meiner Buchenholzesse gehärtet und im Backofen angelassen. Die Zunderschicht war geringfügig mehr als in der Gasesse.
Gesenke und Keile sind aus 42CrMo4 und die Gesenkaufnahmen aus Material ähnlich 1.2344. Lag halt alles als Rohmaterial so rum.


Guten Rutsch und Gruß aus Mittelhessen,

Holger
 

Torsten Pohl

Mitglied
Und das ist alles handgefeilt meine Herrn,























:D:D:D
nein CNC Gefräßt und einfach nur super sauber gebaut, ich hatte ja nen Teil der Drehschiebersteuerung schon mal in den Fingern und war schwer begeistert von der Präzission mit der Holgi da ans Werk geht.
Auf das Einweihungsschmieden freu ich mich jetzt schon.

Tschau Torsten
 
G

gast

Gast
Manoman, das ist ja besser als alles was ich jemals gesehen habe:super:

Danke fürs zeigen.
Gruss unsel
 

Holgi

Mitglied
Guude!

Mal kurz zwischendurch was zum gugge :p.

Ein Teil des Kurbeltriebes für den Luftzylinder.
Als Schwungmasse 2 Hantelscheiben, Durchmesser 340mm, Gewicht jeweils 20kg. Mit Welle Durchmesser 40mm und den Flanschscheiben sind das gesamt etwa 50kg.
Das Teil vorne mit der Messingscheibe ist der Hubzapfen mit Nadellager.



Die Hantelscheiben sind miteinander verschraubt und verstiftet. An der hinteren äußeren Planfläche habe ich noch ein paar Gewinde M6 eingebracht. Da könnte man eventuell noch Zusatzgewichte oder Ausgleichsgewichte anschrauben.
Die Scheiben sind mit dem Mitnehmerflansch verschraubt. Dieser ist mit den radialen Schrauben mit Mitnehmerflächen auf der Welle verbunden.
Die 2 Kugellager in der Mitte sitzen eigentlich direkt hinter dem Mitnehmerflansch (damit man den Flansch besser sieht nur für´s Foto zurückgeschoben).
Die zwei Ringe mit den Inbusschrauben sind nur Stellringe, damit die Welle in den Lagerböcken sich axial nicht hin und her bewegt.





Gruß aus Mittelhessen,

Holger
 

Heinrich D

Mitglied
Hallo Holger,

saubere Arbeit und echter Maschinenbau,- da möchte man gerne mitmachen.
Ich bin auf den fertigen Hammer gespannt.

Gruß
Heinrich